5 Schritte für den Einstieg ins Clickertraining mit Pferden

Sie können die Fotostrecke mit den Richtungspfeilen der Tastatur bedienen
←   →
Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Teil 1 - Einstieg ins Clickern

Der perfekte Einstieg: Was Sie brauchen

Ganz klar: einen Clicker! Den besorgen Sie sich im Tierfachhandel – denn geclickert wird zum Beispiel auch im Hundetraining. Diese Modelle haben den Vorteil, dass sie leicht zu bedienen sind.

Tipp: Damit Sie den Clicker greifbar haben, aber nicht die ganze Zeit festhalten müssen, können Sie ihn an einem Gummibändchen an der Handinnenfläche befestigen.

Als Belohnung füttern Sie, was Ihr Pferd gerne mag. Prima geeignet sind klassische Leckerli oder Möhrenscheibchen. Bei einer Clicker-Einheit verfüttern Sie in der Regel ein bis maximal zwei Hände voll. Ein gesundes Pferd wird davon also nicht zu dick.

Das Futterlob verstauen Sie fürs Clicker-Training in einer Bauchtasche, die Sie leicht öffnen und verschließen können. Für bestimmte Übungen ist ein Target-Stick nützlich. Das Pferd lernt, dem Stick mit seiner Nase zu folgen.

Tipp: Alternativ können Sie auch eine Fliegenklatsche benutzen.

Laden des Clickers

Los geht’s! Ausbilderin Babette Teschen erklärt, welche Ausrüstung Sie zum Clickern brauchen, wie Sie Ihr Pferd an den Clicker gewöhnen und welche Übungen am Anfang wichtig sind.

**Clicker „aufladen“:* Bevor Sie mit dem Clicker trainieren können, muss Ihr Pferd erst verstehen, dass das Click-Geräusch eine Bedeutung hat. Es gibt zwei Methoden, das dem Pferd zu vermitteln: die klassische Konditionierung und die operante Konditionierung.

Klassisch konditionieren: Stellen Sie sich so dicht vor Ihr Pferd, dass es keinen direkten Körperkontakt zu Ihnen hat, Sie ihm aber mit einer Hand bequem Futter reichen können. Nun clickern Sie und reichen dem Pferd etwas Futter. Es soll die Verbindung „Click = Futter“ herstellen. Wiederholen Sie das zehn bis 15 Mal. Warten Sie danach einen Moment. Schaut Ihr Pferd weg, clickern Sie. Wenn es dann wieder zu Ihnen schaut, ist der Clicker „geladen“: Es hat verstanden, dass auf den Click Futter folgt.

Operant konditionieren: „Im Gegensatz zur klassischen Konditionierung lernt das Pferd bei der operanten Konditionierung, dass Click und Belohnung (kurz: C+B) auf ein richtiges Verhalten folgen“, erklärt Babette Teschen. „Es kann daher ein Vorteil sein, gleich mit dieser Methode zu beginnen.“ Die Übung: Zeigen Sie Ihrem Pferd einen Gegenstand, etwa einen Target-Stick. Immer wenn Ihr Pferd das Target mit der Nase berührt: C+B. Versteht es nicht, dass es das Target berühren soll, halten Sie es an seine Nase, als hätte es das Target von sich aus berührt. Gleichzeitig: C+B. Wiederholen Sie das mindestens zehn Mal. Stupst es dann das Target von sich aus an, wenn Sie ihm dieses hinhalten, hat es die Übung verstanden.

Die Höflichkeits-Übung ist eine Variante der operanten Konditionierung: Stellen Sie Ihr Pferd hinter eine Absperrung. Sie sind auf der anderen Seite davon. Lassen Sie Ihr Pferd an sich schnuppern, damit es merkt, dass Sie die Taschen voller Futter haben.

Laden des Clickers: Die Höflichkeits-Übung

Die Höflichkeits-Übung ist eine Variante der operanten Konditionierung: Dann vergrößern Sie den Abstand auf eine Armlänge. Ihr Pferd wird alles Mögliche versuchen, um an die Leckerbissen heranzukommen. Sie ignorieren das einfach. Erst wenn es für einen Moment zur Seite schaut, folgt C+B.

Futtererziehung

Futter gibt es nur nach einem Click: „Viele haben Angst, sich mit dem Futterlob, das zum Clicker-Training gehört, ein bettelndes Pferd zu erziehen“, erklärt Babette Teschen. „Deshalb dürfen Sie nur Futter geben, wenn Sie vorher geclickt haben. Also niemals einfach so, ganz ohne Grund.“ Und Ihr Pferd bekommt erst recht nichts, wenn es Sie mit der Nase schubst, an Ihrer Jacke knibbelt, mit den Hufen scharrt oder gar anrempelt – auch wenn es noch so lieb guckt. In diesem Fall können Sie noch einmal die „Höflichkeits-Übung“ wiederholen.

Beispiel: Sie sagen „Guck weg“, Ihr Pferd schaut zur Seite, Sie clicken und belohnen. Diese Übung dürfen Sie aber nicht jedes Mal abfragen, wenn Ihr Pferd vorher gebettelt hat. Denn dadurch fühlt es sich im Betteln eher bestätigt. Besser: Sie üben das „Höflichsein“ wieder am Zaun. Dann kann Ihr Pferd Sie nicht bedrängen.

Futter gibt es nur im Raum des Pferds: Sie und Ihr Pferd haben Ihren eigenen persönlichen Raum, der gegenseitig respektiert wird. Stellen Sie sich diesen Raum wie eine Blase vor, die in einem Abstand von etwa 50 Zentimetern um Ihren Körper führt. Zum Belohnen dürfen Sie in den Raum Ihres Pferds eindringen. Geben Sie das Futter nie innerhalb Ihres Raums, sondern immer in dem Ihres Pferds. Bewegt sich das Pferd in Ihren Raum hinein, schicken Sie es zurück. Sie selbst bleiben stehen.

Futtererziehung

Das Futter wird vorsichtig genommen: Bestehen Sie darauf, dass Ihr Pferd den Leckerbissen mit den Lippen aus Ihrer Hand nimmt. Wird es zu grob, schließen Sie die Hand zu einer Faust und drehen Sie diese mit dem Handrücken zur Pferdenase.

Sagen Sie deutlich „Nein!“. Sobald es sanft wird, clicken Sie und die Hand geht auf. Ziehen Sie sich für diese Übung sicherheitshalber Handschuhe an.

Warten beibringen

Warten finden Pferde meistens blöd. „Verständlich“, sagt Teschen. „Sie wollen das Futter sofort, die Übung dauert zu lange oder Sie möchten lieber etwas anderes machen.“ Warten ist aber fürs Training wichtig.

Deshalb belohnen Sie es, damit es positiv besetzt ist. Die Übung: Sie legen Ihre Hand auf den Mähnenkamm und drücken leicht. Sobald Ihr Pferd nach unten nachgibt: C+B, dann C+B Schritt für Schritt, bis es den Hals tief absenkt.

Hat es das Kopfsenken auf Aufforderung verstanden, soll es lernen, in dieser Haltung zu bleiben. Sagen Sie „eins“ und das Pferd hält seine Position: C+B. Verlängern Sie den Countdown nach und nach. Zählen Sie dabei rückwärts. Beendet das Pferd die Übung vorher, gibt es kein C+B. Sie warten kurz und beginnen erneut.

Dem Target folgen

Grundübung mit dem Target-Stick: Ihr Pferd soll lernen, das Ende des Target-Sticks mit der Nase zu berühren. Gehen Sie dabei genauso vor wie bei der operanten Konditionierung zum „Laden“ des Clickers.

Achtung: Vermutlich wird Ihr Pferd versuchen, in den Target-Stick zu beißen. Das dürfen Sie bitte nicht verstärken! Ignorieren Sie jedes Knabbern. Notfalls nehmen Sie den Stick kurz weg und setzen erneut an.

C+B gibt es nur, wenn Ihr Pferd den Stick mit der Nase berührt.

Dem Target folgen

Den Kopf senken, heben oder zur Seite nehmen: Hat Ihr Pferd verstanden, dass es C+B bekommt, wenn es den Target-Stick mit der Nase berührt, können Sie die Übung etwas variieren.

Variante 1: Halten Sie den Stick etwas zur Seite, sodass Ihr Pferd seinen Kopf abwenden muss, um das Target zu berühren.

Variante 2: Halten Sie den Stick auf Bodenhöhe, damit es den Kopf absenkt.

Variante 3: Halten Sie das Target so hoch, dass Ihr Pferd sich strecken muss. Ihr Ziel ist, Ihr Pferd mit dem Target-Stick zuverlässig steuern zu können.

Dem Target folgen

Führen Sie Ihr Pferd an der Nase herum: Nun halten Sie den Target-Stick so, dass Ihr Pferd einen Schritt nach vorne machen muss, um ihn zu berühren. Loben Sie den kleinsten Versuch mit C+B.

Dann steigern Sie langsam die Strecke und gehen einen Schritt mit, sodass Ihr Pferd dem Stick einen Schritt weiter folgt. Nach und nach können Sie so aus dem Folgen das Führen erarbeiten. Bauen Sie später auch Wendungen oder ein paar Schritte rückwärts ein.

Auch das Antreten und Anhalten können Sie mit dem Stick sehr gut üben.

Dem Target folgen

Ihrem Pferd macht das Führen auf diese Weise richtig Spaß? Dann gönnen Sie ihm die „Premium-Version“: Stellen Sie einige Pylonen in einer Reihe auf und führen Sie Ihr Pferd im Slalom hindurch. Klappt das gut, können Sie die Übung auch im Trab probieren. Achten Sie auf den passenden Abstand der Pylonen.

Ihre Hand als Target

Als Target können Sie nicht nur den Stick verwenden, sondern auch viele andere Gegenstände. Denn ein „Target“ ist etwas, was das Pferd berühren oder dem es folgen soll. Auch Ihre Hand kann ein Target sein.

Das ist praktisch, denn die haben Sie immer dabei! Um Ihr Pferd auf das Handtarget zu konditionieren, halten Sie ihm Ihren Handrücken vor seine Nase. Jedes Mal, wenn es den Handrücken mit der Nase berührt, belohnen Sie es mit C+B. Hat es die Aufgabe verstanden, können Sie ihm beibringen, mit der Nase länger an Ihrer Hand in Kontakt zu bleiben.

Dafür verstärken Sie erst mit C+B, wenn Ihr Pferd die Nase für eine Sekunde an Ihrer Hand behalten hat. In kleinen Schritten können Sie die Dauer verlängern. Im Alltag ist diese Übung sehr praktisch. Sie können damit zum Beispiel Ihr Pferd leicht zur Ruhe kommen lassen, wenn es nervös ist.

Kommt der Tierarzt zum Spritzen, können Sie Ihre Hand als Target einsetzen, damit es besser stillhält. Genau wie mit dem Target-Stab können Sie Ihrem Pferd auch beibringen, Ihrer Hand zu folgen und es damit zu führen.

Training mit dem Bodentarget

Für diese Übung brauchen Sie eine Fußmatte, eine schwere Gummimatte oder ein flaches Stuhlkissen. Egal, was Sie nehmen, es sollte für Ihr Pferd gut sichtbar sein – und es sollte darauf bequem stehen können.

Denn das ist Ihr Ziel. Legen Sie den Gegenstand, also zum Beispiel die Matte, auf den Boden und zeigen Sie diese Ihrem Pferd. Findet es die Matte unheimlich, dürfen Sie ein paar Leckerlis darauf streuen, damit es den Mut findet, sich das komische Ding genauer anzuschauen. Die meisten Pferde werden die Matte jedoch neugierig untersuchen.

Sobald es einen Huf auf die Matte setzt, belohnen Sie mit C+B. Aber Vorsicht: Beginnt Ihr Pferd auf der Matte zu scharren, ignorieren Sie das und bringen Ihr Pferd wieder auf die Nullposition, also den Ausgangspunkt der Übung. Sie belohnen erst mit C+B, wenn Ihr Pferd einen Moment lang einen Huf ruhig auf der Matte abstellt.

Haben Sie bitte Geduld mit Ihrem Pferd. Es kann dauern, bis es begreift, dass es nicht scharren soll. Steht es mit zwei Hufen auf der Matte, loben Sie es überschwänglich und clickern in ganz hoher Frequenz (im Sekundentakt), solange es auf der Matte steht. Als Belohnung ist danach ein „Jackpot“ fällig – also etwas, was Ihr Pferd besonders gerne mag.

Mit Körpertargets arbeiten

Sie können Ihrem Pferd beibringen, dass es mit einem bestimmten Körperteil an Ihrer Hand bleiben soll. Das kann im Umgang eine große Hilfe sein, zum Beispiel beim Auftrensen (Ihr Pferd bleibt mit dem Kopf an Ihrer Hand), beim Tierarztbesuch (Ihr Pferd bleibt mit der Schulter an Ihrer Hand) oder beim Putzen (Ihr Pferd bleibt mit dem Ohr an Ihrer Hand).

Suchen Sie sich ein Körperteil Ihres Pferds aus, etwa das Ohr. In diesem Fall können Sie gleichzeitig einem Pferd helfen, das Probleme damit hat, wenn Sie ihm an die Ohren fassen möchten. Clickern Sie kleine Schritte: von der Annäherung zum Ohr über die leichte Berührung und das Umfassen des Ohrs bis hin zur Ohrmassage.
Mehr zu dieser Fotostrecke: Einstieg ins Clickertraining mit Pferden (Teil 1)