6 Clicker-Übungen für Angstpferde

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Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Clickerserie Teil 2

Die Null-Position lernen

Pferde finden schnell Spaß am Clickern und bieten gerne alles an, was sie schon können. Dann wird das Training oft hektisch. „Deshalb sollte Ihr Pferd klar unterscheiden können, was eine Lektion ist und was nicht“, so Babette Teschen. Dafür erklären Sie dem Pferd die „Nullposition“. Diese gehört vor jede Lektion und verlangt von Ihrem Pferd nur eines: ruhig zu stehen. So geht’s:

Stellen Sie sich vor oder neben Ihr Pferd. Der Abstand sollte so groß sein, dass es Sie nicht berühren kann. Ihr Pferd soll einfach stehen bleiben. Wahrscheinlich wird es versuchen, Ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen und näherkommen. Vielleicht wird es aber auch einen Spaziergang machen. Schauen Sie Ihr Pferd nicht direkt an (das kann bei sensiblen Pferden Druck aufbauen), sondern beobachten Sie es aus den Augenwinkeln. Ignorieren Sie, wenn es herumhampelt, und warten Sie ab, bis es ruhig steht. In diesem Moment belohnen Sie es ohne viel Aufhebens mit C+B. Dann warten Sie wieder, bis Ihr Pferd ruhig steht. Irgendwann wird ihm klar, dass es nichts weiter tun soll als Stehen.

Hat Ihr Pferd die Nullposition verstanden, dürfen Sie sich einen kleinen Schritt von Ihrem Pferd entfernen. Es soll weiterhin an seinem Platz ruhig stehen bleiben. Macht es das brav, belohnen Sie es dafür mit C+B. Auf diese Weise können Sie sich Schritt für Schritt weiter von Ihrem Pferd wegbewegen, während es ruhig abwartet, bis Sie ihm wieder eine neue Aufgabe stellen.

Keine Angst vor der Sprayflasche

Vielen Pferden ist es nicht geheuer, wenn ihre Besitzer sie mit Mähnenoder Fliegenspray einsprühen möchten. Reagiert Ihr Pferd auch so, ist das kein Grund zu resignieren und nur noch das Spray mit dem Schwamm aufs Fell zu tupfen. Clickern Sie einfach!

Gewöhnen Sie Ihr Pferd zunächst an die Sprühflasche. Die Flasche nutzen Sie als Target. Halten Sie diese Ihrem Pferd hin und belohnen Sie jedes Mal, wenn es die Flasche mit der Nase berührt, mit C+B. Klappt das, berühren Sie Ihr Pferd mit der Flasche. Weicht es nicht aus, gibt es C+B. Üben Sie Berührungen an allen Körperteilen und clickern Sie, wann immer Ihr Pferd dabei gelassen bleibt. Üben Sie, bis Ihr Pferd kein Problem mehr mit der Flasche an seinem Körper hat.

Keine Angst vor der Sprayflasche 2

Nun füllen Sie die Flasche mit Wasser. Lassen Sie Ihr Pferd diese mit der Nase berühren und clickern Sie. Dann halten Sie die Flasche vom Pferd weg und sprühen einmal in die Luft. Bleibt Ihr Pferd cool, sofort C+B! Wird es unruhig, wiederholen Sie das Sprühen, halten die Flasche aber ein Stück weiter vom Pferd weg. Erst wenn Ihr Pferd gelassen bleibt, wenn Sie in seiner Nähe in die Luft sprühen, versuchen Sie es anzusprühen.

Keine Angst vor der Sprayflasche 3

Beginnen Sie an einer Körperstelle, an der Ihr Pferd weniger empfindlich ist, zum Beispiel an der Kruppe oder an der Schulter. Bleibt es entspannt, belohnen Sie es mit C+B. Probieren Sie das Gleiche noch einmal und wählen Sie danach eine andere Körperstelle. So gehen Sie Schritt für Schritt weiter vor, bis Sie Ihrem Pferd Beine, Mähne, Bauch und Schweif einsprühen können.

Mit Wasser abbrausen

Das Abspritzen mit Wasser im Sommer ist für manche Pferde eher gruselig als ein Genuss. So erclickern Sie sich eine Wasserratte:

Legen Sie den Wasserschlauch auf den Boden. Ihr Pferd darf sich die gefährliche „Schlange“ genau anschauen. Belohnen Sie ruhiges Stehen und jedes Mal, wenn das Pferd sich dem Schlauch neugierig nähert, mit C+B. Sie dürfen auch clickern, wenn Ihr Pferd den Schlauch ins Maul nimmt. Heben Sie den Schlauch mit Ihrer freien Hand etwas an. Bleibt Ihr Pferd ruhig: C+B. Dann arbeiten Sie sich Stück für Stück vor: Halten Sie den Schlauch hoch, als ob Sie Ihr Pferd abduschen wollten – erst auf Höhe der Beine, dann auf Brusthöhe. Reagiert Ihr Pferd immer noch gelassen?

Mit Wasser abbrausen

Dann drehen Sie den Wasserhahn ganz leicht auf. Halten Sie den Schlauch, aus dem zunächst nur ein dünnes Rinnsal läuft, vom Pferd weg. Gehen Sie genauso vor wie beim Einsprühen. Steht Ihr Pferd ruhig, richten Sie den Schlauch auf einen seiner Hufe. Arbeiten Sie sich schrittweise von unten nach oben vor und üben Sie mit einem immer stärker werdenden Wasserstrahl.

So wird der Tierarzt zum Freund

Das „Medical Training“ ist der klassische Hintergrund des Clicker-Trainings. Tiertrainer, zum Beispiel in Zoos, stellen Situationen nach, die bei einer Tierarztbehandlung vorkommen können. So haben die Wildtiere beim Tierarztbesuch weniger Stress und es bleibt ihnen manche Sedierung erspart. Auch Ihr Pferd kann vom Medical Training profitieren.

Machen Sie Untersuchungsgegenstände zum Target. Statten Sie sich mit Dingen aus, die ein Tierarzt häufig benutzt: etwa eine Spritze (ohne Nadel), ein Fieberthermometer oder Verbandsmaterial. Zeigen Sie Ihrem Pferd die Gegenstände und lassen Sie diese von ihm mit der Nase berühren.

Stellen Sie typische Tierarzt-Situationen nach. Legen Sie zum Beispiel einen Hufverband an. Sie clickern jedes ruhige Stehen.

So wird der Tierarzt zum Freund 2

Stellen Sie typische Tierarzt-Situationen nach. Üben Sie auch das Spritzen: Dazu greifen Sie mit der Hand eine Hautfalte am Hals. Clickern Sie, wenn Ihr Pferd sich dabei ruhig verhält.

Organisieren Sie sich einen Helfer, der die gleichen Übungen mit Ihrem Pferd macht. Sie stehen daneben und sorgen für C+B im richtigen Moment. So lernt Ihr Pferd, dass auch fremde Personen ihm nichts Schlimmes tun.

So wird der Tierarzt zum Freund 3

Auch das Spritzen ins Maul können Sie üben. Das hilft Ihnen, wenn Sie Ihrem Pferd Schmerzmittel oder eine Wurmkur verabreichen müssen. Zeigen Sie Ihrem Pferd die Spritze, tasten Sie sich langsam ans Maul und den Maulwinkel heran. Dazu füllen Sie die Spritze mit Apfelmus. Üben Sie das regelmäßig, wird Ihr Pferd es gut verkraften, wenn mal eine Spritze nicht so lecker schmeckt.
* BR* Wenn der Tierarzt wirklich da ist, sollten Sie das Clickern nicht versäumen. Denn sowohl Ihr Pferd als auch Sie sind bei einer echten Behandlung gelassener, wenn Sie in der geübten Routine bleiben. Und eine Belohnung versüßt die echte Behandlung dann erst recht. Diese darf auch gerne der Tierarzt geben!

Training mit Traktor

In Angstsituationen sollten Sie ruhig und entspannt bleiben. Wenn Sie Ihr Pferd planlos mit Lob oder Leckerlis beruhigen, könnte das seine Angst verstärken. So reagieren Sie richtig:

Ein Beispiel: Sie gehen mit Ihrem Pferd spazieren. Ihnen begegnet ein pferdefressendes Monster, zum Beispiel ein Traktor. Zwingen Sie Ihr Pferd nicht, weiterzugehen. Wagen Sie sich an den Abstand heran, den Ihr Pferd noch akzeptiert, ohne fliehen zu wollen. Halten Sie den Strick locker und bleiben Sie entspannt. Warten Sie ab. Nach einigen Sekunden wird Ihr Pferd entweder ein bisschen neugierig oder ein bisschen entspannter. Senkt es den Kopf ein paar Zentimeter? C+B! Verlagert es sein Gewicht leicht nach vorne? C+B! Verstärken Sie jeden Schritt auf den Traktor zu mit C+B. Berührt Ihr Pferd den Traktor mit der Nase, ist eine richtig dicke Belohnung fällig!

Ermutigen Sie Ihr Pferd, mutig zu sein. Üben Sie mit Ihrem Pferd, sich unbekannten und angsteinflößenden Gegenständen (etwa einem Ball oder einer Plane) zu nähern, zunächst innerhalb eines eingezäunten Areals oder in der Reithalle. Clickern Sie jede Annäherung. Verbinden Sie die Übung dann mit einem Stimmsignal, zum Beispiel „Schau mal“. Das hat zwei Vorteile: Zum einen schaut sich Ihr Pferd nur dann etwas an, wenn Sie es dazu einladen – anstatt einfach alles von sich aus gleich zu erkunden. Und zum anderen können Sie es gezielt auffordern, in Schrecksituationen im Gelände mutiger auf vermeintliche Gefahren zuzugehen. Denn Ihr Pferd hat gelernt, dass viele unbekannte Dinge nicht gefährlich sind und dass es sich lohnt, sie zu erkunden.

Spiel-Idee Teppich ausrollen

Beim Clickern sind Ihrer Kreativität keine Grenzen gesetzt. Sie können Ihrem Pferd auch kleine Tricks beibringen, die Spaß machen und gut fürs Köpfchen sind. Zwei Spiel-Ideen für zwischendurch:

Teppich ausrollen: Rollen Sie einen Teppich auf dem Boden aus und streuen Sie eine „Straße“ mit Futter darauf (zum Beispiel Leckerli oder Möhrenstücke). Dann rollen Sie den Teppich wieder zusammen – bis auf ein kleines Stück, auf dem sich auch Futter befindet.

Spiel-Idee Teppich ausrollen 2

Teppich ausrollen: Zeigen Sie Ihrem Pferd den Teppich und lassen Sie es entdecken, dass dort etwas Leckeres liegt. Stupst Ihr Pferd beim Fressen gegen die Teppichrolle: C+B. Sie belohnen jedes weitere Mal, wenn Ihr Pferd mit der Nase die Rolle berührt. Rollt sich der Teppich dabei zufällig ein wenig auf, wird Ihr Pferd merken, dass sich dort noch mehr Futter befindet. Vielleicht kommt es schnell darauf, den Teppich selbst weiter aufzurollen (C+B!). Hat Ihr Pferd verstanden, dass es den Teppich aufrollen muss, um ans Futter zu kommen, reduzieren Sie die Futtermenge ein Stimmsignal ein, zum Beispiel „Teppich“. Davor clickern Sie jedoch die Nullposition als Startpunkt für die Übung. So lernt Ihr Pferd zu warten und rollt den Teppich erst auf Ihr Signal hin auf.

Spiel-Idee Apportieren für Pferde

Apportieren: Suchen Sie einen Gegenstand aus, den Ihr Pferd gut ins Maul nehmen kann, zum Beispiel einen Handschuh. Halten Sie Ihrem Pferd den Handschuh hin. Sie belohnen mit C+B, wenn es den Handschuh mit der Nase berührt.

Spiel-Idee Apportieren für Pferde 2

Apportieren: Nimmt es den Handschuh zwischen die Lippen, ist eine besonders leckere Belohnung fällig. Im nächsten Schritt verstärken Sie mit C+B, wenn Ihr Pferd den Handschuh länger festhält. Nun legen Sie den Handschuh auf den Boden, zeigen darauf und belohnen jede Annäherung Ihres Pferds bis hin zum Aufnehmen. Führen Sie zum Aufheben ein Signal ein. Im nächsten Schritt bringen Sie Ihrem Pferd bei, dass es den Gegenstand auf ein Signal hin loslässt. Sie clickern, wenn es den Handschuh auf Ihr Signal fallen lässt. Hat es gelernt, dass es den Handschuh so lange im Maul behalten soll, bis Sie ihm sagen, dass es ihn loslassen darf, können Sie sich ein Stück entfernen. Ermuntern Sie Ihr Pferd, mit dem Handschuh im Maul auf Sie zuzukommen, und clickern Sie jeden kleinen Impuls. Steigern Sie die Strecke nach und nach. Die Apportier-Übung können Sie um andere Gegenstände erweitern. Das kann praktisch sein: Zum Beispiel, wenn Sie keine Lust haben, vom Pferd zu steigen, weil Ihre Gerte heruntergefallen ist.
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