Pferd im Hänger

9 Tipps für ein entspanntes Verladetraining

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Foto: Rädlein 9 Tipps für ein entspanntes Verladetraining

Schritt 1: Grundgehorsam und Boden-Basics

Um ein Pferd entspannt verladen zu können, sollten Sie es vorab gut im Griff haben und sein Vertrauen genießen. Wichtige Basics: Das Pferd sollte sich brav führen lassen und willig auf Ihre Körpersprache hin in alle Richtungen folgen. Es muss jederzeit auf Kommando halten, ohne zu drängeln oder überholen zu wollen. Auch Tempowechsel im Schritt sollten am Seil reibungslos klappen genau wie Rückwärtstreten und Hinterhandweichen.

Besonders wichtig für sicheres Verladen: „Sie sollten Ihr Pferd auf Abstand halten können, damit es Ihnen auf der Rampe nicht in die Haxen rennt.“ Das passiert in aufregenden Verlademomenten schnell, wenn Reiter und Pferd nach dem Motto „Augen zu und durch“ die Rampe hochfegen. Außerdem sollten Sie die äußere Pferdeschulter kontrollieren können, um seitliches Ausbrechen zu verhindern.

Liane Klahn rät: Nehmen Sie bereits im alltäglichen Bodenarbeits-Training eine kurze Gerte in die Führhand. Weicht Ihr Pferd – in welchem Moment auch immer – zur Seite aus, tippen Sie es vor dem Brustkorb an der äußeren Schulter an. Drängelt oder rempelt es, dann tippen Sie es vor der Brust an, um es auf Abstand zu halten. Wie kräftig Sie tippen müssen, ist Typsache. Idealerweise sollte das Pferd mit zunehmender Übung auf immer feinere Signale reagieren.

Schritt 2: Warm-up und Entspannen

Wärmen Sie Ihr Pferd vorm Verladen gut auf – genau wie Sie das auch fürs Reittraining tun würden, das heißt idealerweise 15 Minuten im Schritt. „Das gemeinsame Aufwärmen lockert und entspannt Zwei- wie Vierbeiner“, sagt Liane Klahn. „Und Sie können die Aufmerksamkeit des Pferds auf sich lenken sowie eine positive Arbeitsatmosphäre schaffen.“ Dabei ist alles recht, was Sie und Ihr Pferd im Schritt ohne kompliziertere Bewegungsabläufe oder Hindernisse lockert.

Checken Sie dann, wie willig und losgelassen Ihr Pferd ist. Dazu zunächst die Hinterhand weichen lassen. „Das gymnastiziert und zeigt, ob das Pferd meine Hilfen akzeptiert“, so Klahn. Sobald das Pferd den Kopf fallen lässt (Hals ist waagerecht oder tiefer), ist es auch innerlich losgelassen – und bereit für den Einstieg in den Hänger. Tipp von Klahn: „Helfen Sie Ihrem Pferd ggf. in die Entspannung, indem Sie es im Genick kraulen oder den Kopf sanft herunterdrücken.“ Wichtig: Solange das Pferd den Kopf noch oben trägt, also nicht sichtlich entspannt ist, wird nicht verladen.

Schritt 3 a: Geschick und Selbstvertrauen für wackelige Rampen

Viele Pferde fürchten Rampen, weil sie der Untergrund verunsichert oder ins Stolpern bringt. Um die Koordination der Tiere zu fördern, führt Liane Klahn ihr Pferd über Kombis mit erhöhten Stangen wie hier ein Kreuz aus vier Elementen. „Das regt Pferde zum Mitdenken an und verbessert ihre Geschicklichkeit“, sagt sie. Je besser ein Pferd seinen Körper kontrollieren kann, desto sicherer fühlt es sich auf der Rampe.

Neigt ein Pferd dazu, die Hufe hängenzulassen, hebt Klahn die eigenen Beine übertrieben an, was Pferde instinktiv zum Nachahmen anregt. „Notfalls tippe ich die Vorderbeine beim Abfußen mit der Gerte an, damit das Pferd lernt, diese ordentlich anzuheben.“ Sitzt das Bewegungsmuster, wird Ihr Pferd koordiniert und selbstbewusst über jede Rampe stapfen.

Schritt 3 b: Geschick und Selbstvertrauen für wackelige Rampen

Um Pferde rückwärts die Rampe runterschicken zu können, schickt Klahn die Tiere im Rückwärtsgang um ein L aus Stangen oder Gassen, wobei sie die Hinterwand um 90 Grad weichen lässt.

Wichtig: Den Pferdekopf dabei genau wie später beim Abladen leicht seitlich drehen, damit das Pferd sehen kann, wo es langgeht. Bricht die Kruppe aus, den Pferdepo mit der Gerte wieder auf die richtige Spur zurückschicken. „So können Sie später unerwünschte Bewegungen auf der Rampe zügeln.“

Schritt 4 a: Engpass-Training gegen Platzangst

Pferde haben von Natur aus Platzangst. Um sie an enge Hängerboxen zu gewöhnen, errichtet Klahn einen Engpass aus zwei Hindernisständern und zwei Stangen, die als Fänger dienen. Später kommen noch zwei weitere Ständer dazu (Aufbau siehe Übung 5).

Dann führt sie ihr Pferd in mehreren Durchgängen durch den Engpass. Klappt das, hält sie es zwischen den Ständern an, bis es sich an Ort und Stelle entspannt. „Anfangs lasse ich die Ständer weiter auseinander, später sollte der Abstand in etwa der Breite eines Boxenabteils bzw. der hinteren Boxenstange entsprechen.

Wichtig: Lassen Sie sich nicht gegen einen Ständer drängeln oder überholen. Sollte sich Ihr Pferd auch nach mehreren Durchläufen nicht entspannen können oder weiter rüpeln, feilen Sie lieber nochmals am Grundgehorsam.

Schritt 4 b: Engpass-Training gegen Platzangst

Weil Pferde nicht sehen können, was sich an ihrer Hinterhand abspielt, sollten Sie Ihr Pferd zudem rechtzeitig an die hintere Boxenstange gewöhnen.

Nehmen Sie das Element mit auf den Reitplatz und lassen Sie Ihr Pferd ausgiebig daran schnuppern. Dann zur Hinterhand laufen und den Pferdepo behutsam mit Händen und Stange berühren sowie streicheln. Zeigt das Pferd kein Interesse mehr an der Stange, hat es sich mit dieser angefreundet.

Schritt 5 a: Die Rampe simulieren

Simulieren Sie nun Laufen sowie Stehenbleiben im Pferdehänger. Liane Klahn gestaltet diesen Step pferdeleicht, indem sie Neugier und Spieltrieb der Vierbeiner nutzt. Was sich eignet?

Planen, Teppiche, Holzpaletten oder Gummimatten etwa, je abwechslungreicher, umso besser. Wichtig: „Der Untergrund muss Pferdegewicht und Hufen Stand halten, darf keine Verletzungsrisiken bergen und sollte sich deutlich vom vertrauten Reitboden unterscheiden.“

Führen Sie Ihr Pferd auf die Spielrampe zu, lassen Sie es daran schnuppern und mit den Hufen abtasten. Dann führen Sie es über die schmalste Stelle (A). Vorteil: „Das Pferd braucht je nach Breite jeweils nur ein Bein auf den fremden Boden zu setzen, das ist anfangs weniger unheimlich.“

Schritt 5 b: Die Rampe simulieren

Klappt das flüssig, können Sie der Länge nach über die Rampe laufen, das Pferd darauf anhalten sowie, wenn es cool bleibt, rückwärts wieder herunterschicken.

Nach und nach drapiert Klahn die einzelnen Elemente des schon aus Übung 4 bekannten Engpasses um die Spielrampe. Immer wieder führt sie das Pferd geduldig herauf, hält es an und lobt es. Zwischendurch gibt es jeweils eine kurze Erholungspause.

Schritt 5 c: Die Rampe simulieren

Entspannt sich das Pferd, wenn der Engpass komplett steht, können Sie einen Helfer bitten, die Boxenstange an der Hinterhand auf- und abzubewegen und das Pferd damit zu berühren, bis es mit keinem Ohr mehr zuckt.

Schritt 6: Neugierig auf den Anhänger

Wecken Sie nun die Neugier Ihres Pferd auf den Anhänger, indem Sie es am lockeren Seil um das Fahrzeug führen. Verhalten Sie sich möglichst passiv. Ihr Pferd bestimmt das Tempo, ohne drängeln oder überholen zu dürfen.

Möchte es stehenbleiben und gucken oder rückwärts weichen, darf es das. „Nur nicht am Strick ziehen, sonst verbindet das Pferd den Hänger mit Stress“, warnt Klahn. Ignoriert das Pferd sein Fahrmobil, zupfen Sie am Seil und drehen Sie den Kopf zum Anhänger. „Das weckt die Neugier.“ Bleibt ein Sensibelchen indes mehr als drei Sekunden mit hoch erhobenem Kopf und starr auf den Hänger fixiertem Blick stehen, signalisiert es Angst statt Neugier.

Holen Sie es sofort aus diesem Gefühl, indem Sie abwenden und es erneut versuchen. Erst wenn das Pferd entspannt um den Hänger zirkelt, geht es auf zur Rampe!

Schritt 7: Gemeinsam die Rampe erforschen

Laufen Sie wie in Übung 6 am lockeren Führstrick auf die Rampe zu und stellen Sie einen Fuß auf die Rampe. „Vertraut Ihnen das Pferd, wird es Sie nachahmen wollen“, erklärt Liane Klahn. Daher läuft sie auch stets vor dem Pferd über die Rampe und in den Hänger statt nebenher. „Ich kann von meinem Pferd nicht erwarten, dass es etwas ausführt, was ich selber nicht mache“, findet die Verladeexpertin. „Zumal es mir als Führungsperson doch vertraut.“

Lassen Sie Ihr Pferd an der Rampe schnuppern und diese mit den Hufen abtasten. Auch Scharren ist erlaubt, damit demonstriert es Neugier und Spieltrieb. Sollte Ihr Pferd kein Interesse zeigen, zupfen Sie seinen Kopf leicht nach unten Richtung Rampe.

Klopfen Sie mit den eigenen Füßen auf den Untergrund, damit Ihr Pferd das Geräusch in etwa schon kennt, wenn es später selbst die Rampe hochklappert (Übung 8). Nimmt es diesen Schritt vorweg und stapft Ihr Pferd ohne weitere Verzögerung und voller Neugier die Rampe hoch, freuen Sie sich und erlauben Sie dies! „Je interessierter Ihr Pferd an dem Hänger ist, desto besser“, sagt Liane Klahn. Wieder gilt: Ihr Pferd bestimmt das Tempo!

Schritt 8: Hereinspaziert! Einladung in den Anhänger

Rauf geht’s! Wichtigstes Ziel: Rückwärtstreten unterbinden und zwar so: Führen Sie Ihr Pferd am langen Führseil auf die Mitte der Rampe. Von da aus in das Abteil (hier links) abbiegen. „Laufen Sie ruhig und selbstsicher vorweg.“

Stoppt das Pferd vor oder auf der Rampe, mobilisieren Sie den Helfer. Laura Brabletz läuft leicht schräg hinter dem Pferdepo her, ein Arm leicht gestreckt, ein Seil locker zwischen den Händen gespannt. So unterstützt sie das Pferd mit zusätzlichen Körpersignalen, was die meisten Tiere vom Einstieg überzeugt.

Schritt 8 b: Hereinspaziert! Einladung in den Anhänger

Bleibt das Pferd dennoch stehen oder drängt es rückwärts, lassen Sie das zu, bis das Führseil spannt. Dann einen Vorwärtsimpuls durch Zupfen am Führseil geben. Der Druck an Seil und Halfter löst sich, sobald das Pferd vorwärts tritt. Es lernt: Rückwärts? Lohnt sich nicht! Erst, wenn selbst dieser Effekt nicht greift, tut Klahn so, als würde sie das Tier aktiv rückwärts bitten.

Heißt: Sobald Ihr Pferd auf der Rampe oder im Abteil rückwärts weichen möchte, reagieren Sie schneller und machen den Rückwärtsgang zu Ihrer Sache: Schicken Sie es zurück, indem Sie seinen Kopf wie in Übung 3 leicht zur Seite drehen und das Tier von sich wegschieben. So wird seine Idee zu Ihrer. Das festigt das Vertrauen in Ihre Führung am Pferdehänger – es wird Ihnen willig hineinfolgen.

Schritt 9 a: Wohlfühlatmosphäre: Was Pferde im Fahrzeug hält

Bleibt Ihr Pferd entspannt im Hänger stehen? Kaut es ab und senkt es den Kopf? Dann fühlt es sich wohl und Sie können den nächsten Schritt machen.

Dieser sollte kein größeres Problem darstellen, wenn Sie zuvor schon fleißig mit der hinteren Boxenstange geübt haben (Übung 5). „Das Pferd sollte die Stange niemals erst im Hänger kennenlernen“, so die Expertin. „Das würde in diesem wichtigen Moment völlig unnötigen Stress verursachen.“

Bitten Sie die Hilfsperson, mit der Boxenstange auf und abzufahren, bis das Pferd darauf nicht mehr reagiert. Loben und Kraulen nicht vergessen! „Erst dann die Stange einhängen, das Pferd anbinden und den Hänger verlassen.“

Schritt 9 b: Wohlfühlatmosphäre: Was Pferde im Fahrzeug hält

Nun kann Ihr Helfer die Anhängerklappe hochheben, sollte diese aber noch nicht schließen, sondern zunächst damit „klappern“ (auf- und zumachen), bis das Pferd auch dabei cool bleibt.

Fahren Sie nun eine kleine Runde von höchstens fünf Minuten, dann abladen und dem Pferd ein paar Tage Ruhe gönnen. Verlängern Sie die Ausflüge nach und nach. Und üben Sie das Verladen regelmäßig. Wir wünschen allzeit gute Fahrt!
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