GHP: Die 10 besten Übungen zur Geführten Gelassenheitsprüfung

Die Klapperschlange

Die Geführte GHP besteht jeweils aus einer Folge von 10 Aufgaben, die sich aus sechs Pflicht- und vier variablen Aufgaben zusammensetzt. Jede GHP beginnt mit der Aufgabe „Vorstellen“. Die variablen Aufgaben werden vom Veranstalter frei aus dem unten angegebenen Aufgaben-Pool von 10 Aufgaben gewählt. Ihr Pferd ist schreckhaft oder faul? Machen Sie ihm doch ein paar Büchsen auf.
Foto: Cavallo Ein Helfer zieht die Dosen, das Pferd wird daran vorbei geführt.

Ein Helfer zieht die Dosen, das Pferd wird daran vorbei geführt.

Klappern gehört zum Handwerk, doch für Pferde signalisiert es meist Gefahr und läßt sie erschrecken. Weil es immer und überall klappern kann, simuliert auch die GHP dieses Geräusch in der neunten, vorletzten Station (Rappelsack). Dabei wird ein Sack, gefüllt mit leeren Konservendosen, an einem Strick über eine Reihe Ziegelsteine geschleift und scheppert dabei deutlich. Ihre Aufgabe ist es, Ihr Pferd in aller Gelassenheit neben dem Geklapper zu führen.

Falls Ihr Pferd Angst vor der neben ihm schleifenden Klapperschlange hat, hilft konsequentes Üben. Wie üblich führen viele Wege zum Ziel. Für den bayerischen Ausbilder Michael Geitner ist der Klappersack während der gesammten Pferdeausbildung „das wichtigste Trainingsmittel“. Geitner nutzt klappernde Dosen, um geistig träge Pferde zu sensibilisieren und ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Sture Exemplare, die den Trainer ignorieren, werden durch den Krach hellwach – gerade so, als ob sie ein Wecker aus einem behaglichen Nickerchen reißt. Zum Üben verwendet Geitner einen 4,50 Meter langen Strick, mit dem er das
Pferd gut im Griff hat und trotzdem außer Reichweite der Hufe ist. Sein Strick ist an einigen Stellen mit Leder umnäht, damit er nicht so leicht durch die Hände rutscht (auf einer GHP sind deshalb Handschuhe Pflicht).

Geitner gewöhnt das Pferd dosiert an Dosen. Er führt rechts; in seiner Linken schleift er eine Gerte, an deren Ende Büchsen hängen. Womit Sie die Büchsen ziehen, ist freilich ganz egal – Hauptsache es klappert. „Ich behalte meine Position – neben dem Pferd –, Richtung und Geschwindigkeit bei, auch wenn sich das Pferd querstellt“, sagt Geitner. „Durch meine Unbeirrbarkeit gebe ich dem Pferd Sicherheit.“

Durch seine Körperhaltung und das ruhige Schreiten signalisiert er „kein Grund zur Aufregung“. Nach einigen Runden akzeptieren die meisten Pferde die rappelnde Begleitung. Zeit für den Seitenwechsel: Das Pferd wird links geführt, die Dosen rechts gezogen.

Nimmt das Pferd die Begleitung auf beiden Seiten gelassen hin, spielt Geitner ein neues Spiel: Ein Helfer zieht die Dosen, Geitner führt das Pferd vorbei. Dabei muß der Pferdeführer immer zwischen Büchsen und Pferd gehen. „Ich bilde den vertrauenserweckenden Puffer, einen Vermittler zwischen Dosen und Pferd“, erklärt Geitner. Das schreiben die GHP-Regeln ohnehin vor (geführt wird links, und der Helfer zieht den Rappelsack links), weil es die Sicherheit erhöht: Macht das Pferd im Eifer des Gefechts doch einen Satz, springt es vom Menschen weg statt auf seine Füße.

Klappt das Spiel mit der Dosengerte, setzt Geitner den Rappelsack ein – auch hier erst niedrig dosiert. „Bitte nicht gleich losscheppern wie wild, sondern bedächtig angehen lassen“, rät er. „Sie schaffen ein Riesenproblem, wenn Sie das Pferd erst einmal wahnsinnig erschrecken und dann verlangen, daß es schön ruhig
bleiben soll.“ Ob das Pferd den Rappelsack besehen und beriechen darf, ist abhängig vom
Trainingskonzept. Während manche Ausbilder das Pferd erst einmal an Ungewohntem schnuppern lassen, ist Geitner prinzipiell dagegen, daß es sich gemütlich in die Betrachtung des Schreckens versenkt: „Das Pferd muß auf Sie achten, nicht auf den Rappelsack.“

Bleibt das Pferd beim Rasseln ruhig, macht er den nächsten Schritt: Er berührt das Pferd mit der Dosengerte oder dem Raschelsack (Müllsack mit leeren Dosen füllen und mit Zugseil zubinden). Geitner beginnt dabei auf der besseren Seite des Pferds. Seiner Beobachtung nach ist das meist die linke.

Faustregel: Die bessere Seite beim Reiten ist auch die bessere Seite bei der Bodenarbeit. Sollten Sie sich nicht sicher sein, hilft Geitners Trick. „Nähern Sie sich dem Pferd vorsichtig von hinten mit dem Rappelsack, während ein Helfer es am lockeren Strick hält. Die Seite, nach der es sich umdreht, um nach Ihnen zu schauen, ist meist die bessere.“

Toleriert das Pferd den Dosenkontakt so selbstverständlich wie die tägliche Berührung mit der Kardätsche, haben Sie Ihr Ziel erreicht. Dieses GHP-Hindernis schafft Ihnen keine Probleme mehr. Allerdings rät Geitner zur Generalprobe vor der ersten Auswärts-GHP – schließlich reagieren viele Pferde in ungewohnter Umgebung mit ungewohnten Hüpfern, vor allem, wenn sie selten unterwegs sind. Verladen Sie Ihr Pferd doch einfach zur Probe und üben auf dem Reitplatz von Freunden.

29.12.2008
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 01/2004