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Naschen beim Ausritt: Welche Pflanzen sind für Pferde giftig?

Fastfood-Guide für unterwegs

Naschen beim Ausritt kann Gift sein – oder das Immunsystem stärken. CAVALLO zeigt, auf welche Kräuter Sie unterwegs achten sollten. Mit Notfall-Tipps und einer Übersicht aktueller Gift- und Heilpflanzen.

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Appaloosa-Stute Witchy nascht alles, was gelb ist. Auch im Maul: Scharfer Hahnenfuß, der in größeren Mengen giftig ist.

Appaloosa-Stute Witchy nutzt jede Gelegenheit, um nach bunten Kräutern zu schnappen. Die 13-Jährige frisst gerne knackigen Löwenzahn und Spitzwegerich, verputzt aber auch genüsslich giftige Pflanzen, etwa Scharfen Hahnenfuß. Besitzerin Miriam Burns muss daher stets aufpassen, nach welchem Grünzeug Witchy gerade schnappt – denn Pferde besitzen keinen Instinkt, der sie vor Jakobskreuzkraut & Co. beschützt.

Info

Pferde können mit Trense fressen. „Die Tiere verletzen sich beim Kauen nicht an den Zähnen“, sagt Pferdefachtierarzt Dr. Hans Seybold aus Nürnberg. „Ich kenne auch kein Tier, dass deshalb eine Schlundverstopfung oder eine Lungenentzündung durch Fehlschlucken bekommen hat.“ Seiner Ansicht gibt es zwei andere Gründe, weshalb Pferde nicht mit Gebiss grasen sollten: Sie könnten sich daran gewöhnen und durch unkontrollierbares Abtauchen ihrem Reiter jeden Ausritt vermiesen. Verdreckt das Gebiss, kann es ohne gründliche Reinigung scharfkantig werden.

Hungrige Pferde schnappen nach allem

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Mit einem Bestimmungsbuch können Reiter unbekannte Pflanzen leicht identifizieren.

Je mehr Blätter, Früchte und Baumrinden Pferde getestet haben, desto sicherer werden sie – in der Theorie. Doch verlassen können sich Reiter darauf nicht. Selbst erfahrene Tiere fressen immer noch giftige Pflanzen. Möglicher Grund: „Pferde, die hungrig sind, schnappen nach allem, was sie mit ihrem Maul erreichen können“, sagt Dietbert Arnold, Sachverständiger für Pferdezucht- und Haltung aus Bremen. „Außerdem sind Pferde immer noch an die relative Sortenarmut der Steppe angepasst.

Die üppigen Futtergründe unserer Breiten überfordern sie. Fakt ist: Die Vergiftungen nehmen zu.“ Selbst harmlose Pflanzen wie Gras können sich in einen giftigen Imbiss verwandeln, wenn sie zuvor mit Spritzmitteln benetzt wurden. „Die Wirkstoffmengen, die ein Pferd beim Grasen am Feldrand aufnimmt, sind sehr gering und stellen kein Risiko dar“, schreibt Nina Banspach vom Bundesministerium für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Berlin. „Wichtiger ist das Saufen: Wenn durstige Pferde aus Gräben trinken, in denen sich Nitrate gesammelt haben – für die sie auch kein Gespür haben –, besteht Lebensgefahr. Die Nitrate verhindern den Sauerstofftransport im Blut; die Pferde ersticken, obwohl sie atmen“, warnt Arnold.

Erste Hilfe bei Vergiftungen

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Spritzmittel benetzen nicht nur Ackerpflanzen, sondern häufig auch das Gras und die Blumen am Feldrand.

Manche Pferde sind unruhig, andere wiederum apathisch. Tragende Stuten verfohlen; vielen Pferden rinnt der Speichel aus dem Maul, weil der Schlund gelähmt ist. „Diese Symptome können bereits wenige Minuten nach der Aufnahme eintreten“, sagt Tierärztin Dr. Jacqueline Kupper vom Institut für Toxikologie an der Vetsuisse Fakultät in Zürich. Seine Mitarbeiter betreiben eine Homepage mit einer umfangreichen und kostenlosen Datenbank, in der Sie nicht nur Giftpflanzen, sondern auch Tierarzneimittel und Wirkstoffe nachschlagen können (www.giftpflanzen.ch).

Fängt Ihr Pferd unterwegs plötzlich an zu schwanken, sollten Sie sofort den Tierarzt per Notruf alarmieren. „Je eher er eingreifen kann, desto sicherer ist der lebensrettende venöse Zugang. Ist das Pferd erst kollabiert, ist der kaum noch möglich“, sagt Dietbert Arnold. Der wichtigste Kreislauf-Check: Drücken Sie mit dem Daumen aufs Zahnfleisch. Nach dem Loslassen muss die Druckstelle sofort wieder rosa (durchblutet) sein. Ist und bleibt das Zahnfleisch grau oder blau, müssen Sie jederzeit mit dem Zusammenbruch rechnen.

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Redaktion CAVALLO

Lassen Sie das Pferd auf keinen Fall mehr fressen. Je mehr Sie von der verdächtigen Pflanze sichern, desto besser. Optimal ist das ganze Gewächs samt Wurzel; bei Büschen und Bäumen sollte es ein ganzer Zweig sein. Taumelt Ihr Pferd am Stall, stellen Sie es in die Reithalle oder auf den Paddock. Sollte es kollabieren, ist es in einer Box kaum noch zu drehen oder zu bewegen. Außerdem dürfen Sie nie zwischen Wand und Pferd gelangen: Bricht das Pferd zusammen, werden Menschen dann zerquetscht.

Um zu verhindern, dass das Gift verdaut wird und weiteren Schaden anrichtet, pumpt der Tierarzt den Pferdemagen aus. „Und er verabreicht Aktivkohle“, ergänzt Jaqueline Kupper. Das Granulat saugt gefährliche Stoffe wie ein Schwamm auf und schwemmt sie über den Kot aus dem Körper. Beide Erste-Hilfe-Maßnahmen nutzen nur, wenn sie innerhalb der ersten zwei Stunden nach Aufnahme giftigen Pflanzen durchgeführt werden. „Danach können nur noch die Symptome behandelt werden“, sagt Kupper.

Grundsätzlich gilt: Bei einer akuten Vergiftung sind Tierheilpraktiker falsch am Platz. Nur ein Tierarzt kann gezielt eingreifen und einen Behandlungsplan festlegen. So gut Tierheilpraktiker in vielen Fällen arbeiten mögen – wer zunächst ihn statt einen Tierarzt ruft, verliert Zeit und riskiert das Leben seines Pferds.

Natürlich gibt es auch jede Menge nützliche Kräuter, die an Waldrändern oder Wegen wuchern: Brennnesseln und Gänseblümchen sollen angeblich den Stoffwechsel fördern; Brombeerblätter bei Durchfall helfen; Schafgarbe die Durchblutung steigern; Spitzwegerich Husten lindern und Löwenzahn das Immunsystem stärken. „Im Gegensatz zu den Giftpflanzen reicht bei Heilkräutern aber eine Maulfüllung nicht aus, um eine sichtbare Veränderung zu bewirken“, sagt Tierheilpraktikerin Kaja Kreiselmeier. „Erst wenn Pferde etwa über mehrere Wochen jeden Tag 20 bis 45 Gramm Brennnessel futtern, glänzt das Fell stärker.“

Erziehung gefragt: Die Gier im Griff

Steckt Ihr Pferd beim Spaziergang oder Ausritt andauernd die Nase ins Grün, kann das ganz schön nerven. „Um Fressattacken zu verhindern, müssen Sie aufmerksamer führen und reiten“, sagt Profi-Pferdetrainer Michael Geitner aus dem bayerischen Rechtmehring.

1. Erhöhen Sie das Tempo

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Gehen oder reiten Sie auf Wegen mit besonders verlockenden Rändern zügig. „Dann hat das Pferd weniger Gelegenheit, nach Fressbarem Ausschau zu halten“, sagt Michael Geitner.

2. Warnen Sie mit der Stimme

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„Behalten Sie das Pferd im Auge, und ermahnen Sie es, sobald es beginnt den Kopf zu senken“, rät Geitner. Bei vielen Tieren bewirkt schon ein lautes und bestimmtes „Nein!“, dass sie sich wieder auf den Menschen konzentrieren und nicht nach Gras schnappen. Halten Sie dabei Augenkontakt, damit das Pferd Sie ernst nimmt.

3. Zupfen Sie am Seil oder Zügel

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Reagiert das Pferd nicht auf Ihre Stimme, zupfen Sie mit dem Führseil oder Zügel aufwärts. Loben Sie das Pferd, wenn es nachgibt und weiter läuft. Sinkt die Pferdenase unaufhaltsam ins Grün, müssen Sie den Druck steigern. Hilft das Gezupfe nicht, wenden Sie Schritt 4 an.

4. Rucken Sie kräftig am Seil

Ist die Nase erst einmal unten, müssen Sie den Kopf wieder zügig hochholen. Jetzt hilft nur noch ein kräftiger Ruck am Führseil. Gibt das Pferd nach, lassen Sie sofort locker und loben. Bleibt die Nase am Boden, müssen Sie den Druck steigern bis das Pferd den Kopf hebt und Ihnen folgt. Reiter sollten dann weiter am Zügel zupfen und gleichzeitig das Pferd zum Laufen animieren. „Versuchen Sie, eine Volte zu reiten“, empfiehlt Geitner. Gibt das Pferd nach, loben Sie. Danach gilt es, Fressversuche schon im Ansatz zu erkennen und mit den Schritten 1 bis 3 gegen zu steuern.

5. Werden Sie nicht grob

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Berühren Sie den Pferdekopf weder mit den Füßen noch mit den Händen. „Das Tier wird dadurch höchstens ängstlich oder kopfscheu, lernt aber nichts“, warnt Ausbilder Michael Geitner.

Wann ist naschen verboten – wann nicht?

Hier finden Sie Pflanzen, die Ihr Pferd beim Ausritt fressen darf. Einige davon sind Heilkräuter, denen durchaus positive Eigenschaften zugesprochen werden.

Diese können den Stoffwechsel fördern, die Durchblutung steiger oder das Immunsystem stärken. Allerdings reicht eine Maulfüllug dabei nicht aus.

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privat
Fressen geht bei Pferden immer.

Naschen verboten – Von diesen Pflanzen sollten Sie Ihr Pferd fern halten

In dieser Fotostrecke finden Sie zuerst die für Ihr Pferd gefährlichsten Pflanzen. Hier können bereits wenige Gramm tödlich wirken. Dann folgen Pflanzen wie die Walnuss, Buchsbaum und Robinie. Diese sind wenn Ihr Pferd Sie kiloweise frisst tödlich.

Am Ende zeigt CAVALLO Pflanzen, die als Grundfutter gefährlich sein können. Das bedeutet, Ihr Pferd sollte diese nur in Maßen bekommen.

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