Alte Stall-Apotheke Lisa Rädlein

Klassiker der (alten) Stall-Apotheke

Altbewährt oder altmodisch? Klassiker der (alten) Stall-Apotheke

Die CAVALLO-Redaktion kramte in Erinnerungen: Was hatten wir früher so alles in unseren Stall-Apotheken! Welche Mittel sollten ein Revival feiern – und welche sind definitiv aus der Zeit gefallen?

Retterspitz

Nein, Retterspitz ist kein Mittel, sondern ein 120 Jahre alter Markenname. Bei uns Reitern ist er vor allem mit einem Produkt verwoben: einer Essenz mit ätherischen Ölen wie Rosmarin, Bergamotte und Arnika. Das Heilwasser wanderte auf eine Kompresse und sollte bei Muskel-, Sehnen- oder Gelenkbeschwerden helfen – Pferd wie Reiter. Heute soll Retterspitz bei Pferden äußerlich vor allem bei Arthrose und Sehnenproblemen wie Sehnenscheidenentzündungen helfen. Auf offenen Wunden ist die Tinktur tabu. Retterspitz kann mit Wasser verdünnt und als Umschläge für die Pferdebeine angewendet werden. Die ersten 20 bis 30 Minuten soll es wärmeentziehend wirken, bleibt der Umschlag eine bis anderthalb Stunden drauf wirkt es wärmestauend, bleibt der Umschlag länger drauf, soll Retterspitz schweißtreibend wirken.

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Erfahrungen alter Stallmeister mit Retterspitz

Rührt man "den Retterspitz" mit Quark an, wirkt er gut gegen Insektenstiche. Auch wenn die Firma Retterspitz selbst keine Anwendung bei Tieren empfiehlt – wir finden, das Mittel könnte ein Revival in Stall-Apotheken feiern.

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Franzbranntwein

Der Franzbranntwein hatte lange Zeit einen Stammplatz in vielen Stall-Apotheken. Denn die durchblutungsfördernde, kühlende Mischung aus Ethanol und ätherischen Ölen sollte bei Muskelverspannungen, Gelenkproblemen oder Sehnenbeschwerden helfen (ebenso wie hochprozentiger Schnaps). Franzbranntwein kann jedoch – vor allem bei häufiger Anwendung – die Haut reizen und diese austrocknen. Für einen nachhaltigen Kühleffekt an Pferdebeinen ist fließendes Wasser die bessere Wahl.

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Kupfersulfat

Das Pulver fehlte früher in keiner Stall-Apotheke: Kupfersulfat, bekannter Helfer bei Strahlfäule. Das Mittel desinfiziert faulige Stellen, trocknet sie aus und wirkt zusammenziehend. Außerdem regt es die Produktion von neuem Horn an. Kein Wunder, dass einige Hufschmiede noch heute darauf schwören. Doch die blauen Kristalle sind mit Vorsicht anzuwenden: Reicht die Strahlfäule bereits tief ins Horn, kann Kupfersulfat die Huflederhaut reizen und das Pferd lahmlegen. In offene Wunden darf das giftige Mittel ebenfalls nicht gelangen. Da Kupfersulfat gewässergefährdend ist, gilt auch beim Entsorgen von Resten: Obacht! Von den reinen Kristallen sollte man daher die Finger lassen und besser zu fertigen Pflegeprodukten greifen.

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Ringelblumensalbe

Schmerzstillend, entzündungshemmend, wundheilend – die Ringelblume strotzt geradezu vor positiver Eigenschaften. Kein Wunder, dass sie seit dem Mittelalter als Heilpflanze beliebt ist. So weit gehen unsere Stall-Apotheken zwar nicht zurück, aber die Ringelblumensalbe durfte bei uns dennoch nicht fehlen. Bei kleineren Hautverletzungen und -reizungen leistet die Salbe heute noch gute Dienste.

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Essigsaure Tonerde

Statt moderner Kühlgels stand früher stets ein Päckchen "Essigsaure Tonerde" im Stall – als Pulver zum Anrühren mit Wasser. Oft erste Wahl bei Schwellungen, Blutergüssen, Insektenstichen, aber auch zur Regeneration der Pferdebeine nach intensivem Training. Das Aluminiumsalz der Essigsäure wirkt desinfizierend und kühlend. Vor 30, 40 Jahren mussten wir die Paste selbst herstellen, heute gibt’s auch fertige Mischungen. So oder so: Die Tonerde bereichert immer noch jede Stall-Apotheke.

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Rivanol

Wie "Tempo" fürs Taschentuch steht, steht der Markenname "Rivanol" für eine anti-septische Lösung, die in diversen Angussverbänden landet. Kein Wunder, denn der Wirkstoff Ethacridinlactat ist schier unaussprechlich. Rivanol-Tabletten oder -Pulver zum Auflösen in Wasser hat fast jeder Pferdebesitzer in seiner Stall-Apotheke – früher wie heute. Etwa um Hufgeschwüre anzugießen und den schmerzenden Eiterherd zum Platzen zu bringen – Desinfektion inklusive. Dass die Lösung Pferdebeine (und Reiterhände) gelb färbt, ist ein Nachteil. Und für Schlachtpferde sind Acridine-Präparate nicht zugelassen.

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Arnika

Arnika reiht sich neben der Ringelblume als jahrhundertealte Heilpflanze in die Liste der Hausmittel ein. Äußerlich angewandt als Salbe oder Tinktur, kann sie stumpfe Verletzungen wie Prellungen oder Blutergüsse lindern – als Homöopathikum parallel von innen. Ein altbewährtes Hausmittel also, das gerne in der Stall-Apotheke bleiben darf. Denken Sie allerdings daran, dass die Alpenblume aus der Familie der Korbblütler allergische Hautreaktionen hervorrufen kann.

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Kamille

Die Kamille wirkt ähnlich wie Ringelblume oder Arnika entzündungshemmend, desinfizierend, wundheilend. Sie wartete in unseren Schränken früher auf ihren Einsatz als Inhalationsmittel (frisch aufgebrühte Blüten) oder als Teebeutel bei gereizten Augen. Heute sind wir klüger: Mit kochend heißem Wasser unter der Pferdenase würden wir nicht mehr experimentieren und durch Rückstände winzig kleiner Härchen der Kamillenblüte können selbst Teebeutel die Bindehäute zusätzlich reizen.

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Zinksalbe

Hatten unsere Pferde früher kleinere Schrammen, griffen wir zur Zinksalbe. Die hilft heute noch: Sie ist granulationsfördernd, regt also die Bildung neuer Hautzellen an. Das enthaltene Zinkoxid wirkt zudem antiseptisch und nimmt Wasser auf. Ideal also, wenn die Wunde nässt. Nicht zu empfehlen ist die Salbe auf offenen Wunden: Die trocknet das Zinkoxid aus, und womöglich schließt die Salbe sogar Bakterien luftdicht ein – dann ist der Einschuss programmiert. "Zukleistern" ist für Wunden keine Lösung, damals wie heute.

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