Pferde-Reha: Schonende Übungen zum Auftrainieren für einen gelungenen Neustart

Pferde-Reha mit Katrin Obst
Auftrainieren: Pferde abwechslungsreich wieder aufbauen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 08.10.2026
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Das Foto zeigt Katrin Obst, die ein dunkelbraunes Pferd am Führstrick auf einem gepflasterten Weg durch eine Baumallee führt. Das Tier trägt ein Halfter; das weiche, durch das Laub gefilterte Tageslicht unterstreicht die ruhige Szene im Freien.
Foto: LISA RAEDLEIN

Sobald der Tierarzt grünes Licht für etwas mehr Bewegung gibt, fängt die Phase des Auftrainierens an – und nicht erst, wenn das Pferd wieder in allen drei Grundgangarten laufen darf. Denn wer früher mit gezielten Übungen startet, sagt Physiotherapeutin Katrin Obst, tut seinem Pferd was Gutes.

Katrin Obst im Porträt
Katrin Obst
Die Expertin

"Die häufigsten Erkrankungen sind solche an Sehnen und Gelenken”, so die Erfahrung der Reha-Expertin. Gerade bei Sehnenschäden werden Pferde oft zu sehr geschont: "Sobald ich das Pferd im Schritt bewegen darf, kann ich auch mit Balance Boards arbeiten, einem leichten Slalom oder mit Möhrenpilates.” Monotones Schritt führen, Runde um Runde um den Stall: muss aus ihrer Sicht nicht sein. "Da kann ich auch mal auf Pflaster laufen, ein Stück auf dem Sandplatz, dann auf einem Grasstreifen und zurück auf gepflasterten, harten Boden”, sagt Katrin Obst. Schon hätte man ein klein wenig propriozeptives Training eingebaut. Auch gegen einen leichten Pylonen-Slalom spricht aus ihrer Sicht nichts: "Steht ein Pferd ansonsten in der Box, ist das ständige Drehen auf kleiner Fläche viel belastender für die Sehnen als eine leichte Schlangenlinie.”

Abwechslung sorgt für mehr Sicherheit

Dazu kommt: Abwechslung in der täglichen Bewegung, die das Pferdeköpfchen anspricht, ist auch ein Sicherheitsaspekt. "Gerade wenn Pferde monatelang nur Schritt gehen dürfen, muss man sie kognitiv auslasten und sollte nicht abwarten, bis sie verhaltenskreativ werden”, findet Katrin Obst.

Mit den Übungen unten könnt ihr generell starten, sobald der Tierarzt sein Okay gibt. Oder wenn ihr euren Alltag abwechslungsreicher gestalten wollt: Die Übungen eignen sich nämlich genauso für gesunde Tiere.

Auf die Turnmatte

Ähnlich wie Balance Boards spricht auch eine Turnmatte die propriozeptive Muskulatur an. "Unerfahrenere, aufgeregtere Pferde oder solche, die ungern still stehen, kommen mit Matten oft besser klar, weil man die in der Bewegung nutzt”, sagt Katrin Obst. Gerade in der Aufbauphase sind Matte und Boards Gold wert.

Das Foto zeigt Mattentraining mit einem Pferd auf einem Reitplatz; Katrin Obst führt das Tier am Halfter mit Führstrick. Das Pferd steht mit den Vorderhufen auf farbigen Schaumstoffmatten.
LISA RAEDLEIN

"Hatte das Pferd Boxenruhe oder wird nur über geraden Boden geführt, gehen die koordinativen Rezeptoren in Muskeln, Sehnen und Gelenken in Dornröschenschlaf. Die sollte man langsam wieder wecken.” Heißt: alle drei Tage das Pferd mehrmals über die Matte führen (bis zu zehn Minuten Gesamteinheit). Einsatz ggf. mit Tierarzt absprechen.

Balance trainieren

Das Foto zeigt die Vorderhufe eines Pferdes, die auf zwei grauen Balance Pads positioniert sind. Die Pads aus Schaumstoff dienen dem Gleichgewichts- und Propriozeptionstraining sowie der Rehabilitation.
LISA RAEDLEIN

Balance Pads aktivieren das propriozeptive System, das wichtig für Koordination und Bewegungskontrolle ist. Katrin Obst rät, an unverletzten Gliedmaßen zu starten (beim Sehnenschaden vorne also mit Hinterbeinen beginnen) – und das Pferd zu beobachten: "Manche stehen minutenlang darauf und mobilisieren sich selbst. Nimm das mit und lasse dein Pferd das solange machen, wie es möchte.” Möchte das Pferd runter, darf es das auch. Bei Hufgelenksentzündungen oder Verletzungen der Seitenbänder rät Katrin Obst von Pads ab.

Pylonen-Slalom

Drei bis sieben Pylonen mit jeweils zwei bis drei großen Schritten Abstand – fertig ist der Mini-Slalom mit Trainingseffekt. "Durch den Slalom werden die Hinterbeine abwechselnd ein bisschen mehr belastetet, und durch die Lateroflektion wird auch die Wirbelsäule gymnastiziert”, so Katrin Obst. Sie empfiehlt, das ein- bis zweimal pro Woche einzubauen; eignet sich für jeden Reha-Patienten.

Die Aufnahme zeigt eine Bodenarbeitsübung mit Pylonen: Katrin Obst führt ein Pferd an einem Leitseil über einen Reitplatz. Mehrere gelbe und blaue Pylonen markieren einen Slalom‑Parcours, durch den das Pferd im Schritt geführt wird. Die Szene findet im Freien bei Tageslicht statt.
LISA RAEDLEIN

Beine heben über Dualgassen

Hoch das Bein – und zwar über Dualgassen: "Die verrutschen nicht und können von Pferden gut wahrgenommen werden”, so Katrin Obst. Sie legt einzelne Gassen gerne an verschiedenen Stellen hin, etwa an Zirkelpunkten. "So kann man z.B. ein Zirkelviertel strammen Schritt gehen und ein Viertel langsamer oder auch Trabsequenzen einbauen, wenn das geht.” Das Gassentraining kann man alle drei Tage einbauen. Dualgassen von Michael Geitner gibt bei Krämer.

Das Foto zeigt Bodenarbeit mit Dualgassen: Ein Pferd wird am Führstrick von Katrin Obst über eine blau-gelbe Dualgasse auf einem Sandreitplatz geführt.
LISA RAEDLEIN

Hoch hinaus auf dem Podest

Zirkus-Kunststück? Ja, auch – aber vor allem ist ein Podest ein gutes Tool fürs Auftrainieren. "Davon profitiert die gesamte ventrale Muskelkette, und die Beweglichkeit des Gewebes wird auch gefördert”, so Katrin Obst. Bei kolikoperierten Pferden dehnt die Übung auch das Narbengewebe (erst sechs Monate nach OP einbauen). Tabu ist die Übung für Pferde mit Sehnenschäden; hier ist die Gefahr zu groß, dass sie abrutschen. Dafür profitieren aber Pferde mit Atemwegserkrankungen, weil der Brustkorb gedehnt wird. Das Podest erarbeitet ihr euch Schritt für Schritt: "Ich positioniere das Pferd mittig vor dem Podest mit 20, 30 cm Abstand. Dann nehme ich ein Vorderbein, hebe es hoch und stelle es wie auf einem Hufbock vorne auf dem Podest ab. Steht das erste Bein, unterstütze ich das mit einem Leckerchen”, sagt Katrin Obst. So lockt sie Pferde nach und nach hoch.

Das Foto zeigt die Arbeit am Podest mit einem Pferd; Katrin Obst führt das Pferd am Halfter und hält den Führstrick. Das Pferd steht mit den Vorderhufen auf einem hölzernen Podest auf einem Reitplatz im Freien, Bäume bilden den Hintergrund.
LISA RAEDLEIN

Tipp: Das Podest sollte nicht höher als das Karpalgelenk des Pferds sein, weil es sich sonst nicht hochstemmen kann. Beinschutz ist sehr empfehlenswert. Die Übung könnt ihr einmal pro Woche einbauen.

Aufbau-Zirkeltraining

Darf das Pferd schon etwas länger Schritt gehen (20 bis 30 Minuten oder länger), ist ein Zirkeltraining ideal. Etwa mit den Stationen von der vorherigen Seite: Turnmatte, Pylonen-Slalom, Dualgassen, Podest…"Jede Station spricht was anderes an, als Kombination ist das super”, findet Katrin Obst. Und ergänzt: "Man muss nicht alles genau so aufbauen, sondern kann einfach das nehmen, was man am Stall hat.” Oder man nutzt eine Station für unterschiedliche Übungen: z.B. das Pferd mal über die Turnmatte führen, mal darauf halten lassen und Möhrenpilates machen (Reha-Serie Teil 1). Oder man nutzt eine Dualgasse mal, um das Pferd darüber treten zu lassen – und mal, um es daran gerade ein paar Tritte rückwärts zu richten.

Das Bild zeigt Zirkeltraining: Katrin Obst führt ein Pferd über farbige Bodenstangen auf einem Sandreitplatz. Pylonen und eine bunte Matte markieren Trainingsstationen; das Pferd wird am Führstrick im ruhigem Schritt im Rahmen von Bodenarbeit/Stangenarbeit gearbeitet.
LISA RAEDLEIN

Physiotherapeutin Katrin Obst rät, das Zirkeltraining ein- bis zweimal pro Woche einzubauen: "Zuerst zehn bis 15 Minuten das Pferd warm führen und dann ins Zirkeltraining einsteigen. Das sollte nicht länger als 20 bis 30 Minuten maximal dauern, weil das anstrengend ist fürs Gehirn. Manche Pferde sind schon nach zehn Minuten durch.” Das Podest nach einer Kolik-OP lieber später als früher einbauen – und bei Kandidaten mit Sehnenschaden ganz darauf verzichten.

Schritt-Variationen

Das geht auch ganz ohne Equipment: Darf euer Pferd nur Schritt gehen, nutzt die Zeit, um genau den zu variieren. Heißt: Mal einen Abschnitt etwas schneller führen, dann wieder etwas langsamer, anhalten, wieder antreten lassen… Solche Tempi-Variationen fördern das Köpfchen des Pferds, machen das Führen spannender – und nebenbei bekommt ihr einen feineren vierbeinigen Partner, der auf eure Signale und Körpersprache reagiert.