Kräuter als Pferdefutter: Welche Mischung hält Pferde fit und gesund?

Manche Kräuter stehen auf der Dopingliste

Kräuter im Pferdetrog sollen bei vielen Pferdekrankheiten helfen. Doch welche Mischungen sind sinnvoll – und wann wird das wilde Mixen für Pferde gefährlich?

Das betonen selbst überzeugte Kräuterheiler, die seriös sind. "Bei akuten Erkrankungen wie einer schweren Kolik muss ein Tierarzt das Pferd behandeln", sagt Dr. Jürgen Bartz. Wer sich hier aufs Brotgewürz verlässt, ist nicht bei Verstand.

Ein Irrglaube, der ebenfalls durch die Köpfe mancher Kräuter-Gläubigen geistert: Scharfe Gewürze befreien den Pferdedarm von Schmarotzern. "Kräutergaben können keine Wurmkur ersetzen", unterstreichen Experten wie Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand.

Mit der Natur machen Reiter manches verkehrt

Übertriebene Erwartungen an die Krankenschwestern der Natur sind nicht die einzigen Risiken. "Viele denken, Kräuter sind natürlich und deswegen kann man nichts verkehrt machen", sagt Dr. Jürgen Bartz. "Das stimmt nicht. Denn einige Kräuter wirken beim Pferd anders als beim Menschen."

Das den Menschen beruhigende Johanniskraut zum Beispiel kann bei Pferden zu üblen Photoallergien führen. Die Tiere reagieren überempfindlich auf UV-Strahlung und bekommen leicht einen Sonnenbrand. Deswegen wird Johanniskraut bei Pferden nur äußerlich bei Insektenstichen oder schlecht heilenden Wunden angewendet.

Vorsicht ist auch bei Kräutern geboten, die zwar in extrem verdünnter Form in der Homöopathie als Tropfen eingesetzt werden, aber nicht grammweise übers Kraftfutter geschüttet werden dürfen. Das gilt etwa für den Eisenhut, der giftige Stoffe wie das Alkaloid Acotinin enthält.

Nebenwirkungen sind bei Kräutern dagegen kaum nachgewiesen, doch auszuschließen sind sie nicht – vor allem, wenn die grüne Medizin dauerhaft verfüttert wird. Huflattich sollte zum Beispiel nicht über längere Zeit im Pferdetrog landen, weil er kleine Mengen Pyrrolizidinalkaloide enthält. Diese Stoffe sind krebserregend.

"Deswegen rate ich davon ab, wahllos Kräuter zu verfüttern oder womöglich selbst zusammenzumischen; das kann nach hinten losgehen“, sagt Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand. Welche gefährliche Mischung dabei herauskommen kann, zeigt die CAVALLO-Bestellung bei einem Online-Shop.

Scheinbar harmlose Schmankerl wie Matetee sind tatsächlich fürs Pferd toxisch. Wer sicher sein will, dass er seinem Pferd die richtigen, gesunden Kräuterlinge füttert, sollte vorab mit seinem Tierarzt oder einem Fütterungsexperten über die Mixturen sprechen.

In jedem Fall sollten Reiter beim Kauf von Kräutermischungen darauf achten, dass auf der Packung zumindest die Inhaltsstoffe, die genaue Dosierung und etwaige Gegenanzeigen vermerkt sind.

Loading  

Die Kräuterpolizei steht auf der Dopingliste

Pflicht ist der Blick auf die Verpackung auch für jeden Reiter, der mit seinem Pferd bei Turnieren startet. Denn die Kräuterpolizei steht womöglich auf der Dopingliste. Arnika, Eukalyptus, Ingwer, Spitzwegerich, Süßholz, Teufelskralle, Thymian und Weihrauch sind mit einer Karenzzeit von bis zu zwei Tagen auf der Liste.

Diese Kräuter helfen etwa bei Atemwegserkrankungen oder werden bei lahmen Pferden eingesetzt. Erlaubt sind Nelkenöl und Lavendel sowie Rosmarinöl – das allerdings nur zur äußeren Behandlung der Hufe.

Schmecken Sie also die Kräuterküche fürs Pferd sorgfältig ab, und mixen Sie nicht wahllos selbst. Dann landet eine ordentliche Prise Gesundheit im Trog.

23.08.2012
Autor: Kristina Glaser
© CAVALLO
Ausgabe 09/2011