Wenn Pferde sterben: Erlösen, einschläfern, Abdecker - Hilfe für Reiter

Pferd erlösen: Tierarzt oder Schlachter?

Erlösen, einschläfern, Abdecker: Stirbt das Pferd, leidet der Mensch. Sogar routinierten Profis geht das an die Nieren. Wie man mit der Trauer um? CAVALLO hat Reiter und Pferdebesitzer nach ihren Erfahrungen befragt.
Foto: Rädlein Pferdetod Einschläfern

Manche Reiter kaufen sich sofort ein neues Pferd, andere betreten nie wieder einen Stall

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Hat sich der Besitzer durchgerungen, geht es ins Detail: Soll das Pferd eingeschläfert werden oder zum Schlachter? Die Antwort hängt davon ab, womit der Pferdebesitzer besser leben kann. „Ich kenne kaum Leute, die ihr Pferd zum Metzger bringen“, sagt Karin Horn-Heyde. Die meisten Reiter scheuen sich, das Wort Bolzenschussgerät auszusprechen, geschweige denn, über das Prozedere an sich nachzudenken. „Wenn der Schuss fällt, ist das Pferd schon tot“, beruhigt Heidemarie Beerwart. Sie führt bei Stuttgart eine Pferdemetzgerei.

Es geht also schnell. Macht es das für die Pferdehalter leichter? „Oft gibt es bittere Tränen. Dann muss ich schon mal Trost spenden“, sagt Beerwart.

Lehnen Pferdebesitzer den Gang zum Schlachter ab, können sie mit dem Tierarzt einen Termin vereinbaren. Er schläfert das Pferd ein. Kosten: rund 300 Euro. „Vor dem eigentlichen Einschläfern legen wir das Pferd in Vollnarkose. Anschließend spritzt man ein hoch dosiertes Betäubungsmittel“, sagt Dr. Manuela Franz von der Tierklinik Kirchheim. „Wenn das Tier tot ist, wird es von der Tierkörperbeseitigungsanstalt abgeholt.“

Um den Verlust zu verarbeiten, sollten Besitzer bewusst Abschied nehmen und sich an die Trauerarbeit machen. „Sterbe-begleitung und Abschiednehmen sollten ein Ritual werden“, rät Sportpsychologin Horn-Heyde. Sie musste eines ihrer Pferde wegen Krebs einschläfern lassen.

„Ich habe das Pferd begleitet, bis es eingeschlafen ist. Das war gut so. Aber der Abtransport des leblosen Körpers war grauenhaft. Da sollte man nicht dabei sein und sich besser abwenden“, so die Psychologin aus Spreewaldheide.

Echte Alternativen zur Abholung durch die städtische Tierkörperbeseitigung gibt es kaum. Beerdigen darf man Pferde in Deutschland nicht. Auch nicht auf dem eigenen Grundstück.

Eine teure Variante ist die Abgabe des toten Pferds bei einem Tier-Krematorium, wie es sie etwa in Belgien oder auch in der Schweiz gibt. „Zu uns darf man auch Pferde bringen. Das hat aber den Nachteil, dass man zum Schluss den Metzger braucht“, erläutert Peter Imgrüt, der das Schweizer Tier-Krematorium Kirchberg leitet. „Denn am Stück dürfen wir Pferde nicht einäschern.“

Pro Jahr werden zwei bis drei Pferde zu Peter Imgrüt in die Schweiz gebracht. Das Verbrennen eines Tiers kann bis zu 3000 Euro kosten. „Ich glaube, die Besitzer investieren diesen Betrag, weil sie nicht möchten, dass ihr Pferd in der Kadaversammelstelle landet“, sagt Imgrüt. Seine eigenen Pferde würde er, sollte es nötig sein, zum Schlachter bringen: „Ich finde, der Schuss ist eine humane Sache“, erklärt der 62Jährige.

15.01.2011
Autor: Diana Maier
© CAVALLO
Ausgabe 03/2009