Der Widerrist: Kennen Sie den Wohlfühl-Knopf beim Pferd?

Am Widerrist liegen dünne Muskeln

Der Widerrist ist viel mehr als der Messpunkt für die Pferdegröße: Der Höcker ist wichtig fürs Reiten, Wohlfühlen und wird immer wieder übel zugerichtet. CAVALLO erklärt, worauf Reiter achten müssen und wie sie vom "Wohlfühl-Knopf" profitieren können.
Foto: Rädlein CAVALLO Widerrist

So ist er aufgebaut: Der Widerrist ragt zwischen den Schulterblättern hervor und bildet den Übergang von der Vor- zur Mittelhand. Er besteht aus den ersten Dornfortsätzen, die bis zu 30 Zentimeter lang sind.

Muskeln liegen nur wenige um den Widerrist herum. „Sie verbinden die Vordergliedmaße mit dem Rumpf“, sagt Professor Preuschoft. Dazu gehören der Rhomboideus-Muskel, der die Schulter bewegt und den Hals hebt, der Trapezmuskel, der die Gliedmaßen nach vorne bewegt und der lange Rückenmuskel, der an der gesamten Vorwärtsbewegung beteiligt ist.

Zudem sind die Muskeln, sehr dünn. „Der Trapezius ist nur so dick wie eine DVD“, sagt Ralf Döringshoff. Wie sich der Höcker ausprägt, ist bei jedem Pferd anders: Es gibt hohe, flache, breite und schmale Widerriste. Generell haben großrahmige Pferde mit langem Hals auch einen ausgeprägteren Widerrist als Ponys kurzhalsige Ponys. Züchter wünschen sich einen ausgeprägten Widerrist, der harmonisch in den Rücken verläuft.

Ein zu hoher Widerrist ist für ein Reitpferd ebenso unerwünscht wie ein ganz flacher. Auch Alter und Gesundheitszustand bestimmen, wie ausgeprägt ein Widerrist aussieht. „Gerade bei älteren Pferden wirkt er oft markanter“, sagt Ralf Döringshoff. Das liegt daran, dass im Alter die Muskeln schrumpfen und sich das Fettlager unter der Haut zurückbildet. Meistens senkt sich auch der Rücken etwas ab, so dass der Widerrist optisch mehr hervortritt. Auch sehr junge Pferde, die noch im Wachstum sind, haben zwischenzeitlich einen sehr ausgeprägten Höcker. „Das liegt daran, dass der Hals als letztes wächst“, sagt Ralf Döringshoff.

Langer Hals und großer Widerrist

Im Tierreich gibt es viele Höcker-Tiere. Warum haben Giraffen einen besonders großen und Hunde dafür einen sehr kleinen Widerrist? Generell haben alle Vierbeiner einen Widerrist. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Widerrist-Größe und Kopf-Hals-Gewicht. Je nachdem wie lang der Hals und wie schwer der Kopf ist, desto höher ist auch der Widerrist. Zum Beispiel bei der Giraffe: Sie hat zwar einen recht kleinen Kopf, dafür aber einen langen Hals. Auch Hirsche haben sehr ausgeprägte Widerriste. Sie haben zwar keinen so langen Hals, müssen aber ein schweres Geweih tragen. Hunde haben kaum Widerrist. Sie haben einen kurzen Hals und einen leichten Kopf.

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17.05.2013
Autor: Redaktion CAVALLO/Cathrin Flößer
© CAVALLO
Ausgabe 03/2013