Der Widerrist: Kennen Sie den Wohlfühl-Knopf beim Pferd?

Kraulen am Widerrist beruhigt das Pferd

Foto: Stuewer
Der Widerrist ist viel mehr als der Messpunkt für die Pferdegröße: Der Höcker ist wichtig fürs Reiten, Wohlfühlen und wird immer wieder übel zugerichtet. CAVALLO erklärt, worauf Reiter achten müssen und wie sie vom "Wohlfühl-Knopf" profitieren können.

Verhaltenswissenschaftler haben bei Studien herausgefunden, dass sich die Herzfrequenz der Tiere durchs Kraulen deutlich verringert. Pferde machen dabei ein sogenanntes Genussgesicht: Sie dehnen den Hals, schließen halb die Augen und recken die Oberlippe vor, die meistens rhythmisch mitzuckt. Wahrscheinlich lassen sich Pferde diese Stelle besonders gerne von anderen krabbeln, weil sie sich hier nur schwer selbst kratzen können. Pferde sind sehr soziale Tiere und lieben es, sich gegenseitig zu pflegen.

Damit bekämpfen sie Juckreiz oder unterstützen den Fellwechsel. Beim Grooming werden zudem indungen zwischen Pferden geknüpft und vertieft. In kleineren Gruppen beknabbert sich oft jeder mal mit jedem. In größeren Gruppen gibt es Favoriten. Die Annäherung zur sozialen Fellp ege läuft zwischen Pferden immer nach einem ähnlichen Schema ab: Ein Pferd nähert sich mit gespitzten Ohren, leicht geöffnetem Maul und hängender Unterlippe.

Den Wohlfühl-Knopf am Höcker können sich auch Reiter zunutze machen. Sie verbessern ihre Bindung zum Pferd, indem sie das Kraulen imitieren. Fohlen lieben solche Verwöhneinheiten besonders. Aber auch erwachsene Pferde genießen es. Selbst beim Reiten lohnt sich ein Gri. an den Widerrist: Ein kurzes Krabbeln beruhigt aufgeregte Kandidaten oder belohnt eifrige Tiere. Beim Sexualverhalten der Pferde spielt der Widerrist ebenfalls eine Rolle. Hengst und Stute beknabbern sich, wenn sie sich annähern. Während des Deckakts packt der Hengst die Stute am Widerrist oder am Mähnenkamm. Beim Kampf zwischen zwei Hengsten geht es ruppiger zu. „Bisse in den Widerrist sind sehr schmerzhaft“, sagt Marlitt Wendt.

Beim sogenannten Ringen versuchen die beiden Kontrahenten, sich gegenseitig mit dem Hals zu umrunden und den Widerrist des Gegners mit den Zähnen zu packen. So zwingen sie sich zu Boden. Normalweise sind Rangeleien zwischen Hengsten jedoch reine Schaukämpfe. Sie laufen nach strengen Regeln ab und nur selten kommt es zu schweren Verletzungen. Clevere Reiter gehen mit dem Widerrist ihres Pferds sorgsam um. Der Höcker ist schließlich die Höhe – ein anatomisch wichtiges Multitalent mit Wohlfühlfaktor.

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17.05.2013
Autor: Redaktion CAVALLO/Cathrin Flößer
© CAVALLO
Ausgabe 03/2013