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Rasseporträt: Merens - die rabenschwarze Gebirgspferde

Eine Familie sieht schwarz

Die Lafittes züchten in Frankreich Mérens – rabenschwarze Gebirgspferde. Bei der Stippvisite im deutschen Flachland kommen die Rappen und ihre Reiter spanisch daher.

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Deckhengst Or Noir hat einen dichten Schopf und einen freundlichen Blick.

Eyey! Au! Au! Ey! Was vom Reitplatz im badischen Eppingen bei Bruchsal schallt, hört sich nicht gut an. Da hat sich bestimmt jemand weh getan. Tatsächlich sind die Schmerzlaute französische Signale für die Freiheitsdressur von Pferden. „Au“ ist das Kommando zum Stoppen, „Ey“ zur Aufmerksamkeit. Der französische Pferdezüchter Thiery Lafitte übt mit dem Deckhengst Or Noir. Der rabenschwarze Hengst mit der lockigen Mähne marschiert im Spanischen Schritt über den Platz.

Or Noir sieht wie ein Friese aus. Tatsächlich ist der Rappe ein Mérens – ein Gebirgspferd aus den französischen Pyrenäen. Im nordbadischen Flachland machte er nur einen Zwischenstopp, auf dem Hof von Betsy Zwicknagl, Vorsitzende der Mérens Interessengemeinschaft. Ziel war die Pferdemesse Eurocheval in Offenburg. Thiery Lafitte, seine Frau Julie (30) und deren Schwester Amélie (26) präsentierten dort ihre schwarzen Pferde – die beiden Mérens-Deckhengste Or Noir und Libertin. Die Rasse soll durch Auftritte in Offenburg und in CAVALLO bekannter werden, hofft die Familie Lafitte. Sie sieht seit Jahren schwarz.

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Das Gestüt Rouquilles

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Julie und Thiery Lafitte reiten in spanischen Trachten auf den Deckhengsten Libertin (links) und Or Noir über die Wiese.

„Das fing vor 25 Jahren an, als ich sechs Jahre alt war“, erinnert sich Thiery, dessen Französisch härter klingt, nach spanischem Akzent. Onkel, Vater, Tante, Großvater und Cousin – alle arbeiten mit den Pferden und sind an den Aufführungen beteiligt. Ihr Show-Programm „Alegria“, mit dem sie in Frankreich regelmäßig unterwegs sind, etwa bei Zuchtschauen, ist „espanol“ – spanische Trachten, spanische Musik und Flamenco-Tänzerin. Spanien liegt Lafittes nahe, ihr Hof ist nur einen Katzensprung von der Grenze entfernt.

Für das CAVALLO-Fotoshooting in Eppingen machen sich Thiery, Julie und Amélie showfertig zurecht: Schnell tauschen sie Reithosen und Shirts gegen ihre Bühnen-Outfits: schwarzer Anzug, Hut und weißes Hemd für den Herrn, schwarz-rot-goldene Rüschenkleider für die Damen. Julie und Amélie kämmen ihre Haare streng nach hinten, schminken die Lippen rot. Lappen und Sprühflasche legt Julie Lafitte quasi nur für die Fotos aus der Hand. „Pscht, pscht“, zischt es ständig, sobald die Reiterin nicht vor der Kamera posiert. Die Rappen ziehen Fliegen und Stechmücken magisch an; und immer wieder putzt Julie mit dem Tuch über das glänzende Fell der Hengste, damit Staub keinen Grauschleier hinterlässt. Die Rappen sehen aber nicht nur goldig aus, sie sind auch gut ausgebildet.

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Vertreter einer vielseitigen Ausbildung

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Bühnenreif: Als Showgruppe „Alegria“ treten Julie und Thiery mit den beiden Hengsten und Julies Schwester Amélie (Mitte) auf.

„Wir besuchen Kurse bei Parelli-Instruktoren, Klassikreitern und auch bei Verhaltenstrainern“, erzählt Julie. Hengst Or Noir beherrscht Zirkuslektionen wie das Kompliment, legt sich auf Kommando hin, steigt oder flehmt. Unter dem Sattel zeigt er Ansätze von Piaffe und Passage. Or Noir ist der ganze Stolz der Familie. Der für die Rasse ungewöhnlich große (1,57 Meter) und athletische Hengst ist der Zucht-Champion bei den Freizeitpferden in Frankreich. Das verdankt er seinem guten Interieur, das für die Zuchtbewertung unter die Lupe genommen wird – mit einem Test, der der Gelassenheitsprüfung entspricht.

Klar, dass Or Noir hier kräftig punktet. Neugierig galoppiert der Hengst nach der Freiheitsdressur zum Teich und schnuppert am Wasser. Thiery Lafitte pfeift, der Hengst hebt den Kopf, läuft zu ihm zurück und lässt sich das Halfter aufziehen. So gut erzogen sind alle Pferde der Lafittes. „Unsere Fohlen wachsen wie Familienmitglieder auf“, sagt Thiery. Libertin, der zweite Deckhengst der Lafittes, hat ebenfalls beste Manieren. Dicht an dicht galoppieren die beiden Hengste später unter ihren Reitern über die Wiese. Sie wirken majestätisch.

Prince noir, schwarzer Prinz, heißen die Mérens in Frankreich. Sie dienten früher französischen Bergbauern in den Pyrenäen als genügsame Arbeitspferde. Die Rappen zogen auch zwielichtige Gestalten an: Schmuggler an der französisch-spanischen Grenze nutzten sie als gut getarnte Packtiere im unwegsamen Gebirge. Wie lange es die Rasse gibt, weiß niemand genau. Einige Liebhaber behaupten, schon der römische Kaiser Julius Caesar, der im letzten Jahrhundert vor Christi Geburt lebte, habe die Mérens bewundert. Immerhin beschrieb er Gallier, die auf „herrlich schwarzen Pferden ritten, die mehr solid als schnell beritten waren“. Belegt ist, dass der französische Kaiser Napoleon Bonaparte (1769 bis 1821) Mérens vor seine Kanonen spannte.

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Freizeitreiter lieben Merens

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Eine Mérens-Herde galoppiert über eine Bergwiese in den Pyrenäen. Viele Fohlen der französischen Pferderasse wachsen noch halbwild im Gebirge auf.

Auf ihrem Hof in Eppingen treffen sich gerade Besitzer von Mérens zum Bodenarbeitskurs. Ihre Pferde stammen von den Lafittes. „Mérens nehmen einen sofort ein“, sagt Dr. Barbara Krebs-Breuer, die bei einem Urlaub in den Pyrenäen auf die Rappen stieß und Wallach Olan kaufte, der spä. „Mérens brauchen eine konsequente Ausbildung. Werden sie unfair behandelt, neigen sie zum Eigensinn“, sagt Krebs-Breuer und vergleicht die Rappen mit den Blonden aus Tirol: „Letztlich sind es Haflinger in schwarz.“ Gebirgspferde sind jedenfalls beide – und die Urtypen sind eher stämmig.

Lafittes züchten sportlichere Modelle, schlanker, langbeiniger. Sie haben normalerweise ein Stockmaß zwischen 1,35 und 1,55 Metern; weiße Farbe ist nur am Kopf erlaubt – und selten. Dies hat nicht unbedingt etwas mit gezielter Selektion zu tun: Angeblich pickten sich die Bauern Tiere mit auffälligen Abzeichen als Arbeitspferde heraus, weil sie diese leichter wieder erkannten. So blieben irgendwann nur schwarze Pferde in den Bergen zurück.

Noch heute leben viele dort halbwild. Anfang des 20. Jahrhunderts sah es für die Mérens düster aus, die Rasse drohte auszusterben. Heute gibt es wieder etwa 5000 Tiere; außerhalb Frankreichs werden sie vor allem in den Niederlanden gezüchtet. In Deutschland sind rund 250 registriert. „Die Dunkelziffer ist sicher höher, weil viele Mérens ohne Papiere übers Elsass nach Deutschland kommen“, meint Zwicknagl. Für die Lafittes und ihre Hengste ging es im Transporter am nächsten Tag weiter zur Show nach Offenburg. „Ey, ey“, Or Noir.

Kontakt:

Familie Lafitte
Chemin de Cagomil
09160 Caumont
www.merens.biz

IG Cheval de Mérens
Betsy Zwicknagl
Emil-Thoma-Str. 31
75031 Eppingen
www.ig-merens.de

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Ausprobiert: CAVALLO-Redakteurin reitet Mérens

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Cathrin Flößer fühlt sich auf dem kräftigen Olan wohl. Er läuft fleißig.

Olan misst kaum mehr als 1,40 Meter Stockmaß. Trotzdem fühle ich mich auf dem breiten Mérens-Wallach nicht wie auf einem Pony. Obwohl ich mit 1,75 Metern recht groß bin, deckt mich das kräftige Bergpferd mit seinem breiten Rücken gut ab. Mal sehen, ob sich Olan auch im nordbadischen Flachland wohl fühlt?

Fleißig schreitet der achtjährige Rappe im Schritt voran. Am Sitzkomfort gibt es nichts auszusetzen; der Wallach ist bequem. Dass Olan regelmäßig auf dem Reitplatz gearbeitet wird, merkt man sofort: Er reagiert bereits auf leichte Hilfen und lässt sich problemlos in alle Seitengänge verschieben. Ich reite Schulterherein und Travers. Sein Trab ist nahezu erschütterungsfrei; den Galopp könnte er etwas besser durchspringen.

Bei weniger erfahrenen Reitern schätze ich ihn als Schlitzohr ein. In jeder Runde lugt er zum offenen Ausgangstor. Der schöne Proberitt hat nur einen Nachteil: Das schwarze Pferd zieht mächtig viele Fliegen an.

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