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Distanzreiterin im Porträt: Sybille Markert-Baeumer

Eine Frau für Höhenflüge

Sybille Markert-Baeumer ist deutsche Meisterin im Distanzreiten, leitet einen riesigen Hof und züchtet Araber, die Höhentraining machen.

Porträt: Distanzreiterin Sybille Markert-Baeumers

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Rot ist ihre Lieblingsfarbe: Sybille Markert-Baeumer und ihre Stute Garibha sind farblich Ton in Ton.

Auf dem Schilchernhof wuselt es. Eine Horde Gänse watschelt hinterm Haus, zwei Hunde balgen sich im Vorgarten, in einem riesigen Käfig hoppeln unzählige Kaninchen, auf den Weiden grasen Rinder und galoppieren Araber.

Das ist das Reich von Sybille Markert-Baeumer. Die Hofherrin hat Biologie studiert, ist Züchterin, amtierende deutsche Meisterin im Distanzreiten auf der Königs­etappe von 160 Kilometern und mehrfache Team-Weltmeisterin im Drachenfliegen. Und sie ist eine Kämpfernatur.

CAVALLO trifft die gebürtige Münchnerin auf ihrem Hof, der idyllisch in Dietmannsried im Allgäu liegt. Hier werden an diesem Morgen fleißig Pferde trainiert. „Das ist Blue Tineah, eine unserer Mutterstuten.“ Sie zeigt zu einem Pferd, das sich auf dem Reitplatz im Freispringen übt. Blue Tineah hat ein Fohlen und steigt gerade wieder ins Training ein. Sybille Markert-Baeumer hat eine kleine Araberzucht mit fünf Zuchtstuten und zwei Zuchthengsten.

Dabei beschäftigt sie sich noch gar nicht so lange mit Pferden. Im Jahr 2001 kaufte sie die ersten zwei von einem Arabergestüt, das aufgelöst wurde. „Am wichtigsten war mir, dass es keine Schimmel sind – die muss man zu viel putzen“, lacht sie.

Ihre pferdeverrückte Tochter Janina ­bekam die Araberstute Karina und ritt sie auf Turnieren. Sie startete in A-Dressuren und A-Springen. Schnell wurde aber klar, dass sie mit einem Araber auf klassischen Turnieren in den höheren Klassen keinen Blumentopf gewinnen konnte. „Kauft euch einen Warmblüter“, rieten damals viele.

Zusammen mit ihrem ersten Mann hatte Sybille Markert-Baeumer im Jahr 2000 den Schilchernhof erworben. Ein halbes Jahr später verunglückte ihr Mann, ebenfalls ­leidenschaftlicher Flieger, beim Absturz mit einem motorisierten Kleinflugzeug tödlich. „Da stand ich nun, mit zwei Kindern und einem Hof.“ Doch Aufgeben war noch nie ihr Ding. Sie entschloss sich, allein weiterzumachen, nahm die ersten Einsteller auf und vergrößerte nach und nach. Mit Erfolg. Heute stehen insgesamt 45 Pferde auf dem Hof, seit 2008 gehört ­sogar eine moderne Reithalle dazu, und für Urlauber stehen Ferienwohnungen bereit.

Alle Hände voll zu tun

Porträt: Distanzreiterin Sybille Markert-Baeumers

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So hat sie ein Auge auf die Einstellerpferde, und sie koordiniert die Gästeübernachtungen sowie die Seminare, die auf dem Hof stattfinden. Als Betriebsleiter hat sie Christopher Thänert angestellt, die ­Pferde trainiert Petra Feuchtmüller.

Ihren eigenen Urlaub lässt sich die 52-Jährige bei all der Arbeit nicht nehmen: „Das muss drin sein“, betont sie. Im Treppenhaus hängen Fotos von einer Reise, die sie kürzlich mit ihrem zweiten Mann Fritz nach Kenia unternahm. „Ich bin durchs Drachenfliegen viel herumgekommen; das hat mich sehr reiselustig gemacht“, sagt sie. Auch im Urlaub sucht sie Herausforderungen: In Kenia erklomm sie mit Fritz den 5200 Meter hohen Mount Kenia.

Die Töchter sind mittlerweile ausgeflogen – und das ist wörtlich zu nehmen: Janina (22) schließt gerade ihre Piloten-Aus­bildung ab und wird wohl bald Passagie-re mit dem Airbus durch die Welt befördern. Nicola (24) ist eine von zwei deutschen Frauen, die bei der Bundeswehr einen Tornado fliegen. Dass Sybille Markert-Baeumer ihre Fliegerleidenschaft vererbt hat, bestreitet sie aber: „Ich habe einfach das Extreme weitergegeben.“

Leidenschaft für lange Strecken

Porträt: Distanzreiterin Sybille Markert-Baeumers

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Blue Tineah beim Springen: Die Pferde werden hier vielseitig ausgebildet.

Die Mutter war dabei und erinnert sich amüsiert: „Wir waren völlig unprofessionell. Die anderen Teil­nehmer hatten was zum Kühlen dabei; sie waren mit allem ausgerüstet, was man fürs Distanzreiten braucht – wir nicht.“

Markert-­Baeumer konzentrierte sich da noch voll aufs Drachenfliegen. Im Sattel saß sie nur ab und zu. „Ich bin 30 Jahre lang ­professionell geflogen. Bis zur WM 2006 in Florida; da kam es mir plötzlich gefährlich vor.“ Dem Leistungssport blieb sie treu. Den Drachen tauschte sie eben gegen ein Pferd.

„Dressurreiten war nie mein Ding, ­Wanderreiten füllte mich nicht aus. Da liegt Distanzreiten nahe“, erklärt sie und zeigt ihre Stute Garibha, mit der sie die deutsche Meisterschaft über 160 Kilometer gewann und beim Internationalen Distanzturnier in Kreuth als beste Europäerin ins Ziel kam.

Die Fuchsstute stammt aus einer russischen Linie und ist mit 1,60 Meter für eine Araberin hoch gewachsen. Ihre große Stärke: die Fitness. Ihre Schwäche: stillstehen beim Putzen. „Im Wettbewerb gehen ihre Pulswerte immer schnell runter, das bringt wertvolle Zeit“, erläutert Sybille Markert-Baeumer. Die 20-minütigen Pausen beginnen für Distanzpferde immer dann, wenn der Puls auf 64 ist. Dass Garibha das so geschwind schafft, mag man bei ihr kaum glauben, weil die Stute eben am Putzplatz keine Sekunde lang stillstehen will.

"Unsere Pferde trainieren sich selbst"

Porträt: Distanzreiterin Sybille Markert-Baeumers

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Und beide sind Kämpfer. „Einmal ist sie mir auf einem 120er-Distanzritt bei Kilo­meter 108 durchgegangen, kurz vor dem Ziel habe ich noch eine Volte geritten, um sie anzuhalten“, erzählt Markert-Baeumer.

Was Garibha sonst noch auszeichnet, wird beim Foto-Shooting schnell klar: Die Stute macht scheinbar ohne Kraftaufwand binnen kürzester Zeit Boden gut. Das CAVALLO-Fototeam kommt mit dem Auto auf den holprigen Feldwegen kaum hinterher. Immer dabei ist Hofhund Leo, ein Mix aus Schäferhund, Husky, Retriever und Hirtenhund. Man mag kaum glauben, dass ein so großer Hund derart ausdauernd ist.

Für Wettbewerbe trainiert Sybille Markert-Baeumer überraschend wenig: Sie reitet etwa dreimal pro Woche zirka anderthalb Stunden. „Dann aber zügig“, sagt die passio­nierte Sportlerin. Für das restliche Pensum sorgen ihre Pferde von allein. Wie das geht, zeigt sie beim Hofrundgang: „Wir haben 17 Hektar Weidefläche, die Pferde sind den ganzen Tag in Bewegung, sie ­legen dabei 20 bis 25 Kilometer zurück.“ Diesen Wert kennt sie genau: „Wir haben ihn mit einer GPS-Uhr gemessen, die wir einen Tag lang an ein Halfter gehängt haben.“

Für ihre Pferde hat Markert-Baeumer auch ein exaktes Haltungskonzept: Seit Jahren werden die Wiesen nicht mehr gedüngt, so entstanden auf 860 Höhenmetern wieder pferdefreundliche Magerwiesen. Über den Sommer bleiben die Pferde vom Schilchernhof rund um die Uhr auf der Koppel, noch nie gab es Koliken oder Hufrehen. Für die Weidepflege sorgt eine kleine Herde Galloway-Rinder, die das fressen, was die Pferde stehen lassen. Der Erfolg gibt Markert-Baeumer recht: Ihre Pferde zeigen auf Distanzritten stets sehr gute Fitnesswerte.

Dieses Haltungskonzept geht auf

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Das ist nun schon ein paar Jahre her, der Wallach grast immer noch auf dem Schilchernhof, geht barhuf und wird sogar regelmäßig spazieren geritten. Sybille Markert-Baeumers eigene Trakehner-Stute Parzelle, mittlerweile 30 Jahre alt, sieht den Tierarzt ebenfalls nur zum Impfen.

Eine weitere Gruppe auf dem Hof bilden die Quarters, Haflinger, Fjordpferde und andere Ponyrassen. Sie kommen auf die ­magersten Koppeln. Aber auch sie können 24 Stunden draußen bleiben, ohne zu dick zu werden. Die Hofherrin weiß: „Wenn ­Pferde nur stundenweise aufs Gras dürfen, fressen sie sehr gierig. Haben sie sich daran gewöhnt, dass sie rund um die Uhr grasen können, fressen sie langsamer und machen mehr Pausen.“

Pinto-Araber-Stute Tiara denkt gerade gar nicht ans Fressen, sondern galoppiert die Weide auf und ab. „Wir haben ihr Fohlen abgesetzt, deshalb ist sie heute aufgeregt.“ Tiara gehört ihrem Mann Fritz, der die ­gleichen Hobbys hat: Fliegen und Reiten. Mit Tiara möchte er auch Distanzritte bestreiten. „Nächstes Jahr wird es dann schwer für Sybille“, frotzelt er. Da hat er sich viel vorgenommen, denn seine Frau ist ehrgeizig. Sie möchte 2010 zu den Weltreiterspielen nach Kentucky fliegen. Dass sie und ihre Stute das nötige Kämpferherz besitzen, ­haben sie schon bewiesen.

"Sie will gewinnen"

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privat

Ich habe Sybille Markert-Baeumer zum ersten Mal im Jahr 2006 bei einem Distanzritt in Altensteig im Schwarzwald getroffen. Damals war ihre Tochter Janina mit ihrem Pferd am Start, sie selbst nicht. Danach trafen wir uns immer häufiger bei verschiedenen Rennen. Auf ihrem idyllischen Hof im Oberallgäu war ich erstmals mit meinem Mann 2009, als wir ihre neue Reithalle mit Vlieshäcksel belieferten. Dass Sybille aus dem Leistungssport kommt und bereits viele Championate im Drachenfliegen bestritten hat, merkt man. Sie hat einfach eine andere Leistungserwartung und geht nicht einfach an der Start, um durchzukommen, wie so viele Distanzreiter hier in Deutschland. Sie will gewinnen, und das meine ich auf gar keinen Fall negativ.

Ihre Araber-Stute Garibha gefällt mir sehr gut. Sie hat offenbar auch die nötige Härte und das Herz für den großen Sport. Die Stute ist langbeinig, steht korrekt und macht bei Wettbewerben mit wenig Aufwand viel Boden. Das Besondere an Sybilles Haltungskonzept sind die vielen Kräuterwiesen in Hanglage auf über 800 Metern Höhe. Ihre Araber-Nachzucht ist noch jung, sie muss sich in Zukunft erst beweisen, gefällt mir aber sehr gut.

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