Die größten Tops & Flops Lisa Rädlein

Fortschritte und Fehlentwicklungen im Reitsport

25 Jahre CAVALLO Fortschritte und Fehlentwicklungen im Reitsport

Seit 1996 ist CAVALLO ganz nah dran an allen Themen rund ums Pferd, hat Meilensteine gesetzt und geholfen, Stolpersteine aus dem Weg zu räumen. Zeit für einen Rückblick auf die wichtigsten Fortschritte und Fehlentwicklungen – und natürlich für Ausblicke in die Zukunft.

Vielseitige Pferdeausbildung: GHP, Dualaktivierung, Bodenarbeit

GHP: Eine der coolsten Erfindungen der letzten 25 Jahre! Nicht ohne Stolz zählen wir dazu die Gelassenheitsprüfung (GHP), die CAVALLO im Jahr 2002 gemeinsam mit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) ins Leben rief. Ohne das Prüfungsformat wären viele Schreckgespenster noch unbesiegt.

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25 Jahre CAVALLO Die größten Tops & Flops
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Die größten Tops & Flops
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Die Top 3 für vielseitige Pferdeausbildung: GHP

Dualaktivierung: Kaum ein Reitstall kommt heute noch ohne sie aus: die blau-gelben Schaumstoffgassen. 2004 stellte CAVALLO das Trainingskonzept "Dualaktivierung" von Michael Geitner vor. 2013 kam mit dem Intervalltraining in der Quadratvolte die Equikinetik als Meilenstein dazu.

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Die Top 3 für vielseitige Pferdeausbildung: Dualaktivierung

Bodenarbeit: Immer mehr Menschen beschäftigen sich heute mit dem Pferd, ohne zu reiten, wie eine aktuelle Studie zeigt. Unter den im Verein organisierten Reitern tun das 28 Prozent, unter den nicht organisierten sogar 45 Prozent. Passt dazu: das Bodenarbeitsabzeichen der FN (seit 2014).

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Die Top 3 für vielseitige Pferdeausbildung: Bodenarbeit

Meilenstein: Unterricht mit mehr Offenheit

Wer heute erwachsen ist und in jungen Jahren reiten lernte, wird die Kasernenhof-Kommandos der Abteilungsstunden noch im Ohr haben. Oder sich an bockende Schulpferde nach Stehtagen erinnnern. Auch CAVALLO erlebte das in den Reitschultests der 90er-Jahre hautnah mit – und forderte Veränderung. Die kam mit den Jahren: Pädagogisch wertvoller Kinderreitunterricht, innovative Sitzschulungsmethoden und Reitlehrer mit offenen Ohren sind ein echter Fortschritt.

Unterricht heute und damals: Früher war nicht alles besser. Ein paar Dingen trauern Ausbilder aber doch nach.

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Unterricht heute und damals.

Das sagen die Ausbilder:

"Pferde sind für viele heute Familienmitglieder – Reiter und Ausbilder machen sich daher auch mehr Gedanken um harmonisches Training. Teils werden die Pferde aber auch vermenschlicht und so überfordert. Echtes Horsemanship, auch wenn der Begriff heute gerne für eine bestimmte Disziplin genutzt wird, ist an vielen Stellen verlorengegangen. Ebenso die Bereitschaft, sich selbst zu quälen, um reiterlich dem Pferd etwas bieten zu können."

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Dr. Britta Schöffmann, Dressur-Ausbilderin

Dr. Britta Schöffmann, Dressur-Ausbilderin.

"Der Umgangston hat sich verbessert. Speziell jüngere Ausbilder haben sich vom militärischen Drill verabschiedet. Und es gibt eine größere Offenheit gegenüber anderen Reitweisen. Ich würde mir aber wünschen, dass mehr Disziplin und Verantwortung vermittelt werden. Es liegt in unserer Verantwortung sicherzustellen, dass unsere Pferde jeden Tag sinnvoll beschäftigt werden. Ein Offenstall ist keine Ausrede, Pferde nicht zu bewegen."

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Bernie Zambail, Parelli-6-Stern-Instructor

Bernie Zambail, Parelli-6-Stern-Instructor.

"Die Welt des Unterrichtens ist bunter geworden. Neue Wege, etwa bei der Sitzschulung, sind nötig, denn es gibt mehr reitende kleine Kinder und deutlich ältere Reitanfänger als früher. Heutzutage bewegen sich Kinder deutlich weniger als vor 25 Jahren. Der Reitlehrer muss oft zur Bewegung anleiten, manchmal ist er gar eine Art Personal Coach oder Physiotherapeut. Die Reitlehrerausbildung sollte daher noch viel differenzierter werden."

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Sibylle Wiemer, Ausbilderin/Franklinbewegungspädagogin

Sibylle Wiemer, Ausbilderin/Franklinbewegungspädagogin.

Bremsklotz: Rollkur: "Kringel-Pferde werden akzeptiert"

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Dr. Gerd Heuschmann ist Tierarzt und Biomechaniker und bildet Pferde und Reiter nach der klassischen Reitlehre der H.Dv. 12 aus.

Dr. Gerd Heuschmann ist Tierarzt und Biomechaniker und bildet Pferde und Reiter nach der klassischen Reitlehre der H.Dv. 12 aus. Im Jahr 2006 schrieb er das vielbeachtete Buch "Finger in der Wunde", in dem er Rollkur-Training anprangerte. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was sich seither getan hat.

CAVALLO: Herr Dr. Heuschmann, war Ihr Kampf gegen die Rollkur erfolgreich?

Dr. Gerd Heuschmann: Natürlich gibt es noch ein paar ewig gestrige Rollkur-Reiter, die ihr Pferd brutal zusammenziehen. Aber die sind in der Minderheit. Das Problem sind heute eher die vielen Reiter, die ein sich einrollendes Pferd akzeptieren, weil sie denken, es ginge am Zügel. Diese Kringel-Pferde müssen erst mal den Bogen in der Oberlinie weitmachen und den Rücken loslassen. Leider wird den Leuten aber auf Turnieren Passagegeschwebe mit festem Rücken und damit eine völlig falsche Interpretation der klassischen Reitlehre vorgeritten und auch noch honoriert.

Sind die Turnierreiter also immer noch diejenigen, die Probleme machen? Das kann man so nicht sagen, für mich ist es allgemein ein Drama, wie geritten wird. Wo sind denn die zufriedenen Pferde? Auf dem Boden der wichtigen Kritik an der Rollkur sind neue Dinge gewachsen, die auch problematisch sind. Es hat sich ein Raum aufgetan für Menschen, die anders denken – das ist gut, aber darunter sind viele Gurus, die ihre Lehre als einzig richtige verkaufen. Da heißt es dann, der Pferdekopf muss hoch oder zur Seite. Dabei ist jede Zwangshaltung falsch.

Hat die Rollkur-Debatte zur Spaltung der Reiterwelt beigetragen? Ja, die Rollkur steht für das Böse in der Reiterei. So entstand eine Teilung in vermeintlich böse Turnierreiter und vermeintlich gute Freizeitreiter, die uns schadet. Leider verbinden heute viele die klassische Reitlehre mit Reitern, die in Rücklage im Gebiss hängen und wenden sich ganz ab. Das ist fatal. Denn wir brauchen eine solide Basis für eine vernünftige Reitausbildung. Reiter müssen lernen, was Losgelassenheit ist.

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Rollkur am Abreiteplatz: Bilder, die die Reiterwelt schockierten und bis heute noch stark prägen.

Bremsklotz: Pauschen & Co: "Fatal für den Pferderücken"

Es ist, als ob sich die Entwicklungen der letzten 25 Jahre eingeprägt hätten ins Leder der heutigen Sättel – und nicht nur die guten. Dicke Pauschen kaschieren mangelnde Sitzschulung, Vorgurtstrupfen sind hochgezüchteten "Lampenaustretern" geschuldet, erklärt Sattlermeister Tarquin Cosack.

Die Sattel-Diskussion
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Tarquin Cosack ist Sattlermeister.

CAVALLO: Was waren die wichtigsten Entwicklungen der vergangenen Jahre?

Tarquin Cosack: Die Schere der verschiedenen Konzepte geht immer weiter auf. Auf der einen Seite werden immer spezialisiertere Sättel für den Leistungssport ausgetüftelt. Auf der anderen Seite gibt es heute ein größeres Bewusstsein als vor 20 Jahren dafür, dass diese Sättel nicht für Freizeitreiter geeignet sind. Der Anteil derer, die sich zur Erholung vom Pferd im Gelände tragen lassen, ist gestiegen. Dass parallel Sattelkonzepte mit größerer Auflagefläche entstanden sind, um den Pferderücken zu schonen, ist eine gute Entwicklung.

Klappt denn die klare Trennung bei Freizeit- und Sportsattel? Leider nicht – immer wieder landen die "Ferrari" für den Leistungssport durch Fehlberatung unterm Hintern von Freizeitreitern. Diese Sättel sind dazu da, feinste Bewegungen zu übertragen, haben immer kleinere Kissen. Diese kleine Auflagefläche bedeutet punktuell mehr Druck. Damit ins Gelände zu reiten, ist etwa wie Wandern mit Stöckelschuhen.

Welche Entwicklung würden Sie am liebsten zurückdrehen? Die Vorgurtstrupfe! Sie ist am Kopfeisen befestigt und klemmt so beim Gurten den Sattel auf den Trapezmuskel. Das braucht nur, wer mit einem Lampenaustreter im 20 x 60-Viereck über die Diagonale schüsselt. Anders ist es dann fast nicht möglich, den Sattel zu stabilisieren – das gilt auch bei bestimmten Exterieurmerkmalen, um den nicht gewollten Schweifriemen zu ersetzen. Leider ist diese Erfindung heute aber bei 90 Prozent der Konfektions-Dressursättel eingebaut.

Woher kommen die dicken Pauschen? Sie kaschieren mangelnde reiterliche Ausbildung und Balance. Pauschen und zu gerade Sattelblätter aber machen den Reiter unbeweglich im Becken. Das ist wiederum fatal für den Pferderücken.

Komfort fürs Pferd: bessere Sattelanpassung, gebisslose Zäumung

Auch vor der Sattelkammer machten technischer Fortschritt und Individualisierung keinen Halt und brachten in den vergangenen Jahren mehr Komfort fürs Pferd: Neue Messmethoden für die Sattelanpassung, gebisslose Zäume für jeden Bedarf und anatomisch geformte Kopfstücke eroberten den Markt.

Sattel-Daten: Bei der Sattelanpassung hat sich viel getan: Schon in den 80ern entwickelte Sattlermeister Christoph Rieser einfache Messgerippe, seit 2002 erfasst sein " Equiscan Topograph" den Pferderücken in 3D.

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Sattel-Daten.

Meilenstein: Freiheit am Kopf

2016 prüfte CAVALLO bei über 100 Freizeitund Turnierpferden die Verschnallung der Reithalfter nach, bei 54 saß es zu eng. Große Studien liefern ähnliche Ergebnisse. Lichtblick: Der von der International Society for Equitation Science (ISES) erarbeitete Messkeil zur Kontrolle, seit 2012 stetig weiterentwickelt. Freiheit fürs Pferdemaul versprechen gebisslose Zäume. Prominentes Modell: Der LG-Zaum mit Glücksrad, den Monika Lehmenkühler 2002 erfand.

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Der LG-Zaum mit Glücksrad.

Pflege und Mode: Was ist anders?

Pflege: "In den letzten 25 Jahren hat sich im Bereich Insektenschutz und Pflege sehr viel getan. Zugewanderte Stechinsekten erfordern breitere Wirkspektren. Man hinterfragt ständig seine Rezepturen und versucht diese zu verbessern, noch verträglicher und anwenderfreundlicher zu machen sowie umwelt- und klimafreundlicher zu werden. Umweltaspekte werden in den nächsten Jahren noch viel mehr in den Fokus rücken." Nikolai Piefel, Produktmanager ZEDAN von MM-Cosmetic.

Mode: "Reitkleidung ist anders, Beispiel Reitstiefel: Der klassische Dressurstiefel war geformt wie ein Ofenrohr und hart wie ein Brett. Das Eintragen solch eines Stiefels war mit viel Schmerzen und Schweiß verbunden. Ab dem Jahr 2000 etwa entwickelte Cavallo die ersten Stiefel mit Reißverschlüssen. Dadurch konnten die Schäfte enger und ergonomischer werden." Stephan Krückemeyer, Lederspezialist bei Cavallo.

Meilenstein: "Artgerechte Haltung ist keine Pionier-Arbeit mehr"

Torsten Hinrichs gründete seine Firma HIT im Jahr 2001. Seitdem baut er Aktivställe.

CAVALLO: Wie war das damals, als Sie die ersten HIT Aktivställe errichteten?

Torsten Hinrichs: Anstrengend! Wir haben viel Gegenwind bekommen. So viel Technik-Schnickschnack wollte man in einem Pferdestall damals nicht haben. Unsere ersten Kunden waren Landwirte mit Pensionspferdehaltung, die dem Konzept offen gegenüberstanden und es viel praktischer fanden, Auslaufflächen abzuschieben als 30 Boxen einzeln auszumisten. Seither hat sich viel getan. Oh ja. Offenställe hatten lange Zeit ein Schmuddel-Image – artgerechte Haltung verband man mit Matsch und Zottelfell. Nach und nach konnten wir überzeugen, dass es auch anders geht. Ab 2010 entstanden viele neue Reitanlagen, die mit einem Aktivstall gebaut wurden. Und inzwischen können wir uns vor Aufträgen kaum noch retten.

Wo gibt es noch Luft nach oben? Wir wissen immer besser, wie Gruppenhaltung funktioniert. Die Knackpunkte liegen in der Art der Fütterung und den Fütterungszeiten, ausreichend großen Lauf- und Liegeflächen und der Struktur des Stalls. Luft nach oben gibt es immer: Mehr Ressourcen und spezielle Bereiche für Pferde mit unterschiedlichen Bedürfnissen erhöhen den Komfort für die Tiere enorm. Und es lohnt sich, hier zu investieren. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass bei Betrieben, die in diesen Bereichen nachgebessert haben, die Kunden Schlange stehen – und dass, obwohl die Preise deutlich erhöht wurden.

Hat die Boxenhaltung bald ausgedient? Die reine Boxenhaltung auf jeden Fall. Auch traditionelle Reitbetriebe können ohne artgerechte Haltung kaum noch Kunden gewinnen. Da wird viel umgebaut und erweitert. Wir erleben sogar, dass noch recht neue Paddockboxen abgerissen werden, um Platz für Gruppenhaltung zu schaffen.

Bremsklotz: Die Hengsthaltung

Ein Trend wurde zum Haltungsproblem: der Reithengst. Neue Reitweisen wurden bekannt, passende Pferde waren gefragt. Zum Beispiel für die beliebte Barockreiter-Szene. Plötzlich zogen iberische Hengste in Pensionsställe ein.

Doch bis heute ist die Hengsthaltung in vielen Reitbetrieben ein Problem: Häufig leben die Tiere in isolierten Boxen, und Freigang klappt höchstens mal stundenweise auf einem kleinen Paddock. Die langjährige Hengsthalterin Silvia Müller klagt über schlechte Haltungsbedingungen und mangelndes Verständnis ihrer Mitreiter. Ihre Lösung: "Inzwischen haben wir zum Glück einen eigenen Stall."

Dabei geht es doch auch anders: Auf dem Barockpferdehof Fleur de Lis im Allgäu haben Hengste viel Auslauf, und den sogar zusammen in der Herde. Vorbildlich!

Die Matratze: Mehr schlecht als recht

Heute wird sie kritisch beäugt, vor 25 Jahren gab’s sie noch recht häufig: Die Boxen-Matratze war aber nicht immer so gut, wie sie sein könnte. Redakteurin Nadine Szymanski sah diese "Wohnsituation" damals zum ersten Mal bei ihrem Reitbeteiligungspferd, das in einen neuen Stall gezogen war – und war entsetzt. Sie beförderte die stinkende Masse aus platten Pferdeäpfeln und nassem Stroh auf den Misthaufen. Doch der Stallbesitzer war von seiner neuen Helferin nicht begeistert: Er schmiss sie lieber raus, anstatt sich um eine ordentliche Matratzeneinstreu zu bemühen.

Meilenstein: Verhalten: Wie Pferde lernen und leiden

Die Forschung rund ums Pferd steckte noch in den Kinderschuhen, als die Wissenschaftlerinnen Dr. Vivian Gabor und Dr. Kathrin Kienapfel ihre Leidenschaft für das Pferdeverhalten entdeckten. Studiengänge rund ums Pferd gab es noch nicht; beide studierten Biologie.

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Übung für die Forschung: Pferde können Symbole unterscheiden.

Mit ihrer Studie über das Lernverhalten von Pferden war Dr. Vivian Gabor 2006 eine Exotin. Sie zeigte: Pferde, die im Laufstall gehalten werden, lernen besser als Boxenpferde. 2012 veröffentlicht sie eine weitere Studie: Pferde können Symbole unterscheiden und zählen. Dr. Kathrin Kienapfel ärgerte sich schon als 15-Jährige über die "Zieherei an den Zügeln".

Als die Rollkur in den Medien kritisiert wurde, startete sie ihre Forschung zur Kopf-Hals-Position: "Hyperflexion" schadet den Pferden – und die Tiere zeigen durch ihr Verhalten, dass sie sich damit nicht wohlfühlen. Damit feiert sie Erfolge: 2018 dokumentierte sie die Stressanzeichen von Pferden auf dem Abreiteplatz auf dem CHIO Aachen. Ein Jahr später wurden dort erstmals Info-Stewards als Ansprechpartner für kritische Zuschauer eingesetzt.

Bremsklotz: Das moderne Sportpferd

In der Sportpferdezucht hat sich in den vergangenen Jahren viel getan: Die Pferde sind sensibler, eleganter und viel ganggewaltiger geworden. Doch vor allem die extreme Beweglichkeit, aus der die großen Tritte kommen, geht auf Kosten der Gesundheit.

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Die Pferde sind eleganter und bewegungsstärker geworden. Doch das geht zu Lasten ihrer Gesundheit.

"Die spektakulären Bewegungen sind nur möglich, weil die Pferde sich physiologisch verändert haben", erklärt Tierärztin Dr. Selma Latif, die sich auf Reha und Sportmedizin von Pferden spezialisiert hat: Faszien, Sehnen und Bänder sind dehnbarer geworden und dadurch instabil.

Die Kräfte auf Knochen, Muskeln und Gelenke können daher nicht mehr so gut abgepuffert werden. "Fesselträgerschäden gehören inzwischen zu den häufigsten Erkrankungen unserer Kundenpferde", stellt Hufschmied Uwe Lukas fest. "Mit den langen Beinen und der Überbeweglichkeit haben wir uns Probleme eingehandelt, über die wir nachdenken müssen."

Meilenstein: Es geht auch ohne Eisen!

Das 21. Jahrhundert läutet in Sachen Hufbearbeitung eine Trendwende ein: Das Pferd kann auch ohne Hufeisen laufen – und vielleicht sogar besser! Hufbearbeitungs-Schulen sprossen aus dem Boden und neuartige Bearbeitungsmethoden wurden entwickelt und optimiert – nicht ohne Versuch und Irrtum.

Besonders umstritten ist bis heute die "Straßer-Methode", weil die Pferde dabei während der Umstellung weder geschont noch mit Schmerzmitteln unterstützt werden.

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Es geht auch ohne Eisen!

Gleichzeitig wurde an alternativem Hufschutz getüftelt, der den Hufmechanismus nicht so stark behindert wie ein starres Eisen. Hufschmied Hubert Frank beispielsweise präsentierte im Jahr 2000 seine Kunststoff-Alternative zum klassischen Hufeisen: Der Duplo war geboren. Heute ist er längst nicht mehr der einzige Plastik-Treter für Pferdefüße.

Auch im Hufschuh-Markt hat sich viel getan: Inzwischen freuen Reiter sich über komfortable Modelle, die sie ihrem Pferd anziehen können, ohne sich die Fingernägel abzubrechen, und die beim Reiten nicht beim ersten Galopp im hohen Bogen davonfliegen.

Auf Facebook haben Reiter einen Blick zurückgeworfen

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Die modernen Sportpferde sind hypermobile, durchtrittige, extrem elastische Püppchen geworden. Als Reitpferd für Otto Normalreiter kaum zu sitzen und zu händeln. Ich vermisse die Pferde vom alten Schlag: gesund, langlebig und vor allem klar im Kopf! Tamara Mueller

"Top: Mehr Fokus auf Bodenarbeit und dem natürlichen Verhalten von Pferden." Marleen Chevaux

"Früher das grauenhafte Sammelsurium von Hilfszügeln. Heute sehe ich deutlich weniger." Ellen Hölscher

"Die größte Veränderung war: weg von der Ständerhaltung." Jutta Bauernschmidt

"Die Reiterei ist schlimmer geworden, die Qualität und Haltung des Pferdes besser." Charly Vandroemme

"Die Reiterei hat sich massiv zum schlechteren verändert, Auswüchse wie Rollkur sind Zeichen dafür, dass es am Basiswissen fehlt." Sabine Göb

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