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Kraftfutter für Pferde: Was Reiter über Hafer & Müsli wissen müssen

Getreide liefert Pferden Energie

Kraftfutter – aber welches? Pferde bekommen Getreide als Futter. Wenn es um die Wahl der Sorte geht, herrschen Vorurteile. Welches Getreide ist optimal für das eigene Pferd? Wovon hängt das ab? Und wie sollten die Körner am besten gefüttert werden?

Die Kraft der Körner steht bei Reitern hoch im Kurs. Viele glauben, dass ihre Pferde nur mit einer guten Portion Getreide in der Krippe genug Energie für ihren Job als Reitpferd haben. Doch welches Getreide ist optimal für das eigene Pferd? Wovon hängt das ab? Und wie sollten die Körner am besten serviert werden?

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Getreide liefert konzentrierte Energie. Das war nötig, als Pferde noch lange und schwer schufteten. Heute haben die Tiere mehr Freizeit und weniger Arbeit, so dass die meisten ihren Bedarf mit Raufutter decken können. Reichlich gutes Heu (mindestens 1,5 Kilo pro 100 Kilo Körpergewicht und Tag) ist für Sportler das beste Futter. „Viele Pferde brauchen deshalb gar kein Getreide“, sagt Futterberaterin Constanze Röhm aus Wesel/NRW. Fragen Sie also nicht zuerst nach der Getreidesorte, sondern prüfen Sie, ob Körner für Ihr Pferd überhaupt nötig sind. Hilfe leistet im Zweifel ein Fütterungsexperte, der die richtige Ration individuell berechnet.

Dass Getreide als Pferdefutter überschätzt wird, meint auch Dr. Hans-Peter Karp, Geschäftsführer des Futtermittelherstellers Derby. „Die Verdauung der Tiere ist nicht auf große Stärkemengen ausgelegt.“ Doch Körner bestehen etwa zur Hälfte aus Stärke. Die Moleküle werden vor allem im Dünndarm verdaut. Je größer und komplexer sie strukturiert sind, desto schwieriger wird das für den Pferdekörper. Und je weniger verdaut werden, desto mehr landen im Dick- und Blinddarm. Dort können sie Probleme wie Durchfall oder Kotwasser verursachen, aber auch Koliken oder Hufrehe.

Wer Getreide füttert muss nicht immer ganze Körner in die Krippe geben. „Kleie, die bei der Mehlproduktion anfällt, enthält zum Beispiel viele Nährstoffe und wenig Stärke“, sagt Futterprofi Hans-Peter Karp. Besser verdaulich wird Getreide, das mechanisch oder mit Wärme behandelt wurde. „Dabei brechen die Stärkemoleküle auf und können leichter abgebaut werden“, erklärt Karp. Der Verdauungsvorteil hat seinen Preis: Behandeltes Getreide ist teurer und verdirbt recht schnell.

Was steckt in Getreide-Pellets?

Getreidepellets werden in einer Extruder genannten Maschine mit Druck und Wärme geformt. Das macht sie weitgehend keimfrei und lange haltbar. Pellets sind allerdings selten sortenrein, sondern meistens Getreidemixe mit Vitamin und Mineralzusätzen.

Die Wahl der Körnersorte sollte sich nach dem Bedarf des Pferds richten – und nicht nach der Gerüchteküche im Stall. Viele Reiter haben Vorurteile, welches spezielle Getreide Pferden bekommt: Der dürre Blüter braucht angeblich Gerste oder Mais; den rundlichen Norweger sticht leicht der Hafer. „Dass die Rasse beeinflusst, welches Getreide gut vertragen wird, ist wissenschaftlich nicht belegt“, sagt Constanze Röhm. Physiologisch gesehen ist jedes Pferd gleich. Tatsächlich beobachten Fütterungsexperten jedoch Unterschiede. „Kurzbeinige Typen mit großen Köpfen haben oft eine effektivere Verdauung als langbeinige Pferde mit feinen Köpfen“, sagt Constanze Röhm. Deshalb brauchen ihrer Erfahrung nach kompakte Typen in der Regel weniger Getreide als langbeinige Vollblüter.

Futter löst keine Trainingsprobleme

Fütterungsempfehlungen, die sich allein an Rasse, Alter oder der Nutzung eines Pferds orientieren, sind laut Constanze Röhm problematisch: „Jedes Pferd ist anders und muss individuell gefüttert werden. Standards bieten nur eine grobe Orientierung.“ Sie prüft deshalb bei jeder Futterberatung auch die Lebensumstände des einzelnen Pferds. „Die beste Fütterung nützt nichts, wenn in der Haltung und beim Training etwas grundlegend schief läuft.“

Schief gewickelt sind auch Pferdebesitzer, die sich keine Gedanken über die Fütterung ihrer Vierbeiner machen, sich blind auf Stallbetreiber verlassen oder Getreiderationen rein nach Augenmaß zuteilen. Denken Sie daran: Fütterungsfehler belasten das Pferd, statt es in Sachen Leistung zu unterstützen.

Damit Sie sich bei der Körnerwahl nicht mehr auf Gerüchte und Hörensagen verlassen müssen, zeigt CAVALLO Ihnen die wichtigsten Vor- und Nachteile gängiger Körnerfutter inklusive Müsli.

Pferdefutter: Hafer, Gerste, Mais

Hafer vertragen Pferde generell besser als anderen Getreidearten. Er ist der Trumpf im Trog.

Nährwerte: Entgegen aller Vorurteile enthält Hafer nicht besonders viel Energie und Eiweiß. Doch Pferde kauen die großen Körner gut und können die Stärkemoleküle im Dünndarm leicht spalten. Sie nutzen so etwa 80 Prozent der enthaltenen Stärkeenergie – so viel wie bei keinem anderen Getreide.

Die gute Verdaulichkeit kann Pferde heiß machen. Sie ziehen schnell viel Energie aus dem Futter. Dieses Problem lösen Reiter aber nicht mit anderen, schwerer verdaulichen Körnern, die die Verdauung belasten. Besser: weniger Kraft- und mehr Raufutter geben. Auch die Aminosäuren im Hafer passen besser zum Pferdebedarf als bei anderen Getreiden. Zusammen mit dem Raufutter liefert er meist genügend Proteine. Wie bei jedem Getreide fehlen jedoch wichtige Vitamine und Mineralien. Die müssen gegebenenfalls durch Mineralfutter ergänzt werden.

Ob Hafer gelbe, weiße oder schwarze Spelzen hat, ist egal, sein Nährwert ist immer gleich. Zu viel Hafer in der Krippe stört den Stoffwechsel und den Haushalt von Mineralstoffen, Säuren und Basen.

Füttern & lagern: Hafer ist durch seine Spelzen anfällig für Keime und Pilze. Verfärbungen und ein muffiger Geruch warnen vor Toxinen. Laboruntersuchungen oder der Wasser-Test klären die Qualität. Hafer muss immer gut gereinigt sein sowie kühl und trocken gelagert werden. Stimmen die Bedingungen, ist er mehrere Monate haltbar. Quetschen oder schroten muss man Hafer nur für Pferde, die schlecht kauen.

Gerste: Schwere Kost für den Darm

Gerste ist das älteste kultivierte Getreide und vor allem im Orient ein wichtiges Kraftfutter.

Nährwerte: Gerste enthält deutlich mehr Energie als Hafer. 900 Gramm Gerste ersetzen ein Kilo Hafer. Ihre Stärke ist fürs Pferd aber schwer verdaulich. „Sie war schon in der Antike als Auslöser für Hufrehe bekannt“, sagt Hans-Peter Karp. „Das altgriechische Wort für Rehe bedeutet Gerstenkrankheit.“

Dass Pferde mit Gerste weniger heiß werden als mit Hafer, ist kein positiver Effekt. „Schwer verdauliches Getreide belastet den Darm“, erklärt Constanze Röhm. „Die Pferde sind ruhiger, weil die Verdauung viel Energie kostet.“ Viele Reiter glauben, dass Gerste bei dünnen Pferden besonders gut ansetzt. Das können Fachleute nicht bestätigen.

Füttern & lagern: Wegen der harten Körner und der schlechten Stärkeverdaulichkeit sollte Gerste nie ganz gefüttert werden. Oft wird sie geschrotet, optimal ist eine thermische Behandlung. Je stärker Gerstenkörner behandelt wurden, desto kürzer lassen sie sich lagern. Saubere Gerstenkörner sind dagegen länger haltbar als ganzer Hafer.

Mais: Fette, faserarme Flocken

Mais stammt aus Amerika. Er landet erst seit dem 2. Weltkrieg in deutschen Pferdemägen.

Nährwerte: Maiskörner bestehen zu gut 60 Prozent aus Stärke und sind daher eiweiß- und rohfaserarm. Weil der Maiskeim viel Fett enthält, gilt das Korn als Dickmacher für Pferde. Doch die Maisstärke ist für Pferde ähnlich schwer verdaulich wie die der Gerste. „Beide Getreide setze ich nur ein, wenn spezielle Mängel auszugleichen sind, etwa weil ein Pferd schnell Fett und Muskulatur aufbauen muss“, sagt Constanze Röhm. „Allerdings ist das immer eine Spezialfütterung für einen bestimmten Zeitraum. Wenn das Pferd wieder fit ist, sollten diese Getreide sofort wieder vom Futterplan verschwinden.“

Füttern & lagern: Damit Pferde die Stärke in Energie umwandeln können, müssen Maiskörner vor dem Füttern behandelt werden. Schroten oder Walzen reichen hier nicht aus, weshalb Mais nur in wärmebehandelten Flocken oder gepoppt verfüttert werden sollte. Maisflocken sind im Futtermittelhandel erhältlich, aber in der Regel nicht besonders lange lagerfähig.

Pferdefutter: Müsli und Dinkel

Müslis basieren auf Getreide, enthalten aber auch viele andere Komponenten wie getrocknetes oder gepresstes Obst und Gemüse, Luzerne, Nüsse oder Kerne und oft süße Melasse. Ihr Vorteil: Es sind alle Nährstoffe drin, die das Pferd zusätzlich zum Heu braucht. Wer einzelne Getreide füttert, muss die gegebenenfalls durch Zusatzfutter ergänzen. Müslis sind oft haferfrei. Das liegt daran, dass Reiter sie häufig zusätzlich zu Hafer geben. Andere glauben, dass Hafer ihre Pferde dick oder heiß macht.

Nährwerte: Es gibt Müslis für jedes Pferd, egal ob leichtfuttriger Freizeitkumpel, Senior oder Spitzensportler. Wie viel Energie im Müsli steckt, steht nicht auf dem Etikett. „Für Pferdemischfutter gibt es keinen überprüfbaren Energiemaßstab“, sagt Hans-Peter Karp. Grobe Orientierung liefern die Rohfasern: Je mehr ein Müsli enthält, desto energieärmer ist es. Sinkt der Energiegehalt, sind im Verhältnis mehr Vitamine und Mineralien drin. Solche Mischungen sind für kleine Freizeitpferde-Portionen gedacht.

Trotz gesetzlich vorgeschriebener Deklaration weiß ein Reiter, der kein Fütterungsexperte ist, nicht immer ganz genau, was er seinem Vierbeiner eigentlich in den Trog schüttet. Selbst Profis können bei langen Inhaltslisten den Überblick verlieren. Constanze Röhm bevorzugt deshalb Müslis mit wenigen unterschiedlichen Bestandteilen.

Füttern & lagern: In Müslis sind die Getreidekörner meistens thermisch oder mechanisch aufgeschlossen, so dass Pferde die enthaltene Stärke möglichst gut verwerten können. Außerdem sorgt die Verarbeitung für eine hohe hygienische Qualität – zumindest, solange das Müsli frisch ist. „Viele Müslibestandteile sind für Mikroorganismen leichter anzugreifen“, sagt Hans-Peter Karp. Müslis verderben deshalb oft schneller als ganzes Getreide. Zur Lagerung eignen sich Säcke. Wird Müsli in großen Mengen verfüttert und im Silo gelagert, entmischen sich die Bestandteile leicht.

Dinkel: Das Mode-Korn

Der Dinkeltrend in der menschlichen Ernährung spült die Urweizenart auch in deutsche Pferdekrippen – vor allem als Müsli-Zutat.

Nährwerte: Der Nutzen von Dinkel im Pferdefutter ist umstritten. Breite wissenschaftliche Erkenntnisse zur Verdaulichkeit bei Pferden gibt es bisher nicht. Constanze Röhm hält wenig vom Mode-Korn: „Alle mit Dinkel gefütterten Pferde, die ich bisher gesehen habe, hatten dicke Bäuche, waren dabei aber rippig und schlapp.“

Füttern & lagern: Um sicherzustellen, dass Pferde Dinkelstärke gut verdauen, sollte das Korn vor dem Füttern geschrotet oder wärmebehandelt werden. Durch seine Spelzen neigt Dinkel zu Keimbefall.

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