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„Pferde behandeln – koste es, was es wolle?“

Bei guter Prognose haben Tierärzte eine Behandlungspflicht, auch gegen den Besitzerwillen. Diese Folge aus Tierschutz und Ethik stößt auf viel Kritik.

Tacheles Diskussion
Foto: Lisa Rädlein

Ich hatte zwei Fälle von Kolik-OPs. Im ersten Fall hatte mein neunjähriges Kaderpony Bindegewebswucherungen; die Prognose war an sich gut, aber vorsichtig. Leider kamen die Wucherungen wieder; ein halbes Jahr nach der OP mussten wir uns geschlagen geben. Vor vier Jahren hatte dann meine vierjährige Stute eine massive Verstopfung; meine Mutter meinte noch zu mir, ich solle ihr keine OP antun, das ginge auf Dauer eh nicht gut. Doch als wir in der Klinik standen und über das Leben dieses jungen Pferds entscheiden mussten, war schnell die Einwilligung zur OP unterschrieben. Gott sei Dank! Heute ist meine Stute acht Jahre alt, hatte seither nie wieder eine Kolik, und von der Narbe ist quasi nichts zu sehen. Ich bin verdammt froh, ihr eine Chance gegeben zu haben. Ich hätte mir das nie verzeihen können, ein so junges Pferdeleben einfach auszupusten, nur weil ich in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht habe. Eva D. via Facebook

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Nicht alle möglichen Behandlungen müssen auch gemacht werden. Oft kommt es mir so vor, als wenn diese Endlosbehandlungen eher für die Pferdebesitzer denn für das Tier bestimmt sind. Elke Aniolczyk via Facebook

Ich stand vor zwei Jahren vor der Entscheidung: Operieren oder nicht? Mein Wallach war 27 Jahre alt, bis dahin noch topfit und voll reitbar, als er kolikte. Mein Tierarzt hatte eine Darmverschlingung festgestellt. Ich habe mich fürs Einschläfern entschieden, nicht aus Kostengründen, an die habe ich tatsächlich überhaupt nicht gedacht. Aber ich habe mir mein Pferd angeschaut, seinen schlechten Kreislaufzustand, die Apathie, die er zeigte... Ich bekomme zwar Tränen in den Augen, während ich das hier schreibe, aber ich habe nie an meiner Entscheidung gezweifelt. Nicole Felsing aus Sohren

Ich würde niemals Koliker operieren lassen. Ich habe zu oft gesehen, dass die Pferde danach kein Jahr mehr geschafft haben. Und das auch noch ohne gute Lebensqualität. Barbara T. via Facebook

Mein Rentner hatte dieses Jahr mit 27 Jahren seine erste Kolik-OP. Und ich bereue es keinen Tag! Er hat es mega gut weggesteckt, selbst die Klinik-Ärzte waren erstaunt – und er sieht besser aus als zuvor. Dajana G. aus Rauen

Wenn ich bei einem Ü30-Pferd nicht mehr selbst entscheiden kann, ob er erlöst wird oder nicht, dann geht das am Tierwohl weit vorbei. Ist mir selbst passiert: 32-jähriges Pferd, eitriger Backenzahn, Fahrt in die Klinik, da Aussicht auf Besserung. Zahn-OP, 10 Tage später aufsteigender Infekt bis zum Gehirn mit kompletter Gesichtslähmung. Dann erst durfte er erlöst werden! 2 000 Euro mehr für den Tierarzt, zwei Wochen Qual fürs Pferd. Traurig, aber wahr! Sabine K. via Facebook

Ein Pferd soll beschlagnahmt werden, um es zu behandeln. Und die Kosten sollen durch den Verkauf reingeholt werden. Doch wer kauft ein krankes Tier und sorgt bis ans Lebensende dafür? Emma Rettenbacher via Facebook

Ich habe mich bei meiner Stute fürs Einschläfern entschieden. Ich hätte sie noch weiter behandeln lassen können, aber sie hätte nie wieder richtig laufen können und ewig Medikamente gegen Schmerzen nehmen müssen. Marion Didié aus Eppelborn

Ich muss doch nicht alles behandeln lassen bis zum Schluss, nur weil es geht! Das macht man doch oft genug bei Menschen. Helena Beck aus Dietramszell

Aufgezwungene (weil Prognose ja gut) Kolik-OP gut verlaufen, Pferd erholt sich davon, hat aber die nächsten zehn Jahre nur Probleme mit dem Darm. Wo ist dabei ans Tierwohl gedacht? Sabrina Klos aus Solingen

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