Sandra Reitenbach

Bequem am Bauch?

7 Sattelgurte im Test

Herstellerangaben im Experten-Check: CAVALLO lässt sieben Sattelgurte unter die Lupe nehmen. Die Ergebnisse dieses Abgleichs sind mitunter verblüffend.

Ein Gurt behindert das Pferd: "Schon mit fünf Kilo Angurtungszug wird seine Atmung eingeschränkt, da sich der Brustkorb in der Bewegung ja ausdehnt – aber bei fünf Kilo hält der Sattel noch nicht! Zehn Kilo muss man dafür einrechnen", erklärt DIPO-Pferdeosteotherapeutin Eve Beisel.
 Hinzu kommt: Sattelgurt ist nicht gleich Sattelgurt. Wie weit die Schulter ausholen kann, wie gut die Hinterhand unter den Schwerpunkt kommt, entscheidet auch der Gurt mit. "Durch einen idealen Sitz des Gurtes wird die Schulterbewegung bis zu elf Prozent verbessert, das Untertreten der Hinterhand sogar um bis zu 20 Prozent", sagt Eve Beisel. Gurte wirken auf Muskulatur und Atmung des Pferdes.

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Praxis-Test Welcher Sattelgurt passt zu welchem Pferd?
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Zahlreiche Muskelstränge werden im Rumpf angesprochen, den Sattel und Sattelgurt umfassen. "Über fasziale Verbindungen hat dieser Bereich Einfluss auf das komplette Pferd", so Beisel. Die Gurthersteller experimentieren daher mit breiten Auflageflächen, Materialien und Flexibilität. CAVALLO wollte wissen: Sind die Herstellerangaben reell? Wie sieht es etwa mit der Verarbeitungsqualität aus, und wie verhält es sich mit der Druckverteilung? Bei zwei Unternehmen baten wir aufgrund des Ergebnisses um eine zusätzliche Stellungnahme. Die Sattelgurte waren für drei Pferdetypen ausgesucht: Isländer, Tinker und Warmblut, freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Stall Reittherapie im Abenteuerland, Stolberg.

1. Sattelgurt im Test: Lammfell Kleinpferdegurt, Werner Christ, 129 Euro

Das Firmenversprechen: Anatomischer Dressurgurt mit konkaver Sichelform. So hat der Bauch mehr Platz, als Effekt wird der Gurt nicht mehr so stark nach vorne gezogen und sitzt wie angegossen.

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Lammfell Kleinpferdegurt.

Eve Beisel: Am Testpferd verteilt der Gurt den Druck ungleichmäßig, die Hälfte des Gurtes trägt nicht mit. Die vordere Kante gibt mehr Druck weiter als die hintere. Das liegt daran, dass der Gurt für dieses Pferd doch zu stark geschwungen ist. Obwohl es ein tendenziell rundes Islandpferd ist. Das zeigt: Ein Mondgurt passt nicht jedem runden Pferd! Es ist immer zu prüfen, wie breit die Gurtlage tatsächlich ist und an welcher Stelle der Bauch tiefer kommt. Das ist übrigens auch eine Alters- und Trainingsfrage: Ein dreijähriges Pferd hat noch keine Bauchmuskulatur wie ein trainiertes zehnjähriges Pferd.

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Für den Isländer ist diese Gurtform zu stark gebogen, die Druckverteilung ist nicht ideal.

Eva Menke: Ordentliche Verarbeitung! Schön ist, dass das Lammfell um die Kante gezogen ist. Der Gurt ist relativ dünn, so kann der Ellbogen gut darüber gleiten. Die Druckverteilung ist bei diesem Pferd nicht ideal, der Gurt ist zu stark gebogen für den Isländer und seine Gurtlage. Die ist nämlich gar nicht so weit vorn wie vermutet. Daher ist da noch einiges an Platz.

Kurz-Fazit: "Ein Mondgurt passt nicht jedem Pferd"

2. Sattelgurt im Test: Privilège Equitation

Das Firmenversprechen: Der vollelastische Gurt übt weniger Druck auf Brustmuskeln und Brustbein aus.

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Das Leder,aus dem die Strupfen entspringen, ist an einer Seite weniger tief ausgeschnitten.

Eva Menke: Es gibt zwei Details an diesem Gurt, die mich stören: Die Gummiplatte ist leicht asymmetrisch aufgesetzt. Das Leder, aus dem die Strupfen entspringen, ist auf einer Seite weniger tief ausgeschnitten als die andere. Das sind handwerkliche Dinge, die ich als Nachlässigkeit in der Verarbeitung werte. Am Pferd jedoch sitzt der Gurt ordentlich. Er verteilt den Druck gut und lässt genug Spielraum, damit die Schulterfreiheit des Pferdes gewährleistet ist.

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Der Ellenbogen kommt gut am Strupfenbereich vorbei, nach vorne ist ausreichend Platz.

Eve Beisel: Elastizität ist ja bei Gurten 
ein großes Thema. Gerade bei elastischen Gurten ist es wichtig, nicht zu stramm
zu gurten, um der Elastizität nicht ihre Wirksamkeit zu nehmen. Dass die Gummiplatte bei unserem Testgurt schief aufgesetzt ist, übt vermutlich unterschiedlichen Druck auf die Muskulatur aus. Ob sich ein Pferd dadurch verspannt, müsste man beobachten. Es sollte bei der Herstellung darauf geachtet werde, dass diese Gummiplatte gerade aufgesetzt wird, um etwa Scheuerstellen zu vermeiden. Gut ist, dass das Material weich ist und der Gurt eine breite Auflagefläche hat. Der Ellbogen kommt gut am Strupfenbereich vorbei, wichtig für die Bewegung der Vordergliedmaßen. Da vorne ist ausreichend Platz.

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Privilege Equitation

Kurz-Fazit: "Schulterfreiheit sowie eine gute Druckverteilung"

3. Sattelgurt im Test: Schnurengurt Cordula

Das Firmenversprechen: Keine Scheuerstellen mehr durch weiche und anschmiegsame Naturprodukte. Die Seile sind achtfach geflochten und aus Merinowolle hergestellt. Gleichmäßige Druckverteilung. Der Gurt darf nicht so fest gegurtet werden wie andere Fabrikate.

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Privilege Equitation

Eva Menke: Von der Druckverteilung her super, ich könnte meine Hand stundenlang zwischen Gurt und Pferdebauch lassen! Nicht so schön ist, dass die Schnallen so schmal sind, dass die daran befestigten Schnüre sich davor übereinander legen wollen. Eine Unterlegung der Schnallen wäre da hilfreich.

Eve Beisel: Schön, dass der Gurt nicht nur längs, sondern auch diagonal flexibel ist. Solch eine diagonale Beweglichkeit ist sehr angenehm fürs Pferd: Wenn es sich biegt, passt dieser Gurt sich an. Hinzu kommt: Dreck hat durch die Schnüre wenig Chancen, sich zwischen Gurt und Pferd zu setzen,
 er fällt einfach ab. Die Sorge, dass ein Sattelgurt Blutgefäße abdrückt, sehe ich wenig akut bei gleichmäßiger Druckverteilung. Grundsätzlich kann durch zu viel Druck auf die Muskulatur Blutzirkulation und Lymphfluss gestört werden.

Kurz-Fazit: "Mit diagonaler Beweglichkeit"

4. Sattelgurt im Test: Zwanglos Gurt, Krakeltier

Das Firmenversprechen: Ein Gurt aus Wollfilz. Die Gurtbänder laufen um das Brustbein herum, so entsteht eine druckarme Zentralzone. Der Gurt wird per Foto und Fragebogen an
das zu begurtende Pferd angepasst.

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Zwanglos Gurt.

Eve Beisel: Ellbogenfreiheit und Schnitt sind gut. Doch unterm Pferdebauch ist keine flächige Druckverteilung zu spüren, die tragenden Gurtbänder geben fühlbar mehr Druck weiter. Eine gleichmäßige Druckverteilung ist nicht nur für Muskulatur, Faszien, Lymphen und Blutfluss wichtig. Laut chinesischer Medizin verlaufen im Gurtbereich auch wichtige Meridiane, Energiebahnen. Die Verbindung von Vorderhand und Hinterhand des Pferdes schaffen auch Meridiane. Ein Beispiel ist der Nierenmeridian, der von der Hinterhand bis zum Intercostalraum am Brustbein führt. Seine Irritation kann Angst und Schreckhaftigkeit auslösen.

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Der Druck über die Gurtbänder wird komplett an die Stellen am Pferdebauch abgegeben, wo die Gurtbänder verlaufen.

Eva Menke: Gut verarbeitetet. Das Material ist angenehm weich, wirft aber Falten nach innen, sobald man den Gurt in Pferdebauch-Form bringt. Laut Hersteller verändert sich das mit Körperwärme und Feuchtigkeit. Problematisch ist, dass der Druck über die Gurtbänder komplett an die Stellen am Pferdebauch gegeben wird, wo die Gurtbänder verlaufen. Besser wäre es, wenn mittig eine Lederplatte im Filz den Druck flächig verteilen würde.

Kurz-Fazit: "Faltenwurf am Pferdebauch"

5. Sattelgurt im Test: Laurenza DR, Busse Sportartikel

Das Firmenversprechen: Kurzgurt aus bestem Sattel-Leder, mit Lackleder abgesetzt. Anatomisch geschnitten mit vergrößerter Auflagefäche für optimale Funktion.

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Gurt Laurenza DR.

Eva Menke: Schön ist, dass das weiche Leder um die Kante gelegt ist. Das gefällt mir handwerklich. Ansonsten ist das Leder des Gurtes in der Faserung unterschiedlich, was für unterschiedliche Lederqualitäten spricht. Von der Haptik her ist das Leder plastikhaft. Am Pferd müsste der Gurt sich besser anschmiegen. Die Struktur an der Brustplatte ist schief angesetzt, das ist problematisch.

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Das weiche Leder ist um die Kante gelegt.

Eve Beisel: Der Gurt ist an keiner Stelle der Brustplatte gleichhoch gearbeitet und hart. Deswegen liegt der Gurt im Brustbeinbereich asymmetrisch am Pferd. Beides gefällt mir nicht. Der Ellbogenausschnitt ist gut. Der Gurt baut am Pferd aber eine Brücke, er verteilt den Druck auf den Schnallenbereich und auf die Mitte.

Kurz-Fazit: "Struktur an der Brustplatte ist schief angesetzt"

Stellungnahme von Busse-Sportartikel: "Selbstverständlich ist unser Anspruch symmetrisch gearbeitete Gurte... Der Gurt ist bewusst stabil..., um eine ruhige und den Sattel stabilisierende Lage zu erzielen. Zu weiche Gurte verleiten den Reiter zum zu strammen Angurten; die beschriebene Brückenbildung konnten wir bei unseren diversen Tests bisher nicht beobachten."

6. Sattelgurt im Test: Pandora Pro, Schockemöhle

Das Firmenversprechen: Schnittführung sorgt für viel Bewegungsfreiheit und optimale Druckverteilung, breite Mittelplatte für optimale Druckverteilung im Brustbereich. Nur verwendbar mit Pandora Pad Fell, Leder oder Softpoly.

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Der Gurt hat eine gute Ellenbogenfreiheit, das Bein geht problemlos am Gurt vorbei.

Eva Menke: Der Gurt, auf den das Polster geklettet wird, ist aufwändig und gut verarbeitet. Ich hätte mir gewünscht, dass die Hakenseite des Kletts vom Pferd weg zeigt. Das tut sie nicht, und wenn hier nicht sorgfältig geklettet wird, können die Haken zu Scheuerstellen führen. Am Pferd ist die Druckverteilung des Gurts gleichmäßig. Aber beide Polsterungen schlagen Falten! Ganz extrem das Fellpolster.

Eve Beisel: Gute Ellbogenfreiheit, das Bein geht problemlos am Gurt vorbei. Das Fellpolster sieht schön aus, ist aber extrem schlecht verarbeitet. Fühlt man mit der Hand mit etwas Druck darüber, sind massive Falten spürbar, die auch durch sorgfältiges Ankletten nicht verschwinden.

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Gurt Pandora Pro.

Kurz-Fazit: "Beide Polsterungen schlagen Falten"

Stellungnahme von Schockemöhle Sports zum Testergebnis: "Trotz langer und ausgiebiger Tests mit Probanden, unter anderem Profireitern, und einer akribischen Wareneingangskontrolle, können dennoch einzelne Artikel geliefert werden, die produktionsbedingt nicht unserer Zufriedenheit entsprechen. Wir arbeiten kontinuierlich daran, solche Ausnahmen weiter zu reduzieren und einzudämmen!"

7. Sattelgurt im Test: Flexible Moving Gurt, Felix Bühler

Das Firmenversprechen: Innovativer Langgurt mit durchgängigen, dreilagigen Elastikeinsätzen für druckempfindliche Pferde. Das anatomisch geformte und weich gepolsterte Mittelstück verhindert ein Vorrutschen des Sattels und sorgt für eine optimale Druckentlastung.

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Flexible Moving Gurt.

Eve Beisel: Der Gurt hat große Aussparungen und damit viel Ellbogenfreiheit, das gefällt mir. Die Brustplatte ist groß, passend für Großpferde. Für Ponys wird sie überdimensioniert sein: Ist eine Platte zu groß für ein Pferd, wird es das Pferd oder Pony in der Bewegung behindern. Das kann dazu führen, dass das Pony kürzer tritt. Die zwei Strupfen sind wenig elastisch. Dadurch, dass man die Strupfen komplett durchziehen kann von einer zur anderen Seite, muss mit Bedacht gegurtet werden.


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Die beiden Gurtstrupfen sind wenig elastisch.

Eva Menke: Ordentlich verarbeitet. Ich hätte mir eine bessere Polsterung des D-Rings gewünscht, hier könnte punktuell Druck entstehen. Der Langgurt ist schwieriger zu gurten als die Kurzgurt-Version, da die seitlichen Polster beim Langgurt verschiebbar sind. Da muss man aufpassen, dass sie nicht unterschiedlich hoch liegen oder irgendwo stören. Am Pferd fällt auf, dass der Gurt länger bestellt werden muss als üblich, die Platte und ihre Polster schlucken Material und daher fällt der Gurt eher kurz aus.

Kurz-Fazit: "Muss mit Bedacht gegurtet werden"

Fazit von CAVALLO-Autorin Jeanette Aretz

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CAVALLO-Autorin Jeannette Aretz.

Die Bedeutung von Gurten wird leicht unterschätzt. Einen Gurt aus diesem Test kannte ich schon – aus einem Langzeittest, den ich durchgeführt habe (www.alifewithhorses.de). Es ging um Gurtmodelle für besonders empfindliche Pferde. Der Privilège Equitation hat mich bei einem Pferd mit Gurtzwang-Symptomen (Schnappen, Ohren anlegen) überrascht. Ich hatte erwartet, dass ein guter Gurt das Schritt für Schritt bessert, selbstverständlich mit sanftem Angurten verbunden. Dieses Modell verbesserte das Verhalten vom ersten Tag an! Damit hatte ich nicht gerechnet. Lehrreich fand ich im CAVALLO-Test, dass auch Klassiker wie ein Mondgurt nicht für jedes runde Pferd passen – und Lammfell nicht automatisch gut fürs Pferd ist. Ausprobieren, um für ein Pferd den richtigen Gurt zu finden, ist ein Muss! Herstellerangaben allein reichen nicht. Etwas ernüchternd fand ich die Mängel in der Verarbeitung bei einigen der Test-Objekte. Ob wir da überall Montagsmodelle erwischt haben? Ich hoffe es.

Die Expertinnen:

Eve Beisel (40) aus Aachen ist DIPO-Pferdeosteotherapeutin und TCVM-Therapeutin (Traditionelle Chinesische Veterinärmedizin) für Pferde. www.physio-21.de

Eva Menke (30) aus Aachen arbeitet als Sattlerin für das Reitsportgeschäft Röttsches. Sie favorisiert vor allem die klassische Reitkunst. www.reitsport-roettsches.de

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