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Gerten: Sechs Modelle im Praxis-Test

Der große CAVALLO Gerten-Test

Gerten sollen den Schenkel des Reiters unterstützen und dem Pferd präzise Signale geben. Ob das funktioniert, hängt von der Elastizität der Gerte und ihrer Lage in der Hand ab. CAVALLO testete sechs aktuelle Modelle.

Kleiner Tick, große Wirkung: So funktioniert idealerweise eine Dressurgerte. Das findet auch Axel Schmidt, Leiter des Reitinstituts Egon von Neindorff im badischen Karlsruhe. „Eine Gerte muss wabbeln“, ist außerdem seine Devise. Dann genügt schon eine leichte Bewegung aus dem Handgelenk, um sie zum Schwingen zu bringen.

Daher ist die Elastizität eines der wesentlichen Kriterien, in denen sich Dressurgerten unterscheiden. Ein zweites Kriterium ist der Griff, der heutzutage vom einfachen Lederwickel über raffiniert gedrehte Handschmeichler bis zum ergonomisch-dynamisch geformten Modell reicht.

Sabine Ellinger, Dressurausbilderin aus dem schwäbischen Murrhardt, legt beispielsweise bei ihren Gerten vor allem Wert auf Leichtigkeit. „Ich möchte nicht so viel Gewicht in der Hand haben. Damit die Gerte fein reagiert, sollte sie zudem sehr dünn sein und für die Präzision sehr elastisch.“ Außerdem schätzt sie gummibeschichtete Gertengriffe.

Beim Griff hat auch Corinna Lehmann, klassische Ausbilderin aus Langenberg/Nordrhein-Westfalen, ganz genaue Vorstellungen. „Auf gar keinen Fall so eine Greif-zu-Gerte“, sagt sie. „Dicke Griffe füllen die Hand so stark, dass ich die Faust nicht mehr schließen kann. Dadurch wird die Zügelführung schlechter. Sanfte Paraden sind nicht mehr möglich, und die Bewegung aus dem Handgelenk heraus ist extrem eingeschränkt.“

Corinna Lehmann kommt mit gummibeschichteten Gertengriffen nicht gut klar. „Mir sind die glatten lieber, da ich so die Gerte schneller auf halbe Länge greifen kann.

Gerten: Sechs Modelle im Praxis-Test

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Neue Mode: Holzkugel statt Gerten-Griff

Um zu prüfen, wie präzise eher weiche und eher steife Gerten wirken, um zu fühlen, welche Griffe gut in der Hand liegen, brachte CAVALLO daher sechs verschiedene Dressurgerten ans Pferd. Im Test waren zwei Modelle von Fleck, zwei von Döbert und je ein günstiges Modell von Loesdau und Krämer. Getestet wurde während der Dressur, im Gelände beim Ausritt und bei der Bodenarbeit.

Von den getesteten Modellen hatte die Feldmann-Balance-Gerte einen besonders dünnen Griff. Dieses Modell entwickelte der Ausbilder Walter Feldmann vom Gangpferdezentrum Aegidienberg in Bad Honnef/Nordrhein-Westfalen zusammen mit dem Gertenhersteller Fleck aus Schwarzach in Baden-Württemberg. „Bei dieser Gerte war die Grundidee, statt eines herkömmlichen Griffs die optimale Halteposition durch Holzoliven zu kennzeichnen“, sagt Fleck-Firmenchef Rudi Maisack.

Die Balance-Gerte hat keinerlei Gegengewicht und ermöglicht durch diese Holzoliven verschiedene Haltungen: mit optimaler Balance an der unteren Olive und optimaler Reichweite an der oberen. Dort ist auch die beste Position, um die Pferde bei der Bodenarbeit zu touchieren.

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Am Hinterbein oder hinter dem Schenkel sorgt die Gerte für Versammlung und Schenkelgehorsam.

Praxis-Test: So werden Reitgerten angewendet

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Gerten: Sechs Modelle im Praxis-Test

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Reitgerten für jeden Geschmack

Bereits bei diesem Modell zeigt sich, dass eine Gerte eine höchst subjektive Angelegenheit ist: Was manchen Testern zu schlank erscheint, liegt anderen recht angenehm in der Hand. Die Holzkugeln sind prima, da die Gerte so sehr gut zu greifen ist und der Reiter schnell die Länge der Gerte variieren kann. Wer die Gerte lieber zwischen den Kugeln fasst, bekommt sofort die Feinheit des dünnen Griffs zu spüren: Bei einigen Reitern wackelte die Gerte in der Hand, wenn sie diese nicht fest umklammerten.

Das Gegenteil des dünnen Feldmann-Griffs ist der dreieckige Griff der neuen Gerte „Impuls“ von Fleck, die unter anderem in Solid (fest) und Flex (weich) angeboten wird. Ihr sehr langer Ergo-Balance-Griff bietet laut Rudi Maisack mehrere Greifoptionen. „Durch die unterschiedlichen Materialien und Griffzonen gleitet die Hand einwandfrei am Griff entlang, hat aber trotzdem überall ein sehr gutes und sicheres Handling.“

Die Dreieck-Form des Griffs soll entspanntes Halten ermöglichen. Wieder waren die Testreiter geteilter Meinung – einigen rutschte die Gerte beim Reiten durch die Hand, andere dagegen fanden den Griff optimal. Dies gilt auch für den gewellten Griff des Modells von Döbert – ein weiterer Gertenhersteller aus Schwarzach in Baden-Württemberg.

Während manche Tester den Griff schätzten, weil sie ihren Daumen angenehm in die Kuhle schmiegen konnten und durch die Gummi-Ummantelung einen guten Halt fanden, war anderen der Griff zu klebrig, zu dünn, oder er behinderte sie beim Gertenwechsel.

Wie eine Gerte in der Hand liegt, hängt auch von ihrer Balance ab. Das zeigte die zweite Gerte von Döbert mit Lederspitze, glattem Ledergriff und Metallknauf. Sie war den Reitern nicht ausbalanciert genug, in ihrer Anwendung und Wirkungsweise jedoch sehr gut. Andreas Döbert stimmt zu: „Die Gerte ist aufgrund ihres Aufbaus etwas kopflastiger als die Vergleichsgerten. Vor allem, wenn ich sie am Ende greife. Sie ist ausbalanciert, wenn ich sie am Metallschieber anfasse.“

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Am Hinterbein oder hinter dem Schenkel sorgt die Gerte für Versammlung und Schenkelgehorsam.

Praxis-Test: So werden Reitgerten angewendet

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Gerten: Sechs Modelle im Praxis-Test

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Exakte Gerten-Impulse sind wichtig

Die Gerten-Tester von CAVALLO attestierten den federnden, präzise wirkenden Gertenmodellen sogar einen Lerneffekt: Nach dem ersten leichten Anklapsen reichte es, sie am Pferd anzulegen, um eine Reaktion zu erzielen. „Bei dieser Gerte geht der Stab in ein schmales Lederstück über. Dadurch wird der Impuls exakt weitergegeben“, erklärt Andreas Döbert den erwünschten Effekt.

Andere Gerten sind besser balanciert, weil ihr Stab kürzer ist. Die Balance von langen Gerten wird daher vor allem durch mehr Material an der Spitze hergestellt. Deswegen kommt ans Griffende oft ein Metallknopf. „Balance ist aber nicht das A und O einer Gerte, sondern die exakte Anwendung und der exakte Impuls“, sagt Andreas Döbert. Rudi Maisack ergänzt: „Das Nonplusultra ist die Aktion der Gerte. Sie muss so funktionieren, wie ich sie am Pferd benutzen will.“ Dazu gehört laut Andreas Döbert vor allem die bereits gelobte Elastizität.

Zudem hat er lieber eine leichte Gerte in der Hand. Um sie auszubalancieren, fasst er sie dort an, wo sie in der Hand im Gleichgewicht liegt. Die Stücke, die vorne und hinten aus der Faust ragen, sind also gleich schwer. „Wenn Sie die Gerte immer am Griffende packen, ist sie sowieso nie ausbalanciert“, sagt Döbert. Diese Balance sorgt für ein entspanntes Reiten und unverkrampfte Hände. „Das funktioniert aber nicht mit mehr Gewicht in der Hand – also einem schweren Griff“, weiß Andreas Döbert.

Besonders wichtig ist die ruhige Lage der Gerte. „Da spielt die Festigkeit eine Rolle“, sagt Ausbilder und Reitlehrer Axel Schmidt. „Ist die Gerte zu starr, gebe ich ungewollt eine Parade, wenn ich die Gerte benutze.“ Die Erklärung dafür ist schlicht: Um mit der Gerte ans Pferd zu kommen, muss der Reiter mit der Hand weit ausholen.

Allerdings ist auch eine zu weiche Gerte nicht wirkungsvoll: „Sind die Gerten zu elastisch, federn sie zu stark und berühren ungewollt das Pferd“, sagt Dressurausbilderin Corinna Lehmann. „Solche Gerten wippen willenlos.“ Ein Beispiel dafür bot die Dressurgerte von Krämer, die allen Testern beim Reiten zu weich war. Eine präzise Verstärkung der Hilfen war mit diesem Modell nicht möglich; der Impuls der Gerte war eher schwammig statt entschieden und klar.

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Die Feldmann-Balance-Gerte kann der Reiter an der oberen oder unteren Holzolive fassen – oder dazwischen, wie auf diesem Bild.

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Elastische Gerten machen Pferde nervös

Bei nervösen Pferden rät Hersteller Rudi Maisack grundsätzlich von allzu elastischen Gerten ab. „Zu weiche Modelle sind schlechter kontrollierbar, obwohl man zuerst denkt, sie seien vor allem für sensible Pferde ideal“, sagt Maisack. Das ist ein Trugschluss: „Bei sehr elastischen Gerten ist die Beschleunigung der Spitze viel schneller – und damit entsprechend wirkungsvoller fürs Pferd. Insofern sind feste Gerten viel präziser.“

Doch selbst eine perfekt konstruierte Gerte kann das Pferd stören, wenn der Reiter seinen Körper nicht im Griff hat. Ausbilderin Sabine Ellinger: „Oft liegt es am Reiter, der seinen Arm nicht locker tragen kann. So überträgt sich die Bewegung direkt auf die Gerte, die dann ins Wippen gerät.“

Wer außerdem die Hände nicht senkrecht, sondern waagerecht hält, streckt die Gerte wie ein Paddel zur Seite und stört damit seine Mitreiter, die ihm entgegenkommen oder ihn überholen wollen.

Für ungeübte Reiter ist die Gerte oft ein Störfaktor. „Viele haben anfangs Schwierigkeiten, die Gerte so aufzunehmen, dass sie ausbalanciert in der Hand liegt“, sagt Corinna Lehmann. Wer dann noch den Daumen auf die Gerte legt, blockiert sie in ihrer Bewegung und Wirkung. Auch die Zügelführung wird schwierig.

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Reitproblem steuert Gertenhaltung

Erfahrene Reiter variieren die Haltung der Gerte. „Je nachdem, in welcher Länge ich sie brauche, greife ich sie mal weiter oben, mal weiter unten“, sagt Ausbilder Axel Schmidt. Flüchtet das Pferd etwa über die Schulter, ist die Gerte an der Schulter gefragt. Reagiert es nicht auf den Schenkel, berührt die Gerte das Pferd direkt hinter dem Schenkel.

Zur Versammlung touchiert die Gerte die Hinterhand. Wer täglich mit Gerte reitet und arbeitet, denkt ohnehin nicht mehr über die richtige Haltung nach. Sie ist in Fleisch und Blut übergegangen. „Ich nehme die Gerte automatisch so in die Hand, dass es bequem ist“, sagt Sabine Ellinger. „Das ist eher am unteren Teil des Griffs. Fasse ich sie zu weit oben an, kann ich sie nicht mehr locker aus dem Handgelenk drehen.“ Somit greift Ellinger die Gerte automatisch richtig, wie Rudi Maisack bestätigt: „Der Reiter kommt dem Balancepunkt der Gerte näher.“

Für die Bodenarbeit sollte eine Gerte vor allem lang sein. Dabei arbeiten viele Ausbilder mit denselben Gerten, mit denen sie auch reiten. „Ich brauche deshalb eine lange Dressurgerte. So kann ich am Boden jede Stelle des Pferds touchieren“, sagt Axel Schmidt.

Sabine Ellinger greift beim Longieren gerne auf Überlängen zurück – zum Beispiel Angelruten. Diese kann sie sich für die Arbeit mit ihren Ponys passend machen. „Sie sind extrem leicht, extrem lang, und es gibt sie im Fünfer-Pack“, sagt Ellinger. „Die Ruten lassen sich gut biegen und sind extrem elastisch. Den Schlag klebe ich einfach dran.“

Welche Empfehlung bleibt nach diesem Test? Da bei einer Gerte der Griff gut in der Hand liegen muss, sie nicht zu weich und nicht zu fest sein soll, die Beurteilung dieser Kriterien aber sehr subjektiv ist, sollten Sie Gerten nicht online oder per Katalog kaufen. Im Fachgeschäft können Sie die Gerten wenigstens ausprobieren – wenn auch ohne Pferd.

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Das Touchieren mit der Gerte kann die Kommunikation erleichtern.

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Info: So werden Reitgerten hergestellt

„Oft haben sie Glasfiberkerne und sind mit einem Gespinst ummantelt. Glasfiber ist sehr stabil, braucht aber die Ummantelung, da es sonst zu Irritationen der Haut kommen kann“, sagt Andreas Döbert. Vermischt mit Kunstharz, werden die Glasfasern zu einem konischen Stab geschliffen, der je nach Länge, Gewicht und Gemisch mehr oder weniger elastisch ist.

„Je mehr Faser Sie mit Kunstharz vermischen, desto steifer und schwerer wird die Gerte“, so Andreas Döbert. „Mehr Kunstharz macht die Gerte wesentlich flexibler.“ Den Grundschliff gibt Döbert dem Lieferanten der Glasfiberkerne vor, die Feinheiten schleifen seine Mitarbeiter in der eigenen Werkstatt.

Dann kommt ein Leder- oder ein Nylonschlag an das Gertenende. „Das Leder bringt Gewicht“, sagt Döbert. „Es wiegt etwa 5 Gramm, das Nylon lediglich 1 Gramm.“ Das beeinflusst natürlich die Balance, sodass die Gerte mit Leder mehr zur Mitte hin ausbalanciert ist als ein Modell mit Nylonschlag. „Je mehr Gewicht außerdem an der

Spitze der Gerte ist, desto mehr schwingt sie“, sagt Andreas Döbert. Der Schlag ist entweder direkt am Stock angebracht oder eingeöst. Anschließend werden die Gerten mit Baumwolle oder einem Nylongespinst in unterschiedlicher Feinheit umwickelt. Das passiert mit einer Spinnmaschine. „Sie können auch direkt die Glasfiber oder die Baumwolle lackieren, das macht die Gerten resistenter gegen Schmutz“, weiß der erfahrene Hersteller.

„Dröselt sich der Schlag auf, kann man das Nylon mit einem Feuerzeug wieder verschmelzen. Das Nylon schmilzt und verklebt, bildet aber eventuell einen Grat“, erklärt Döbert.

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Eine Spinnmaschine umwickelt die Gerte.

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