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CAV 07_2010 Stiefeletten Test_Aufmacherprinzip_LIR2116 (jpg) Arturo Rivas

Stiefeletten: 10 Modelle im Labor-Test - Was halten Reitschuhe aus?

Wie strapazierfähig sind Stiefeletten?

Wie strapazierfähig sind Stiefeletten, in denen man ja nicht nur reitet, sondern auch läuft und mistet? CAVALLO ließ 10 Modelle in Standard-Tests im Labor falten, knicken und abscheuern. Welches Modell sah danach noch gut aus?

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Ganz schöne Kräfte: Im Steigbügel wird das Leder an der Gehfalte besonders strapaziert.

Wem Reitstiefel zu unbequem sind, greift gerne zu ihren kleinen Schwestern, den Stiefeletten. In ihnen läuft es sich angenehm und luftig; sie drücken nicht in der Kniekehle. Manche schlüpfen sogar direkt nach dem Reiten aus den Stiefeln in die Stiefeletten – und bedauern es sehr, wenn die bequemen Schuhe schneller kaputt gehen als die Stiefel.

CAVALLO schickte daher zehn Zugstiefeletten-Paare gängiger Hersteller zum harten Belastungstest in ein Prüflabor nach Pirmasens. Über den Tragekomfort verrät dieser Test nichts: Stiefeletten mit guten Strapazierwerten sind nicht zwingend bequemer.

Das PFI (Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens) prüft und testet seit über 50 Jahren Schuhe. Liselotte Vijselaar, Leiterin der Prüfstelle für Physikalische Materialprüfung des PFI, zerlegte für CAVALLO die zehn Testkandidaten. Weil das Leder der Stiefeletten in der Praxis stark strapaziert wird – im Steigbügel geknickt, im Regen gewässert – testete das PFI die Lederqualität.

An der Sohle gibt es ebenfalls typische Bruchstellen, so dass in einem weiteren Test die Sohle unter die Lupe genommen wurde. Innen ist es besonders unangenehm, wenn das Fersenfutter aufrubbelt. Ein dritter Test prüfte daher die Haltbarkeit des Fersenfutters.

„Die Prüfungen sind alle härter als in der Praxis“, sagt Liselotte Vijselaar. „Sie sollen zeigen, was die Schuhe maximal aushalten.“ Viele Stiefeletten lagen mit guten Ergebnissen so eng beieinander, dass CAVALLO genau differenzierte, um Unterschiede deutlich zu machen: Leder, das nach dem Test nur etwas matt war, schnitt besser ab als Leder, das anschließend faltig war.

Der Faltentest prüft die Qualität des Leders

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Weglaufen gilt nicht: Eingespannt im 90-Grad-Winkel müssen die Sohlen sich ein ums andere Mal biegen. Wann reißen sie?

Dazu wird aus dem rechten und linken Schuh je ein Rechteck geschnitten – inklusive Futter. Sie werden geknickt und in eine Maschine gespannt. Diese faltet das Leder nun an die 50000 mal im trockenen und 10000 mal im nassen Zustand.

Hier zeigt sich, wie gut das Leder ist: Entstehen Risse, gibt es Abzüge bei der Bewertung, etwa bei der Zugstiefelette von USG: Nach dem Test ziehen sich durch ihr Leder im trockenen und nassen Zustand Risse. „Damit ist die Prüfung nicht bestanden“, sagt Prüfexpertin Liselotte Vijselaar.

Der Rest der Stiefeletten-Modelle ist lediglich etwas faltig, matt oder heller als vor dem Versuch. Feinstes Abblättern des Finish – so heißt die Oberfläche des Leders – ist so lange nicht tragisch, wie man es nicht mit bloßem Auge erkennt. „Leder, das diesen Test besteht, darf keine sichtbaren Beschädigungen oder deutliche Veränderungen zeigen“, beschreibt Liselotte Vijselaar die Mindestanforderungen an die Qualität.

Der Nässe-Test ergründet die Bruchanfälligkeit: Trocknet Leder anschließend und wird hart, bricht es leichter und wird wasserdurchlässig.

Nässe mach Stiefeletten zu schaffen

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Fertig für den Scheuertest: Das Fersenfutter muss zeigen, wie stabil es ist.

„Die Beanspruchung des Materials ist im nassen Zustand wesentlich höher. Da braucht es nicht viel, bis es beschädigt ist.“ Das beweist die Stiefelette von Hobo, die durch den Nässe-Test fiel. „Das Finish blätterte sichtbar ab. Sie ist damit beschädigt“, erklärt die Prüf-Expertin. Besonders faltig war keine Stiefelette nach dem Test. „Schlechtes Leder wirft viele Falten. Das ist unangenehm. Zudem braucht es mehr Pflege“, sagt Vijselaar.

Ein weiterer Test prüfte die Qualität des Fersenfutters. In einem normierten Verfahren aus der Textilindustrie scheuerten die Futterproben mit 51200 Umdrehungen im trockenen Zustand und unter Druck über eine Stoffplatte. Auch hier wurde das Futter zusätzlich nass geprüft, allerdings nur mit 12800 Umdrehungen. Die Stiefelette von Busse hatte als einzige Textilfutter; alle anderen Modelle hatten Lederfutter.

„Nass scheuert Leder viel schneller auf, da der Reibungswiderstand gegen das Gewebe größer wird“, sagt Liselotte Vijselaar. Leder nimmt zwar Feuchtigkeit sehr gut auf und speichert sie, trocknet aber langsam. „In diesem Bereich ist ein Futter aus Textil oft besser“, weiß die Schuh-Expertin. „Die Qualität ist gleichbleibender, und in der Verarbeitung ist Textil wesentlich einfacher.“

Geriffelte Sohlen halten länger

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Sie sind kaum noch als Schuh zu erkennen: Für den Test wurden die Stiefeletten in ihre Einzelteile zerlegt.

Leder ist ein Naturprodukt und verhält sich nie identisch. „Je nachdem, aus welchem Teil des Tiers Sie das Leder nehmen, dehnt es sich in eine Richtung mehr als in die andere“, sagt Vijselaar. So kommt es zu Unterschieden zwischen rechtem und linkem Schuh. Ein hochwertiges Textil als Fersenfutter ist daher oft besser als Leder.

Den Scheuertest des Fersenfutters bestanden im trockenen Zustand alle Stiefeletten. Zwar waren einige sichtbar angescheuert, während andere nur glänzten, kaputt ging jedoch keine Probe.

Ganz im Gegensatz zum härteren Nässe-Test: Dabei scheuerten alle Fersenfutter durch. Die Stiefeletten von Horze und Felix Bühler trotzten dem Scheuer-Angriff noch am besten. Trocken glänzten sie ein bisschen mehr; nass rissen sie erst bei 9600 Umdrehungen.Doch was hilft das beste Fersenfutter, wenn die Sohle nach kurzer Zeit bricht oder nicht flexibel ist?

Um das zu prüfen, wurden die Laufsohlen künstlich verletzt und im 90 Grad Winkel über eine Rolle 30000 mal gebogen. „Sohlen, die diesen Test bestehen, können in der Praxis meist gut bestehen“, sagt Albert Lipps, leitender Laborant für Prüfungen im Schuhunterbau. Aus der Reihe tanzte im Test die Sohle von Kavalkade: Sie riss rechts bis 28 Millimeter, links bis 21. Positiv fielen die Sohlen von Horze und Busse auf, deren künstlich erzeugten Risse sich um keinen Millimeter verbreiterten. Beide Sohlen sind fein geriffelt und leicht geschwungen. „Das ist gut, es leitet Spannung ab“, sagt Albert Lipps. „Bei starkem oder durchgehendem Profil konzentriert sich die Spannung im Tal und führt leichter zu Rissen.“

Wie sehr es auf die Gummi-Mischung der Sohlen ankommt, zeigen die Stiefeletten von Felix Bühler und Ekkia. Die Sohlen scheinen identisch, aber das Gummi von Felix Bühler hält mehr aus. „Das kann an der Mischung liegen. Die Sohle von Felix Bühler ist Braun, die von Ekkia Schwarz. Oft reicht schon eine andere Komponente – und die Unterschiede werden gravierend“, sagt Albert Lipps.

Nur drei der zehn Kandidaten bestanden einige Prüfungen nicht: USG den Leder-Test, Kavalkade die Sohlen-Knickerei und das Leder von Hobo den Nässe-Test.

Labor-Test: Das sind die Ergebnisse

Horze Klassik Leder - von CAVALLO empfohlen!

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Arturo Rivas

Hersteller
www.horze.de

Preis (circa): 52 Euro

Farben: Schwarz, Dunkelbraun

Größen: 32 bis 47

Biegeverhalten Laufsohle (in mm Risswachstum)
rechte Sohle: 0
linke Sohle: 0

Dauerbiegefestigkeit des Oberleders im Verbund
trocken: etwas matt
nass: matt, faltig, verhärtet

Scheuerversuch Fersenfutter
trocken: deutlicher Glanz
nass: beschädigt nach 9600 Zyklen

Punkte (maximale Anzahl 12): 11 Punkte

Felix Bühler Lausanne

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Arturo Rivas

Hersteller
www.kraemer.de

Preis (circa): 70 Euro

Farben: Braun

Größen: 36 bis 45

Biegeverhalten Laufsohle (in mm Risswachstum)
rechte Sohle: 1
linke Sohle: 1

Dauerbiegefestigkeit des Oberleders im Verbund
trocken: etwas heller, etwas faltig
nass: matt, faltig, verhärtet

Scheuerversuch Fersenfutter
trocken: deutlicher Glanz
nass: beschädigt nach 9600 Zyklen

Punkte (maximale Anzahl 12): 9 Punkte

Alassio

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Arturo Rivas

Hersteller
www.loesdau.de

Preis (circa): 70 Euro

Farben: Schwarz

Größen: 36 bis 45

Biegeverhalten Laufsohle (in mm Risswachstum)
rechte Sohle: 2
linke Sohle: 1

Dauerbiegefestigkeit des Oberleders im Verbund
trocken: etwas faltig
nass: etwas matt, etwas faltig, leicht verhärtet

Scheuerversuch Fersenfutter
trocken: Glanz, Narben stellenweise angescheuert
nass: beschädigt nach 6400 Zyklen

Punkte (maximale Anzahl 12): 8 Punkte

Sir John 25.11

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Arturo Rivas

Hersteller
www.hoboshoes.com

Preis (circa): 70 Euro

Farben: Schwarz, Mokka

Größen: 30 bis 47

Biegeverhalten Laufsohle (in mm Risswachstum)
rechte Sohle: 1
linke Sohle: 1

Dauerbiegefestigkeit des Oberleders im Verbund
trocken: etwas faltig
nass: Abblättern Finish, matt, etwas faltig, verhärtet

Scheuerversuch Fersenfutter
trocken: deutlicher Glanz
nass: beschädigt nach 9600 Zyklen

Punkte (maximale Anzahl 12): 7,75 Punkte

Classic

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Arturo Rivas

Hersteller
www.busse-reitsport.de

Preis (circa): 50 Euro

Farben: Schwarz, Dunkelbraun

Größen: 30 bis 46

Biegeverhalten Laufsohle (in mm Risswachstum)
rechte Sohle: 0
linke Sohle: 0

Dauerbiegefestigkeit des Oberleders im Verbund
trocken: feinstes Abblättern Finish
nass: matt, feinstes Aufblättern der Zu­richtung, leicht verhärtet

Scheuerversuch Fersenfutter
trocken: deutlich angescheuert
nass: beschädigt nach 6400 Zyklen

Punkte (maximale Anzahl 12): 7 Punkte

Chelsea Classic

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Arturo Rivas

Hersteller
www.cavallo.info

Preis (circa): 110 Euro

Farben: Schwarz

Größen: 34 bis 47

Biegeverhalten Laufsohle (in mm Risswachstum)
rechte Sohle: 2
linke Sohle: 2

Dauerbiegefestigkeit des Oberleders im Verbund
trocken: etwas faltig
nass: etwas matt, faltig, verhärtet

Scheuerversuch Fersenfutter
trocken: angescheuert
nass: beschädigt nach 9600 Zyklen

Punkte (maximale Anzahl 12): 6,3 Punkte

Paris

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Arturo Rivas

Hersteller
www.waldhausen.com

Preis (circa): 80 Euro

Farben: Schwarz, Cafe

Größen: 36 bis 47

Biegeverhalten Laufsohle (in mm Risswachstum)
rechte Sohle: 1
linke Sohle: 1

Dauerbiegefestigkeit des Oberleders im Verbund
trocken: etwas faltig
nass: etwas matt, faltig, verhärtet

Scheuerversuch Fersenfutter
trocken: Narben angescheuert
nass: beschädigt nach 6400 Zyklen

Punkte (maximale Anzahl 12): 6,3 Punkte

KavalBoots

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Arturo Rivas

Hersteller
www.kavalkade.de

Preis (circa): 100 Euro

Farben: Schwarz

Größen: 36 bis 45

Biegeverhalten Laufsohle (in mm Risswachstum)
rechte Sohle: 28
linke Sohle: 21

Dauerbiegefestigkeit des Oberleders im Verbund
trocken: feinstes Abblättern Finish
nass: matt, faltig, verhärtet

Scheuerversuch Fersenfutter
trocken: angescheuert
nass: beschädigt nach 9600 Zyklen

Punkte (maximale Anzahl 12): 6 Punkte

Norton Deauville

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Hersteller
www.ekkia.com

Preis (circa): 30 bis 31 Euro

Farben: Schwarz

Größen: 36 bis 45

Biegeverhalten Laufsohle (in mm Risswachstum)
rechte Sohle: 4
linke Sohle: 5

Dauerbiegefestigkeit des Oberleders im Verbund
trocken: etwas faltig
nass: matt, faltig, verhärtet

Scheuerversuch Fersenfutter
trocken: deutlicher Glanz, Narben stellenweise angescheuert
nass: beschädigt nach 5600 Zyklen

Punkte (maximale Anzahl 12): 6 Punkte

New Allround

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Hersteller
www.usg-reitsport.de

Preis (circa): 26 bis 28 Euro

Farben: Schwarz

Größen: 28 bis 46

Biegeverhalten Laufsohle (in mm Risswachstum)
rechte Sohle: 2
linke Sohle: 1

Dauerbiegefestigkeit des Oberleders im Verbund
trocken: Risse
nass: feine Risse, matt, verhärtet

Scheuerversuch Fersenfutter
trocken: deutlicher Glanz
nass: beschädigt nach 6400 Zyklen

Punkte (maximale Anzahl 12): 5,3 Punkte

Darauf sollten Sie beim Kauf achten

1. Genau hinsehen

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Arturo Rivas
Prüfen Sie die Sohle anhand ihres Biegeverhaltens.

Schauen Sie sich beide Schuhe genau an. Sind sie gleichmäßig gearbeitet oder ist ein Schuh unterschiedlich? Ist die Farbe gleich oder womöglich ein Schuh etwas matter oder heller? Nehmen Sie beide in die Hand und drücken Sie mit dem Daumen an der Schuhspitze ins Leder. Ist es hart, dünn, weich? Betrachten Sie die Sohle: Ist sie vielleicht nur geklebt?

2. Anprobieren

Das ist natürlich unumgänglich, da je nach Hersteller die Schuhe mal größer und mal kleiner ausfallen. Probieren Sie unbedingt beide Schuhe an. Laufen Sie damit nicht nur, sondern gehen auch in die Hocke oder setzen sich mit den Stiefeletten.

3. Innenleben

Von außen mag der Schuh hübsch aussehen; angezogen fühlt er sich vielleicht auch gut an. Um das Innenleben zu erkunden, sollten Sie aber unbedingt auch mit der Hand nach störenden Nähten oder möglichen Druckstellen tasten.

4. Fersenfutter

Die Qualität zu beurteilen, ist für Kunden fast unmöglich. Achten Sie daher darauf, dass im Fersenbereich keine Nähte sind, dass das Futter gleichmäßig verarbeitet ist und dass keine Falten zu spüren sind.

5. Leder

In den meisten Fällen sind Stiefeletten aus Rindleder. Das ist stabil und auch dick genug. Sehr beständige, aber auch teurere Leder stammen von Känguru und Strauß.

6. Laufsohle

Eine starre Sohle ist unbequem. Nehmen Sie im Geschäft daher den Schuh ruhig in die Mangel: Biegen und drehen Sie die Sohle.

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