Die Wege der Schlachtpferde TSB Zürich

Die Wege der Schlachtpferde

Internationales Geschäft Die Wege der Schlachtpferde

Pferdefleisch kommt tonnenweise aus Übersee nach Europa. Ein Markt, den Tierschützer seit langem kritisieren.

Kanada

-> Importiert jährlich tausende Schlachtpferde aus den USA.

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Die Wege der Schlachtpferde
Pferdefleisch Der Weg der Schlachtpferde
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-> Die Tiere werden gemästet und ohne Witterungsschutz draußen gehalten – auch im Winter bei bis zu minus 36 Grad. Aufnahmen von Animal Welfare zeigen erfrorene Fohlen, die am Fressplatz liegen gelassen wurden.

-> Damit das Fleisch in die EU importiert werden darf, müssen die Pferde aus den USA sechs Monate in Quarantäne. Das soll Medikamentenrückstände im Fleisch ausschließen.

USA

-> Hier gibt es seit 2007 keine Schlachthöfe für Pferde mehr, die Tiere werden zum Schlachten exportiert.

-> Die Zahl der geschlachteten Pferde sinkt laut Animal Welfare kontinuierlich: Im Jahr 2012 wurden rund 176.000 Pferde aus den USA nach Kanada und Mexiko in Schlachthäuser transportiert. 2019 exportierte die USA rund 40.000 Pferde zum Schlachten in Nachbarländer. Ca. 30.000 nach Mexiko für den mexikanischen Binnenmarkt, Export nach Asien und die Hundefutterproduktion. Kanada hat 2019 rund 10.000 US-Schlachtpferde importiert. 2019 wurden also über 130.000 Pferde weniger zum Schlachten exportiert.

Mexiko

-> Seit 2015 gibt es ein EU-Importverbot für Pferdefleisch aus Mexiko – aufgrund von Bedenken bei Tierschutz und Lebensmittelsicherheit. Zwei von vier EU-zugelassenen Pferdeschlachthöfen wurden geschlossen.

Argentinien

-> Pferdefleisch ist als Lebensmittel verboten. Trotzdem werden hier bis zu 200.000 Pferde jährlich geschlachtet: Argentinien ist der größte Exporteur von Pferdefleisch nach Europa. Hauptabnehmer sind Belgien, die Schweiz und die Niederlande.

-> Die Schlachtpferde sind nicht gechippt. Herkunftsnachweise und Angaben zur Medikation basieren auf Informationen des Verkäufers des Pferds an den Schlachter. Ob dessen Angaben stimmen, wird nicht geprüft.

-> Für den Verbraucher bedeutet das: gesundheitliche Risiken, da möglicherweise Medikationsrückstände im Fleisch sind.

-> Tierschützer dokumentieren seit Jahren brutalste Tierquälerei auf den Schlachthöfen und bei Transporten. Zudem soll es eine Art Mafia geben, die Pferde stiehlt und an Schlachthäuser verkauft.

Australien

-> Vor allem Ex-Rennpferde landen auf Schlachthöfen. Auch wilde Brumbies, die nie zuvor Menschenkontakt hatten. Das Fleisch wird in die EU exportiert. In Australien ist Pferdefleisch als Lebensmittel verpönt.

-> Undercover-Ermittlungen der Animal Welfare Foundation und ihrer Partnerorganisation CPR ergaben, dass 55 Prozent der per Chip gescannten Vollblüter auf Schlachthöfen zwischen vier und acht Jahre alt waren. Etwa ein Drittel der Pferde wurde ein halbes Jahr nach der Rennbahn-Karriere getötet.

-> In Australien basieren Medikationsangaben auf Aussagen des Besitzers. EU-Kontrollbesuche zeigen: Es gibt viele Falschinformationen.

-> Wie viel Pferdefleisch Australien exportiert, darüber gibt es keine Angaben. Hauptabnehmer sollen Belgien, die Schweiz, Russland und Vietnam sein.

Belgien

-> Das Land ist der größte Umschlagplatz für Pferdefleisch in Europa. Von dort geht es in den Handel oder wird in andere EU-Länder exportiert.

Die größten Exporteure von Pferdefleisch (im Jahr 2019)

Kanada: 1.394 Tonnen
Uruguay: 3.548 Tonnen
Argentinien: 9.830 Tonnen

"Nur ein Importstopp kann helfen"

Das fordern Sabrina Gurtner, Projektleiterin Pferdefleisch beim Tierschutzbund Zürich, und York Ditfurth, Vorstand der Tierschutzorganisation Animal Welfare Foundation e.V.

CAVALLO: Über 180.000 Menschen unterschrieben bereits eine Petition, die den Importstopp für Pferdefleisch aus Qualproduktion in Übersee fordert. Der Tierschutzbund Zürich und die Animal Welfare Foundation haben die Petition aufgesetzt. Warum?

Sabrina Gurtner: Es ist acht Jahre her, dass der Tierschutzbund Zürich die EU-Kommission über massive Tierschutzverstöße und fehlende Rückverfolgbarkeit der Schlachttiere informiert hat. Wir waren regelmäßig und mehrfach vor Ort bei den Schlachthöfen und dokumentierten das Leid der Pferde. Überprüfungen der EU bestätigten die Kritik. Die EU sprach und verhandelte mit den Exportländern – ohne Erfolg. Die Probleme bestehen weiterhin. Deshalb meinen wir: Nur ein Importstopp kann helfen.

York Ditfurth: Vergleiche zeigen: In Argentinien, Kanada und Australien liegen die gleichen Probleme vor wie in Mexiko. Die EU zog 2015 Konsequenzen und sprach ein Importverbot für Pferdefleisch aus Mexiko aus. Warum tut sie das nicht auch bei den anderen Ländern? Unseres Erachtens liegt es daran, dass die EU sich wegen der Freihandelsabkommen weigert. Aber: Handelsinteressen dürfen nicht über Tier- und Verbraucherschutz stehen.

CAVALLO: Der Verband der Schweizerischen Pferdefleischimporteure (VPI) löste sich 2021 auf. Damit entfällt die Kontrolle der Übersee-Schlachthöfe, für die der Verband die SGS-Zertifizierung beauftragte. Was bedeutet das für den Tierschutz?

York Ditfurth: Für den Tierschutz ändert sich nichts. Die Kontrollen waren angekündigt und wurden von den Schlachthof-Betreibern manipuliert: Sie tauschten beispielsweise vor den Audits verletzte und abgemagerte Pferde aus. Wir haben immer wieder gefilmt, wie Tiere teils ohne Witterungsschutz in Australien bei über 35 Grad in der Hitze stehen. Sie haben keinen Zugang zu Futter – und das nach teils 36 Stunden langen Transporten. Viele Tiere verletzen sich beim Transport. Sie werden nicht behandelt – und auch nicht notgetötet. Die Tiere leiden unnötig.

CAVALLO: Die Zertifizierungen der Schlachthöfe brachten Ihres Erachtens also keine Verbesserungen für den Tierschutz?

Sabrina Gurtner: Genau. Diese Zertifizierungen suggerierten den Verbrauchern Lebensmittelsicherheit und Tierschutz. Doch die kann keiner garantieren. Größtenteils wurde nur das Managementsystem kontrolliert – aber nicht die Bedingungen für die Tiere. Es ist wahrscheinlich, dass künftig "Respectful Life" die Kontrollen übernehmen wird. Das ist eine Marketing-Plattform der europäischen Pferdefleischimporteure – die wir seit Jahren kritisieren. Teilnehmer von Respectful Life sind genau die Schlachthöfe, bei denen wir schlimmste Tierquälereien dokumentiert haben.

Tierschutz bei Transport und Schlachtung

Europa: Höchsttransportzeit 24 Stunden. Alle 8 Stunden muss Futter (wenn nötig) und Wasser angeboten werden.

Argentinien: Es ist legal, Pferde 36 Stunden ohne Wasser und Futter zu transportieren. Pferde müssen nicht separiert werden und fahren in Rindertransportern. Das erhöht die Unfallgefahr.

Kanada: Pferde dürfen ohne Wasser, Futter und Pause 24 Stunden transportiert werden. Kanada verschifft und fliegt Pferde lebendig bis nach Japan, um sie dort schlachten zu lassen.

Schutzbestimmungen für Tiere in Schlachthöfen in Übersee sind deutlich lascher als in der EU. Etwa in folgenden Punkten: Nottötungen von verletzten Tieren, Betäubung beim Schlachten, Fachkenntnisse des Personals. Tierschützer berichten, dass in Australien Pferde teils bei Bewusstsein ausbluten.

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