Wie rasant entwickelt sich die Zucht Deutscher Reitponys?

Wie rasant sich die Reitponyzucht entwickelt
Kleines Maß, großes Talent

ArtikeldatumVeröffentlicht am 27.05.2026
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Deutscher Reitponys sind sportlich und vielseitig
Foto: Lafrentz

Für seine Reiterin ist Milton der Jackpot. Der Fuchs hat gute Grundgangarten, sammelt Schleifen bis zur Klasse M in der Dressur und hat für seine erwachsene Besitzerin Nadine die perfekte Größe: knapp 1,60 Meter Stock. Und das als Deutsches Reitpony! Die Bandbreite dieser Rasse ist groß, sowohl was die Größe angeht als auch die Fähigkeiten. Aktuell macht der Ponyhengst Mylord Manolito groß von sich reden. Er hat mit 1,47 Meter Stockmaß unterm Sattel von Jona Jolie Schwamborn S-Springen (1,40 Meter) gegen Großpferde gewonnen. Eine bemerkenswerte Leistung für eine Zucht, die noch so jung ist.

Der Pony-Boom startete Mitte der 1970er-Jahre

Die Geschichte des Deutschen Reitponys beginnt 1965. Mit steigendem Wohlstand nimmt das Interesse am Reitsport zu – besonders bei Kindern und Jugendlichen – und somit auch der Bedarf an Jugendreitpferden. Deutsche Zuchtverbände suchten nach geeigneten Wegen, entsprechende Ponys zu züchten. Der Import britischer Ponys, vor allem Welsh Ponys, löste ab Mitte der 1970er-Jahre einen regelrechten Ponyboom aus. Ziel war und ist ein Pony, das Reitpferdequalitäten mit typischen Pony-Charakteristika vereint.

Innerhalb von nur zehn Jahren entstanden Reitponys, die mit Erfolgen im Turniergeschehen auf sich aufmerksam machten. Durch Leistungsprüfungen und gezielte Zuchtauswahl verbesserte sich der Rassetyp stetig. Heute gibt es in allen Disziplinen des Pferdesports bis zur Schweren Klasse erfolgreiche Deutsche Reitponys.

Die FN-Zuchtstatistik für das Jahr 2025 zählt 5.693 eingetragene Stuten und 676 Hengste. Der Zuchttrend in Deutschland macht aber auch vor den Reitponys nicht Halt: 2024 verzeichnete die FN noch 5.984 Stuten und 709 Hengste, prozentual ein Minus von je knapp 5 %. Auch bei den Neueintragungen gehen die Zahlen zurück: 2025 wurden 916 Stuten ins Stutbuch aufgenommen, 2024 waren es 1.032. Entsprechend wurden 2.437 Fohlen neu registriert, 2024 waren es noch 2.876.

Deutscher Reitponys sind sportlich und vielseitig
Lafrentz

In der vergleichsweise kleinen Population (zum Vergleich: 5.693 eingetragenen Reitpony-Stuten stehen rund 48.000 Reitpferde-Stuten gegenüber) haben sich Nischen herausgebildet, meint Hengsthalter Ulrich Böker, der mit seiner Partnerin Danica Duen die gleichnamige Hengststation in Bad Oeynhausen/NRW betreibt. "Ein Drittel aller Züchter züchtet heute auf Farbe, ein weiteres Drittel züchtet für Fohlenschauen, Stutenschauen und Hengstkörungen, und für das letzte Drittel ist es am wichtigsten, ein Pony zu züchten, das mit guten Reitpferdepoints daherkommt – und damit meine ich sowohl das Pony für den Enkel im Breitensport als auch den Kracher für den FEI-Sport."

Und tatsächlich: Wohl in keiner anderen Zucht in Deutschland geht es so viel um Farbe wie beim Deutschen Reitpony. Buckskin, Palomino, Cremello, Falbe, Dunskin – viele Käufer sind auf besonderen "Lack” aus. Und der Markt antwortet. Manche Züchter lassen ihre Ponys auf verschiedene Gene testen, damit Interessierte sich ausrechnen können, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Fohlen aus ihrer Stute die erwünschte Farbe haben wird.

Aus Sicht von Hengsthalter Ulrich Böker sind neben qualitativ überdurchschnittlichen Ponys vor allem die gelassenen, gut gerittenen gefragt: "Die bei ,Abteilung Galopp marsch’ am Punkt angaloppieren, die Braven, wo man als Elternteil wirklich beruhigt an der Bande stehen kann, werden dem Verkäufer aus den Händen gerissen." Weitere Voraussetzung für ein gut verkäufliches Pony: seine Größe. Hier das Ideal zu treffen, sei schwierig, weiß Böker. "Wir haben hier in der Zucht wirklich ein Problem, denn eigentlich haben wir nur eine Spanne von vier Zentimetern, wo sich ein Pony gut verkaufen lässt." Ist ein Pony kleiner als 1,44 Meter, sei es für die meisten zu klein. Wenn es hingegen dreijährig schon 1,48 Meter groß ist, wolle es auch keiner mehr haben, da es "aus dem Maß" gehe.

Tatsächlich ist der Prozess des Einmessens komplex und wird streng gehandhabt. In Ponyprüfungen und auf Championaten sollen gleiche Chancen für alle gelten. Ein hoch qualitatives Pony mit Lifetime-Zertifikat, das also lebenslang von der FEI als Pony eingemessen ist, steige im Wert enorm, erzählt Ulrich Böker: "Aus unserem Neverland ist dadurch aus einem 100.000 Euro-Pony ein 250.000 Euro-Pony geworden."

Bewegungsqualität wie bei Warmblütern

Allerdings brauchen nicht alle Reiter ein eingemessenes Pony. Bei vielen kleineren Erwachsenen erfreuen sich besonders die aus dem Maß gegangenen Ponys großer Beliebtheit, wie etwa bei Nadine und ihrem Milton. Mit seiner Bewegungsgüte kann der Wallach locker mit Großpferden mithalten.

Auf die Frage, inwieweit sich die Zucht in Sachen Bewegungsqualität entwickelt habe, hat Ulrich Böker eine klare Antwort: "Das ist vergleichbar mit den Warmblütern. Die Grundqualität bei den Ponys hat sich enorm verbessert. Diese Dynamik muss man aber auch bedienen können."

Seine Bewegungsdynamik zeigte ein Reitpony-Fohlen vor rund zwei Jahren auf eine Art, wie sie noch nie gesehen worden war: Es töltete. Das besagte Fohlen stammte ab von dem dreimaligen Bundeschampion der Dressurponys, Gipfelstürmer (der mittlerweile Wallach ist), aus einer Durello-Mutter. Ein Gentest brachte Klarheit: Das Pony ist ein Mehrgänger, und zwar aufgrund seiner Genetik.

Deutscher Reitponys sind sportlich und vielseitig
Lafrentz

Isabel Mense aus Blomberg / Nordrhein-Westfalen züchtet mit zwei bis drei Ponystuten pro Jahr. Aus ihrer Zucht sind bisher zwei gekörte Hengste hervorgegangen. Sie hat viele Ponys erlebt, die sich generell in der Ausbildung schwerer getan hätten als andere. Die meisten von ihnen hätten sich als Träger des Gait-Gens herausgestellt. "Ich habe noch eine Trägerstute in der Zucht, sobald ich aus ihr ein frei getestetes Stutfohlen habe, geht sie in Rente”, sagt Mense. "Alle meine Ponys, die Träger sind, werden geritten. Im Falle eines Hengstes werden sie kastriert."

Ulrich Böker lässt alle seine Hengste testen. "Und alle Tests sind veröffentlicht. Das haben wir gemacht, weil der Druck aus der Züchterschaft da war." Der Test ist nach wie vor freiwillig – und wird es bis auf Weiteres wohl auch bleiben. Die FN erklärt auf Nachfrage: "Das Gait-Gen und der Gentest waren mehrfach Thema bei Sitzungen der Zuchtleitungen. Aktuell sehen diese keinen Bedarf, einen verpflichtenden Gentest im Zuchtprogramm zu verankern” (...); es handele sich bei dem Gait-Gen ja nicht um einen Gendefekt oder eine Krankheit. Die wissenschaftlichen Entwicklungen würden beobachtet.

Maßstab für Ponys

Für die Eintragung von Turnierponys und deren Teilnahme an nationalen Pony-Prüfungen ist eine Messbescheinigung (wird in den Pferdepass eingetragen) der zuständigen Landeskommission (LK) erforderlich. Für G-Ponys mit einem Stockmaß von 1,42 m und größer bei der Erstmessung muss der LK bis zum Alter von 7 Jahren jedes Jahr eine aktuelle Messbescheinigung vorgelegt werden. Das Größenmaß und die Einstufung in K, M, G gilt immer nur füs laufende Kalenderjahr.

Wer sein Pony international starten lassen möchte, kommt am offiziellen Messverfahren der FEI nicht vorbei. Seit Januar 2020 müssen alle neu in die FEI-Datenbank aufgenommenen Ponys vor ihrem ersten internationalen Start gemessen werden – unabhängig vom Alter. Bis zum achten Lebensjahr ist die Messung jährlich fällig; danach stellt die FEI ein sog. Lifetime Certificate aus, das dauerhaft gültig bleibt. Eine Sonderregel gilt seit 2022: Ponys, die bei einer Mess-Session bereits sechs Jahre oder älter sind und die Grenze von 140 cm (ohne Eisen) nicht überschreiten, erhalten das Lifetime Certificate sofort.

Das zulässige Stockmaß beträgt 148 cm ohne Eisen bzw. 149 cm mit Eisen. Maße knapp darüber werden jeweils auf den nächsten ganzen Zentimeter abgerundet.

Die Messtermine werden von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) organisiert. Zwei von der FEI eigens bestimmte Tierärzte führen die Messung durch – ihre Namen werden vorab streng geheim gehalten. Deutsche Tierärzte sowie Veterinäre, die dieselbe Nationalität wie der Ponybesitzer haben, sind grundsätzlich nicht zugelassen. Mindestens drei Stewards überwachen den gesamten Ablauf.

An das Pony selbst werden klare Anforderungen gestellt: Es muss gesund und lahmfrei sein, ruhig und in natürlicher Haltung stehen – und es wird vor der Messung grundsätzlich vorgetrabt. Außerdem sind jederzeit Medikamentenkontrollen möglich.

Gang-Genetik

Das Gait-Gen (Gang-Gen) beschreibt eine Mutation im DMRT3-Gen mit Auswirkungen auf das genetische Potenzial von Pferden in Bezug auf ihre Beinkoordination und Gangarten. Reinerbige Träger von Gangpferderassen wie Isländer haben mit höherer Wahrscheinlichkeit die erwünschten fünf Gänge. Der Erbgang für das Gen DMRT3 ist autosomal semidominant. Testen lassen kann man es bei verschiedenen Laboren.