Greta Busacker: Über Vielseitigkeit, Dressur und Familienkraft

Vielseitiges Talent im Blut
Greta Busacker: Mit Teddy zum Erfolg im Busch

ArtikeldatumVeröffentlicht am 09.07.2026
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Greta Busacker mit drei Pferden vor einem Backsteingebäude, Nahaufnahme, freundliche Atmosphäre.
Foto: MELANKA HELMS

Talent im Blut

Es sind die leisen Momente, die viel verraten. Wir stehen mit Greta Busacker in der Stallgasse beim Gespräch, als sie gerufen wird. Der Wallach, den sie zuvor auf den Paddock gebracht hatte, lässt sich von der Pflegerin nicht einfangen: "Er reißt den Kopf so hoch, ich kriege das Halfter nicht drauf." Greta Busacker entschuldigt sich kurz und geht selbst hinaus. Ganz in Ruhe stellt sie sich neben den Wallach – legt ihm die Hand auf den Mähnenkamm und fragt ihn über die Berührung, ob er den Kopf senken kann. Er kann. Langsam zieht sie ihm das Halfter über. Agiert mit Klarheit und Geduld. Schließlich folgt der Wallach brav zurück in den Stall. "Im Geländeparcours vertrauen sich Pferd und Reiter blind. Ich liebe dieses Gefühl – und die Grundlage dafür fängt bei so kleinen Dingen wie dem Halftern an", erklärt die 23-Jährige.

Greta Busacker stammt aus einer Familie, deren Name die Reiterei prägt: Ihr Großvater, Dr. Reiner Klimke, galt als Jahrhundertreiter und Vorbild für pferdegerechte Dressurausbildung. Er gewann sechs Goldmedaillen bei Olympischen Spielen. Ihre Mutter, Ingrid Klimke, ist Reitmeisterin und zweifache Team-Olympiasiegerin in der Vielseitigkeit – derzeit reitet sie in der Dressur-Nationalmannschaft mit.

Tochter, Turnier-Crack und Truckerin

Große Fußstapfen also – wie kommt Greta Busacker damit klar? "Der Turniersport hat Höhen und Tiefen und der Vergleich ist nicht immer leicht. Ich habe letztes Jahr viel abgewogen – und mich ganz bewusst entschieden, den Weg als Profireiterin weiterzugehen", sagt das Nachwuchs-Talent. Auch ihr Herz schlägt für Vielseitigkeit und Dressur zugleich. Sie trägt das Goldene Reitabzeichen, war bereits 2021 Doppel-Europameisterin in der Vielseitigkeit(U21) und stellt junge Pferde auf Bundeschampionaten vor.

Greta Busacker durfte auch auf den Turnierpferden ihrer Mutter lernen und bildet wie diese selbst Pferde für den großen Sport aus. Seit einem Jahr arbeitet sie selbstständig. Sie hat einen eigenen Stalltrakt gepachtet, dort stehen ihre Beritt- und Turnierpferde. Zum Training fährt sie regelmäßig zu Ingrid Klimke. Wir begleiten sie heute. Der Pferdetransporter wirkt riesig. Aber die junge Frau steuert ihn routiniert über die Landstraßen. Braucht man für dieses Gefährt einen LKW-Führerschein? "Ja, ich habe mit 18 bei einer Spedition die Ausbildung zur Berufskraftfahrerin gemacht – damit ich dem Team lange Touren abnehmen kann", erzählt sie. Die Hilfsbereitschaft beruht in der Familie offenbar auf Gegenseitigkeit. Wir beobachten Mutter und Tochter bei einer Dressureinheit, ehe beide für ein gemeinsames Foto ins Gelände reiten. Egal, ob im Viereck oder beim Ausritt: Beide sitzen vorbildlich im Sattel, strahlen Freude aus und tauschen sich wertschätzend aus. Der harmonische Sitz und eine feine Hilfengebung prägen sichtbar das Reiten – kein Wunder also, dass Greta Busacker 2025 beim Nürnberger Burg-Pokal mit dem Stilpreis ausgezeichnet wurde.

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Sie mogelten bei Alter für das erste Turnier

Als Kind verbrachte Greta Busacker mehr Zeit im Stall als auf dem Spielplatz. "Mein Laufstall stand auf dem Hof", erzählt sie. Mit ihrem Shetty, Sir Barnaby, spielte sie zwischen den Sportpferden und wuchs ganz selbstverständlich in den Alltag eines Profistalls hinein.

Natürlich brannte sie darauf, auch selbst bei einer Prüfung zu starten. Aber mit drei Jahren war sie offiziell noch zu jung für die Crosscountry-Führzügelklasse. "Meine Eltern haben mich kurzerhand auf dem Papier ein Jahr älter gemacht, damit ich dabei sein konnte", verrät sie. Das Shetty war König der Herzen – und ist es bis heute. Auch, wenn Sir Barnaby seine Reiterin öfter am Zaun abstreifte. "Ich habe ihn vor zwei Wochen besucht. Er ist jetzt fast 41 Jahre alt", erzählt Greta Busacker. In der Grundschule fehlte die Tochter der berühmten Reiterin Donnerstag und Freitag häufig im Unterricht – und fuhr mit zum Turnier. Oft ging es nach England: "Ich kenne mehr Turnierplätze als Klassenzimmer." Greta Busacker spricht heute Englisch so elegant, wie sie reitet. Sie absolvierte ein bilinguales Abitur und studiert internationales Management. Wie lässt sich das alles vereinbaren? "Ich musste früher schon zeigen, dass ich die Pferde neben der Schule schaffe. Das erfordert Disziplin, aber darin bin ich geübt", meint die Reiterin. Disziplin und Planung hat sie auch im Training verinnerlicht: Ihre Traumziele mit den einzelnen Pferden schreibt sie auf – inklusive detailliertem Saisonplan, der bei unserem Besuch im Mai schon bis Oktober reicht."Aber ich passe sie immer wieder an, je nachdem wie es läuft." Mit Dressur-Crack Frieda würde sie gerne am Grand-Prix für Nachwuchspferde teilnehmen. Beim Training dafür unterstützt sie auch ihr Onkel Michael Klimke. "Frieda ist die Queen und weiß das auch, sie hat mich völlig im Griff", sagt Greta Busacker, und schiebt der Stute eine Möhre zu.

Die Motorsäge heult, aber Teddy bleibt cool

Die Zukunftsvision mit ihrem sechsjährigen Vielseitigkeitspferd Cadeau JS, genannt Teddy: eine 4-Sterne Vielseitigkeit. "Als Jungpferd war Teddy im Gelände schüchtern. Über die Zeit ist er wahnsinnig gereift. Er gewann die Bundeschampionats-Qualifikation mit einer 8,8”, berichtet die Reiterin.

Der Fuchs gehört ihrem Vater Andreas Busacker und ist seit Fohlenalter in der Familie. Da der Wallach im Winter so plüschig war, hatte er schnell seinen Spitznamen. Pferd und Vater haben übrigens am gleichen Tag Geburtstag. Greta gerät bei beiden ins Schwärmen: Ihr Pferd sei ein echter Komiker, ein Energiebündel und zugewandt. Ihr Vater unterstütze sie, wo er könne."Er ist der Leidtragende im Hintergrund", meint sie. Logisch, dass ihr "Papo" auch zum CAVALLO-Termin kommen soll. Ein gemeinsames Bild muss sein."Treffpunkt an unserem Lieblingsweg", sagt sie am Telefon. Dort stehen beide kurze Zeit später und lächeln in die Kamera. Plötzlich stört eine Motorsäge die Idylle. Teddy zuckt – lässt sich aber von seiner Reiterin beruhigen. Auf dem Springplatz wird deutlich, woher das Geräusch kam: Ein Forstfahrzeug fährt über den Sandplatz und Männer schneiden Bäume. Die Motorsäge heult, Äste krachen. Doch Greta Busacker lässt sich nicht beirren, reitet einfach auf dem freien Zirkel und nimmt mehrere Sprünge. Ihr Pferd ist mit den Ohren ganz bei ihr."So etwas kann man auch nicht mit allen Pferden machen", lobt sie ihren Teddy. Apropos, andere Pferde – wie viele hat sie denn? "Eine Handvoll – aber alle in verschiedenen Altersklassen", sagt die Reiterin. Von der 7-jährigen Dressurhoffnung Calysta über ihren 6-jährigen Vielseitigkeits-Teddy bis zur 9-jährigen Dressur-Queen Frieda. Beritt ist aber nur eine Säule: Greta Busacker gibt auch Unterricht und Lehrgänge. Und sie unterstützt bei der Pferdesuche und Turniervorbereitung, direkt am nächsten Tag zum Beispiel bei Kunden in Prag. So zielstrebig und detailliert sie das Training für die Turniere vorbereitet: Im entscheidenden Moment lässt sie los."Wenn die Startbox sich öffnet, Adrenalin durch den Körper flutet – und jede Sekunde im Geländeparcours zählt. Das ist unvergleichlich", resümiert sie ihre Leidenschaft fürs Buschreiten.

Ein Powernap vor der Prüfung als Ritual

Greta Busacker ist Sportlerin durch und durch, freut sich über Siege – aber genauso über Momente im Alltag: etwa wenn Teddy wiehert, sobald er ihr Auto hört. Die Reiterin genießt Rückhalt von Freunden und Familie, aber steht auf eigenen Beinen: Pferde auf die Weide bringen, trainieren, füttern. "Es ist nicht alles nur Glitzer und Glamour. Aber ich liebe die Zeit mit den Pferden", betont sie. Der Tag startet früh und endet mit der abendlichen Kontrollrunde. Damit die Pferde in ihrer Abwesenheit versorgt sind, hat jedes Tier eine feste Bezugsperson. Bei Fragen rund ums Wohl der Pferde ruft sie ihre Patentante Carmen Thiemann an. Sie ist die langjährige Stallmanagerin von Ingrid Klimke. "Und wie meine zweite Mama – früher habe ich mit ihr 24 Stunden am Tag bei den Pferden verbracht."

Pause von den Pferden braucht die Reiterin also nicht. Aber: Vor jeder Prüfung hält sie ein Powernap. Ein Nickerchen vor der Box, das hat schon ihr berühmter Opa so gemacht. Dieser starb vor ihre Geburt. Aber er wäre sicher stolz, wie seine Enkelin die Reitertradition der Familie fortführt.