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Maximilian Pick: Vom Rennsport-Tierarzt zum Kritiker

Vom Rennsport-Tierarzt zum Kritiker Dr. Maximilian Pick im Porträt

Vom Rennbahn-Tierarzt zum Rennsport-Kritiker – Dr. Maximilian Pick setzt sich seit Jahrzehnten mit seiner Frau Jutta für fairen Umgang mit Pferden ein.

Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Schlaufzügel? "Gibt es bei uns nicht." Pferdehaltung, ohne dass die Vierbeiner täglich auf Weide oder Auslauf kommen? "Ist absolut nicht vertretbar." Dass schon zweijährige Galopper Rennen laufen? "Ist ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz."

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CAVALLO Hautnah Rennsport-Kritiker Maximilian Pick im Porträt
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Ohne Dünkel im Sattel: „Meine Frau war immer die bessere Reiterin“, sagt Maximilian Pick.

Nein, Dr. Maximilian Pick ist wirklich keiner, der seine Worte lange diplomatisch abwägt oder Kritik hinter wolkigen Formulierungen versteckt. Damit machte sich der Fachtierarzt für Tierschutz bei so manchen Reitsport-Profis vor allem an der Rennbahn nicht gerade Freunde.

Würden die Pferde jedoch seine klaren, direkten Worte verstehen, sie würden sie lieben – so wie Maximilian Pick und seine Frau Jutta ihrerseits Pferde lieben.

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Pony Moritz wurde von einem Schlachtpferdetransport gerettet. Heute genießt er Jutta Picks Pflege.

Und das ist eine handfeste Liebe: Dr. Pick schrieb als Autor an den "Leitlinien für Pferdehaltung und Pferdesport" des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft mit, prangert etwa in Magazinartikeln unfairen Umgang mit den Tieren an, plädiert in Fachbüchern für artgerechte Pferdehaltung. Wie die aussieht, lebt er im eigenen Stall bei München vor.

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„Wer sein Pferd wie im Hochsicherheitstrakt halten möchte, ist bei uns fehl am Platz“.

Dass Gut Holzen ein Paradies für Pferde ist, sehen wir bei unserem Besuch Mitte Dezember schon auf den ersten Blick: Die Stallungen sind verwaist. Stattdessen zupfen die Pferde in mehreren Gruppen auf den weitläufigen, leicht verschneiten Koppeln Gras, mümmeln am Heu oder dösen entspannt in der Wintersonne.

Den Stall wollten die beiden gar nicht haben

"Ach, der Stall ist nicht so dolle", winkt Dr. Pick ab und meint damit: Die über 100 Jahre alten Gebäude des Guts sind nicht auf Hochglanz modernisiert. "Aber die Pferde fühlen sich wohl, kommen jeden Tag raus", das sei ja die Hauptsache.

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Im über 100 Jahre alten Gutshaus wohnten die Picks jahrelang.

Zum Gutshof kam das Ehepaar eher zufällig. Tierarzt Pick behandelte in seiner Praxis jahrelang Pferde. "Eigentlich wollte ich dann nichts mehr mit Pferdebesitzern zu tun haben, weil die sehr anstrengend sein können; vor allem die Pferdebesitzerinnen", erzählt der 83-Jährige, und der Schalk blitzt aus seinen Augen.

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Drei Pfleger sorgen dafür, dass es den Pferden an nichts mangelt.

Dass er von denen doch nicht loskam, hatte mit der Suche nach einem Stall für die eigenen Pferde zu tun, damals Ende der 1990er-Jahre. "Den Hof wollte ich anfangs gar nicht haben, der war heruntergekommen, und die Pferde kamen nie raus", empört sich Ehefrau Jutta heute noch über die damalige Haltung.

Doch das Paar konnte sich mit dem Gutsbesitzer einigen, übernahm den Pensionsstall, ihre Pferde zogen ein und das Ehepaar selbst ins Gutshaus.

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Selbst ist der Tierarzt: Diese Statue stammt aus Maximilian Picks Händen.

Im Gutshaus wird die Pferdeliebe sichtbar

Da wohnen sie zwar seit ein paar Jahren nicht mehr, nachdem das Gut den Besitzer wechselte, doch die seither als Büro genutzten Räume strahlen weiter Pferdeliebe an allen Ecken aus: Regale stehen voller Pferdebücher, an den Wänden sind Steigbügel und traditionelle Zäumungen aus Argentinien drapiert. Daneben historische Zeichnungen von Pferderennen, Porträts eigener Pferde, Fotos aus dem Reiterleben des Paars.

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Ziemlich entspannt: Mischlingsrüde Jackson war ein Tierschutzfall.

Und das ist ein vollgepacktes Reiterleben, aus dem Picks beim Kaffee in der Wohnküche erzählen: etwa von den Reitanfängen ("mir schlotterten vor dem Reiten immer die Knie, aber ich konnte es nicht lassen", so Maximilian Pick), von Juttas Erfolgen im Sattel. "Meine Frau war immer die bessere Reiterin", sagt Pferde-Sachverständiger Dr. Pick und wirft einen stolzen Blick auf sie.

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Ziemlich hoch: Jutta Pick startete international für Argentinien auf Springturnieren.

Jutta Pick wuchs in Argentinien auf. Auf Springturnieren war sie so erfolgreich, dass sie die dortige Staatsbürgerschaft annahm, um international für die Equipe starten zu können; etwa in Hamburg, ihrem ersten Studienort.

"Der zweite wurde München. Eigentlich wollte ich dann weiter nach Freiburg und Heidelberg", sagt die 78-jährige Volkswirtin und Pferdewirtschaftsmeisterin. Doch in München kam ein Studentenreitturnier dazwischen, mit einer A-Dressur und ihrem Mitreiter, der – man ahnt es schon – ihr Mann wurde.

Die Dressur war später ein Ausrutscher, erzählt Jutta Pick: "Nachdem unsere zwei Söhne auf der Welt waren, hatte ich beim Springen eine Blockade. Ich bin dann auf Dressur umgesattelt, aber das war nicht meins." Also suchte sie mit 38 Jahren eine neue Herausforderung – und stieg als Amateurreiterin in den Rennsattel.

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Ziemlich schnell: Mit 38 Jahren wechselte die Reiterin dann vom Spring- in den Rennsattel.

Denn die Rennbahn spielte eine große Rolle: "Mein Vorgänger in der Praxis war Tierarzt an der Rennbahn in Riem, also wurde ich das auch", so Dr. Pick. Rund 25 Jahre betreute er die Pferde auf der Bahn; doch sein Bild vom Galopp-Rennsport wandelte sich im Lauf der Zeit.

"Anfangs war ich fasziniert, das läuft alles sehr professionell ab." Mehr und mehr begann er, die "unschönen Seiten" zu sehen: die körperlichen Schäden, die Pferde davontragen. Stress und psychische Belastungen, denen Galopper ausgesetzt sind ("die verbinden Renngalopp immer mit einer Portion Angst").

Die Haltung, bei der die Pferde nahezu den ganzen Tag im Stall verbringen: "Das ist kein Pferdeleben, das ist ein Verbrechen am Pferd."

Zwischen Renn-Leitung und Rennsport-Kritik

Dr. Pick engagiert sich im fortan im Tierschutz. Er kritisiert die Haltung; den frühen Einsatz der Pferde ("kein zweijähriges Pferd ist diesen Belastungen gewachsen"); die Häufigkeit, in der sie Rennen gehen. Kein Wunder, dass er mit den Vorsitzenden des Rennvereins nicht nur einmal aneinandergerät. Und wie sah es daheim aus?

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„Wir sind ganz klar einer Meinung, was den Tierschutz im Rennsport angeht“.

Er vehementer Kritiker des Sports, sie früher auf der Bahn und bis heute Mitglied der Rennleitung in Riem. Wie passt das? "Wir sind einer Meinung, was Tierschutz angeht", betont Jutta Pick. "Aber ich sehe das so: Durch meinen Einsatz als Rennleitung kann ich Pferden helfen und darauf achten, dass die Regeln eingehalten werden."

Rennpferden geholfen haben die beiden auch anderweitig. Etwa zehn Pferde übernahmen sie von der Bahn, weil sie wegen Gelenk- oder Sehnenverletzungen ausgemustert wurden. Aus manchen wurden gute Allround-Reitpferde, wie aus Vollblüter Tancredi, mit dem Picks auf Fuchsjagden oder Vielseitigkeitsprüfungen gingen.

Andere spielten ihr Leben lang wegen Kleinigkeiten verrückt. Bei Picks blieben sie trotzdem: "Unsere Pferde werden nicht verkauft", sagt Jutta Pick bestimmt.

Ohne Reiten geht es einfach nicht

Wie die Pferde gehört das Reiten zu den beiden – und das fast täglich. "Reiten ist ein Teil meines Lebens, das gebe ich nicht auf", sagt Jutta Pick, muss aber zugeben, dass ihr dabei gerade etwas mulmig sei: Ihr Pferd ist kürzlich durchgegangen.

"Der hätte ja nicht gleich einen Kilometer weit rennen müssen", ärgert sich die Reiterin. In der letzten Kurve vor dem Hof sei sie gestürzt. Dank Helm und Airbagweste sei nicht viel passiert, aber … "Ach komm", unterbricht ihr Mann, "auf, wir drehen eine Runde mit den Pferden."

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„Wir steigen nahezu jeden Tag in den Sattel. Reiten ist Teil unseres Lebens.“

Maximilian Pick führt uns in den eigenen Stalltrakt: drei Boxen, alle luftig, mit direktem Zugang zur Weide – und in einer blökt uns ein Schaf an. "Das ist uns zugelaufen, seither wohnt es hier", erklärt Jutta Pick den Mitbewohner. Die Wallache Centurion und Orcus nehmen es beim Satteln gelassen.

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Blick fürs Detail: Jutta Pick verschnallt die Trense ihres Vollblüters Orcus, einem ehemaligen Galopper.

Auf dem Weg zum Grasplatz mit Vielseitigkeitshindernissen kommen wir auf die gepflegten Koppeln zu sprechen. "Dass wir keinen Matsch haben, liegt nur daran, dass wir genug Platz haben. Das ist in vielen Ställen Mangelware", findet Dr. Pick – ebenso wie ausreichend Helfer. Drei Pfleger arbeiten auf Gut Holzen, denn "ohne gutes Personal ist keine gute Haltung möglich".

Dass die Haltung auf dem Gutshof im Vordergrund steht, wissen neue Einsteller von Anfang an. "Wir laden sie zum Kaffee ein und erklären, was geht und was nicht", so Dr. Pick. Man kann sich vorstellen, wie so ein Gespräch abläuft: klar, direkt – und immer voller Liebe für die Pferde.

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