Rädlein

Pferde-Herde: Stuten finden Fohlen – aber die Hengste?

Erkennen Hengste eigentlich ihre Fohlen?

Stuten finden ihre Fohlen in Pferde-Herden in Sekundenschnelle wieder. Wie sieht das bei Hengsten aus – gibt es so etwas wie einen genetischen Erkennungscode?

Ute will’s wissen: CAVALLO-Redakteurin Ute Stabingies stellt sich die wirklich wichtigen Fragen aus der spannenden Welt der Pferde:

Die Frage kam mir in den Sinn, nachdem ich im Kartäusergestüt im spanischen Jerez de la Frontera bei einer Show sehen konnte, wie traumwandlerisch Fohlen und Stuten wieder zusammenfanden, nachdem sie kurz getrennt waren. Wie ist es aber um die Vatergefühle von Hengsten bestellt?

„Wir gehen davon aus, dass Hengste ihre Fohlen nur wiedererkennen, wenn sie bereits Kontakt zu diesen hatten, sie also zuvor schon kennengelernt haben. Eine rein genetische Erkennung kann bei Pferden nicht nachgewiesen werden“, erklärt Pferde-Verhaltensforscherin Konstanze Krüger. Also schon mal keine Chance für Hengste, die per künstlicher Besamung Vater wurden. Und wie sieht es bei Pferdeherden aus, in denen die Fohlen im Familienverband groß werden? Hier spielt ja auch das Thema „Vermeidung von Inzucht“ eine Rolle.

Entscheidend ist, wie lange die Bindung gedauert hat

Bei verwilderten Mustangs wurde beobachtet, dass fast alle männlichen und über 70 Prozent der weiblichen Jungtiere im Alter zwischen ein und vier Jahren von ihrer Geburtsgruppe abwandern. Darauf weist die Ethologin Margit H. Zeitler-Feicht in ihrem Handbuch „Pferdeverhalten“ hin. Ob Hengste ihre einmal abgewanderten Fohlen später wiedererkennen, hänge mit davon ab, wie lange die Bindung gedauert hat, also wie lange sie in der Herde zusammengelebt haben. „Ein wichtiger Faktor ist der Geruch. Pferde können sich darüber- hinaus auch optische Erkennungsmerkmale einprägen. Zum Beispiel, wie ein Pferd sich bewegt und wie es den Kopf trägt. Wir vermuten, dass solche Merkmale abgespeichert sind“, erklärt Zeitler-Feicht. Und erinnern können sich einige Pferde offenbar sehr gut. Pferde, die längere Zeit woanders lebten, fanden bei ihrer Rückkehr in den alten Stall zielsicher ihre alte Box wieder.

Einen genetischen Erkennungscode gibt es also nicht. Ob ein Hengst seine Fohlen auch später noch erkennt, hängt von der Dauer der vorherigen Beziehung ab, vom bleibenden Eindruck sozusagen.

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