Fjordi Cup Lisa Rädlein
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Fjordi Cup 10 Bilder

Fjord-Cup 2019

Turnier nur für Fjord-Pferde

Unsere Autorin Alexandra von Hirschfeld stürzt sich mit ihrem Liebling Pepito ins Getümmel des Fjord-Cups. Diagnose: Lampen- und Fjordi-Fieber.

Das richtige Pferd hat nie die falsche Farbe, aber mit Sicherheit einen Aalstrich. Das kann ich voll unterschreiben, seit Fjordpferd Pepito mich im Sturm erobert hat. Schon lange träume ich davon, meinen Peppi mit seiner großen Fjordi-Familie zusammenzubringen – und zwar auf dem Fjord-Cup, dem bundesweiten Championat für Fjordpferde.

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Fjord Cup Das Turnier ausschließlich für Fjord-Pferde
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Lisa Rädlein
„So kriege ich die Gamaschen nie fest..."

Von der Rennsemmel in Gelb zum Dressurpony

Als ich Peppi vor rund fünf Jahren kaufte, war aber an Turniere erst mal gar nicht zu denken. Seine Lieblingsgangart war Galopp, durchparieren ein Fremdwort für ihn. Doch mit wachsendem Vertrauen wurde aus dem mittlerweile 21-jährigen Pepito mein Seelenpony.

Inzwischen kann ich ohne Sattel und nur mit Halfter mit ihm ausreiten und fühle mich in jeder Gangart so sicher, als würde er auf mich aufpassen. Auch in der Dressur macht Peppi eifrig mit. So entscheide ich kurzentschlossen, meinen Traum endlich wahrzumachen, und melde mich beim Fjord-Cup an: für eine E- und eine A-Dressur.

Reise nach Zweibrücken

Schon am Abreisetag bin ich ziemlich nervös. Es sind etwa dreieinhalb Stunden Fahrt bis zum Fjord-Cup auf dem Landgestüt Zweibrücken in Rheinland-Pfalz. Deshalb reisen wir schon einen Tag vor Turnierbeginn an. Ich bin froh, dass meine beste Freundin Kati und meine Schwester Claudia zur Unterstützung dabei sind.

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„Auf ins Getümmel! Mit Herzklopfen zur Abreitehalle."

Als wir endlich in die Einfahrt des Landgestüts einbiegen, schallt uns lautes Wiehern entgegen. Überall tummeln sich Falben in allen Schattierungen; Grau-, Weiß- und Braunfalben schauen uns erwartungsvoll unter ihren dichten Schöpfen entgegen. Darunter auch viele Stuten mit ihren Fohlen. Die sind zuckersüß! Allerdings tut es mir leid, dass einige Mutterstuten später auch in den Dressurprüfungen starten und die Kleinen warten müssen – das ist offensichtlich Stress für Mutter und Fohlen.

Ankunft und Luxusunterkunft

Pepito wollen wir seinen Aufenthalt dagegen so entspannt wie möglich gestalten. Wir haben für ihn eine Box in einem riesigen Zelt und einen Platz für einen Paddock draußen gemietet. Zunächst checken wir ein: Wie im Hotel wird um Peppis Pass gebeten.

Im Zelt sind bereits einige Fjordpferde untergebracht, darunter auch wunderschöne Hengste. Alle Pferde wirken völlig entspannt. Auch Pepito steigt aus dem Hänger, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, und steckt seine Nase erstmal tief ins Gras. Man könnte ja verhungern.

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„Ohne meine Mutti gehe ich hier nicht weg!"

Die Konkurrenz erklärt mal eben die Dressuraufgabe

Nachdem wir Peppis Auslauf aufgebaut haben, checken wir in der Meldestelle die Zeiteinteilung für den morgigen Tag und gucken uns dann die Dressurhalle an. Mir ist ein bisschen unklar, an welchen Punkten ich die Volten einleiten muss. Eine Teilnehmerin klärt uns auf. Das finde ich sehr nett und sportlich – irgendwie ein anderes Gefühl als bei den mir bekannten Warmblut-Turnieren. Hier ist von Rivalität nichts zu spüren.

Kati meint scherzhaft: „Oh, Konkurrenz für dich.“ „Nein, nein“, winkt die Frau ab. „Meiner ist so guckig und nervös. Das wird sicher nichts.“ Tja, bei Peppi und mir ist das andersherum – hier bin ich die Nervöse. Das zeigt sich auch am nächsten Morgen. Im Gegensatz zu mir hat Pepito offensichtlich sehr gut geschlafen. Die braunen Flecken auf seinem beigen Fell zeigen, dass er es sich gemütlich gemacht hat. Von Stress keine Spur.

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„Wo muss ich noch mal durchparieren? Bei H?"

Keine Rollkur weit und breit

Wir waschen seine Apfelflecken ab, striegeln und bürsten ihn, bis er goldig schimmert. Dann geht es schon los zur Abreitehalle. Hier machen sich schon einige Mitstreiterinnen warm. Peppi wird langsam doch aufgeregt und wir versuchen, im Schritt am langen Zügel Ruhe zu finden. Dann fange ich an, ihn ein bisschen zu stellen und zu biegen. Dabei lächele ich die anderen Reiterinnen an – leider lächelt fast keine zurück. Irgendwie ein blödes Gefühl. Aber so kenne ich es auch von anderen Turnieren.

Als ich anfangen will zu traben, winkt Kati mir zu und stoppt mich: „Lass dir lieber noch Zeit. Du bist erst die Zehnte auf der Starterliste.“ Wir gehen zunächst weiter Schritt, damit Peppi sich nicht so auspowert. Dabei beobachte ich die anderen. Insgesamt reiten alle ihre Ponys sehr ordentlich ab. Von Rollkur oder grober Reiterei keine Spur.

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„Ob der überhaupt sieht, wo er lang muss?"

Ich beginne mit Pepito zu traben. Leider fällt er zurück in sein altes Rennsemmel-Muster und will gleich voll durchstarten, geht in Außenstellung im Stechtrab um die Kurve. Na, das kann ja heiter werden. Ich versuche ruhig zu bleiben, ruhig zu atmen, ihn sanft zurückzuholen. Auf vielen gebogenen Linien, mit Übergängen und Handwechseln gelingt es mir, Pepito langsam ruhiger und durchlässiger zu machen.

Spickzettel und Souffleuse helfen gegen Nervosität

In der Halle steigt derweil die Spannung, einige können die A-Aufgabe nicht auswendig. Und sie wird nicht angesagt. Ich kann sie eigentlich im Schlaf. Aber irgendwie ist mein Kopf gerade wie leergefegt. „Wie war das noch mal nach dem Durch-die-ganze-Bahn-wechseln?“ Kati hat einen Zettel mit der Aufgabe in der Tasche.

Aber in dem ganzen Gewusel kann ich sie mir nicht richtig anschauen. Ich sage mir: „Du kannst das schon, konzentriere dich.“ Wir vereinbaren, dass Kati als Souffleuse in der ersten Reihe auf der Tribüne sitzen wird. „Wenn du nicht mehr weiter weißt, rufe ich es dir einfach zu“, sagt sie. Das gibt zwar Punktabzug, aber es beruhigt mich ein wenig.

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„Gleich haben wir's geschafft, nur noch halten und grüßen!"

Endlich werden wir aufgerufen. Wir reiten in die Dressurhalle. Beim Anblick der voll besetzten Tribüne rutscht mir das Herz in die Reithose. Doch das bange Warten hat noch kein Ende: Vor dem Dressurviereck ist noch ein kleines Abreiteviereck. Hier soll der nächste Starter Schritt gehen, damit keines der Pferde allein in der Halle ist.

Kurz vor der Prüfung fühlt sich Peppi plötzlich einsam

Doch ausgerechnet hier überfällt Pepito die große Einsamkeit. Er wiehert immer wieder herzzerreißend. Zum Glück lässt sich das Pferd in der Prüfung dadurch nicht stören. Dann sind wir dran.

Einreiten im Arbeitstrab – und unter lautem Wiehern. Peppi scheint nicht glücklich zu sein. Er absolviert zwar alle Lektionen sehr brav, wiehert aber immer wieder. Nach und nach finden wir uns ein und es läuft langsam flüssiger. Sogar das Schenkelweichen im Trab und der Übergang vom Galopp zum Schritt klappen gar nicht schlecht. Beim Mittelschritt wird Peppi mir etwas zu langsam und ich treibe ihn an. Da fängt er an, eilig loszutrippeln. Mein Fehler. Und dann ist es auch schon vorbei. Stehen, grüßen, lächeln.

Ich bin sehr zufrieden und lobe Peppi überschwänglich. Das beste Pony der Welt, auch wenn unsere Note, eine 5,2, noch Verbesserungspotenzial hat. Trotzdem bin ich überglücklich und beschließe beim Cool-down, auf die auch gemeldete E-Dressur zu verzichten. Peppi hat für heute genug geleistet.

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„Peppi, nicht die ganze Karotte auf einmal! Erst abbeißen."

Nachdem wir ihn versorgt haben, gehen wir noch mal bei der Meldestelle vorbei. Da hängt die Liste mit den Platzierungen aus. Wir sind Achte geworden und damit die Letzten. Doch wie heißt es so schön? Die Letzten werden die Ersten sein – irgendwann. Ganz bestimmt!

Der Fjord-Cup...

...ist ein Turnier, bei dem ausschließlich Fjordpferde zugelassen sind. 2019 fand diese Veranstaltung vom 1. bis 4. August auf der Anlage des Zweibrücker Landgestüts statt. Gestartet wurde in Dressurprüfungen bis Klasse M und Springen bis Klasse A, außerdem gab es in Breitensportwettbewerben, Western-, Gelände- und Fahrprüfungen ein großes Angebot.

Insgesamt waren 120 Pferde und 200 Reiter am Start. Veranstaltet wird das Event jährlich von der Interessengemeinschaft Fjordpferd e.V. (IGF), die 2019 ihr 45-jähriges Bestehen feierte.

„Viel Schönes Reiten auf dem Fjord-Cup“

Als CAVALLO-Fotografin ist LISA RÄDLEIN oft auf Turnieren unterwegs: von internationalen Prüfungen bis zum Dorfturnier.

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CAVALLO-Fotografin Lisa Rädlein.

„Das faire Reiten ist mir auf dem Fjord-Cup besonders aufgefallen. In den Prüfungen habe ich keine zu eng gerittenen oder gestressten Pferde gesehen. Jeder ritt seinen Möglichkeiten entsprechend. Die Reiter waren teils aufgeregt, machten ihren Pferden aber keinen Druck. Und besonders in der Geschicklichkeit, wo viele Kinder und Jugendliche starteten, gefiel mir das faire Richten.“

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