Ponys mit Ausbindern Rädlein

Aus für Ponyreiten auf dem Oktoberfest Fünf Gründe, warum Städte Ponykarussells verbieten sollten

München lässt ab 2024 keine Pony-Manegen mehr auf städtischen Veranstaltungen und Flächen zu. Warum auch andere Städte nachziehen sollten? Ein Kommentar in fünf Punkten.

1. Echte Pferde gehören nicht ins Karussell

Was macht ein Karussell aus? Richtig, es ist rund und es muss sich immer weiterdrehen. Dass stundenlanges Gehen auf enger Kreisbahn Sehnen, Bänder und Gelenke von Pferden belastet, wissen wir Reiter. Häufig sind die Ponys dabei ausgebunden, können also auch ihren Kopf nicht frei tragen. Die Ponys gehen meist Nase an Schweif, werden teils ununterbrochen durch eine schwingende Peitsche angetrieben. Es heißt: Immer im gleichen Tempo, in der gleichen Haltung, im gleichen Abstand. Lebenszeichen der Karussellpferde sind dabei Störfaktoren. Dass die Ponys abgestumpft sind und oft kaum mehr Reaktionen auf ihr Umfeld zeigen, hält das Karussell am Laufen. Kinderkarussells sind also eine tolle Sache. Wenn die Kleinen dabei auf liebevoll bemalten Holzpferden reiten.

2. Volksfeste sind für Pferde Dauerstress

Zugegeben, ein Pferd kann sich an Vieles gewöhnen. Das zeigen etwa Polizei- oder Stuntpferde. Doch während diese Tiere starken Reizen in gezielten Dosen ausgesetzt sind, verbringen Manegen-Ponys meist mehrere Tage am Stück auf Volksfesten, laufen täglich mehrere Stunden im Rondell. Lärm von Fahrgeschäften, ständig wechselnde Menschen und die Enge in der Manege sind dauernde Stressfaktoren.

3. Abgestumpfte Karussellpferde stumpfen Kinder ab

Wer könnte besser nachvollziehen, dass Kinder sich nach Pferden sehnen, als Pferdenarren. Doch sollen Kinder Pferde wirklich als lebendige Karussell-Tiere kennenlernen? Gerade wenn es ihr einziger Kontakt zu den Pferden ist, ist das vermittelte Bild völlig falsch. Kinder zahlen ein paar Münzen, setzen sich ohne Hallo aufs Pferd und ziehen von dannen. Dass Tiere fühlende Wesen sind, auf Menschen reagieren und Bedürfnisse haben, lernen Kinder so mit Sicherheit nicht.

4. Ein Herz für Kinder und Gesellschafts-Kitt sind keine Argumente

Ein häufiges Argument von Verbots-Gegnern: Gerade sozial schwächere Kinder hätten im Pony-Karussell die einzige Chance auf Kontakt zum Pferd. Das stimmt, doch soziale Ungleichheit kann kein Grund sein, alles weiterdrehen zu lassen wie bisher. Vielmehr sollte die Politik sinnvolle Kontakte zu Tieren und Pferden für alle Kinder fördern. Etwa durch Reiten als Schulsport oder Förderung vorbildlicher Projekte, die Stadtkindern aller Bevölkerungsgruppen Kontakte zum Pferd ermöglichen.

5. Ein klares Statement schafft Bewusstsein

Muss man wirklich beim Ponyreiten anfangen? Gibt es nicht genügend andere Missstände in Sachen Tierschutz? Die gibt es definitiv, und auch in Reiterwelt gibt es Nachholbedarf. Dennoch: Jeder Schritt in Richtung Pferdewohl, noch dazu ein so breit diskutierter wie ein Ponyreitverbot, schafft Bewusstsein für die Bedürfnisse von Pferden. Und das zieht weitere Kreise: Zur Auswahl der Reitschule für die Kinder, zur Zuschauertribüne am Reitturnier und vielleicht auch in den direkten Umgang von Kindern mit dem Pferd. Und so kommt durch stillstehende Ponykarussells vielleicht noch mehr für die Pferde ins Rollen.

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