Kollegin Kristina Hofer freut sich wie eine Schneekönigin. Wir sind heute zu Besuch auf dem Gestüt Birkhof im baden-württembergischen Donzdorf auf der Schwäbischen Alb. Über die Region hinaus ist der Familienbetrieb vor allem bekannt als gute Adresse für den Pferdekauf und als Turnierveranstalter – in der Szene weiß jeder, wer Betriebsleiter Thomas Casper ist. Und der war vor rund 20 Jahren Kristinas Chef, als sie hier während ihres Studiums ein Praktikum gemacht hat. "Das war die schönste Zeit meines Lebens!", schwärmt sie, als sie davon erzählt, was sie auf dem Hof damals erlebt hat.
Schwäbischer Erfindergeist macht aus Altem Neues
Vieles ist noch wie früher – manches hat sich verändert. Thomas Casper ist ein Tüftler vor dem Herrn und ein richtiges schwäbisches "Käpsele", wie man sagt. Raffiniert findet er für ausrangierte Dinge neue Verwendungszwecke. So besteht die Umzäunung des großen Reitplatzes aus alten Dachrohren, die Tribüne aus Teilen einer alten Fabrikhalle und die schicken Metallschränke in den Sattelkammern stammen aus dem Inventar einer Klinik. Wenn irgendwo in der Nähe etwas Brauchbares zu bekommen ist, fährt Thomas Casper hin und lädt es auf. Viele solcher Schätze sind bereits verbaut – sowohl auf dem Birkhof als auch dem nahegelegenen Waldenhof, auf dessen Gelände ein moderner Aktivstall und mehrere Laufställe stehen. Manche warten noch in den diversen Lagern auf ihren neuen Einsatz. Dazu später mehr. Unser Rundgang beginnt auf dem Birkhof.
Ein Casper für alles: Der Chef sprüht vor Ideen
Wir finden den Birkhof-Chef nicht in seinem Büro, sondern in der Reithalle. Kaum vorstellbar, dass dieser Mann, der an jeder Ecke im Betrieb selbst Hand angelegt hat ("Das Fundament für den Reitplatz habe ich in einer Woche ausgebaggert.") lange stillsitzen kann. Er betreut gerade Kunden, die sich für ein Pferd interessieren.
Vor Kurzem waren hier die Verkaufswochen für Reitpferde. Sie finden fünfmal im Jahr statt und bieten Interessenten die Möglichkeit, an einem Ort unter vielen Pferden das Passende zu finden. Hier werden nicht nur Pferde vorgestellt, die auf dem Birkhof aufgewachsen und aufgezogen sind. Auch Züchter, die ein Pferd oder Fohlen von hier erworben haben, können diese Veranstaltung nutzen, um die Tiere zu verkaufen. Den Züchtern diesen Rundum-Service von der Präsentation über die Kundenbetreuung bis hin zum Vertragsabschluss zu bieten, ist Casper wichtig.
Züchter in den Mittelpunkt stellen
Thomas Casper wünscht sich generell mehr Wertschätzung für die Züchter – insbesondere diejenigen, die im kleinen Rahmen für Pferdenachwuchs sorgen."Es ist schade, dass die Züchterprämie der FN abgeschafft wurde. Jeder Züchter investiert viel Zeit und Geld, bis er ein Fohlen als Reitpferd anbieten kann. Dies leisten viele nur noch deshalb, weil das Züchten für sie eine große Leidenschaft ist – einen Gewinn daraus zu ziehen, ist nicht leicht", erklärt er. Seine Idee: Die Züchter mehr in den Mittelpunkt stellen und anerkennen, etwa damit, dass man sie bei der Siegerehrung im Bundeschampionat mit auf den Platz holt. Oder mit einer Plakette, die sie bei einer Platzierung mit nach Hause nehmen können. Auf dem Birkhof hat man schon immer eine gute Beziehung zu den Züchtern gepflegt. Vor Ort gab es regelmäßig Events, die alle zusammengebracht haben – vom Züchterausritt (den es inzwischen nicht mehr gibt, weil alle danach auf heißen Kohlen saßen, weil sie ihre Pferde wieder nach Hause bringen wollten) bis zum Fohlenchampionat. Letzteres jährte sich gerade zum 40. Mal. Das Besondere daran: Die Fohlen werden von fremden, unabhängigen Richtern, die nicht aus dem Bundesland Baden-Württemberg stammen, bewertet.
Alles begann mit einer Stute – und etwas Glück
Klein angefangen hat die Zucht auch auf dem Birkhof. 1962 konnte Alfred Casper, der schon als Kind auf Ponys saß, einen Teil des Gutshofs in Donzdorf erwerben, auf dem er als Verwalter angestellt war. Die Stute Solistin (v. Sohn) hatte ihm schon zuvor zur Verfügung gestanden. Dass sie die Stammstute seiner Zucht werden würde, stand anfangs in den Sternen. Alfred Casper konnte sie günstig erwerben, weil sie einen Knochenriss hatte und unklar war, ob sie wieder auf die Beine kommt. Sie schaffte es – und brachte vier Stutfohlen auf die Welt. Die Fohlen blieben und jedes Jahr wurde eines auf dem Fohlenmarkt in Riedlingen dazugekauft. Zum Decken ritt man anfangs in den Ort hinunter; im Donzdorfer Schloss hatte das Landgestüt Marbach eine Außenstelle. Der Betrieb wuchs: Caspers bauten eine alte Scheune zur Reithalle um und gründeten eine Reitschule. Die beiden Söhne Thomas und Jürgen starteten mit den Stuten auf Springturnieren – so erfolgreich, dass sie es bis zur Junioren-Meisterschaft schafften.
Vielfältiges Veranstaltungsprogramm auf dem Birkhof
In den ersten Jahren wurden Landgestüts-Hengste ausgeliehen, die jeweils alle Stuten auf dem Hof deckten. Der erste eigene Hengst, Koriolan (v. Kornett) zog 1972 ein. 1981 kam der erste Privathengst auf den Hof, Wettstreit (v. Wedekind, a.d. Alpenmeise) aus dem Besitz von Werner Schockemöhle. Der Grundstein für die Zucht von hochklassigen Sportpferden war damit gelegt – fünf Jahre später wurde die Deckstation staatlich anerkannt, 1995 dann auch als EU-Besamungsstation. Thomas Casper übernahm den Betrieb 1992. Nach und nach hat er investiert, gebaut und den Hof zu dem gemacht, was er heute ist: einen Ort, an dem Reiter, Züchter und Pferdefreunde zusammenkommen. Die familiäre Atmosphäre – das ganze Birkhof-Team frühstückt jeden Tag gemeinsam mit der Familie Casper – sorgt nicht nur dafür, dass Kollegin Kristina das Herz aufgeht, als sie langjährige Mitarbeiter wiedertrifft. Jeder Besucher hier spürt die Gastfreundschaft. Die gehört vermutlich mit zum Erfolgsrezept des charismatischen Birkhof-Managers, auf dessen Betrieb heute neben den Verkaufswochen und den Fohlenchampionaten auch Reitsport-Festivals, Hengstpräsentationen, Weiterbildungsveranstaltungen für Fachleute und Förderlehrgänge für Pferdekäufer stattfinden. Inzwischen hält er auf dem Birkhof rund 150 Pferde (jährlich etwa zehn stationierte Hengste, ca. 12 Stuten, ca. 12 Fohlen) sowie etwa 70 auf dem benachbarten Waldenhof. Die rund 50 Jungpferde weiden als "Bergziegen” auf den Hangweiden rund um den Birkhof. "Es gibt nichts Besseres, um gesunde Reitpferde großzuiehen”, findet Thomas Casper, der in Sachen Haltung auch gerne neue Wege geht. Auf dem Birkhof gibt es Paddocks, auch für die Hengste.
"Waldenhof" ist als Bewegungsstall angelegt
Im Jahr 2013 errichtete er den Waldenhof, der aus kleinen Laufställen für Seniorenpferde und einem Bewegungsstall der Firma Schauer besteht. Im Bewegungsstall leben 40 Pensionspferde mit Zugang zur Weide und zeitgesteuerter Heufütterung. Für schwerfuttrige und rangniedrige Pferde gibt es einen Ad-libitum-Bereich.Doch statt weiter in die Größe zu wachsen, will die Familie Casper den Betrieb nun zukunftsfähig ausrichten – und sich sogar verkleinern. Das Deckgeschäft ist in ganz Deutschland rückläufig geworden. "Davon können wir nicht mehr leben”, so Thomas Casper. Er will sich stattdessen auf die Ausbildung konzentrieren."Das ist unsere Stärke”, betont der Familienvater, dessen Frau und drei Töchter erfolgreiche Reiterinnen sind. Gemeint ist nicht nur die Förderung der jungen Nachwuchspferde, sondern auch der Reiter – und im weitesten Sinne der heranwachsenden Menschen, die Pferde auf seinem Birkhof kennen und lieben lernen sollen.
Offene Türen auch für kleine Pferdefreunde
Thomas Casper liegt viel daran, die Faszination Pferd in die Welt zu tragen. Deshalb engagiert er sich in der neu gegründeten Initiative "Vielfalt Pferd” (siehe CAVALLO 8/2026), die genau da ansetzt."Wir müssen zeigen, dass Reiten ein tolles Hobby ist. Nicht die negativen Bilder sollen wahrgenommen werden, sondern die Liebe zum Tier. Wir müssen transportieren, dass korrektes Training für die Pferde etwas Gutes ist, sie gesund und fit hält”, betont er.
Und das fängt schon beim Nachwuchs an. Thomas Casper ist auf die umliegenden Städte zugegangen, um Kooperationen für die Kinder auf die Beine zu stellen. In diesem Jahr etwa dürfen alle Kindergartenkinder aus Salach einen Ausflug auf den Birkhof machen, Ponys putzen und reiten, mit dem Pferdetransporter fahren, Fohlen gucken."Diese Kinder kommen wieder – vielleicht mit Oma und Opa zum nächsten Turnier”, sagt Casper. Und auch bei den Reitsport-Events werden die Kleinen einbezogen, statt nur als Zuschauer auf der Bank zu sitzen: Sie dürfen zum Beispiel zu Fuß den Parcours ablaufen oder bei der Siegerehrung dabei sein. "Turniere können Events für die ganze Familie sein”, betont Thomas Casper. Der Birkhof-Chef macht es vor: mit Flutlicht-Springen, Beachvolleyball auf dem Reitplatz, abendlichen DJ-Partys und Konzerten.
Kontakt
Familie Casper betreibt den Birkhof seit 1962. Zum Angebot gehören neben der EU-Besamungsstation die Ausbildung von Pferd und Reiter, ein Pensionsstall, die Fohlenaufzucht, Fortbildungen sowie die Vermarktung von Sportpferden. gestuet-birkhof.de





