Mobbing im Stall
„Hört endlich auf zu lästern!“

Wer im Reitstall Mobbing erlebt, dem wird sein liebstes Hobby zur Hölle gemacht. Da machen wir nicht mit! Was Mobbing verursacht und wie Betroffene und Außenstehende sich wehren können.

Dossier Mobbing
Foto: Lisa Rädlein
In diesem Artikel:
  • Was ist Mobbing?
  • Idealer Ort für Mobbing: Der Stall
  • Von wem geht das Mobbing aus?
  • Wer wird zum Mobbingopfer?
  • Wie können wir Mobbing stoppen?
  • Interview Vivian Gabor: "Die Pferde der Mobbingopfer leiden mit"
  • CAVALLO-Kommentar
  • Leser-Erfahrung: "Ich wurde wegen meiner Figur gemobbt"

Sie können nachts kaum schlafen, sorgen sich, was am nächsten Tag passiert und ob ihrem Pferd etwas zustoßen könnte. Sie steigen mit Bauchschmerzen ins Auto, wenn sie in den Stall fahren, kommen nur noch, wenn sonst niemand da ist. Ihnen schlägt das Herz bis zum Hals, wenn sie einer der Personen begegnen, die ihnen die Freizeit beim Pferd zur Hölle machen. Sie leiden, nicht nur, wenn sie im Stall sind. Sie werden gemobbt.

Sie, das sind Reiter wie Julia. Sie war neu im Stall. Ihr Pferd Silas sollte in eine der Wallachgruppen integriert werden. Die ersten Kommentare steckte sie schon ein, weil Silas beschlagen war: "Das geht bei uns aber gar nicht!" Obwohl sie ihrem Pferd die Eisen abnahm, ging es weiter. Wochenlang wartete sie auf einen Termin mit den anderen Einstellern, um Silas zur Herde zu lassen. Ihre Wünsche wurden fortan ignoriert, ihr Reiten kritisiert und ihre Art, mit Silas umzugehen, belächelt. Traf sie andere Einsteller alleine an, sprachen sie nicht mit ihr. Waren mehrere da, wurde getuschelt. Oft rotteten sich die anderen zusammen, um Julia zu beschimpfen und zu beleidigen. Niemand stand ihr zur Seite. Letztendlich hielt sie es nicht mehr aus, nahm ihr Pferd und ging.

Was ist Mobbing?

Julias Fall zeigt ganz typische Eigenschaften des Mobbings auf. Wenn eine Person systematisch und über einen längeren Zeitraum hinweg kritisiert, beschimpft oder bedroht wird, sie abgewertet, ignoriert oder ausgrenzt wird, falsche Tatsachen über sie verbreitet werden oder man sich über sie lustig macht, dann handelt es sich dabei um Mobbing. So hat es der Diplompsychologe Heinz Leymann definiert, der sich als erster Forscher ab 1955 mit dem Thema Mobbing auseinandersetzte und eine Liste von 45 Mobbinghandlungen ausarbeitete. Mobbing zeichnet sich dadurch aus, dass der Konflikt nicht zwischen zwei Personen schwelt, sondern die Schikane nach dem Motto "alle gegen einen" funktioniert.

Als erstes deutsches Arbeitsgericht hat sich das Landesarbeitsgericht München mit der Thematik befasst und 2001 ein Grundsatzurteil aufgestellt: "Im arbeitsrechtlichen Verständnis erfasst der Begriff des Mobbing (...) der Anfeindung, Schikane oder Diskriminierung dienende Verhaltensweisen, die (...) in ihrer Gesamtheit das allgemeine Persönlichkeitsrecht oder andere ebenso geschützte Rechte wie die Ehre oder die Gesundheit des Betroffenen verletzen." Im Klartext: Mobbing ist rechtswidrig. Beleidigungen, Angriffe und üble Nachrede können strafrechtlich verfolgt werden. Weil Mobbing weitreichende negative psychische Folgen für die betroffene Person haben kann, kann sie auf Schmerzensgeld klagen.

Wurden Sie im Reitstall schon mal gemobbt?

29 % Nein
71% Ja

Erschreckend: Die Mehrzahl der CAVALLO-Leser gibt an, bereits selbst Opfer von Mobbing geworden zu sein.

Idealer Ort für Mobbing: Der Stall

Mobbing passiert am häufigsten am Arbeitsplatz, in der Schule oder in der Freizeit – dort, wo mehrere Personen aufeinandertreffen. Dann bilden sich Gruppen, die verschiedene Interessen vertreten, erklärt Johanna Constantini, Klinische Psychologin, Arbeits- und Sportpsychologin.

Das Umfeld eines Reitstalls sei ein besonders guter Nährboden für Mobbing, glaubt sie. Jeder Einsteller versorgt und sorgt sich um sein Pferd, dem einen geht es um Erfolg, dem anderen darum, seinem Pferd der beste Freund zu sein. Alle werden zusammengewürfelt: Die einen reiten Dressur, die anderen nur aus, manche sitzen im Westernsattel, manche im Barocksattel, manche auf einem Pony, manche auf einem Sportpferd, der eine geht aufs Turnier und die andere reitet gar nicht. "Je nach Ausrichtung des Reitstalls, also vor allem in Turnierställen, können Neid und Missgunst starke Antriebsmotoren für Mobbing sein", erklärt Constantini.

Von wem geht das Mobbing aus?

Viele Mobbingopfer fragen sich, aus welchem Grund andere Personen sie auf dem Kieker haben. Haben diese Menschen keine eigenen Probleme? Durchaus, sagt Johanna Constantini: "Wer mobbt und damit andere entwertet, wertet sich selbst auf", erklärt sie. Meistens stecke dahinter, dass die mobbende Person selbst in der Vergangenheit Kränkungen erfahren, wenig Selbstwertgefühl hat und eigene Schwächen übertünchen möchte, um sich gut und mächtig zu fühlen.

"Jeder Einsteller lebt auf seiner eigenen Insel", beschreibt Insa Schülzke, die als Mentalcoach arbeitet und einen eigenen Pensionsstall betreibt. Jeder setze eigene Vorstellungen auf seine individuelle Weise um – sei es beim Reiten, im Umgang mit dem Pferd oder bei auftretenden Schwierigkeiten. Das Problem: Keiner mache sich die Mühe, die Insel der anderen zu erkunden. Weil die einen die anderen nicht verstehen, sind Konflikte programmiert.

"Zickenkrieg ist das Schlimmste, was ein Stallbetreiber auf dem Hof haben kann", betont Insa Schülzke. Ihrer Erfahrung nach gibt es eine Person, von der das Mobbing ausgeht und die Mobbinghandlungen immer wieder neu initiiert. Dieser "Haupttäter" agiert dann weiter innerhalb einer Gruppe: Andere werden mit ins Boot geholt oder machen mit, um nicht selbst an den Rand zu geraten.

Nicht immer sind Einsteller die Personen, von denen Mobbing ausgeht. Manchmal sind es auch Stallbetreiber oder Trainer, die es auf bestimmte Einsteller oder Reitschüler abgesehen haben. Eine Leserin berichtet von einem Fall, bei dem die Stallbesitzer aktiv mitgewirkt haben, die Einsteller in zwei Klassen zu unterteilen: "Nur wenn man Turnierreiter war oder immer kräftig Sektchen mitgetrunken hat, gehörte man dazu." Eine andere Leserin erzählt von einem Reitlehrer, der sie wegen ihres Gewichts vor allen anderen bloßstellte (siehe Fallbericht im Abschnitt "Leser-Erfahrung").

Wer wird zum Mobbingopfer?

"Mobbing kann jeden treffen", sagt Psychologin Johanna Constantini. Besonders gefährdet seien aber die klassischen Außenseiter. Menschen, die sich von anderen unterscheiden, fallen innerhalb einer Gruppe aus dem Rahmen. "Am Anfang stehen oft kleine Lästereien, weil das vermeintliche Opfer anders denkt, jünger oder älter als die anderen ist, körperliche Einschränkungen hat, zu viel wiegt, sich anders kleidet, in einem anderen Stil reitet oder das Pferd ein Handicap hat", erläutert Stallbetreiberin und Mentalcoach Insa Schülzke. "Auch Menschen, die ohnehin schon wenig Selbstbewusstsein haben und als schwach empfunden werden, sind potenzielle Opfer."

Besonders argwöhnisch beäugt werden oft neue Einsteller, weiß Schülzke aus eigener Erfahrung. "Menschen werden bei der ersten Begegnung innerhalb von Sekunden in eine Schublade gesteckt", weiß sie. Schnell fällen dann die Alteingesessenen das Urteil: Der oder die Neue passt hier nicht rein. "Dann halten alle zusammen und überlegen schon, wie sie die Person wieder herausekeln können", so Schülzke. Bringt die neue Person dann noch eigene Ideen mit ein, kann das Mobbinghandlungen befeuern.

Wie können wir Mobbing stoppen?

Insa Schülzke sieht in erster Linie die Stallbetreiber in der Pflicht. Sie müssen klare Regeln aufstellen und dürfen Entscheidungen nicht ihren Einstelern überlassen. "Wenn etwa Einsteller unter sich vereinbaren, wann ein neues Pferd eingegliedert wird, kann ich sicher sein, dass es Zoff gibt", meint sie. Als Stallbetreiber sei es wichtig, die Gruppendynamik der Stallgemeinschaft im Auge zu behalten. "Wenn ich Mobbing beobachte, spreche ich entweder den Haupttäter an oder hole alle Einsteller an einen Tisch und mache klar, dass ich das nicht dulde", so Schülzke. Hört das Mobbing nicht auf, ist sie konsequent: "Ich habe bereits Einstellern, von denen das Mobbing ausging, gekündigt."

Einsteller, die Mobbing mitbekommen, können helfen, "indem sie den Betroffenen Unterstützung anbieten oder die Täter einzeln ansprechen", rät Psychologin Johanna Constantini. Am besten schildern Außenstehende zunächst neutral ihre Beobachtungen, bevor sie versuchen zu vermitteln. Umgekehrt sollten sich Menschen, die das Gefühl haben, gemobbt zu werden, eine Vertrauensperson aus dem Stall an die Seite holen, wenn sie die Möglichkeit haben. Im Idealfall ist das der Stallbetreiber oder eine andere neutrale Person, die bei klärenden Gesprächen unterstützen kann.

Besonders wichtig: sich selbst auf Konfrontationen mit den Mobbern vorbereiten. Viele Opfer haben Angst, Schwäche zu zeigen, um alles nicht noch schlimmer zu machen, weiß Insa Schülzke, die auch Coachings für Mobbingopfer anbietet. Ihr Tipp: "Nicht sofort kontern, sondern sich für einen Moment aus der Situation herausnehmen und weggehen." Wer sich gesammelt hat, kann das Gespräch viel souveräner führen. Wichtig: Nur einzelne Täter ansprechen. Denn die Mobber sind nur in der Gruppe stark.

Für das Gespräch selbst helfen Gedankenspiele: Etwa, indem die betroffene Person sich vorstellt, sie sieht von oben auf die Situation herunter. Oder indem sie an das Gefühl denkt und mental durchlebt, das sie bei einem großen persönlichen Erfolgserlebnis hatte. "Mit solchen Bildern können wir uns ungemein stärken", so Schülzke. Wichtig: sachlich bleiben, Ich-Botschaften formulieren, Fragen stellen statt Schuldzuweisungen machen, damit die Täter in Erklärungsnot kommen. Zum Beispiel: "Ich fühle mich durch deine Aussagen angegriffen. Was bezweckst du damit – was ist dein Ziel?"

Bessert sich die Situation für das Mobbingopfer nicht, kann der Stallumzug die Lösung sein. Denn die Folgen für das Opfer sind enorm, weiß Psychologin Johanna Constantini: "Mobbing kann nachhaltige Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl und das Selbstbewusstsein haben und hat somit auf viele Lebensbereiche Einfluss." Oft leiden Opfer unter Selbstzweifeln oder werden mutlos – Probleme, die sich auch im Sattel negativ auswirken.

"Es war furchtbar damals", schreibt ein Mobbingopfer. "Seitdem ich den Stall gewechselt habe, habe ich wieder Spaß an meinem Hobby. Ich kann jedem Betroffenen raten, das auch zu wagen."

Interview Vivian Gabor: "Die Pferde der Mobbingopfer leiden mit"

Verhaltensforscherin Dr. Vivian Gabor über die Auswirkungen auf die Pferdepsyche.

Dossier Mobbing
Lisa Rädlein
Dr. Vivian Gabor ist Pferdeverhaltensforscherin und betreibt ein Ausbildungzentrum. www.vivian-gabor.de

Dr. Vivian Gabor ist Pferdeverhaltensforscherin und betreibt ein Ausbildungzentrum. www.vivian-gabor.de

CAVALLO: Wir wissen, dass Pferde unsere Stimmungen wahrnehmen. Wie geht es den Vierbeinern, deren Besitzer gemobbt werden?

Dr. Vivian Gabor: Emotionen führen bei Menschen zu körperlichen Veränderungen. Die Angst, der Frust und die Wut, die Mobbingopfer empfinden, äußern sich darin, dass die betroffene Person anders atmet und eine höhere Körperspannung hat. Für unsere Pferde sind dies Warnsignale. Es entspricht ihrer Natur, Anspannung und Entspannung zu spüren – das ist ein wesentlicher Bestandteil der Kommunikation mit Artgenossen. Im Umgang mit dem Menschen können sie sich der Spannung nicht entziehen, indem sie einfach an einen anderen Platz wandern. Je nach Typ und Situation reagiert ein Pferd dann mit Furcht und zeigt Flucht- oder Abwehrverhalten. Registriert das Pferd bei seinem Reiter über einen längeren Zeitraum hinweg immer eine negative Stimmung, kann das sogar dazu führen, dass es seine Angst mit der Person verknüpft. Das wäre dann eine klassische Konditionierung.

Das Pferd spiegelt also die Stimmung seines gestressten Besitzers?

Wir hören so häufig, dass Pferde uns spiegeln. Tatsächlich kopieren sie aber nicht unsere Handlungen und Stimmungen, sondern nehmen diese wahr und setzen sie in ihr eigenes Verhalten um. Ein Pferd, das bei seinem Menschen ständigen Stress spürt, kann ihm nicht mehr vertrauen. Fühlt es sich bei seinem Besitzer nicht mehr sicher, wird es zwangsläufig in vielen Situationen seine eigenen Entscheidungen treffen. Es wird schreckhafter und schwieriger zu händeln. Dann wird nicht nur der Umgang mit dem Pferd gefährlicher, sondern auch das Reiten.

Stichwort Reiten: Eine klassische Mobbingsituation im Reitstall ist das Lästern einer Gruppe von Zuschauern an der Bande. Können Reiter, die ihr Pferd unter solch kritischen Augen arbeiten müssen, ihrem Pferd im Sattel noch gerecht werden? Vor vielen Jahren wollte eine Schülerin bei mir Bodenarbeits-Stunden nehmen. Ihre Bedingung: Bitte nur nach 22 Uhr! Sie wollte sich nicht den Kommentaren ihrer Stallkollegen aussetzen, die sich darüber lustig machten, dass sie nicht ritt. Wer sich beobachtet und unwohl fühlt, kann sich nicht aufs Pferd konzentrieren. Außerdem wird er dazu verleitet, sein Pferd unter Druck zu setzen oder es unfair zu behandeln. Aus Sicht der Verhaltensforschung finde ich es für ein Pferd besonders schlimm, wenn Reitern die Freude an ihrem Hobby genommen wird. Denn wer selbst keinen Spaß hat, kann auch andere nicht begeistern. Doch Motivation ist für Pferde so wichtig!

CAVALLO-Kommentar

Ein Stall, in dem nie hinter vorgehaltener Hand über andere geredet wird? Gibt es doch gar nicht. Wir können unserem Ärger über eine andere Person Luft verschaffen und fühlen uns besser, wenn andere unsere Sichtweise teilen. Ein Reitstall besteht aus einem bunten Haufen von Menschen, die zusammengewürfelt wurden, weil sie dort eine Wohnung für ihr Pferd und einen Platz für ihr Hobby gefunden haben. Klar, dass dann Menschen dabei sind, die man nicht so gerne mag. Aber: Lästern ist für mich, andere Personen bewusst auszugrenzen und negativ darzustellen. Nach dem Motto: "Hast du gesehen, was die gemacht hat?" Auch wenn ich manchmal Lust habe, darauf einzugehen, versuche ich das sein zu lassen. Denn mit Lästern fängt Mobbing schon an: Mehrere rotten sich zusammen, um über jemand anderen herzuziehen.

Wie geht es demjenigen, über den gelästert wird? Im schlimmsten Fall so mies, dass er nicht mehr gerne zu seinem Pferd fährt. Und das arme Tier leidet noch mit. Da dürfen wir nicht mitmachen!

Dossier Mobbing
Lisa Rädlein
Nadine Szymanski, CAVALLO-Redakteurin.

Nadine Szymanski, CAVALLO-Redakteurin

Leser-Erfahrung: "Ich wurde wegen meiner Figur gemobbt"

Aufgrund einer Erkrankung wiege ich etwas mehr. Deshalb wurde ich in einem Reitverein gemobbt. Vor allem vom Reitlehrer: Keine Reitstunde konnte ich zu Ende reiten, weil ich jedes Mal wegen meines Gewichts vorzeitig absitzen musste – obwohl andere Mitreiter dicker waren als ich. Einmal bekam ich ein Pferd, das fürs Buckeln und Steigen bekannt war. Ich habe gehört, dass der Reitlehrer sagte, er hätte mir das Pferd absichtlich gegeben, damit ich herunterfalle und alle was zu lachen haben. Wegen diesen Erfahrungen reite ich seit vier Jahren nicht mehr, obwohl ich gerne würde.

"Mobbing ist der Grund dafür, dass ich keine Berittpferde mehr nehme"

Als ich vor etwa fünf Jahren meinen Trainerschein bekam, begann ich in meinem Stall Unterricht zu geben. Alles lief prima. Nur einer Dame im Stall passte das nicht. Sie hetzte so sehr gegen mich, dass ich sogar einen Kurs absagen musste. Keiner stellte sich ihr in den Weg, weil sie Rechtsanwältin war. Direkt geriet ich mit ihr aneinander, als sie einfach durch die offene Tür in die Halle galoppierte und eine Schülerin deshalb von ihrem flüchtenden Pferd stürzte.

Danach wurde es richtig schlimm. Andere Einsteller gingen mir fortan aus dem Weg. Zu dieser Zeit hatte ich mein erstes Berittpferd. Plötzlich bekam ich einen Anruf, das Pferd würde vorzeitig aus dem Beritt geholt. Man hatte gehört, ich würde nicht mit dem Tier arbeiten und es nicht gut behandeln. Das war ein Schock. Ich begann an mir selbst zu zweifeln und litt sehr. Irgendwann habe ich den Stall verlassen und konnte endlich wieder schlafen. Trotzdem habe ich nie wieder ein Berittpferd genommen.

"Ich habe es wohl immer zu gut gemeint"

Früher hatte ich ein Reitbeteiligungspferd, das ich sehr liebte. Die Besitzerin war kaum da und freute sich, dass ich ihr Pferd täglich versorgte. Anfangs bewunderte mich die Stallbesitzerin dafür, doch irgendwann schlug das um. Sie verfolgte mich und erzählte Lügen über mich. Ich durfte das Pferd plötzlich nicht mehr auf die Weide stellen, weil ja bei Frost das Gras brechen würde. Als ich grasen ging, riss sie mir das Pferd aus der Hand. Niemand durfte mit mir sprechen, ihr Mann tat es heimlich. Die Frau wurde so fies, dass ich den Stall verlassen habe. Es zerriss mir das Herz.

Jahre später wurde ich gemobbt, weil ich mit neuen Ideen in den Stall kam. Meine selbstgebaute, verschraubte Heuraufe war angeblich gefährlicher als die vorhandenenen, die zusammengenagelt waren. Weil eines der anderen Pferde meinem die Regendecken zerriss, sollte meins raus aus der Gruppe. Es verging kaum ein Tag, an dem ich nicht beschimpft wurde. Auch hier war der Stallwechsel eine Erlösung.

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2 / 2023

Erscheinungsdatum 18.01.2023

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