Redaktion in Aktion - Stuntreiten Lisa Rädlein
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Ausprobiert: So geht Stuntreiten

Die traut sich was Stuntreiten ausprobiert

Ungarische Post, Trickreiten oder Streitwagen fahren: Wie fühlt man sich als Stuntreiterin? CAVALLO-Autorin Cathrin Flößer geht an ihre Grenzen.

Ganz schön hoch hier oben. Ich stehe mit einem Bein auf dem Rücken von Achado, mit dem anderen auf Omens – und soll in die Kamera von CAVALLO-Fotografin Lisa Rädlein lächeln. Leicht gesagt. Ich muss mich so sehr konzentrieren, die Balance zu halten, dass mir immer wieder das Gesicht entgleist.

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Ausprobiert Wie lernt man eigentlich Stuntreiten?
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„Balance, Zügel, Gerte, Pferde – so viele Dinge, auf die ich gleichzeitig achten muss!“

Die beiden Pferde schön auf gleicher Höhe zu halten und dann noch die vier Zügel samt Gerte in den Händen zu koordinieren, ist kniffelig. Aber das war ja zu erwarten, wenn man bei einer professionellen Show- und Stuntreiterin wie Hero Merkel Tricks lernen möchte.

Auf dem Hof ihrer Eltern im französischen Leutenheim lebt sie mit ihren Pferden und trainiert für Shows. Heute führt sie mich in die Kunst des Stuntreitens ein.

Als Kind habe ich reihenweise Westernfilme verschlungen. Nicht etwa wegen der wild schießenden Cowboys, sondern wegen der spektakulären Reitszenen: vor allem mit Indianern, die den blanken Rücken ihrer Pferde rauf und runter sprangen, oder den Cowboys, die sich absichtlich fallen ließen.

Als Kind übte ich Rolle rückwärts vom Pferd

Für meine ersten Stunts mussten die Welsh-Ponys meiner damaligen Reitschule herhalten. Ich hatte schon früher riesigen Spaß, freihändig ohne Sattel und Zaum zu galoppieren, auf dem Pferd zu stehen oder in einer Rolle rückwärts nach der Reitstunde vom Pferd abzusteigen.

Nachdem meine eigene Stute zu wenig stabil war, um auf ihr zu turnen, habe ich solche Aktionen die letzten Jahre hintenangestellt. Doch heute ist es soweit, wochenlang habe ich mich darauf gefreut. Mehr als 30 Jahre nach meinen letzten "Stunt-Versuchen" darf ich unter professioneller Anleitung trainieren. Hero Merkel ist bekannt für ihre pferdefreundliche Showpferde-Ausbildung – ich turne also mit gutem Gewissen.

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Die Steigbügel können am Sattelgurt festgehakt werden. So bleiben sie näher am Sattel und geben Stabilität.

Statt auf den Füßen lande ich auf den Knien Bevor es richtig los geht, zeigt mir Hero, wie man einen Stuntsattel korrekt verschnallt. Anders als ein normaler Sattel hat er keine Sitzfläche, sondern Polster, auf denen man stehen kann, und mehrere Griffe vorne und hinten, um sich bei den Tricks festalten oder einhaken zu können.

Gleich drei Gurte und ein Vorderzeug verhindern, dass der Sattel rutscht, wenn man seitlich am Pferd hängt. Die Steigbügel werden zusätzlich unten am Sattelgurt befestigt, damit man die Füße besser stabilisieren kann.

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Das Horn vorne am Sattel dient als Griff für die Hände oder zum Einhaken der Beine.

Dann geht es zum sicher umzäunten Reitplatz, wo ich gleich meinen Rolle-Rückwärts-Stunt von früher vorführen will. Doch ich lande auf den Knien, statt auf den Füßen. Mit neun war ich einfach gelenkiger als mit 39... Mit ein klein wenig Hilfestellung schaffe ich es schließlich doch noch und lande stolz auf den Füßen. Jetzt bin ich bereit, neue Stunts zu lernen!

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CAVALLO-Autorin Cathrin Flößer führt den Rolle-Rückwärts-Stunt aus ihrer Kindheit vor.

Wir probieren es mit der Ungarischen Post, die mich immer wieder fasziniert. Das Stehen auf Pferden geht auf die ungarischen Hirten zurück, Csikós genannt. Sie galten als hervorragende Reiter, die nicht nur auf zwei Pferden stehen konnten, sondern noch weitere Pferde als Gespann vor sich laufen ließen. Wir starten mit zwei Pferden.

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Multitasking bei der Ungarischen Post: Balance halten, Pferde dirigieren, Zügel sortieren.

Statt Galopp geht es im Schritt voran. Das reicht für meinen Nervenkitzel völlig aus: Obwohl Omen und Achado keine großen Pferde sind, bekomme ich fast Höhenangst. Bloß nicht runtergucken, sagt man doch immer, wenn es hoch ist. Also schaue ich tapfer nach vorne und balanciere mich aus.

Da Achado ein kleines Stück größer ist als Omen, muss mein linkes Bein auf Achado etwas mehr arbeiten. Da ich die beiden Wallache bereits aus Shows und von einem früheren Besuch kenne, habe ich großes Vertrauen in Achado und Omen. Sie springen für Hero im wahrsten Sinne des Wortes durchs Feuer.

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Stuntsättel haben breite Polster, um darauf leichter stehen zu können.

Achados innerer Steigbügel ist in Omens Sattelhorn eingehängt, so dass die beiden Pferde nicht zu weit auseinanderdriften. "Das ist eine kleine Erinnerung für die beiden", sagt Hero.

Die beiden Showprofis kennen das schon. Für die Ungarische Post müssen sie sehr dicht nebeneinander laufen und sich gut verstehen. Zunächst dirigiert Hero die Wallache am Zügel und läuft voraus.

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CAVALLO-Autorin Cathrin Flößer muss vier Zügel in zwei Händen sortieren.

Dann übernehme ich. Auf dem Reitplatz sind die Ecken eine Herausforderung, weil das äußere Pferd etwas schneller laufen muss. Da man den Schenkel nicht nutzen kann, haben die Pferde gelernt, aufs Antippen der Schulter schneller zu gehen.

Doch meine Kommunikation ist noch nicht perfekt, ich tippe zu spät. Weil Omen langsamer geht, machen meine Beine soweit die Grätsche, dass ich auf seinem Hals lande. Der Schecke stoppt sofort. Mein Multitasking hat versagt.

Bei der Ungarischen Post spüre ich Schmetterlinge

Also nochmal! Um sich aus der Hocke im Sattel auf die Pferde hochzustemmen, braucht man ganz schön viel Kraft in den Beinen. So langsam bleibe ich aber immer länger oben und meine Abstimmung von Balance halten, Pferde lenken und auf gleicher Höhe halten wird besser. Ich habe Schmetterlinge im Bauch. Eine kurze Pause brauche ich trotzdem. Meine Konzentration war enorm gefordert.

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Das Hochsteigen erfordert Kraft in den Oberschenkeln.

Danach wird’s auf den ersten Blick leichter, denn ich soll auf nur einem Pferd stehen. Aber: "Weil man schmaler steht, ist es schwieriger, die Balance zu halten", erklärt Hero.

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„Auf nur einem Pferd zu stehen, ist noch viel schwerer als auf zweien!“

Stimmt, wenn ich die Füße auf zwei Pferden verteile, stehe ich breitbeiniger und kann mich leichter ausbalancieren. Darum gibt es beim Stehen auf einem Pferd einen längeren Riemen vorne am Horn, mit dem man sich stabilisieren kann. Mehr als Schritt traue ich mir heute trotzdem nicht zu. Es ist einfach zu wacklig.

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„Auf nur einem Pferd zu stehen, ist noch viel schwerer als auf zweien!“

Dann geht es im Sitzen weiter. Um Achados Bewegungen zu fühlen, nimmt mich Hero an die Longe und lässt den Wallach traben und galoppieren. Er hat angenehm weiche Gänge, die für ein Stuntpferd wichtig sind.

"Eine zu hohe Gangmechanik würde es uns sehr viel schwerer machen", erklärt die Stuntreiterin. Der Grund, warum die Pferde von Trickreitern so schnell galoppieren: Je schneller das Pferd, desto flacher wird dessen Rückenbewegung.

Die Kosaken gaukelten ein reiterloses Pferd vor

Jetzt möchte mir Hero ein paar Figuren aus dem Trickreiten zeigen. Dies geht zurück auf die Kosaken, ein russisch-ukrainisches Reitervolk, das für seine akrobatische Kampfkunst zu Pferd bekannt war. Kosakenreiter hingen zum Beispiel im vollen Galopp kopfüber oder seitlich am Pferd. Mit dieser Figur gaukelten die Kosaken ihren Gegnern ein reiterloses Pferd vor.

Weil bei solchen Übungen der Reithelm eher gefährlich als nützlich ist, verzichte ich jetzt auf ihn. "Du könntest an den Verschluss-Riemen hängenbleiben", erklärt Hero. Zudem lernen echte Stuntreiter natürlich auch das richtige Fallen, und so minimiert sich das Verletzungsrisiko.

Fürs Trickreiten braucht es ein top zuverlässiges Pferd, das eine gerade Linie galoppiert – egal, wo das Reitergewicht gerade ist. In der klassischen Dressur ist das anders: Das Pferd soll dem Gewicht weichen oder folgen. Heros Pferde können unterscheiden, wann was gefragt ist. Dazu wird im Training eine etwa fünf Meter breite Gasse abgesperrt, auf der sie lernen, schnurgerade zu galoppieren.

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Wallach Achado im vollen Galopp auf der abgesperrten Geraden.

Wendige Reiter haben es leichter bei Stuntfiguren

Mir reicht es schon, dass ich im Schritt seitlich und kopfüber an Achado hänge und dabei völlig die Orientierung verliere. Um mich wieder in die Senkrechte hochzuziehen, brauche ich ordentlich meine Bauchmuckis.

Langsam wird mir klar, warum Trickreiter meistens eher klein und durchtrainiert sind. Mit viel Kraft und Wendigkeit turnt es sich einfach leichter. Als recht große Frau mit 1,75 Metern Körpergröße bin ich da klar im Nachteil. Ich brauche nochmal eine Pause.

Hero Merkel führt derweil vor, wie man sich seitlich am Pferd versteckt: Eine Hand hält sich am hinteren Griff fest, das Bein bleibt im befestigten Steigbügel.

Ich darf eine leichtere Figur üben, bei der man ähnlich wie im Damensitz beide Beine auf einer Seite hat, aber die Füße ineinander verschlingt und die Arme ausbreitet. Mich kostet das bereits im Schritt Überwindung.

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Hero Merkel zeigt einen Stunt, bei dem sie seitlich am Pferd hängt.

Dann gibt’s nochmal Tempo. Mein Galoppstunt beschränkt sich aufs freihändige Galoppieren mit Achado. Ich genieße die Geschwindigkeit und bin klammheimlich froh, dass ich das fürs Foto mehrmals wiederholen muss.

Zum Abschluss spannt Hero Merkel noch ihre Shetland-Ponys vor den römischen Streitwagen. Dieser Einachser ist wacklig: Bringt man als Fahrer das Gewicht zu weit nach hinten, fällt man rückwärts raus. Während ich von Ben Hur träume und die Ponys anfeuere, vergesse ich die Zügel zu sortieren – und die Ponys galoppieren Richtung Stall. Hero kann sie gerade noch stoppen. Dieser Stunt ist mir wohl nicht geglückt...

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Die beiden Shetlandponys Helios (links) und Schecky (rechts) vor dem Streitwagen.

Und nach diesem großartigen Tag hatte ich statt Schmetterlingen einen profunden Muskelkater im Bauch.

Kontakt & Tour-Daten

Mit ihrer Show Horses & Heroes geht Hero Merkel 2021 wieder auf Tour. Vereine, die Veranstalter werden möchten, können sich unter merkel@horses-and-heroes.de melden.

Tour & Termine 2021:

5./6. Juni Reit- und Fahrverein Durmersheim e.V.,

19./20. Juni Reit- und Fahrverein Legelshurst e.V.,

24./25. Juli Reit- und Fahrverein Graben e.V.,

11./12. September Reiterverein 1908 Durlach e.V.

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Ausprobiert: CAVALLO-Redakteurin Lisa Rädlein probierte für unsere Reihe "Lisa in fremden Sätteln" dieses Mal den Distanzsattel aus.
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