Stutenblutgewinnung Animal Welfare Foundation

Stuten-Blut aus Island für Billig-Fleisch

Pferdeleid für PMSG-Produktion Stuten-Blut aus Island für Billig-Fleisch

Immer mehr Betriebe steigen auf Island in das lukrative PMSG-Geschäft mit dem Stutenblut ein. Ein Dokumentarfilm zeigt das Leid der Islandpferde.

Die Bilder sind verstörend: Mit panischem Blick steht eine kleine Island Stute eingezwängt in einer Fixierbox. In ihrem Hals steckt eine dicke Kanüle, aus der das Blut in einen großen Kanister in einer Metallbox fließt. Die Szene ist Teil eines Dokumentarfilms der Animal Welfare Foundation (AWF). Über zwei Jahre lang haben die Tierschützer in Island gefilmt und dokumentiert: in dem Land mit dem Pferdetraum-Image boomt das grausame Geschäft mit dem Blut trächtiger Stuten. Rund 5000 Tieren wird pro Saison fünf Liter Blut in der Woche abgenommen für die Produktion des Hormons PMSG. Mit dem Hormon wird der Zyklus von Sauen in Mastbetrieben synchronisiert. Die Ferkel werden alle zum gleichen Zeitpunkt geboren, das spart den Landwirten Geld und Zeit.

Blutabnahmestand
Animal Welfare Foundation
In diesem Stand wird isländischen Stuten Blut abgenommen.

Die Zahl der Blutstuten in Island soll noch weiter steigen:

Die Zahl der Pferde soll demnächst noch steigen. Die isländische Umweltbehörde hat im Januar dem Pharmaunternehmen Ísteka ehf die Genehmigung erteilt, pro Jahr 20 Kilogramm medizinischen Rohstoff aus insgesamt 600 Tonnen Blut von tragenden Stuten zu produzieren. Insgesamt, so die AWF, soll die Zahl der Stuten vervierfacht werden. Das wären nicht nur 20.000 Stuten, sondern auch 20.000 Fohlen, die sozusagen als "Abfallprodukt" geboren werden. In Island gibt es viele Schlachtpferdezüchter. Da das PMSG Geschäft boomt, sinkt der Preis für Pferdefleisch kontinuierlich. Die Folge: immer mehr Farmer wandern ab in das viel lukrativere Blutgeschäft.

Stutenblutgewinnung
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Kanister vor einer Baracke, in einen passen fünf Liter Blut.

Im Jahr 2015 hat die Animal Welfare Foundation zum ersten Mal auf die Geschäfte mit PMSG  auf Blutfarmen in Argentinien und Uruguay aufmerksam gemacht (siehe Cavallo 12/2015). Als Reaktion auf die Proteste hätten Pharmafirmen zwar den Import aus Südamerika gestoppt, so York Ditfurth vom AWF. Das Geschäft mit dem Blut trächtiger Stuten aber gehe weiter, wie übrigens auch auf dem deutschen Haflingergestüt Meura in Thüringen. Isländische Pharmaunternehmen gehören deshalb nicht erst seit gestern zu den wichtigsten europäischen PMSG-Produzenten.

Die Strukturen in Island sind andere als in Südamerika

Während in Argentinien und Uruguay die Blutabnahme auf sogenannten Blutfarmen stattfindet, verteilt sich das Geschäft in Island auf rund 120 kleinere Höfe, einige Pharmaunternehmen besitzen sogar eigene Herden. Zum Teil werden die Pferde mit aggressiven Hunden in die Fixierboxen getrieben. Geht es nicht schnell genug, werden sie mit Stangen brutal malträtiert. "Die Islandstuten sind halbwild, sie hatten bislang sehr selten Kontakt zu Menschen und sind traumatisiert", darauf weist York Ditfurth hin. Den trächtigen Stuten werden bis fünf Liter Blut pro Woche abgezapft, das sind während der gesamten Saison bis zu 40 Liter pro Pferd. "Die Tiere selbst haben nur 28 bis 29 Liter Blut, sie haben noch Fohlen und sind bereits wieder trächtig. In der kargen Landschaft finden sie kaum Nahrung, um sich wieder zu regenerieren", so Ditfurth.

Farmer bedrohten die Tierschützer

Erste Hinweise hatte die Tierschutzorganisation bereits vor zwei Jahren bekommen, dass es in Island Blutfarmen gibt. Die Betreiber machten keinen Hehl daraus, dass ihnen an anderen Bildern als von schönen unberührten Landschaften nicht viel gelegen war. "Unsere Recherchen waren zum Teil gefährlich. Die Betreiber haben uns teilweise verfolgt und uns klar gemacht, dass sie unschöne Bilder vermeiden wollten", so Ditfurth.

Stutenblutfarm
Animal Welfare Foundation
Eine isländsiche Blutfarm von oben.

Wann hat das Leiden ein Ende?

Bei einer Umfrage haben sich sechzig Prozent der Isländer gegen Blutfarmen ausgesprochen, dem Parlament wurde ein Gesetzentwurf vorgelegt, der ein Verbot der Blutentnahmen von trächtigen Stuten fordert. Wie darüber entschieden wird, ist derzeit unklar. Auch das europäische Parlament hat die EU- Kommission aufgefordert, den Import und die europaweite Gewinnung von PMSG zu verbieten.  Die zuständige EU-Kommissarin van der Leyen, übrigens selbst Reiterin, hat das Verbot bislang allerdings nicht in Kraft gesetzt. Tierschützer und Reiter erhöhen deshalb den Druck, damit es endlich rechtliche Verbote gibt und das Leiden der Blutstuten ein Ende hat. Eine Petition auf change.org fordert einen Stopp des Handels mit Stutenblut, Sie können unterschreiben.

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