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West-Nil-Virus: Wie groß ist die Gefahr?

Das West-Nil-Virus breitet sich weiter aus

Die aktuellen Zahlen stimmen bedenklich: Das Virus hat sich, mitbegünstigt durch den Klimawandel, in Deutschland etabliert. Ein Interview mit Dr. Ute Ziegler vom Friedrich-Loeffler-Institut.

CAVALLO: Wie viele Infektionen hat es in diesem Jahr gegeben? Dr. Ute Ziegler, Friedrich-Loeffler-Institut: Wir beobachten einen deutlichen Anstieg. In diesem Jahr wurden mit Stand Mitte Oktober bereits 69 Infektionen bei Vögeln und 32 Fälle bei Pferden nachgewiesen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist davon auszugehen, dass das WNV erfolgreich in einheimischen Stechmücken überwintert hat. Für die weitere Ausbreitung ist das ein begünstigender Faktor, genauso wie die künftig zu erwartenden milden Winter und langanhaltende warme Temperaturen im Sommer.

Pferde sind Fehlwirte, das heißt, eine Übertragung von Pferd zu Pferd ist nicht möglich? Das ist richtig, WNV wird durch Stechmücken übertragen, die das Virus an Vögel weitergeben und die wiederum weitere Mücken infizieren. In selteneren Fällen kann auch eine Übertragung von Stechmücken auf Pferde und Menschen stattfinden, diese sind Fehlwirte (dead end host). Das heißt, von ihnen direkt geht keine Infektionsgefahr aus.

Sie raten Pferdehaltern zur Impfung. Auch in noch nicht betroffenen Gebieten? Die an unserem Institut angesiedelte Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKO Vet) spricht sich für eine prophylaktische Impfung aus. Zunächst in den betroffenen Gebieten und, je nach weiterem Verlauf, auch im restlichen Bundesgebiet. Vorsorglich sollten aber auch Pferde, die zu Turnieren in betroffene Gebiete reisen und Tiere im Umkreis von rund dreihundert Kilometern geimpft werden.

Dr. Ute Ziegler leitet das Nationale Referenzlabor für das West-Nil-Virus (WNV)am Friedrich-Loeffler-Institut in Greifswald/Insel Riems. www.fli.de

West-Nil-Virus: Zahlen und Fakten

Aktuelle Zahlen des Friedrich-Loeffler-Instituts: In diesem Jahr sind bis dato bei 32 Pferden und 69 Vögeln Infektionen nachgewiesen worden, vor allem in den nordöstlichen Bundesländern. 2018 waren es insgesamt 12 infizierte Vögel und 2 Fälle bei Pferden.

Die Erkrankung: Beim West- Nil-Virus handelt es sich um eine meldepflichtige Seuche, die für Mensch und Tier tödlich verlaufen kann. CAVALLO hat zuletzt in der Ausgabe 02/2019 umfassend über die Gefährlichkeit des WNV berichtet. In diesem Jahr wurde erstmals ein Mensch durch den Stich einer hiesigen Mücke infiziert. Der Mann aus Sachsen erkrankte an einer Gehirnhautentzündung (Enzephalitis). Symptome bei Pferden sind Fieber über 39 Grad, zentralnervöse Ausfall-erscheinungen wie Stolpern, Ataxien und Muskelzittern (Tremor).

Schutz: Eine gezielte Therapie bei einer Infektion mit dem WNV gibt es nicht, der Tierarzt kann lediglich die Symptome lindern. Deshalb ist eine Impfung der beste Schutz. Dr. Ute Ziegler: „In Deutschland stehen für Pferde ein inaktivierter Vollvirusimpfstoff sowie ein rekombinanter Lebendimpfstoff, zugelassen durch die EU und das Paul-Ehrlich-Institut, zur Verfügung.“

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