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Bewegungskünstler: 6 Übungen für Besitzer von Superpferden

Bewegungskünstler unter der Lupe Wohin entwickelt sich die moderne Pferdezucht?

Moderne Sportpferde sind langbeinig, haben ein leichtes Genick, tolle Gänge, sind superbeweglich und hochsensibel. Welche Herausforderungen stellen diese Pferde an ihre Besitzer? Können wir den Superpferden überhaupt noch gerecht werden?

Das Publikum auf den Rängen klatscht und jubelt, Pfiffe gellen durch die Halle. Alle Blicke richten sich auf zwei Pferde, die traben, als ob es keinen Boden gäbe. Superelegant, superelastisch, superdynamisch. Söhne des Dressurwunder-Hengsts Totilas präsentieren auf der "KWPN-Stallionshow" 2019 in Amsterdam ihren Zuchtwert.

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Fluch und Segen Was machen Sportpferde in der Hand von Freizeitreitern?
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Zwei Stars sind das, ohne Frage, und doch keine Einzelfälle mehr. Denn vermutlich waren die Pferde noch nie so gut wie heute: so beweglich, so ganggewaltig und so rittig. Im Dressur- und Springsport glänzen sie. Auch Freizeitreiter kommen an den "Superpferden" kaum noch vorbei. Welche Herausforderungen stellen sie an ihre Besitzer? Können Nicht-Profis sie überhaupt noch gesund halten und reiten?

Beim Zuchtziel sind sich alle einig

Warum werden die Pferde immer besser? Blicken wir von den Niederlanden nach Deutschland. Dem Bereich Zucht der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) sind 25 Zuchtverbände und zehn Haupt- und Landgestüte angeschlossen. Seit Pferde keine Äcker mehr furchen, werden Reitpferde-Qualitäten gezüchtet. Mit Erfolg.

Beispiel Oldenburger: Sie waren für ihren kräftigen Körperbau und schwere Ramsköpfe bekannt. Heute sind sie von Warmblütern aus anderen Zuchtprogrammen nicht zu unterscheiden. Ein Pferd mit einem "feinen, edlen Kopf", "leicht im Genick", mit "langem, gut ausgebildeten und markanten Widerrist", "großer, schräg gelagerter Schulter", "im Rechteckformat über viel Boden stehend", einer "langen, leicht geneigten Kruppe", und einer "elastischen mittellangen Fesselung" wünscht sich nicht nur der Oldenburger Zuchtverband. Solch ein Exterieur erfüllt alle Anforderungen für herausragende Bewegungen und damit mehr Leistung.

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Perfektes Exterieur? Was sich Züchter heute wünschen.

Bewegungswunder auf Kosten der Gesundheit?

Tierärztin Dr. Selma Latif beobachtet, wie sich die Pferde rasseübergreifend durch die Zuchtselektion auf größere, geschmeidigere Bewegungen entwickelt haben. Sie ist spezialisiert auf Reha und Sportmedizin bei Pferden und beschäftigt sich wissenschaftlich mit Rückenproblemen ihrer Patienten. In ihrer Arbeit begegnen ihr die gesundheitlichen Probleme moderner Pferde.

Ihre Vermutung: Die spektakulären Bewegungen sind nur möglich, weil sich die Pferde physiologisch verändert haben. "Ihre Beweglichkeit beruht auf mehr Spiel in den Gelenken. Um das zuzulassen, müssen Bindegewebs-Strukturen, also Faszien, Sehnen und Bänder, dehnbar sein. Die Dehnbarkeit des Bindegewebes macht es aber auch weich und instabil, sodass es die Kräfte auf Knochen, Muskeln und Gelenke nicht mehr so gut abpuffern kann."

Vor allem die Muskulatur des Schultergürtels dieser Pferde sei, je nach Trainingszustand, den Anforderungen dann nicht mehr gewachsen, so die Tierärztin: "Hilft das Bindegewebe bei der Stabilisation weniger mit, ist die Muskulatur umso mehr gefordert, den Rumpf zu tragen. Das erfordert gezielte Trainingsreize."

Die Folge eines zu wenig aktiven Schultergürtels: Der Rumpf sinkt zwischen den Vorderbeinen nach unten ab. Häufig werden zudem Bewegungsmuskeln wie der lange Rückenmuskel oder der Kopf-Arm-Muskel als Stabilisatoren verwendet, obwohl sie dafür wegen ihrer Faserzusammensetzung nicht geeignet sind. Sie neigen zum Verkrampfen. Dr. Latif: "Die Pferde sind in dieser Haltung wie festgehalten. Werden sie manuell und therapeutisch behandelt und etwaige Schmerzen beseitigt, ist schnell eine Besserung sichtbar. Welche Herausforderungen diese Problematik an den Reiter stellt und wie er diese bewältigen kann, versuchen wir gerade wissenschaftlich zu ergründen."

Hohe Ansprüche an den Reiter

"Vor etwa zehn Jahren lag der Schwerpunkt des Trainings im Lösen und Lockern", erinnert sich Dressurausbilderin Christine Hlauscheck. "Inzwischen arbeite ich hauptsächlich daran, die Pferde zu stabilisieren und Balance zu entwickeln." Sie beobachtet zudem, wie anfällig viele der Pferde, die dem modernen Typ entsprechen, für Störungen sind.

"Die langbeinigen Pferde mit viel Bewegungsmechanik haben ohne Reiter schon genug Probleme, sich zu koordinieren", erklärt Hlauscheck. Unter einem Reiter, der schief oder zu statisch ist, machen sie sich erst recht fest. Und weil sie häufig so leicht im Genick sind, reagieren sie auf kleinste Handfehler, indem sie nicht mehr an den Zügel herantreten und hinter die Senkrechte geraten.

Wie stark ein Reiter sein Pferd beeinflusst, untersucht Dr. Selma Latif. "Hat er eine positive Körperspannung, kann sich das auf die Körperhaltung seines Pferds auswirken". Ein gut stabilisierter Reiter könne sogar Störfaktoren wie einen weniger gut sitzenden Sattel kompensieren, wie sie durch unzählige Satteldruckmessungen festgestellt hat.

Herausforderung für Sattler und Hufbearbeiter

Sattelherstellerin Kriemhild Morgenroth stellt wiederum fest, das Sattelanpassungen zunehmend anspruchsvoller werden: "Weil die Zucht sich an den Wünschen der Reiter orientiert, produziert sie immer bewegungsstärkere Pferde mit sehr schrägen Schultern, einem weit in den Rücken reichenden Widerrist und einer starken, mobilen Hinterhand. Dadurch wird die Auflagefläche für den Sattel kürzer und der Sitzschwerpunkt verlagert sich nach hinten." Für den Großteil ihrer Kunden fertigt sie inzwischen Vollmaßsättel.

Anderer Berufszweig am Pferd, gleiches Thema: Hufschmied Uwe Lukas, der auf rund 40 Jahre Berufserfahrung zurückblickt, sieht sich und seine Kollegen mit Problemen konfrontiert, die es früher in der Häufigkeit nicht gab. "Die häufigste Erkrankung bei unseren Kundenpferden ist der Fesselträgerschaden." Grund dafür sei das moderne Zuchtziel.

"Mit den langen Beinen und der Überbeweglichkeit der Pferde haben wir uns Probleme eingehandelt, über die wir nachdenken müssen", gibt er zu bedenken. Um im Gleichgewicht zu bleiben, stünden diese Pferde gerne boden- und/oder zehenweit. "Die von oben einwirkende Körperlast trifft nicht mehr auf die Mitte der Gliedmaße und Hufe, sondern verlagert sich nach innen." Das führe zu Veränderungen der Hufform (einseitiger Zwanghuf, aufgestauchte Ballen und Hornspalte) und dadurch auch zu einer ungleichen Belastung der Gelenke und Bänder.

So toll die Superpferde sind, so groß sind ihre Ansprüche. Können Pferdebesitzer so ein "Modell" gesund halten? "Ja", sagt Dr. Selma Latif, "wenn die Grundvoraussetzungen stimmen: eine gründliche Ausbildung über mehrere Jahre, eine artgerechte Haltung mit viel freier Bewegung und ein Reiter, der bereit ist, an sich zu arbeiten." Dass Reiter und Züchter sich der Probleme bewusst würden, wäre ein erster Schritt.

Diese Erfahrungen haben unsere Experten mit Sportpferden gemacht:

"Nichts aus meinem ganzen bisherigen Erfahrungsschatz half bei diesem Pferd."

Der Galopp war für eines meiner Berittpferde ein riesiges Problem. Und für mich auch. Der damals achtjährige Oldenburger hatte in dieser Gangart eine große Übersetzung. Es fiel ihm schwer, diese Bewegungen zu koordinieren. Was ich auch ausprobierte, ich schaffte es nicht, ihm zu einer positiven Körperspannung zu verhelfen. Immer wieder fiel er mir auseinander. Bei diesem Pferd kam ich mit meinen ganzen bisherigen Erfahrungen keinen Schritt weiter.

Die Lösung war das einzige, was ich noch nicht versucht hatte: Gymnastikspringen. Unter dem Sattel galoppierte ich den Wallach über niedrige Kreuze oder kurze Reihen. Das half! Ich denke, das Springen veränderte seinen Fokus. Das Angaloppieren vor den Hindernissen lenkte ihn von unserem eingefahrenen Galopp-Problem ab. Anstatt sich wie bisher dabei sofort festzumachen und panisch zu werden, fühlte er sich wohler und konnte entspannen. Erst aus der Losgelassenheit heraus konnte er lernen, sich im Galopp koordinierter zu bewegen. So hatte sich das Problem schnell in Luft aufgelöst. (Christine Hlauscheck, Dressurausbilderin)

"Ein elektrischer Blüter und ein wackliger Holsteiner gaben mir Rätsel auf."

Ich erinnere mich an einen Halbblüter aus der Weltmeyer-Linie, der als zeitweise sehr stur beschrieben wurde. Er war leistungsbereit, ehrgeizig, atmete allerdings nicht wirklich tief durch. Er stand sich mental selbst im Weg. Die beschriebene Sturheit beim Reiten passte nicht zu seinem Charakter. Er war sehr freundlich und wollte gefallen. Doch unter dem Sattel stieg er ohne jegliche Vorwarnung, als ob er einen elektrischen Schlag bekommen hätte.

Eines Tages machte ich eine erstaunliche Beobachtung. Es war sehr kalt geworden. Ich ging zur Box des Wallachs und gab ihm ein Leckerchen. Als er es aus meiner Hand nahm, krampfte und zuckte seine Unterlippe. Sein Hals, vor allem an der Basis, war empfindlich und hart. Ich deckte ihn mit einer Decke mit Halsteil ein. Nach ein paar Tagen verschwanden die Symptome. Inzwischen habe ich herausgefunden, dass der Kontakt mit Metall seine Aussetzer auslöst. Ich reite ihn nun mit einem Kunststoffgebiss. Meine Vermutung: Die modernen Pferde haben sich enorm in ihrer Bewegungsmechanik verändert und ebenso im Nervensystem. Sie sind viel sensibler geworden, was womöglich zu solchen Reaktionen führt.

Ein anderer Fall war ein Holsteiner mit weicher Fesselung und wenig Körperspannung. Beim Hufeauskratzen schien es mir, als hätte er keine Verbindung zu seinen Vorderbeinen. Ich spürte keinen Widerstand beim Beugen. Unter dem Sattel fühlte er sich wackelig an. Er stolperte oft und auf gebogenen Linien hatte er Mühe, sich auszubalancieren. Untersuchungen auf Ataxie verliefen negativ. Die fehlende Körperspannung verunsicherte ihn und verschlimmerte seine Probleme noch. Behandlungen und Übungen, speziell für seinen Brustkorb, halfen ihm sehr. Das Stolpern reduzierte sich massiv und das Ausbalancieren fiel ihm viel leichter. (Karin Link, Sportferdetherapeutin)

"Ich dachte, ich könnte meiner tollen Stute reiterlich nie gerecht werden"

Immer hatte ich von dem jungen, superelastischen Pferd geträumt. Doch als ich es bekam, stellte ich schnell fest, dass es gar nicht so leicht zu bedienen war.

Die schwungvollen Bewegungen meiner Stute zu sitzen, lernte ich bald. Doch dass das hochsensible Pferd auch sehr dynamisch buckeln und schnell mal hysterisch werden konnte, das war für mich nach dem Umstieg vom Pony nicht immer einfach und endete auch mal im Sand. Ohne Ablongieren ging da lange nichts und von Kontrolle und Entspannung war meist auch nach 20 Minuten noch nicht viel zu sehen.

Lange war das Reiten dieser Stute für mich mit einer Achterbahn der Gefühle verbunden: Ich wusste, sie ist unglaublich arbeitswillig und talentiert, hatte aber oft das Gefühl, ihr reiterlich nicht gerecht werden zu können. Hinzu kamen Zwangspausen durch Verletzungen oder Krankheiten, die mich zweifeln ließen, ob ich das Potenzial des Pferds, an das ich immer geglaubt habe, irgendwann mal voll zeigen könnte. Es half mir sehr, dass ich in dieser Zeit die Möglichkeit hatte, viele verschiedene gute Sportpferde zu reiten. Dabei lernte ich, mich auf diese sensiblen Tiere einzustellen.

Heute könnte ich mir keinen besseren Partner als meine Stute vorstellen. Aber ich bin mir sicher, dass das damals nur funktioniert hat, weil ich in der Anfangszeit viel Unterstützung in Form von Unterricht hatte. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich nachvollziehen, dass diese anspruchsvollen Sportpferde nicht jedem liegen und vor allem ein ängstlicherer Reiter schnell den Mut verliert. (Anika Vogt, CAVALLO-Praktikantin, reitet Dressur bis Klasse S)

Superpferde besser reiten

Sie haben einen vierbeinigen Überflieger? Diese Tipps helfen Ihnen und Ihrem Pferd, stabiler zu werden und ins Gleichgewicht zu kommen.

Übung 1: Für den Reiter – Wegweiser bringen die Nasen nach Vorne

Sensible Pferde, die leicht im Genick sind, reagieren auf kleinste Handfehler ihres Reiters oft mit Rückzug: Sie geraten hinter die Senkrechte und treten nicht mehr richtig an den Zügel heran.

Kennen Sie? Gerade wenn Sie sich dessen bewusst sind, konzentrieren Sie sich häufig zu sehr auf dieses Problem und spannen sich unbewusst an: Ihre Hand wird nicht leichter, sondern eher starr. Ihr Fokus und Ihr Blick richten sich nach unten Richtung Pferdekopf. Ein Teufelskreis, denn dadurch sitzen Sie nicht mehr korrekt im Sattel und können weniger gut einwirken.

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Prima für superbewegliche Pferde, die Schwierigkeiten haben, gerade zu bleiben: optische Linienführungen mit Stangen & Co. auf dem Boden aufbauen.

Legen Sie Stangen und Hütchen auf den Boden und nutzen Sie die optischen Wegweiser beim Reiten für gerade und gebogene Linien. Die klare Linienführung hilft Ihnen, den Blick nach vorne zu richten und Ihrem Pferd einen Rahmen zu geben. (Christine Hlauscheck)

Übung 2: Für den Reiter – Puste-Übung für mehr Stabilität

Bei dieser Übung lernen Sie, stabiler im Sattel zu sitzen, ohne dass Sie dafür Ihr Pferd brauchen. Pusten Sie einen Luftballon auf. Knoten Sie ihn nicht zu, sondern halten Sie die Luft im Ballon, ohne ihn zuzudrücken oder die Öffnung mit der Zunge zu verschließen.

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Beim Luftballon-Aufpusten spüren Sie, welche Muskeln Sie beim Reiten brauchen.

Nun spüren Sie in sich hinein: Wo kommt die Kraft dafür aus Ihrem Körper? Welche Muskeln müssen Sie anspannen? Genau diese Bereiche brauchen Sie, um im Sattel eine positive Körperspannung zu behalten und nicht in der Hüfte einzuknicken: das Brustbein und den unteren Rippenbereich. Versuchen Sie, die Spannung in diesen Bereichen aufrechtzuhalten, wenn Sie in Gedanken traben – und bewegen Sie dabei Ihr Becken locker mit. Denn das ist das Knifflige beim Reiten: Während Sie oben stabil bleiben müssen, soll Ihr Becken unabhängig davon beweglich bleiben. (Christine Hlauscheck)

Übung 3: Für das Pferd – Konterstellung macht Gummipferd stabiler

Instabilen Pferden fällt es oft sehr schwer, sich auf gebogenen Linien auszubalancieren. Sie werden unsicher und verspannen sich. Viel in Konterstellung zu reiten, hilft ihnen, sich zu stabilisieren und im Körper gerader zu bleiben. Eine weitere mögliche Übung ist die Schrittpirouette in Außenstellung auf Voltengröße. So bekommen Sie Ihr Pferd besser an den äußeren Zügel und haben es danach leichter, es beim Reiten durch Ecken oder auf gebogenen Linien mit Ihren äußeren Hilfen zu unterstützen. (Karin Link)

Übung 4: Für das Pferd – Abwechslung: Alles außer Einheitsbrei!

Immer etwas anderes anstatt Runde um Runde das Gleiche – das ist gutes Training. Besonders gilt das für langbeinige, bewegliche Pferde, die Probleme haben, ihre großen Bewegungen zu koordinieren, sich zu stabilisieren und in Balance zu bleiben. Abwechslung brauchen solche Pferde nicht nur von Tag zu Tag, sondern auch innerhalb einer Trainingseinheit. Denn Monotonie macht müde und bringt dem Körper keinen Lerneffekt durch neue Reize.

Das Repertoire an Übungen, die sich leicht ins Training einbauen lassen, ist groß: Nur Dehnungshaltung ist für die "Superpferde" Gift.

Wechseln Sie immer wieder den Rahmen und lassen Sie Ihr Pferd in unterschiedlichen Kopf-Hals-Positionen gehen. So fällt es Ihrem Pferd leichter, eine positive Körperspannung aufrechtzuerhalten. Spielen Sie mit dem Tempo: Tempounterschiede innerhalb einer Gangart können Sie auf verschiedenen Linien stufenlos und variabel mischen, etwa so: Zehn Tritte Arbeitstrab, fünf Tritte verlängern, zehn Tritte Arbeitstrab, drei Tritte verkürzen, mal auf dem Zirkel, mal ganze Bahn. Das Wechselspiel fordert die Muskulatur.

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Kleiner Hüpfer, großer Effekt. Variantenreiches Training ist wichtig.

Viele Pausen bringen Entspannung – mental und körperlich, auch wenn es nur mal eine halbe Minute ist. Unterschiedliche Bodenverhältnisse setzen Bewegungsanreize. Bergauf und bergab oder ein unebener Feldweg bringen Ihr Pferd sensomotorisch weiter als der geebnete Reithallenboden.

Auch Gymnastikspringen an der Longe oder unter dem Reiter gibt dem Pferd neue Bewegungserfahrungen.

Werden Sie kreativ! Ein Vorschlag: Im Trab an der langen Seite ein paar Tritte Schulterherein, abwenden auf eine große Volte, dabei leichttraben und Zügel aus der Hand kauen lassen, nach der Volte einsitzen, leicht versammeln und wieder ein Schulterherein einleiten – oder etwas anderes! (Christine Hlauscheck)

Übung 5: Für das Pferd – Trab-Galopp-Übergänge

Pferde, die ihre großen Bewegungen in Kombination mit ihrer hohen Beweglichkeit schwer koordinieren können, profitieren von Trab- Galopp-Übergängen. Denn diese bringen nicht nur zusätzliche Abwechslung ins Training.

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Übergänge vom Trab in den Galopp und umgekehrt stärken die Muskulatur und trainieren das Körpergefühl.

Der Wechsel zwischen Zweitakt (Trab) und Dreitakt (Galopp) trainiert das Körpergefühl. Und es gibt auch noch einen positiven Nebeneffekt: Das Pferd hebt den Rücken und verlagert den Schwerpunkt etwas nach hinten. (Christine Hlauscheck)

Übung 6: Für das Pferd – Brustkorb anheben

Die Vorübungen fürs Mobilisieren helfen Ihrem Pferd enorm, Vertrauen aufzubauen und durchzuatmen. Ihr Pferd wird von Mal zu Mal weniger Zeit brauchen. Üben Sie dreimal in der Woche in dieser Reihenfolge:

Gurtlage massieren: Ihre Position ist auf Schulterhöhe Ihres Pferds. Mit der linken Hand stützen Sie es am unteren Teil des Halses vor der Schulter, haben dabei den Strick zur Kontrolle dazwischen. Mit dem rechten Handballen nehmen Sie Kontakt im Bereich der Gurtlage auf (leichter, breiter Druck). Nach fünf bis zehn Minuten erhöhen Sie den Druck. Um eine langsame Bewegung mit kräftigerem Druck aufzubauen, stützen Sie Ihren Ellenbogen in Ihrer Taille ab und bewegen Ihren Körper, nicht nur Arm und Hand (schont und verlangsamt immens). Die Pferde beginnen, Druck zuzulassen, indem sie ihr Gewicht auf das äußere Vorderbein verlagern und mit Ihrer Bewegung mitgehen. Ein Durchatmen naht. Das dauert beim ersten Mal etwa 30 Minuten.

Trapezmuskel massieren: Die linke Hand bleibt am Hals. Bewegen Sie die rechte Hand in Richtung Trapezmuskel unterhalb des Widerrists und tasten Sie diesen Bereich, beginnend mit leichtem Druck, ab. Zeigt das Pferd Unbehagen, massieren Sie wieder den Bereich der Gurtlage. Abwechselnd massieren Sie Trapez- und Gurtbereich mit flacher Hand und steigendem Druck, wie in der ersten Übung beschrieben. Ist das Pferd entspannt und bleibt es mit dem Kopf unten, wechseln Sie die Seite.

Brustkorb mobilisieren: Das Pferd hat abgekaut, tief durchgeatmet und beginnt zu vertrauen. Dies ist der Zeitpunkt für die Mobilisation. Bitte behalten Sie Ihre Position bei. Mit flacher Hand streichen Sie ohne Druck von der Gurtlage Richtung Bauchmitte und fahren über die "Linie Alba" (Bauchnaht) zur Bauchaußenseite und wieder zurück. Beginnen Sie mit den Fingerkuppen oder -nägeln Druck aufzubauen, als wollen Sie an einer juckenden Stelle kratzen. Die linke Hand bleibt am Hals. Langsam und mit steigendem Druck bewegen Sie Ihre Hand wieder entlang der Linie Alba nach vorne bis zur Gurtlage. Achten Sie dabei darauf, dass Ihr Pferd die Balance halten kann, der Trapezbereich sich optisch ausfüllt (das Dreieck hinter dem Schulterblatt) und die Rückenlinie hinter dem Widerrist gerader wird. Am Anfang reicht es, wenn Ihr Pferd für einen Moment die Brustmuskulatur anspannen kann, ohne den Rücken anzuheben.

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Lass dich nicht so hängen! Pferde mit schwachem Bindegewebe brauchen Impulse.

Dann stimulieren bzw. "kratzen" Sie bis zwischen die Vorderbeine und achten darauf, dass sich nun die Widerristspitze anhebt und von der Schulterregion nach oben "ablöst". Das Pferd sollte sich aus der Schulter heraus im Hals nach vorne abstrecken. Der Hals wird länger und der Brustkorb viel breiter. (Karin Link)

Kommentar: Nadine Szymanski, CAVALLO-Redakteurin

Es lässt sich nicht leugnen, dass die Pferde immer rittiger und beweglicher werden. Das ist ja grundsätzlich prima. Doch in den letzten Jahren ist die Entwicklung extrem: Manche Nachwuchs-Dressurpferde zeigen Tritte, die mich an den "Big Lick" der Tenessee Walker erinnern. Wo soll das hinführen? Finden wir solche Bewegungen bald normal? Die Auswirkungen der Zuchtziele bekommen unweigerlich auch wir Freizeitreiter zu spüren. Mein Hannoveraner (11) stellt mich vor andere und höhere Herausforderungen als die Pferde, die ich früher geritten bin. Es ist Zeit, wieder einen Schritt zurückzugehen: zu stabileren Pferden, die lange gesund bleiben können.

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