Roundpen Elke Vogelsang

Pferdegerechte Freiarbeit

7 Übungen für den Roundpen

Der Roundpen ist ein Ort des Dialogs zwischen Pferd und Mensch. Verhaltenstrainerin Marie Heger zeigt Übungen für eine entspannte Kommunikation.

Durchgedrückter Rücken, aufgerissene Augen, hohes Tempo und ein Mensch, der das Pferd scheucht. Haben Sie auch so ein Bild im Kopf, wenn Sie ans Roundpen-Training denken? Tatsächlich missbrauchen manche Ausbilder den Zirkel, um Pferde gefügig zu machen: Sobald das Pferd nach innen zum Menschen denkt, erfährt es Ruhe, weicht es vom Menschen weg, treibt er. Studien aus Australien und den Niederlanden haben bereits gezeigt, wie stressig diese Methode für die Tiere ist.

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Roundpen als Raum des Dialogs mit dem Pferd

Dabei ist die freie Arbeit ohne Seil im Grunde perfekt, um pferdegerecht zu trainieren und partnerschaftlich zu kommunizieren: Man kann lernen, Energie zu schicken, das Pferd zu wenden, das Pferd lesen zu lernen und herauszufinden, wie man selbst aufs Pferd wirkt.

"Im Roundpen kann ich dem Pferd Raum geben oder ihm Raum nehmen", sagt Pferdeverhaltenstrainerin Marie Heger, die den Roundpen als einen Ort des Dialogs sieht. "Als Mensch nehme ich mir hier den Raum, um mich mit meinem Pferd zu beschäftigen." Schicken, Drehen, Einladen, Folgen, Anhalten sind Beispiele von Übungen, die man erarbeiten kann.

Vorbereitungen für die Arbeit im Roundpen

Ein paar wichtige Eckpfeiler, damit es rund läuft: Das Pferd sollte nicht lange in hohem Tempo auf dem Kreis laufen, um die Belastung für Knochen, Sehnen und Gelenke möglichst gering zu halten. Eine Einheit sollte unter 30 Minuten dauern und das Pferd sollte vorher 10 Minuten aufgewärmt sein. Innerhalb der Einheit legen Sie Pausen ein, in denen sich das Pferd entspannen kann.

Ziel ist es, dass der Reiter das Pferd mit minimaler Körpersprache dirigiert oder es sogar es nur mit Blicken bewegt. Reicht der Blick nicht, sendet der Reiter Energie, indem er einen Schritt auf das Körperteil zu macht, das er erreichen möchte. Als letzte Verstärkung dient das Seil, das der Mensch Richtung Pferd werfen kann, um das Tempo zu erhöhen oder es zu wenden.

Die Übungen, die Marie Heger zeigt, haben keine bestimmte Reihenfolge. Nutzen Sie den Roundpen als Experimentierkreis für feine Kommunikation. Es lohnt sich!

Das Tempo bestimmen

Ziel ist es, dass das Pferd in einer entspannten Haltung Schritt geht, trabt und galoppiert. Höheres Tempo soll keine Flucht auslösen. Bei dieser Übung geht es zunächst darum, das Pferd in eine höhere Gangart durch Energie auf die Hinterhand zu schicken, ohne dass es wegrennt.

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Marie Heger verstärkt ihre Energie und wirft das Seil Richtung Pferd.

Um das Pferd schneller zu bewegen, gibt es mehrere Stufen: Blick auf die Hinterhand, Schritt in Richtung Hinterhand und – wenn nötig – das Seil Richtung Hinterhand werfen. Geht das Pferd im gewünschten Tempo, bleibt der Mensch entspannt in der Mitte stehen. Soll das Pferd wieder in eine langsamere Gangart wechseln, kann der Mensch warten, bis es von selbst langsamer wird oder bremsen, indem er von der Mitte aus auf einer Linie Richtung Pferdekopf läuft und dem Pferd den Weg abschneidet (siehe auch Übung "Anhalten"). Dreht sich das Pferd nach außen weg, war der Druck zu hoch; beim nächsten Versuch langsamer gehen.

Den Kopf in jeder Gangart senken

Das Pferd sollte in jeder Gangart den Kopf fallen lassen. Sobald das Pferd den Kopf senkt, schleckt oder kaut, bleibt der Mensch entspannt, lobt es mit der Stimme, atmet aus, der Blick wird weich und er dreht sich nur Richtung Pferd auf einem kleinen Radius mit.

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Sobald das Pferd im gewünschten Tempo den Hals fallen lässt, lobt der Mensch mit der Stimme und entspannt sich.

Senkt das Pferd den Kopf, werden Entspannungshormone ausgeschüttet – im Gegensatz zu einer hohen Halshaltung, die das Pferd in Fluchtbereitschaft versetzt. Durch die gelassenere Körperhaltung lernt das Pferd, sich mental fallen zu lassen und sich zu lösen.

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In der Pause kann man das Pferd an seiner Lieblingsstelle kraulen. Berry mag es, wenn man ihr die Ohren krault.

Wie beim Reiten ist das Ziel ein losgelassenes Pferd.

Das Pferd am Zaun anhalten

Mit dem Anhalten beginnt man aus dem Schritt. Der Mensch kann das Pferd im Schritt anhalten, indem er dem Pferd den Weg auf einer Linie Richtung Pferdekopf abschneidet.

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Marie Heger hält Berry an, indem sie einen Schritt vor den Pferdekopf macht.

Das Pferd reagiert auf jeder Hand etwas anders. Das liegt an der unabhängigen Wahrnehmung der Pferdeaugen und der natürlichen Schiefe. Falls das Pferd auf die Körpersprache des Menschen nicht reagiert, hat dies grundsätzlich zwei Ursachen: Das Pferd hat gelernt, dass es sich nicht lohnt zu reagieren (dann die Hilfe mit dem Seil verstärken) oder der Mensch verhält sich in den Augen des Pferds widersprüchlich (die eigene Körpersprache prüfen).

Klappt das Anhalten im Schritt, kann man die Übung auch aus dem Trab oder sogar Galopp versuchen.

Die Hinterhand bewegen

Diese Übung hilft, den Fokus des Pferds zu sich zu holen – im Halten und jeder Gangart. Um die Hinterhand zu bewegen, wartet der Mensch, bis das Pferd zu ihm schaut. Dann geht der Blick Richtung Hinterbeine.

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Erst ein Blick, dann ein Schritt Richtung Hinterhand.

Reagiert das Pferd darauf nicht, kann der Reiter einen Schritt auf die Hinterhand zu machen. Weicht die Hinterhand auch dann nicht, die Hilfe mit dem Seil verstärken.

Die Hand nach innen wechseln

Um das Pferd nach innen zu wenden, wartet der Mensch, bis das Pferd zu ihm schaut. Dann geht er mit Blick Richtung Pferd rückwärts. So holt er das Pferd wie einen Magneten frontal zu sich, er saugt es quasi an. Kommt es auf ihn zu, kann er es durch einen Blick oder Druck mit dem Seil auf die äußere Schulter in die neue Richtung schicken.

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Berry blickt zu Marie Heger, sie geht rückwärts und holt sie auf sich zu – Marie saugt sie quasi an.

Durch Innenwendungen lernen Pferde, leicht in der Vorhand zu werden und Last mit der Hinterhand aufzunehmen. Außerdem aktiviert die Übung unmotivierte Pferde, weil sie Abwechslung reinbringt. Diese Aufgabe richtet den Fokus des Pferds nach innen zum Menschen und hilft dem Pferd, die Balance in Innenstellung zu finden – das ist auch später unterm Sattel wichtig, um den Reiter ohne Schaden tragen zu können.

Zudem weckt die Innenwendung die Aufmerksamkeit von Pferden, die beispielsweise mit Reizen außerhalb des Roundpens beschäftigt sind, statt auf den Menschen zu achten, der gerade mit ihnen kommuniziert.

Die Vorhand verschieben

Der Mensch blickt Richtung Vorhand, wenn nötig verstärkt er seine Hilfe und geht einen Schritt auf die Vorhand zu oder nutzt das Seil als letzten Verstärker. Das Pferd weicht und kreuzt die Vorderbeine.

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Hier schickt Marie Heger die Vorhand weg.

Der Mensch darf dabei nicht rückwärtsgehen, sonst würde er das Pferd zu sich holen, statt von sich weichen zu lassen.Gleichzeitiges Wegtreiben und Rückwärtsgehen (Herholen) wäre fürs Pferd widersprüchlich.

Das Pferd einladen und mitnehmen

Um das Pferd in die Mitte einzuladen, wartet der Mensch ab, bis das Pferd zu ihm schaut.

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Berry blickt zu Marie Heger, die rückwärts geht und Berry so zu sich ansaugt.

Dann geht der Mensch mit einem freundlichen Gesichtsausdruck mit Blick Richtung Pferd auf Höhe des Pferdeauges rückwärts und holt das Pferd so auf sich zu. Sobald das Pferd nach innen kommt, dreht sich der Mensch vom Pferd weg und nimmt es hinter seiner Schulter auf einem Kreis mit.

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Nach dem Einladen dreht sich der Reiter vom Pferd weg. Ist das Pferd mental verbunden, folgt es.

Ist das Pferd mit dem Menschen mental verbunden, folgt es ihm. Kommt das Pferd nicht auf den Menschen zu, fehlt die Verbindung noch, um dem Menschen zu vertrauen und ihm zu folgen. Das ist nicht schlimm: Über die anderen Übungen zu Tempokontrolle oder Wendungen kann der Mensch diese Verbindung schließlich aufbauen.

Die Expertin

Marie Heger ist Pferdeverhaltenstrainerin und Diplom-Schauspielerin. Sie beschäftigt sich viel mit Körperprache und Kommunikation. Mehr Infos sowie ein Lehrvideo zum Thema "Freiarbeit" gibt es unter www.marie-heger.com

Der Roundpen

Ein Roundpen ist ein rund eingezäunter Platz mit 15 bis 20 Metern Durchmesser. Diese Art des Reitplatzes kommt aus der Arbeit mit Wildpferden. Die runde Form verhindert, dass die Pferde von Ecke zu Ecke laufen. Der Boden sollte rutschfest und griffig sein, da Pferde bei der Freiarbeit auch mal schnell beschleunigen oder abrupt stoppen können.

Der Zaun sollte mindestens so hoch wie ein Weidezaun sein. Falls kein runder Platz zur Verfügung steht, kann die Freiarbeit auch auf einem quadratischen, abgezäunten Platz stattfinden. Ist der Fokus vom Pferd beim Reiter, läuft es hier trotz der Ecken rund.

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