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10 Übungen zum Aufwärmen

Das richtige Warm-up für Ihr Pferd

Das Warum-Up vor dem Training ist für Pferd und Reiter wichtig. Mit diesen Übungen trainieren Sie Ihr Pferd ganz gezielt schon ab der ersten Minute!

Aufsatteln, Aufsitzen und Trainieren - das ist die Idealvorstellungen von so manchen Reitern. So einfach geht's allerdings nicht, denn für ein gutes Training ist die Aufwärmphase für Pferd und Reiter mehr als wichtig. Bereits in den ersten Reitstunden lernen Reiterinnen und Reiter, dass das Warm-up nicht nur für ihre vierbeinigen Freunde effektiv ist, sondern auch für sie selbst. Leichte und kreisende Bewegungen, zum Beispiel mit den Armen, wärmen die Muskulatur auf und beugen Verletzungen vor. Darüber hinaus können sich Pferd und Reiter mental auf das bevorstehende Training einstimmen.

Wir zeigen Ihnen, welche effektiven Aufwärmübungen es für Sie und Ihr Pferd gibt.

Besser miteinander kommunizieren

Nutzen Sie die ersten paar Minuten vor dem Aufsteigen dazu, um das Pferd von beiden Seiten aus in der Bahn zu führen. Es sollte jeweils brav neben Ihnen laufen, respektvoll Abstand halten, weder drängeln noch träge durch den Sand schlurfen.

„Wirken Sie mit Ihrer eigenen Energie fein aufs Pferd ein“, rät Klassikausbilderin Nicole Künzel aus Burgwedel bei Hannover. Unmotivierte Vierbeiner bringen Sie mit erhöhtem eigenen Energielevel in Schwung. Eine entspannte Körperhaltung, tiefe Atmung und reduzierte Energie wirken beruhigend auf hektische Pferde.

Üben Sie außerdem, Anhalten und Rückwärts nur über Ihre Körpersprache zu steuern.

Mehr Konzentration und Vertrauen

Ein gutes Aufwärmprogramm sorgt dafür, dass das Pferd körperlich aufs Training vorbereitet wird. Doch das ist längst nicht alles, findet Ausbilderin Sibylle Wiemer aus dem niedersächsischen Fintel: „Pferd und Reiter müssen sich auch mental aufs Training vorbereiten und einstimmen.“ Von ihren Reitschülern fordert Wiemer etwa, sich von Anfang an ganz bewusst aufs Pferd zu konzentrieren: „Nur wer voll und ganz mit den Gedanken beim Reiten ist, kann dieselbe Konzentration auch vom Pferd verlangen.“

Franca Bartke, Westerntrainerin aus Nürnberg, nutzt das Warmreiten, um hastigen, unsicheren Pferden eine mentale Hilfestellung zu geben. „Ich zähle im Viertakt mit, sitze entspannt oder etwas gegen die Bewegung des Pferds, fange es sanft mit den Schenkeln und halben Paraden ein. So ist das Pferd gedanklich mehr bei mir und fühlt sich nicht alleingelassen.“

Nicole Künzel nutzt die ersten Minuten im Sattel außerdem, um den Pferden spielerisch neue Reize näherzubringen. „Ich reite zum Beispiel über Planen oder durch Flattervorhänge.“ Das stärkt das gegenseitige Vertrauen und schafft eine prima Basis für das weitere Training.

Feines Lenken über den Sitz

„Ich reite die ersten Minuten bewusst am hingegebenen Zügel“, sagt Nicole Künzel. „Dabei scanne ich erst einmal meinen eigenen Körper, versuche Verspannungen aufzuspüren und zu lösen.“ Auch Sibylle Wiemer empfiehlt Reitern, sich selbst aufzuwärmen und zu lockern, um zu verhindern, dass eigene Sitzfehler das Pferd blockieren.

Lösen Sie beispielsweise Ihre Beine aus den Steigbügeln, schlagen Sie diese über und lassen Ihre Beine nun locker seitlich hängen. Schwingen Sie die Beine im Anschluss abwechselnd aus den Hüftgelenken im Schritttakt des Pferds vor und zurück. „Das lockert Lendenwirbelsäule und Beckengürtel, wo oft Verspannungen sitzen“, erklärt Wiemer.

Reiten Sie Hufschlagfiguren oder Slalom durch eine Pylonenreihe, indem Sie das Pferd nur über Ihren Sitz, Gewichts- und Schenkelhilfen steuern. „Stellen Sie sich eine Taschenlampe vor, die aus Ihrem Bauch herausscheint“, rät Nicole Künzel. „Deren Lichtkegel sollte stets auf die Linie scheinen, auf die Sie Ihr Pferd lenken.“

Üben Sie zudem, Ihr Pferd nur über den Sitz geradeaus auf dem zweiten oder dritten Hufschlag zu halten.

Korrekte Anlehnung und Dehnung

Ist das Pferd einige Minuten am hingegebenen Zügel Schritt gegangen, können Sie eine erste, leichte Zügelverbindung herstellen. „Dabei frage ich das Pferd immer wieder sanft in unterschiedlichen Kopf-Hals-Positionen: An welchem Punkt kannst du schon nachgeben?“, sagt Ausbilderin Nicole Künzel. Ideal ist es, wenn das Pferd weich im Genick nachgibt, ohne eine Abwehrhaltung zu zeigen.

Fordern Sie keine zu langen Phasen in einer Haltung, sondern wechseln Sie nach ein paar Schritten jeweils in die Dehnung oder geben Sie den Zügel hin, um Verspannungen zu vermeiden. Das Pferd sollte dabei das Tempo halten und in einem fließenden Übergang die Kopf-Hals-Position variieren.

Künzel empfiehlt außerdem: „Bleiben Sie ruhig und freundlich, selbst wenn die Antwort des Pferds noch nicht so weich und rasch erfolgt wie erwünscht.“ Stellen Sie sich dabei in einem inneren Bild vor, wie sich das Pferd bewegen soll. Das hilft, ruhig mit den Hilfen zu bleiben, anstatt impulsiv zu hart einzuwirken.

Reaktionen verbessern

Neigt Ihr Pferd dazu, ab und zu Ihre Hilfen zu „überhören“? Mit Unterstützung einer simplen Bodenstange können Sie es dazu auffordern, besser achtzugeben, indem Sie sprichwörtlich jedes Bein einzeln kontrollieren. Reiten Sie dazu anfangs gerade über die Stange hinweg.

Anschließend halten Sie Ihr Pferd über der Stange an, sodass die Vorderbeine vor und die Hinterbeine hinter der Stange parken. Nach und nach können Sie zudem so anhalten, dass die Stange zwischen den einzelnen Vorder- oder Hinterbeinen liegt.

Geschickter dank Stangenreihen

Schrittstangen fördern das Koordinationsvermögen und sorgen für einen fleißigeren, ausgreifenden Schritt. Der Abstand zwischen den Stangen beträgt, je nach Schrittlänge und Größe des Pferds, etwa 60 bis 100 Zentimeter.

Tipp: Bei Pferden, die in der Bewegung gebunden sind, sprich steife oder kurze Schritte machen, legen Sie den Abstand etwas weiter. Wichtig: Achten Sie darauf, dass Sie die Stangen gerade anreiten und das Pferd locker und in gleichmäßigem Rhythmus darüber läuft.

Geraderichten mit Stangengassen

Jedes Pferd hat eine natürliche Schiefe; ähnlich wie bei uns Menschen gibt es unter Vierbeinern Rechts- oder Linkshänder. „Diese Übung zeigt zum Beispiel schnell, wie geradegerichtet und beweglich das Pferd bereits ist und hilft gleichzeitig, es geradezurichten“, erklärt France Bartke.

Legen Sie dazu mehrere Stangengassen auf eine große Zirkellinie. Beginnen Sie beispielsweise auf der linken Hand. Reiten Sie den Zirkel so, dass Ihr Pferd zwischen den Stangen möglichst gerade zwischen Ihren Schenkeln läuft; die Bodenstangen bieten hier eine gute optische Orientierung.

Auf den restlichen Abschnitten des Zirkels stellen Sie es jeweils leicht nach innen. Achten Sie darauf, dass das Pferd weich nachgibt, sich nicht im Genick verwirft sowie Tempo und Takt beibehält. Nach und nach können Sie die Stellung verstärken und abwechselnd auch die Außenstellung abfragen.

Tipp von France Bartke: „Wechseln Sie nach ein bis zwei Zirkelrunden die Hand und reiten dieselbe Übung von vorn.“

Seitengänge für Beweglichkeit und Versammlung

Hat ein Pferd Probleme, Last mit der Hinterhand aufzunehmen, reitet Franca Bartke während der Aufwärmphase Viereck verkleinern und vergrößern – durch eine Reihe aus etwa vier bis fünf Pylonen.

Wichtig: Achten Sie hierbei darauf, dass das Pferd für einige Schritte geradeaus läuft, bevor Sie es umstellen. Andernfalls überfordern Sie es. „Das Pferd sollte außerdem ein gutes Grundtempo beibehalten. Zählen Sie den Rhythmus mit und achten Sie darauf, ob jedes Bein wirklich gleich weit ausgreift“, empfiehlt Bartke.

Um das Pferd zu lösen, lässt Sibylle Wiemer weiter ausgebildete Pferde in der Aufwärmphase wechselseitig Travers gehen. Dabei schwingt die Hinterhand nach ein paar Schritten jeweils über einen Biegungswechsel nach links oder rechts. Die Vorderhand bewegt sich auf einer geraden Linie weiter vorwärts.

Viele Pferde kauen während dieser Übung ab und entspannen sich sichtlich.

Rhythmusgefühl un Fleiß

Läuft das Pferd zäh und gebunden, neigen Reiter oft dazu, mit verstärkten treibenden Hilfen nachzuhelfen. Doch das kann den Vierbeiner dauerhaft erst recht abstumpfen. France Bartke rät: „Bauen Sie den Druck bewusst auf, geben Sie dem Pferd Zeit zu reagieren, und nehmen Sie die Hilfen sofort weg, wenn es für ein paar Schritte ein wenig mehr ausgreift.“ Das wirkt belohnend und motivierend.

Die Trainerin empfiehlt eine Pylonen-Reihe als optische Unterstützung. Reiten Sie auf einer Seite an den Pylonen entlang und zählen Sie, wie viele Schritte das Pferd zwischen den Hütchen macht. Benötigt Ihr Vierbeiner zum Beispiel zehn Schritte zwischen der ersten und zweiten Pylone, fordern Sie zwischen der zweiten und dritten Pylone nun neun oder gar acht Schritte, indem Sie das Tier ein wenig mehr antreiben.

Dann lassen Sie das Pferd wieder im Grundtempo weiterlaufen und wiederholen die Übung. Mit der Zeit wird Ihr Pferd automatisch fleißiger schreiten.

Schulterkontrolle im Pylonenviereck

Mangelnde Versammlung und gebundene Bewegungen hängen oft damit zusammen, dass das Pferd eng und steif in der Schulterpartie ist und zu viel Gewicht auf der Vorderhand lastet. Ein Viereck aus Pylonen hilft dabei, die Schulter des Pferds beweglicher zu machen. Die Übung ermuntert Pferde außerdem dazu, besser mit den Vorderbeinen auszugreifen und gleichzeitig mehr Gewicht auf die Hinterhand zu verlagern.

Und so geht’s: Stellen Sie vier Pylonen in einem Viereck auf; es sollte mindestens so groß angelegt sein, dass zwischen den Pylonen etwa vier Meter Abstand sind. Beginnen Sie z.B. wieder auf der linken Hand. Reiten Sie gerade an einer Seite des Pylonenvierecks entlang und ein Stück an der Pylone vorbei, bis Ihr Pferd mit der Hinterhand das Hütchen passiert hat. Dann wenden Sie es in einem 90-Grad-Winkel nach links ab. Das Pferd sollte möglichst geradegestellt bleiben, sodass das äußere Vorderbein weiter ausgreifen muss, die Schulter sich dabei öffnet. Später können Sie das Abwenden auch in einer leichten Außenstellung reiten. Wichtig: Wechseln Sie nach ein paar Wiederholungen die Hand.

Tipp: Um die Hinterhand beweglicher zu machen und die Hinterbeine zu animieren, besser unter den Pferdekörper zu treten, können Sie die Übung zusätzlich etwas abwandeln: Anstatt die Schulter herumzuschieben, lassen Sie die Hinterhand um 90 Grad weichen, während die Vorderhand beinahe auf der Stelle mitläuft. Auf der linken Hand etwa schiebt so der linke Schenkel hinter dem Gurt die Hinterhand herum, der Zügel wirkt begrenzend und rahmt das Pferd etwas ein, wenn es zu hastig wird oder sich verwirft.

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