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Äußerer Zügel - So gelingt die Führung

Richtige Anlehnung

Der äußere Zügel soll das Pferd stellen und biegen. Doch das fällt vielen Reitern schwer. Warum ist das so? Und was tun, wenn das Pferd nicht an den äußeren Zügel herantreten möchte?

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Sinn und Zweck des äußeren Zügels

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Fehlt der äußere Zügel, bricht das Pferd über die Schulter aus.

Ist er der führende Zügel, erleichtert das Traversalen, Kurzkehrt, Fliegende Galoppwechsel oder sogar Pirouetten im Galopp.

Was simpel klingt, ist in der Praxis meist verzwickt. Reitlehrer predigen immer wieder: „Reiten Sie am äußeren Zügel.“ Trotzdem fällt es Schülern schwer, das umzusetzen. „Ich glaube, dass unser Gehirn so programmiert ist, dass wir innen denken“, sagt Brigitte Tönsfeuerborn, Westerntrainerin aus Blomberg/ Nordrhein-Westfalen. „Setzt man jemanden aufs Pferd, der noch nie vorher geritten ist, und gibt ihm Zügel in die Hand, dann wird er rechts ziehen, wenn er nach rechts möchte, und links ziehen, wenn er nach links will.“

Das Ergebnis ist immer gleich: Das Pferd wird nicht abbiegen, sondern über die Schulter ausbrechen oder sich im Genick verwerfen. Deshalb lässt die Western­trainerin ihre Anfänger mit überlangem, innerem Zügel reiten. „Den Reitern wird dann bewusst, wie unwichtig dieser und wie wichtig der äußere Zügel ist, und dass sie oft unnötig am inneren ziehen.“

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Blick in die Westernausbildung

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Mit Schulterherein prüft man die Akzeptanz des äußeren Zügels.

„Man legt den äußeren Zügel, Neck Rein genannt, am Pferdehals an. Auf der gleichen Seite liegt das Bein am Sattelgurt. Damit schließt man auf der Außenseite eine Tür.“ Danach öffnet die innere Hand und weist den Weg nach innen. Sie macht die Tür auf.“ Das Pferd lernt, dem äußeren Druck zu weichen.

Um ein Pferd am äußeren Zügel ­führen zu können, darf der Reiter kein Anfänger mehr sein. „Man verlangt das erst, wenn ein Reiter zügelunabhängig und ausbalanciert sitzen kann“, sagt ­Annette Stevenson, Ausbilderin aus dem badischen Oberderdingen.

„Dass der äußere Zügel dazu da ist, das Pferd gerade zu halten und die Stärke der Biegung zu beeinflussen, lernen meine Schüler auf dem Zirkel“, erklärt Brigitte Tönsfeuerborn. Dazu lässt sie die Schüler Vierecke reiten. Die Eckpunkte markiert sie mit Pylonen und schickt die Reiter von Punkt zu Punkt. „Sie sollen sich an den Eckpunkten vorstellen, sie würden mit ihren Händen auf zwei Kuchengabeln ein Stück Torte vor sich her balancieren.“

Wenn das Viereck klappt, werden die Ecken immer runder, schließlich entsteht ein Kreis. „Unbewusst nehmen die Reitschüler das Geradeaus mit auf den Kreis und lernen, wie wichtig der äußere Zügel ist, um beim Pferd eine gleichmäßige Biegung im ganzen Körper zu erreichen.“

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Lektionen für Fortgeschrittene

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Die blanke Kandare eignet sich als Überprüfung, ob das Pferd am äußeren Zügel geritten ist.

„Auf dieser Hand neigt das Pferd dazu, sich auf dem ­inneren Zügel eine Stütze zu nehmen, statt an den äußeren heranzutreten“, ­erklärt Annette Stevenson. Oft ­schlackert der äußere Zügel, statt zu führen. „Hinzu kommt, dass Reiter, die Rechtshänder sind, deutliche Schwierigkeiten haben, mit dem linken Zügel eine konstante ­Verbindung zu halten.

Doch wie sieht eine konstante Verbindung des äußeren Zügels überhaupt aus? Der Reiter soll weder daran festkrampfen, noch soll der Zügel ständig springen. „Er soll eine positive Spannung haben, nicht zur Verspannung führen, sondern ein Spiel aus innerem Bein und äußerem Zügel sein“, erklärt Rolf Janzen, Working-Equitation-Reiter aus Oldezhausen/Bayern.

Um am äußeren Zügel zu reiten, braucht das Pferd eine Schlüsselvoraussetzung: „Es muss den inneren Schenkel annehmen und sich um ihn biegen“, sagt Annette Stevenson. „Erst dann kann es an den äußeren Zügel herantreten.“

Nimmt das Pferd den inneren Schenkel nicht an, sollte der Reiter mit Paraden die Innenstellung durchsetzen, bei gleichzeitigen Kreuz- und Schenkelhilfen.

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Korrekturreiten: Ein Fall für Profis

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Innenparaden animieren das Pferd, an den äußeren Zügel heranzutreten.

Solche Korrekturen gehören nur in die Hände von Profis. Wie Rolf Janzens Tipp: „Man kann das Pferd mehr als nötig nach innen abstellen, eine Zeit lang den inneren Zügel stehen lassen und mit dem inneren Bein das Pferd zum Nach­geben animieren.

Der äußere Zügel ist in diesem Moment locker. Gibt das Pferd am inneren Bein nach, übernimmt der äußere Zügel die Führung. Der innere Zügel erhält die Biegung und darf leicht durchhängen. Jedes Mal, wenn sich das Pferd entzieht, stellt der innere Zügel wieder durch.“ Mit der Zeit soll das Pferd lernen, dass es nichts nützt, sich dem inneren Schenkel und damit dem äußeren Zügel zu entziehen. All diese Korrekturen klappen nur, wenn das Pferd auf Trense gezäumt ist.

Reitet man später auf blanker Kandare oder auf Westernstange, muss das Pferd am äußeren Zügel geritten sein. „Die blanke Kandare setzt voraus, dass sich das Pferd um den inneren Schenkel biegt und damit den äußeren als den führenden Zügel akzeptiert“, erklärt Janzen.

Um die Akzeptanz des äußeren Zügels zu überprüfen, schwören die Experten auf bestimmte Übungen. Rolf Janzen reitet große Volten. Drückt das Pferd dabei nach innen, nimmt es das innere Bein nicht an. „In diesem Fall kann man die Volte mit Schenkelweichen vergrößern und verkleinern.“ Das gymnastiziert laut Janzen prima und animiert das Pferd dazu, den inneren Schenkel und damit den äußeren Zügel anzunehmen.

Die Lieblingsübung der Ausbilder ist das Schulterherein. „Zieht dabei nur die innere Hand das Pferd in die Stellung, geht der Durchfluss verloren, und das Pferd bricht über die äußere Schulter weg“, sagt Annette Stevenson. Führt das Pferd die Übung auf beiden Händen korrekt aus, haben Reiter und Pferd den äußeren Zügel geknackt. Dann stehen irgendwann Lektionen wie Kurzkehrt oder Fliegenden Wechseln nichts mehr im Wege.

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