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CAV Feine Hilfen geben Schenkel Rädlein

25 Tipps für feinere Hilfen beim Reiten

So verfeinern Sie Ihre Hilfen

Sanft steuern, weich mitschwingen, handunabhängig reiten, leicht treiben: Mit diesen Tipps und Tricks verschmelzen Sie und Ihr Pferd miteinander.

Gefühlvoll lenken

Ein bedeutender Schlüssel zur scheinbar unsichtbaren Hilfengebung sind Gewichtshilfen.

Der Grund: „Damit können Reiter Bewegungsrichtung und -rhythmus im eigenen Körper verändern – und das Pferd wird instinktiv versuchen, sich anzupassen“, erklärt Isabelle von Neumann-Cosel. So lernen Reiter, Pferde gefühlvoll zu steuern.

Gefühlvoll lenken - Optische Ziele

Erleichtern Sie sich die nachfolgenden Lenkübungen mit optischen Helfern. Ausbilderin Hannah Engler verteilt zum Beispiel Pylone als sogenannte „Etappenziele“ in der Reitbahn. „Darüber bekomme ich eine klare Rückmeldung, ob ich richtig geritten bin“, sagt sie.

Kathrin Roida streut Sägespäne als optische Linien auf den Reitboden. „Damit treffen Sie jede Bahnfigur und korrigieren automatisch Sitzfehler“, sagt sie. Denn entlang der optischen Linie merkt der Reiter sofort, ob er in Balance sitzt. „Sobald man etwa in der Hüfte abknickt, wird das Pferd schief und verlässt die gerade Linie.“ So feine Nuancen bemerkt man im Sattel nur dank Hilfslinie.

Gefühlvoll lenken - Der Drehsitz

Das wichtigste Instrument für korrekte Kurven ist der Drehsitz. Er entspricht unserem Bewegungsmuster, wenn wir um eine Kurve laufen.

Im Sattel folgen Hüften und Schultern jeweils denen des Pferds: Dessen innere Hüfte – und damit auch unsere – ist in der Wendung weiter vorne als die äußere, seine äußere Schulter (genau wie unsere) weiter vorne als die innere.

Wichtig: „Damit die Gewichtsverlagerung in der Wendung korrekt beim Pferd ankommt, ist es entscheidend, nicht nur den Kopf, sondern auch den Brustkorb zu wenden“, beschreibt von Neumann-Cosel in ihrem Buch „ Reitersitz und Reiterhilfen“ von Kosmos. Das lässt sich gut zu Fuß üben, indem Sie beide aneinander gelegten Daumen an das obere Ende des Brustbeins und die Zeigefinger unter das Kinn legen. „Jetzt können Sie Kopf und Brustkorb nur noch gemeinsam wenden, wenn Sie nicht die Hände öffnen wollen.“

Extra-Tipp: Wer Probleme hat, seinen Oberkörper in der Wendung mitzudrehen, dem empfiehlt Ausbilderin Kathrin Roida, das innere Ohr leicht auf die innere Schulter fallen zu lassen. „Der Reiter nimmt seine äußere Schulter so automatisch mit nach vorne.“

Gefühlvoll lenken - Test ohne Zügel

Wie gut Ihr Pferd auf Gewichtsverlagerungen reagiert, finden Sie heraus, indem Sie Wendungen einfach mal ohne Zügelhilfen reiten, also die Zügel vollkommen hingeben. Kann das Pferd Ihnen folgen?

Bewegungsmuster fühlen üben

Um den Pferdebewegungen störungsfrei folgen zu können, müssen Reiter korrekte Bewegungsmuster üben, immer wieder, egal auf welchem Niveau. Das erfordert viel Disziplin, weshalb Isabelle von Neumann-Cosel Sitzschulungen auch für Fortgeschrittene empfiehlt. „Klare Bewegungsvorstellungen sind wichtig, um korrekte Bewegungsmuster für mehr Feingefühl zu entwickeln.“

Bewegungsmuster fühlen üben - Berührungsreize

Stimulieren Sie Bewegungen im eigenen Körper, indem Sie sich selbst berühren, etwa am unteren Rücken. Lassen Sie dann Ihren Bauchnabel in Richtung Hand wandern. Das hilft Reitern, die zum Hohlkreuz neigen. Oder: Drücken Sie auf den Oberschenkel, damit das Knie abwärts weicht.

Im zweiten Lernschritt reicht es, wenn Sie sich die Berührungsreize nur vorstellen.

Bewegungsmuster fühlen üben - Beckenkreisen

Um die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule zu stärken und den Pferdebewegungen besser folgen zu können, empfiehlt Ausbilderin Kaja Stührenberg folgende Lockerungsübung vorm Reiten: „Im Stehen, Hände in die Hüften, dann das Becken langsam um die Körper-Längsachse kreisen.“ Dabei sind die Knie leicht gebeugt, der Oberkörper bleibt ruhig, die Drehung kommt aus der Lendenwirbelsäule.

Bewegungsmuster fühlen üben - Reiter longieren

Ein gutes Gefühl für korrekte Zügelhilfen und gleichmäßige Kreise gewinnen Sie, indem Sie eine Longe in die innere Hand nehmen und sich zu Fuß in allen Gangarten longieren lassen. „Dabei merken Sie sofort, wenn der Kreis zu groß wird: Sie bekommen Zug auf den inneren Arm, die Longe spannt“, erklärt Kaja Stührenberg.

Die Abhilfe im Sattel wäre dann: „Äußere Hilfen vermehrt einsetzen.“ Ist der Kreis zu klein, hängt die Longe. Abhilfe beim Reiten: „Mehr innere Hilfen!“

Aufrecht und locker

Wer seine Hilfen minimieren möchte, benötigt einen geschmeidigen, aufrechten Sitz. So gelingt’s...

Aufrecht und locker - Sitzbeinhöcker spüren

Balanciert sitzen Sie, wenn Sie beim Geradeausreiten beide Sitzbeinhöcker gleichmäßig belasten, so dass die Hüfte gerade bleibt. Hannah Engler zeigt, wie man die beiden spüren lernt: „Bitten Sie einen Helfer, Ihr Pferd festzuhalten. Legen Sie nun beide Beine vor die Sattelblätter wie zum Nachgurten.“

Sollten Sie zurück im Grundsitz spüren, dass Sie einen Höcker mehr als den anderen belasten, müssen Sie am Gleichgewicht arbeiten. Etwa mit dieser Übung von Carla Bauchmüller: Wechseln Sie im Trab zwischen den Sitzformen. Sie beginnen im leichten Sitz, bleiben ein paar Trabtritte so. Dann langsam für ein paar Tritte ins Aussitzen wechseln, danach leichttraben und wieder in den leichten Sitz gehen. Diese Abfolge beliebig oft wiederholen.

Aufrecht und locker - Rückwärts Fahrrad fahren

Belasten Sie die Sitzbeinhöcker gleichmäßig, können Sie mit dem Pferd über bewusste Veränderungen der Balance kommunizieren. „Spüren Sie sich dafür in die Schrittbewegung ein“, rät Bauchmüller. Fühlen Sie das wechselseitige Heben und Senken Ihrer Gesäßknochen.

Die dreidimensionale, rollende Bewegung des Pferderückens überträgt sich als „Rückwärtsradfahrbewegung“ auf Ihre Gesäßknochen. Mit etwas Übung können Sie diese Bewegung bewusst verlangsamen oder verstärken – und Ihr Pferd wird langsamer oder schneller.

Aufrecht und locker - Energie kreisen lassen

Stellen Sie sich beim Gehen vor, Energie fließt Ihren Rücken herab und an der Vorderseite wieder hoch. Bauchmüller: „Sie werden sich aufgerichtet fühlen, die Atmung geht leicht, die Beine schwingen vor.“ Drehen Sie den Energiekreis um, indem Sie die Energie vorne herunter und hinten hochfließen lassen. „Sie werden sich tendenziell vorbeugen und schwerer auffußen.“

Übertragen Sie die Übung in den Sattel: Fließt die Energie hinter Ihnen runter bis in die Hinterhand des Pferds und vorne durch seine Schulter wieder hoch, richten Sie sich wie von Zauberhand auf. „Und Sie werden die Hinterhand Ihres Pferds besser wahrnehmen können.“ Parallel verhindert das Bild vom Energiekreis, dass Reiter in Übergängen auf die Vorhand fallen.

Aufrecht und locker - Spannungsaufbau

Eine gute Grundspannung bauen Sie so auf: „Stellen Sie sich vor, Sie würden einen Ballon aufblasen, die Nase putzen oder einen Einkaufswagen schieben“, rät Hannah Engler. Merken Sie sich die jeweils leichte Spannung im Körper. „Das richtet Sie sanft auf, Reiter und Pferde können tief durchatmen.“

Aufrecht und locker - Mitzählen & Atmen

Apropos Atmen: Angespannte Reiter halten oft die Luft an. Tipp von Kathrin Roida: „Legen Sie Ihr Kinn auf die Brust und öffnen Sie leicht den Mund.“ Schon fließt der Atem weich herein und raus.

Zählen Sie Schritte, Tritte oder Sprünge Ihres Pferd in allen Gangarten laut bis vier mit. Reiten Sie Bahnfiguren, über Unebenheiten, Hügel, Pfützen, Stangen, Sprünge – in der Bahn wie im Gelände. „Durch das laute Mitsprechen atmen Sie weiter“, sagt Kaja Stührenberg. „Dies hilft Ihnen und dem Pferd, einen harmonischen Rhythmus beizuhalten.“

Aufrecht und locker - Falsche Kurven

Weiches Mitschwingen ist nur dann möglich, wenn Ihr Becken in aufrechter Position bleibt. Engler: „Erkennen Sie von der Seite betrachtet eine imaginäre Kurve, dann ist es entweder zu weit vorne oder hinten.“ Für die richtige Stellung nehmen Sie hintereinander beide Extreme ein: Rundrücken und Hohlkreuz. „Dazwischen lässt sich durch immer kleinere, feinere Vor- und Rückbewegungen die passende Mittelstellung erspüren“, so von Neumann-Cosel.

Weich am Zügel

Das Geheimnis unsichtbarer Zügelhilfen ist eine konstante, butterweiche Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul. So fühlt sich das an:

Weich am Zügel - Jonglieren & Klavier spielen

Handunabhängiges Reiten ist eine große koordinative Herausforderung, die auch fortgeschrittene Reiter immer wieder an der Sitzlonge üben sollten. Zum Beispiel mit dieser Übung von Isabelle von Neumann-Cosel: Bewegen Sie Ihre Hände im Takt der Pferdebewegungen wie beim Jonglieren auf und ab. „Das klappt nur, wenn die Hände unabhängig von den Pferdebewegungen kontrolliert werden können“, erklärt die Ausbilderin. „Parallel können Sie so Ihr Rhythmusgefühl überprüfen.“

Auch Seitenunterschiede in den Händen spürt von Neumann-Cosel so fix auf, „dann werden die Bewegungen asymmetrisch“. Kathrin Roida lässt ihre Schüler bei Sitzübungen mit den Fingern wackeln, „als würden sie Klavier spielen“. Diese Übung fördert die Feinkoordination der Hände, das Fingerspitzengefühl sozusagen. Denn: „Die Zügel müssen so leicht in den Fingern liegen, wie der Pianist seine Tasten streichelt“, erklärt sie.

Weich am Zügel - Falsch herum anfassen

Um fühlen zu lernen, wie die Zügelfaust den Nickbewegungen des Pferds folgen sollte, rät von Neumann-Cosel, die Zügel einmal verkehrt aufzunehmen, so dass der Daumen Richtung Pferdemaul zeigt. „Mit dieser Zügelführung spüren Reiter genau, wie stark und in welche Richtung sie nachgeben sollen“, verrät die Ausbilderin.

Weich am Zügel - Zügelbrücke

Wenn Sie Ihre Hände besser fühlen, ruhiger halten und besser kontrollieren wollen, empfiehlt Isabelle von Neumann Cosel das „Reiten mit der Zügelbrücke“. Dazu legen Sie die Zügel am Ende doppelt übereinander, bis zwischen Ihren Daumen eine Art Brücke entsteht. So haben Sie die Zügel jederzeit stabil und ruhig im Griff. Extra-Tipp: „Stellen Sie sich vor, statt der Zügelbrücke das Gebiss anzufassen.“ Dieses Bild verhilft zum weichen Kontakt mit den Zügeln.

Fürs Springen rät von Neumann-Cosel, die Zügel doppelt zu legen, also extrem zu verkürzen. „Das verhindert nicht nur das Ziehen am Zügel, sondern auch, dass die Hände bei einem Balanceverlust in der Landephase neben dem Pferdehals nach unten rutschen und der Reiter vornüber fällt.“

Mit feinen Hilfen treiben

Das Reiterbein kann mit Pferden sprechen. Damit die Kommunikation klappt, sollten Sie es gut im Griff haben.

Mit feinen Hilfen treiben - Fußgelenke lockern

Für gefühlvolles Treiben sind vorrangig die Waden zuständig. Dazu müssen sie sich kontrolliert anspannen und abwärts bewegen lassen. Um das zu üben, empfiehlt Isabelle von Neumann-Cosel, beide Absätze im Schritt abwechselnd extrem tief nach unten federn zu lassen. Wichtig: „Die Bewegungsrichtung nach hinten unten muss unbedingt erhalten bleiben“, sagt sie. Praktisch: Die Übung schult gleichzeitig das wechselhafte Treiben mit den Waden im Schritt.

Mit feinen Hilfen treiben - Fein federn

Rutscht der jeweils gegenüberliegende Absatz beim obigen Lockern hoch, ist das okay. Flutschen Ihre Hacken auch sonst öfters nach oben, sollten Sie immer mal wieder Trab im leichten Sitz reiten.

„Ziel ist es, die Unterschenkel als wichtige Basis für den Sitz zu fühlen und das Gewicht auf dem Mittelfuß zu platzieren“, sagt von Neumann-Cosel. Dann federt der Absatz wie von selbst nach unten, weil der Vorfuß vom Steigbügel hochgehalten wird. „Pferde reagieren meist sehr positiv auf diesen feinen Kontakt mit der Wade.“

Mit feinen Hilfen treiben - Beine erneuern

Um das ganze Bein locker in Position zu halten, nehmen Sie ein Bein aus der Hüfte leicht zurück und weg vom Sattel. Drehen Sie es deutlich nach innen ein und schieben es wieder von hinten nach vorn in die originale Richtung. „Beine erneuern“, nennt von Neumann-Cosel diese Lockerungsübung für zwischendurch.

Hannah Engler rät Reitern, imaginär Schneepflug wie im Skisport zu fahren. Effekt im Sattel: „Verspannungen lösen sich, Sie sitzen sicher und leichter.“

Mit feinen Hilfen treiben - Pferdebeine ansteuern

Um Pferde ohne großen Aufwand treiben zu können, ist auch der Moment wichtig, in dem die Pferderippen die Wade des Reiters berühren – und in die gegenüberliegende Richtung schwingen. Das Hinterbein ist in dieser Sekunde im Begriff abzufußen. Berührt die Reiterwade jetzt die Rippen, verstärkt das die Kontraktion der Bauchmuskulatur. Das Ergebnis ist ein energisches Antreten des gleichseitigen Hinterfußes.

Zusammenspiel der Hilfen

Achten Sie nun darauf, die zuvor geübten feinen Hilfen im richtigen Augenblick und Maß einzusetzen – damit Ihr Pferd Ihre Signale leicht verstehen und wie gewünscht umsetzen kann. So klappt es mit der Harmonie.l

Zusammenspiel der Hilfen - Korrektes Timing

Um Hilfen maßvoll einsetzen zu können, gehört etwa, jederzeit aufmerksam zu sein. Nur dann können Sie schnell und angemessen auf das Verhalten des Pferds reagieren. Innerhalb von zwei Sekunden ist der Moment verstrichen, in dem Reiter ihr Pferd für dessen Verhalten loben können.

#Und nicht nur das: Im Idealfall können Sie Verhalten sogar voraussehen. Etwa, wenn das Pferd das Tempo steigern möchte. Damit das gar nicht erst passiert und Sie am Ende doch noch in Zugzwang geraten, ermahnen Sie es mit leichten halben Paraden vorab und setzen ihm so sanfte, aber klare Grenzen.

Zusammenspiel der Hilfen - Reaktionen einschätzen

Ein besseres Gefühl für feine Hilfen und perfektes Timing bekommen Sie über die Bodenarbeit. Sie können Ihr Pferd dabei beobachten, seine Reaktionen besser einschätzen und so herausfinden, wann Sie wie reagieren müssen. Dieses Gefühls-Feintuning hilft Ihnen später auch beim Reiten.

Zusammenspiel der Hilfen - Pferde überraschen

Um die eigene Hilfengebung und die Reaktionen des Pferd zu prüfen, dürfen Sie es ruhig auch mal überraschen, indem Sie altbekannte Lektionen plötzlich abwandeln.

Reiten Sie zum Beispiel statt der Zirkellinie ein Karo, das heißt: ein auf die Spitze gestelltes Quadrat. Dadurch ergibt sich an jedem Zirkelpunkt eine Ecke mit anschließend gerader Linie. „Diese Figur mit ihrem fixen Wechsel aus geraden und gebogenen Linien fordert und fördert die Feinabstimmung der Hilfengebung“, erklärt Isabelle von Neumann-Cosel. „Da die Ecken des Karos für Pferde nicht vorhersehbar sind, müssen Sie viel genauere und deutlichere Hilfen geben.“

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