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9 Fitness-Fragen: Der Pferde-Check vor dem Training

Test vor dem Training: Ist Ihr Pferd startklar?

Der körperliche Zustand des Pferdes bestimmt, wie Sie das Training gestalten und was Sie fordern könnten. Auch eventuellen Stress sollten Sie prüfen.

Fitness-Level testen

Ermitteln Sie über mehrere Tage unter gleichen Bedingungen die Ruhewerte von Puls und Atmung. So finden Sie heraus, was für Ihr Pferd normal ist.

Den Herzschlag messen Laien am besten mit einer digitalen Pulsuhr (ca. 90 Euro). Profis messen mittels Stethoskop zwischen Ellenbogen und Brustwand auf der linken Pferdeseite. Das Herz schlägt beim Pferd 25- bis 40-mal in der Minute. Die Zahl der Atemzüge pro Minute liegt zwischen 8 und 14.

Wie gut die Kondition ist, zeigt sich daran, wie schnell ein Pferd sich nach Belastung erholt: Je schneller die Regeneration, desto fitter.

Nach 20 Minuten Arbeit im Trab erreichen sehr gut trainierte Pferde bereits in 5 Minuten Ruhe wieder ihre Normalwerte bei der Atmung. Der Puls sollte gleichmäßig fallen. Hat das Pferd etwa 5 Minuten nach der Belastung noch bis zu 10 Atemzüge und Pulsschläge/Minute mehr als in Ruhe, spricht das für schlechte Kondition. Bei extrem hohen Puls- und Atemwerten sollte ein Tierarzt das Pferd checken.

Muskel-Zustand prüfen

Muskeln sind der Motor des Pferds. Damit sie richtig arbeiten, dürfen sie weder verspannt noch schlaff sein. Wie die Muskelspannung ist, können Sie fühlen: Streichen Sie mit der Handfläche über große Muskelgruppen – etwa an Hals und Rücken.

Zeichen für zu hohe Muskelspannung: Die Muskeln sind hart wie Beton. Einzelne Stränge sind sofort tastbar. Das Pferd reagiert empfindlich auf Berührung, zuckt oder droht sogar. Es ist verspannt und unbeweglich wie ein Body-Builder. „Solche Pferde sind oft explosiv beim Reiten“ sagt Ausbilder Jörg Bös (www.joerg-boes.de). Reiten in Dehnungshaltung und Seitengänge bringen wieder Elastizität ins Pferd.

Ist die Muskelspannung hingegen zu niedrig, fühlen sich die Muskeln schlaff an. Kraftaufbau ist in dem Fall wichtig, etwa mit Galopparbeit.

Und wie fühlt sich gute Muskelspannung an? „Etwa so wie die Berührung der eigenen Nackenmuskeln, nachdem sie eine lockere Massage erhalten haben“, so Bös. Die Muskeln sind deutlich spürbar, aber weich und nicht berührungsempfindlich.

Passt der Trainingsplan?

Das Reiten muss oft ausfallen, weil das Pferd lahmt? Vielleicht liegt es an der Gestaltung des Trainings.

Schwedische Forscher fanden heraus: Starre Übungsprogramme führen zu mehr krankheitsbedingten Fehltagen. Abwechslung hingegen hält Pferde fit. Reiter sollten öfters Trainingsorte und Aktivitäten variieren: Mal raus aus der Halle und im Gelände reiten. Und statt Runde um Runde auf dem Zirkel zu drehen, mit Cavaletti- und Bodenarbeit das Training auffrischen.

Warum Abwechslung gut tut? Sie verhindert, dass Pferde den Körper zu einseitig belasten und schützt die Gelenke vor Verschleiß. Auch die Psyche des Pferds profitiert, denn neue Aufgaben wecken die Motivation.

Überlastungs-Alarm

Eigentlich gilt es als Unart und Zeichen für Bettelei: das Scharren. Laut kanadischen Forschern könnte das Kratzen mit dem Huf auf dem Boden aber auch auf Überlastung im Training hinweisen. Tierärztin Katherine Houpt rät Reitern im Auge zu behalten, wann ihr Pferd scharrt.

Zeigt es das Verhalten besonders nach anstrengenden Ritten, stecken eventuell Unwohlsein oder orthopädische Probleme dahinter. Warum? Forscher vermuten, dass die Pferde sich ein Loch buddeln wollen, um die Beine zu entlasten.

Emotionen lesen

Reiten ist eine Lernleistung. Das Pferd übt Bewegungsmuster und die Umsetzung von Hilfen. Entspannung fördert Erfolge. Hat das Pferd hingegen vor, bei oder nach dem Training Stress, bleibt nichts im Gedächtnis. Woran erkennen Sie Spannungen?

Kopfposition: Bei Stress tragen Pferde den Kopf tendenziell höher. In angenehmen Situationen senken sie ihn. Hängt der Kopf ständig, kann das aber auch ein Zeichen für Krankheit oder Erschöpfung sein.

Kauen: Zeigt Erleichterung an. Forscher vermuten, dass Pferde sich mit Kaubewegungen beruhigen. Oft kauen Pferde, wenn auf Stress etwas Angenehmes folgt. Tipp: Reiter können mit Abkauübungen positive Emotionen im Pferd wecken.

Wiehern: Gibt Ihr Pferd längere und laute Töne von sich? Das kann auf Stress im Training hindeuten. Generell produzieren Pferde zwei Töne beim Wiehern. Bei einer positiven Emotion klingt der erste Ton tiefer, bei Stress höher.

Bewegung: Laufen Pferde auf der Weide oder im Stall viel hin und her und dösen kaum, kann das ein Alarmsignal für Stress im Training sein. Durchs Bewegen bauen sie Spannungen ab, der Körper gewinnt Energie für Kampf und Flucht.

Unwohlsein erkennen

Das Pferd knabbert ständig am Holzbalken oder schlabbert am Strick? Das können Zeichen für Angst, Langeweile oder Stress sein.

Mit Kopf- oder Schweifschlagen beim Reiten zeigen die Vierbeiner deutlich, dass sie sich nicht wohl fühlen. Werden Sie bei jeder Verhaltensänderung aufmerksam und versuchen Sie, die Ursache fürs Unwohlsein zu erkennen und abzustellen.

Angst aufdecken

Angst ist Gift fürs Lernen, denn sie nimmt die volle Aufmerksamkeit des Pferds ein.

Betrachtet der Vierbeiner seine Umgebung verstärkt mit dem linken Auge, kann das ein Zeichen für Angst sein. Denn was das linke Auge sieht, wird zur rechten Gehirnseite weitergeleitet – dem Gefühlszentrum des Pferds. Dort verarbeitet das Gehirn aufregende Erlebnisse.

Das erklärt, warum manche Pferde vor der Jacke über der Bande rechtsherum plötzlich scheuen – während sie auf der anderen Hand gar kein Problem darstellte. Die Jacke erscheint im linken Auge gespenstischer. Wer das weiß, kann ungerechte Strafe vermeiden.

Anzeichen für Schmerz

Stoppen Sie das Training sofort, wenn das Pferd Schmerzsignale sendet. Lahmheiten etwa können sich sonst schnell verschlimmern.

Laut einer neuen britischen Studie lassen sich Schmerzen am Gesicht des Pferds ablesen. Die Kennzeichen: Ein schiefer Kopf, das Gebiss liegt nicht gleichmäßig im Maul. Die Ohren sind angelegt – eines zeigt eher zurück, das andere nach vorne oder zur Seite. Weiß blitzt im Auge auf, der Blick erstarrt und die Pferde kneifen die Muskeln ums Auge zusammen.

Biorhythmus beachten

Pferde haben einen Biorhythmus und damit Zeiten, an denen sie leistungsbereiter sind.

Wann ein Pferd aktiv ist und wann es eher ruht, ist oft individuell. Es hängt auch von Fütterung, Jahreszeiten oder bei Stuten vom Rossezyklus ab.

Testen Sie unterschiedliche Trainingszeiten. So finden Sie heraus, wann das Pferd motiviert ist. Beobachtungen bei Wildpferden zeigen: Die Tiere sind vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung aktiv. Das wären folglich optimale Zeiten fürs Training.

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