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CAV Wohlfühlposition Aufmacher Rädlein

5 Trainingstipps für die Wohlfühlposition

Tipps fürs Wohlfühltraining

Fünf einfache Übungen helfen Ihnen, jedes Pferd so zu reiten, dass es sich rundherum wohlfühlt.

Kopf senken

Wohlfühl-Effekt: Die Körperhaltung steuert, ob das Pferd entspannt oder angespannt ist. Ein hochgestreckter Kopf etwa sorgt für Stress. Der Körper schüttet Adrenalin aus und bereitet sich auf Flucht vor. Ein gesenkter Kopf hingegen steht für Wohlbefinden. Denn Pferde haben den Kopf normalerweise beim Fressen und Dösen gesenkt. Der Körper schüttet Glückshormone wie Serotonin und Dopamin aus. Die signalisieren dem Pferd Ruhe und Entspannung. „Reiter können dieses Wissen nutzen und über das Kopfsenken für Entspannung sorgen“, sagt Pferdewissenschaftlerin Dr. Vivian Gabor.

Kopfsenken wirkt automatisch. Das ist wie beim Menschen die Lach-Übung. Schlechte Laune etwa lässt sich mit Dauergrinsen überwinden. Wer 60 Sekunden am Stück lacht, überlistet das Denken, produziert Freudenhormone und fühlt sich dann tatsächlich besser. Ob das Kopfsenken beim Pferd entspannend gewirkt hat, können Sie beobachten: Das Pferd lässt den Hals mehr und mehr fallen und schließt vielleicht sogar die Augen.

So geht's: Stellen Sie sich seitlich neben den Pferdekopf. Üben Sie mit einer Hand leichten Druck auf die Nackenmuskulatur des Pferds hinterm Atlas aus. Ihr Daumen ist dabei auf einer Seite vom Hals, die restlichen Finger auf der anderen Seite.

Üben Sie so lange, bis das Pferd den Kopf senkt – eine leichte Tendenz reicht. Reagiert es nicht oder drückt es dagegen, verstärken Sie den Druck, indem Sie ihn impulsartig erhöhen. Beenden Sie die Übung erst, wenn das Pferd nachgibt. Dann sofort den Druck auflösen und loben! Tipp: Klappt die Übung in der Ruhe, dann können Sie diese auch in Schreckmomenten zum Entspannen nutzen; auch vom Sattel aus. Bringen Sie dafür dem Pferd bei, auf Berührung des Widerrists den Kopf zu senken.

Locker abkauen

Wohlfühl-Effekt: Kauen beruhigt die Psyche und entspannt den Kiefer. „Nur wenn das Kiefergelenk locker ist, kann das Pferd den Rücken loslassen und in eine Wohlfühlhaltung kommen“, erklärt Ralf Döringshoff. Die Lockerung des Kiefergelenks zieht sich durch den ganzen Körper. Es lohnt sich also, das Pferd zum Kauen anzuregen.

So geht's: Stellen Sie sich auf der linke Seite neben den Pferdekopf. Die rechte Hand legen Sie auf die Pferdenase, um den Kopf zu kontrollieren. Stecken Sie nun den linken Zeigefinger in den Maulwinkel. Der Bereich dort ist zahnlos. Die Berührung regt das Pferd zum Kauen an. Gehen Sie behutsam vor. Anfangs weichen manche Pferde der Berührung aus. „Nach drei bis vier Übungsheinheiten haben sich die Pferde daran gewöhnt und genießen die Lockerung“, so Döringshoff.

Mobilisierung für den Reiter: Wer sein Pferd locker reiten will, muss selbst geschmeidig sein. Kreisen Sie dafür Ihre Sprunggelenke in beide Richtungen. Die Übung lockert auch Ihr Genick. Der Test: Drehen Sie vorher den Kopf so weit wie möglich nach links und rechts. Merken Sie sich die Endpunkte. Jetzt stellen Sie ein Bein mit leicht gewinkeltem Knie auf den Absatz und kreisen 30 Sekunden das Sprunggelenk. Wiederholen Sie die Übung mit dem anderen Bein. Drehen Sie nun erneut den Kopf zur Seite. Sie sollten ihn mühelos weiter drehen können als vorher.

Nickbewegung begleiten

Wohlfühl-Effekt: „Im Schritt kann das Pferd besonders gut loslassen, da es diese Gangart mit entspannter Fortbewegung – etwa beim Grasen – verbindet“, sagt Ralf Döringshoff. Er empfiehlt ausgedehntes Schrittreiten, um das Wohlbefinden des Pferds zu steigern.

Die im Schritt typische Nickbewegung ist der Prüfstein, wie locker Ihr Pferd ist: Je raumgreifender es schreitet, desto lockerer ist der lange Rückenmuskel und umso stärker nickt es. Dabei zieht das Pferd seinen Körper über das Vorderbein. Begleiten Sie die Nickbewegung dazu mit Ihren Händen. Ruckartige Einwirkungen mit dem Zügel führen dazu, dass das Pferd abgehackt läuft!

So geht's: Nehmen Sie Kontakt zum Pferdemaul auf, sodass sich die Nickbewegung auf Ihre Hände überträgt. Dabei dürfen die Zügel weder durchhängen noch stramm stehen. Begleiten Sie die Nickbewegung, indem Ihre Schultern, Arme und Hände weich vor und zurück mitgehen. Tipp: Nutzen Sie die Aufwärmphase, um diese weichen Bewegungen bewusst zu üben.

Üben mit neuem Reitsimulator: Zur Schonung der Pferde entwickelte Ralf Döringshoff einen Reitsimulator für korrektes Schrittreiten: den Sikorei. Damit lernen Reiter, das Nicken im Schritt zu begleiten und parallel korrekt mit dem Unterschenkel zu treiben. „Der Reitsimulator soll das richtige Bewegungsgefühl routinieren“, sagt der Erfinder. Lust, mit Sikorei zu üben? Ralf Döringshoff kommt samt Simulator zu Ihnen. Eine Training kostet 120 Euro plus Anfahrt. Info: www.gymnastizieren-stattdressieren.de

Slalom um Pylonen

Wohlfühl-Effekt: Kurven machen Pferde geschmeidiger; sie lernen leichter, sich zu dehnen. Ihr Rücken pendelt im Slalom von links nach rechts. Diese Schaukelbewegung lockert die Muskeln. Zudem muss das Pferd sein Gewicht verlagern, kommt somit besser in Balance und wird zunehmend wendiger. Parallel lernt der Reiter, sich locker mitzudrehen.

So geht's: Bauen Sie sechs Pylonen im Abstand von je drei Metern über die Diagonale in der Reitbahn auf. Auf dieser Linie kommt das Pferd nicht in Versuchung, sich an der Bande anzulehnen. Reiten Sie im Schritt um die Pylonen. „Geben Sie dabei die Zügelhilfen mit seitwärtsweisender Hand“, rät Ralf Döringshoff. Dabei bewegt sich die innere Hand auf Höhe des Widerrists vom Pferd weg, als wollten Sie eine Tür öffnen. Verlängern Sie die Zügel bei jedem neuen Durchgang um 2 cm und bieten dem Pferd an, sich zu dehnen.

Öfter die Stellung wechseln

Wohlfühl-Effekt: Ein schwingender Pferderücken ist ein Zeichen für Wohlbefinden. Wechsel zwischen Hand- und Konterstellung mobilisieren die Oberlinie und entspannen die Muskeln. Das Pferd kann den Rücken loslassen. „Diese Übung ist gerittene Osteopathie“, so Ralf Döringshoff. „Der Therapeut erreicht die gleichen Effekte mit Schaukelbewegungen am Pferderücken.“

So geht's: Bei der Konterstellung wird außen zu innen und innen zu außen. Wichtig: Leiten Sie die Außenstellung keinesfalls mit dem Zügel, sondern über Schenkelimpulse und Hüftdrehung ein. Um das Pferd etwa nach rechts zu stellen und zu biegen, drehen Sie die rechte Hüfte in dem Moment zur linken Hand (roter Pfeil), wenn der Pferderücken sie nach vorne bewegt. Der Oberkörper bleibt gerade. Der rechte Schenkel treibt in dem Moment, wenn das rechte Hinterbein abfußt. Stellen Sie das Pferd vier Schritte nach rechts, vier Schritte gerade und dann vier Schritte nach links. Wiederholen Sie das drei bis fünf Mal.

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