Lisa Rädlein

Training fürs Doppelpack

Zwei Pferde gleichzeitig bewegen Nimm 2!

Sie wollen zwei Pferde sinnvoll beschäftigen – am besten gleichzeitig? So gelingt das Training im Doppelpack!

Handpferde-Dressur

Viele Reiter, die zwei Pferde besitzen, gehen regelmäßig mit Handpferd ins Gelände. Aber haben Sie schon mal daran gedacht, mit Handpferd im Viereck zu trainieren?

Die Horsemanship-Trainerin und Stunt-Reiterin Hero Merkel (www.hero-merkel.de) nutzt diese Trainingsmöglichkeit für all ihre Pferde. Das ist doppelt effektiv: Der Nachwuchs lernt als Handpferd von dem erfahrenen Kollegen. Und für Routiniers bedeutet die Arbeit mit oder selbst als Hand-pferd eine willkommene Abwechslung.

Ganz nebenbei haben Sie auch noch tolle Trainingseffekte, die Ihren alltäglichen Umgang mit zwei Pferden erleichtern: Gemütliche Kandidaten kommen in Schwung und ungeduldige Tiere lernen zu warten.

Voraussetzungen: Beide Pferde sind verträglich und so gut erzogen, dass es keine Rangeleien gibt (kein Treten, Schnappen, usw.). Das Reitpferd lässt sich sehr gut und präzise steuern. Kennen sich Ihre Pferde bereits, haben Sie es leichter. Gut erzogene Pferde sollten jedoch auch brav mitarbeiten, wenn ein weniger vertrautes Pferd an der Hand mitläuft. Junge Pferde, die als Handpferd gearbeitet werden, benötigen zumindest eine Grundausbildung am Boden. Falls sie frei mitlaufen, sollten sie einzeln mit der Freiarbeit vertraut gemacht worden sein.

So geht’s: Gewöhnen Sie die Pferde am Anfang daran, dass sie von Ihnen einzeln gearbeitet und gesteuert werden. Dann fällt es Ihnen später im Sattel leichter, sich mit Ihren Pferen zu verständigen. Wichtig ist, dass Sie Ihrem Reitpferd stets deutliche Signale geben. Ihr Handpferd steuern Sie, ob mit oder ohne Strick, hauptsächlich mit Körpersignalen, zum Beispiel mit einer Körperdrehung zum Abwenden; im Idealfall reagiert darauf auch gleich das gerittene Pferd.

Stimmt die Kommunikation zwischen Ihnen und den Pferden, können Sie verschiedene Übungen einbauen: Probieren Sie Bahnfiguren, Seitengänge, Stangenarbeit und Tempowechsel aus.

Tipp: Wenn Sie häufig nebeneinander über Trabstangen reiten, hilft das Ihren Pferden, einen gemeinsamen Rhythmus zu finden. Beim Spiel zwischen An- nehmen und Zulegen – auf einer Acht oder im Slalom um Pylone – kommen sogar eher träge Pferde in Schwung. Denn gemütliche Typen bewegen sich von ganz alleine flotter, weil sie mit dem anderen Pferd mithalten wollen.

Kreative Hindernisse peppen das Handpferde-Training zusätzlich auf: Üben Sie beispielsweise, mit beiden Pferden über Planen oder durch einen Flattervorhang zu reiten, oder navigieren Sie Ihre Vierbeiner rückwärts durch eine Stangengasse. Ihre Pferde springen gerne? Dann stellen Sie doch ein Cavaletti auf oder einen kleinen Sprung – und lassen Sie einmal nur das Handpferd darüber hüpfen und einmal nur Ihr Reitpferd.

Und noch ein Tipp von Hero Merkel: Lassen Sie ab und an nur ein Pferd an einem Hindernis arbeiten. Zum Beispiel, wenn es rückwärts durchs Stangen-L geht. So üben Sie spielerisch, dass Ihre Pferde jederzeit geduldig warten – selbst wenn ein anderes Pferd in Bewegung ist.

Im Tandem

Das eröffnet eine neue Perspektive: Sie "fahren" beide Pferde vom Boden aus oder Sie versuchen sich am Tandemreiten, auch "Fahrschule" genannt. Hierbei führen Sie das Vorderpferd am langen Zügel und sitzen dahinter im Sattel des zweiten Pferds.

Voraussetzungen: Beide Pferde sollten sich gut kennen, etwa gleich groß, unerschrocken und gut ansprechbar sein.

Ausrüstung: Trense/englisches Reithalfter, Longen fürs Vorderpferd. (Lang)-Zügel fürs hintere Pferd. Tipp: Damit vor allem beim Reiten die Leinen nicht in die Augen des hinteren Pferds geraten, befestigen Sie an dessen Trense (wo Backen- und Nasenriemen zusammenlaufen) einen Karabiner. Daran haken Sie einen Ring ein, durch den Sie die Leinen führen. Ideal: Fahrleinen, Fahrzaum mit Postkandare, Fahrgeschirr/Selett fürs Vorderpferd. Vierspänner-Zaum mit Führungsringen fürs hintere Pferd.

So geht’s: Bei der Leinenführung gibt es zwei Varianten. Halten Sie die Zügel des hinteren Pferds und die linke Leine des Vorderpferds in der linken Hand und die rechte Leine sowie die Fahrpeitsche in der rechten Hand (Drei-zu-Eins-Zügelführung). Alternativ: Leinen des Vorderpferds zwischen Daumen und Zeigefinger halten und Zügel des hinteren Pferds wie beim Reiten gewohnt aufnehmen.

Bitten Sie anfangs einen Helfer, das Vorderpferd zu führen, und üben Sie das Tandem zunächst auf dem Reitplatz oder in der Halle. Genau wie beim Kutschefahren können Sie das Vorderpferd nur über die Leinen und mit Stimmhilfen steuern. Wichtig ist deshalb, eine gute Verbindung zu diesem Pferd aufrechtzuerhalten und Ruhe auszustrahlen, rät Barock-Ausbilderin Elke Wedig (www.barockreitzentrum.de).

Ob am Boden oder geritten – im Tandem lassen sich zwei Pferde prima bewegen.

Am Boden bleiben

Sie können Ihr Doppel sinnvoll trainieren, ohne zu reiten. Wenn die Pferde sich kennen und einzeln etwas Vorerfahrung in der Freiarbeit haben, können Sie viel Abwechslung ins Training bringen. Es gibt nämlich mehr Möglichkeiten, als zwei Pferde durch die Halle toben zu lassen.

Frei Bewegen 2.0

Mit diesen Übungen können Sie zwei freilaufende Pferde gleichzeitig dirigieren:

So geht’s: Horsemanship-Trainerin Claudia Miller (www.claudia-miller.de) rät, anfangs die Grundkommunikation (Tempo, Halten, Rückwärts, Wenden) zu üben. Lassen Sie beide Pferde gemeinsam im Roundpen zirkeln. Klappt das, können Sie den Schwierigkeitsgrad erhöhen: Ein Pferd läuft auf dem Zirkel, während das andere bei Ihnen in der Mitte wartet. Üben Sie dabei, Ihre Körpersprache so zu kontrollieren, dass Sie genug Energie aufbauen, um das Pferd außen in Bewegung zu halten und gleichzeitig dem Tier in der Mitte so viel Entspannung zu vermitteln, dass dieses ruhig stehenbleibt. Sprechen Sie die Tiere mit Namen an, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Claudia Miller verwendet als Hilfsmittel einen Horsemanship-Stick oder eine Fahrpeitsche, mit denen man die Pferde aus der Distanz gut erreichen kann.

Klappt die Kommunikation, können Sie anspruchsvollere Übungen ausprobieren: Lassen Sie die Pferde etwa gegeneinander zirkeln und rufen Sie sie einzeln zu sich. Auch das "Bei-Fuß-Gehen", also jeweils ein Pferd rechts und links neben sich frei zu führen, ist eine gute Übung, bei der Sie Anhalten, Rückwärtsrichten oder Tempowechsel trainieren können.

Falls Sie noch zu ungenaue Signale geben und womöglich das falsche Pferd ansprechen, bestrafen Sie eine ungewollte Reaktion nicht. Wiederholen Sie die Übung, bis Ihre Körpersprache klarer wird. Bleiben Sie außerdem immer unparteiisch und bevorzugen Sie keines der Pferde.

Zirzensische Lektionen

Spanischer Schritt, Kompliment, Sitzen oder Hinlegen – alles, was Sie einem Pferd beibringen können, klappt auch mit zweien.

So geht’s: Jana Gaedicke (www.tanz-der-freiheit.de) empfiehlt, Kunststücke anfangs einzeln zu üben. Das unbeschäftigte Pferd lernt dabei durchs Zuschauen. Geht es eigene Wege, nicht strafen, sondern loben, wenn es zurückkommt. Wenn Sie mit beiden Pferden gleichzeitig arbeiten, mit einfachen Übungen und kurzen Einheiten (etwa 15 Minuten) beginnen. Sprechen Sie die Pferde einzeln nacheinander mit Stimmkommandos an. Mit einer langen Dressurgerte können Sie beide Pferde einzeln touchieren, zum Beispiel beim spanischen Schritt.

Horse Agility

Trainiert spielerisch Gleichgewicht, Beweglichkeit und Kondition. Mit etwas Übung schicken Sie Ihre Pferde über Planen, kleine Sprünge oder durch Slalomstangen. Und wenn Sie neben Ihren Vierbeinern durch den Parcours sausen, verbessern Sie ganz nebenbei auch Ihre eigene Fitness. CAVALLO stellte Horse Agility erstmals im Dezember 2012 vor und berichtete im Heft 6/2014, wie viel Spaß dieses Training macht.

So geht’s: Einfache Hindernisse können Sie im Nu selber bauen. Als Slalom-Stangen eignen sich etwa Kunststoff-Weidepfosten. Stabile Planen gibt es im Baumarkt. Als Boden- und Springstangen eignen sich hölzerne Zaunpfähle (bei Herstellern von Naturholz-Zäunen gibt es die Stangen in verschiedenen Längen und Durchmessern). Als Sprungständer können Sie Aufbewahrungsboxen aus Textil benutzen.

Trainerin Corinna Ertl (www.agility-show.de) empfiehlt, die Hindernisse am Anfang mit jedem Pferd einzeln anzugehen. Achten Sie darauf, dass Sie Ihre Pferde frei von beiden Seiten aus steuern können. Arbeiten Sie dabei mit einem Clicker oder mit prägnanten Stimmkommandos. Klappt das gut, können Sie den Parcours zu dritt angehen. Bauen Sie je zwei Hindernisse parallel zueinander auf. Dazwischen bleibt jeweils der Weg für den Menschen frei, so dass Sie je ein Pferd zu Ihrer Rechten und Linken laufen lassen können.

Tipp: Mit gezieltem Training bringen Sie Ihre Pferde dazu, Tempo und Schrittlängen einander anzupassen. Corinna Ertl rät, die Pferde auf einer Kreislinie nebeneinander herlaufen zu lassen, wobei sich das schnellere Pferd außen und das langsamere innen bewegen sollte. Steuern Sie die Pferde dann von der Kreislinie aus auf ein Hindernis zu. Wenn Sie das häufig wiederholen, bekommen die Tiere bald ein Gefühl für das Tempo des anderen.

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