Test: Was macht eine gute Kardätschen aus?

Sie können die Fotostrecke mit den Richtungspfeilen der Tastatur bedienen
←   →
Foto: Rädlein CAVALLO Bürsten und Kardätschen im Test

Kardätschen-Test: Der beste Rücken ist aus Holz

Kardätschen gibt es in allen Farben und Formen: Mal sind sie aus Leder, mal aus Nylon, manchmal aber auch aus elastischem Gummi, mit Klettverschluss oder sogar aus Filz. Wer es ganz exklusiv liebt, kann auch Kardätschen mit Gurten aus Elchleder oder in Kroko-Optik kaufen. Oder seinen Namen ins Leder prägen lassen. Selbst Swarovski-Steine blitzen mittlerweile an der Handschlaufe. Entscheidender als deren Verzierung ist jedoch die Form: Gut ist, wenn sie aus echtem Leder und konkav geschnitten ist. ­Dadurch dellt sie sich nicht so leicht ein und liegt geschmeidig über dem Handrücken. Zudem ist eine Schlaufe aus Leder ­wesentlich robuster und hält so länger als eine aus Plastik. Zusätzlich gibt es Kardätschen mit Fingerfixierung: Bei ihnen ­sollen zwei Plastikplättchen auf der Oberseite der Hand besseren Halt bieten. Bei guten Kar­dätschen ist die Handschlaufe außerdem an den ­Bürstenrücken genagelt. Dies bietet gegenüber einem angeklebten Riemen den Vorteil, dass sich der Gurt leicht kürzen lässt, wenn er für die Hand zu lang ist oder sich im Laufe eines Bürstenlebens dehnt: einfach per Schraubenzieher die Zwecken heraushebeln, den Gurt kürzen und die Zwecken wieder hineindrücken. Gute Kardätschen erkennen Sie auch an einer hochwertigen Lackierung sowie an ihrem ­Rücken, der entweder aus Holz, Kunststoff oder Leder ist. „Wir benutzen nur Buche, ein besonders hartes Holz. Das macht den Bürstenrücken strapazierfähig“, sagt Koch. Andere Hersteller verarbeiten neben Buche auch Birnbaum, ein optisch schönes Holz mit Maserung. Kardätschen mit Lederrücken wirken zwar edel, doch schwitzt man im Sommer stark auf dieser Oberfläche. Die Folge: Solche Bürsten liegen nicht mehr gut in der Hand. Equipment für Pferd und Reiter: Bürsten und Kardätschen online im CAVALLO-Shop kaufen

Kardätschen-Test: Holzrücken halten Bakterien fern

Damit sich das Holz bei Nässe nicht verzieht, sollte der Bürstenrücken bei der Herstellung mit heißem Wasserdampf behandelt werden. Hansgeorg Koch ist vom hölzernen Rücken überzeugt, auch wenn er zusätzlich einige Kardätschen mit Kunststoffrücken anbietet. „Viele sind der Meinung, Kunststoff sei hygienischer. Das stimmt aber nicht“, sagt er. Das klingt überraschend, spiegelt aber nur den neuesten Stand der Forschung: Selbst bei Küchenbrettern ist man mittlerweile von den hygienischen Eigenschaften des Holzes überzeugt. Das belegt eine Studie aus den USA, die Holz- und Kunststoffbrettchen auf die Besiedelung mit Bakterien hin untersuchte. Auf Holz waren wesentlich weniger Bakterien zu finden als auf Kunststoff. Grund sind physi­kalische und chemische Eigenschaften von Holz. Eine gute, sauber gearbeitete Kardätsche mit Holzrücken hält bis zu zehn Jahre und entwickelt sich so zum liebgewonnenen Putzfreund. Da verwundert es, dass für den Bürstenhersteller Koch eine Kardätsche, so schön sie auch gearbeitet sein mag, eine Wegwerfware ist. „Ihre Zahnbürste wechseln Sie doch auch öfters, oder?“ fragt er dann gerne ­rhetorisch und grinst. Im Schnitt, so Hansgeorg Koch, sollte man eine Kar­dätsche alle sechs Monate wechseln. Dafür hat er eine ­einfache Erklärung: „Durch den Talg aus der Haut verklebt die Reinigungsfahne, und die Bürste reinigt nicht mehr so effektiv wie zu Beginn. Zwar können Sie die Kardätsche waschen, aber die Abstände, in denen Sie das tun müssen, werden mit der Zeit immer kürzer.“ Die Bürtsen mit Wasser zu pflegen, reicht es in der Regel, die Bürste gut am Striegel auszustreifen und anschließend ordentlich auszuschütteln. Waschen Sie Ihre Kardätsche dennoch – zum Beispiel, wenn das Pferd gerade unter Hautpilz leidet –, legen Sie die Bürste auf keinen Fall zum Trocknen auf die Heizung. Das schadet den Borsten und dem Holzrücken; beide werden durch die Hitze brüchig. Am besten stellen Sie frisch gewaschene Kardätschen auf ihren Borsten an einen trockenen Ort, sodass das Wasser aus den Löchern fließt. Wenn Sie möchten, ­können Sie dem Wasser einen Schuss Neutralseife hinzufügen. Das entfernt nicht nur Dreck, sondern auch Keime. Auf Nummer extrasicher gehen Sie mit Sagrotan im Wasser. Equipment für Pferd und Reiter: Bürsten und Kardätschen online im CAVALLO-Shop kaufen

Kardätschen-Test: Rosshaar ist weich und sorgt für Glanz

Damit es leichter fällt, die Kardätschen öfter mal zu wechseln, produziert Hansgeorg Koch sie sehr günstig. Auf die Idee kam er durch seine eigenen Pferde. „Mich störte vor allem, dass so viele Produkte aus China kommen und sehr teuer sind. Deshalb habe ich die Serie ‚Gloria‘ entwickelt, benannt nach meiner Lipizzaner-Stute“, erzählt er. Diese Wechsel-Mentalität ist nicht jedermanns Sache: Viele putzen ihr Pferd seit 20 oder 30 Jahren mit der gleichen Kardätsche, ohne dass sie das Reinigungsutensil je im Stich ließ. Das funktioniert, weil Rosshaar und Schweineborsten – die gängigen Materialien für Bürsten – sehr robust sind. Reines Rosshaar ist dabei wesentlich weicher als Schweineborsten. Das klärt schnell, welches Material sich für welchen Zweck eignet: Reines Rosshaar bringt Glanz ins Pferdefell, ist also für den Feinputz zuständig. Die härteren Schweineborsten holen den Dreck aus der Tiefe. In manchen Kardätschen sind sogar Wildschweinborsten verarbeitet. Sie sollen extra rückfettend und besonders robust sein. Dass Kardätschen für den Kopf besonders weich sein müssen, ist nicht erwiesen. „Vor allem Bürsten aus Ziegenhaar bringen außer einem guten Gefühl in der Hand nichts. Das sind reine Schmusebürsten für den Menschen, ohne jeden Reinigungseffekt“, sagt Hansgeorg Koch. Das freilich ist strittig: So sind beispielsweise manche Hand­feger extra aus der Wolle von Kaschmirziegen gefertigt. Ihr Haar ist extrem fetthaltig – ­weshalb Staub besonders gut an ihnen haftet. Eindeutiger sind dagegen die Meinungen über Borsten aus Kunststoff: Sie halten nicht so lange, da sie leichter brechen. Trotzdem gibt es auch Bürsten aus Polypropylen oder Poly­vinylchlorid. Sie kosten die Hersteller im Einkauf wesentlich weniger als Naturborsten und vertragen Wasser besser. Hansgeorg Koch nennt einen weiteren Nachteil: „Künstlichen Borsten fehlt in der Regel die Reinigungsfahne. Dadurch lösen sie den Dreck, befreien das Haar davon, nehmen ihn aber nicht auf.“ Borsten aus Kunststoff sind zudem sehr hart und schärfer als Schweineborsten oder Rosshaar. Equipment für Pferd und Reiter: Bürsten und Kardätschen online im CAVALLO-Shop kaufen

Kardätschen-Test: Kunststoff-Borsten brechen nicht

Dreckkrusten haben damit zwar keine Chance, die Pferdehaut wird aber sehr strapaziert, da die Borsten bis auf die Haut gehen. Diese Eigenschaft macht Kunstborsten dafür umso tauglicher für Wurzelbürsten, mit denen die Hufe gereinigt, geschrubbt und gewaschen werden. Gegen Kunstborsten an der Kardätsche spricht neben ihrer höheren Bruchanfälligkeit** auch die von Koch monierte geringere Tiefenreinigungswirkung. Reine Borsten und Rosshaar sind innen hohl und außen nie so glatt wie Kunstborsten. Auch deshalb nehmen sie den Dreck besser auf. Selbst Naturfasern binden wegen ihrer natürlichen Struktur mehr Schmutz als Kunstborsten. Zu solchen Naturfasern gehören Pflanzenfaser-Mixe wie beispielsweise Union. Das ist eine Mischung aus Fibre (Agavenfaser) und Bassine (Blattfaser der Sagopalme), die in manchen Wasch-, Hufbürsten oder Wurzelkardätschen ver­arbeitet wird. Von einer Mischung aus Synthetik und reinen Borsten hält Koch nichts. „Solche Bürsten sind zwar preiswerter, aber da Kunstborsten die Reinigungsfahne nicht besitzen, ist der Reinigungseffekt immer geringer als bei einer Kardätsche aus ­reinen Naturfasern.“ Ein wesentlicher Unterschied zu Kunstfasern dürfte Reiter von echten Borsten oder Rosshaar überzeugen: Die Kunstborsten laden sich beim Putzen statisch auf. Diesen Effekt kennt fast jeder Reiter, der beim Putzen einmal eine gewischt bekam. Ursache ist die Reibung, die beim Putzen entsteht und die vorherige elektrische Neutralität von Pferd und Bürste in positive und negative Ladung trennt: Zieht man die Bürste vom Fell, entsteht ein elektrostatisches Feld. Setzt man sie wieder auf, entlädt es sich. Wer es bitzeln hört oder spürt, bekommt in diesem Moment etwa 3000 Volt verpasst. Das liegt an vielen ­Faktoren; die glatte Oberfläche der Kunstborsten trägt dazu ebenso bei wie Schuhsohlen aus Gummi oder Fleece-Pullis. Die Wetterlage spielt eine zusätzliche Rolle. Solche Schläge gibt nicht nur bei reinen Kunstborsten, sondern auch bei Kardätschen mit einer Mischung aus Natur- und Kunstborsten. Equipment für Pferd und Reiter: Bürsten und Kardätschen online im CAVALLO-Shop kaufen

Kardätschen-Test: Verarbeitung des Materials ist entscheidend

Neben dem Borstenmaterial beeinflusst auch dessen Verarbeitung die Reinigungswirkung der Kardätschen. Besonders ­aufnahmefähig für Staub sollen Modelle mit erhöhtem Rand sein. Sie haben zwei Funktionen: Dreck lösen und Staub aufnehmen. Ob man sie mag oder nicht, ist Ansichtssache. Manche Reiter bevorzugen plan aufliegende Kardätschen: Sie stört, dass Bürsten mit erhöhtem Rand die Auflagefläche verringern. Denn die Kardätsche liegt nicht mehr komplett auf dem Pferdefell auf. Zudem muss man stärker drücken, damit alle Borsten gleichmäßig ans Fell kommen. Wie gut Kardätschen Schmutz aufnehmen, bestimmt auch die Dichte der Borstenbündel. Bei einer guten Kardätsche stecken bis zu 600 Bündel im Holz. Bei Hochglanzbürsten verwenden manche Hersteller besonders langes Rosshaar von 65 Millimetern. Mit Hilfe eines Drahts wird ein Borstenbündel gebildet, eine Schlaufe gezogen, darum gebunden und in die vorgestanzten Löcher im Holzrücken gezogen. Je dichter die Naturhaarborsten stehen, desto gröber wirkt die Kardätsche; umgekehrt wird sie bei einer geringeren Borstendichte weicher. Auch die Stellung der Borsten entscheidet, wie sauber oder glänzend das Pferdefell wird. Zeigen sie senkrecht nach unten, reinigt die Kardätsche; zeigen sie alle schräg zu einer Seite, kann die Kardätsche, je nach Streichrichtung, das Fell reinigen oder polieren (Zwei-Wege-Kardätsche). Egal, welchen Schnitt, welche Form und welche Härte Sie bei einer Kardätsche schätzen, nur eins sollte sie immer haben: ­reines Rosshaar oder Schweineborsten. Nur die können Fahne zeigen. Equipment für Pferd und Reiter: Bürsten und Kardätschen online im CAVALLO-Shop kaufen

Kardätschen-Test: Furminator als Enthaarungs-Werkzeug

Sein Name ist gewöhnungsbedürftig, seine Wirkung unverzichtbar: Der Furminator ist ein spezielles Enthaarungs-Werkzeug für dichtes Winterfell. Für CAVALLO testete Isabel Kohls aus Unterhaching/Bayern den Furminator - 65 Euro zu beziehen über www.furminator.com - am dichten Winterfell ihres 20-jährigen Warmblutwallachs Honos. Ihr Urteil: „Der feinzackige Metallkamm entfernte mit nur einem Strich mehr Haare als jeder andere Striegel, den ich kenne. Schon nach wenigen Strichen waren alle losen Haare weg. Danach glitt das Werkzeug leicht durchs Fell, ohne Haare auszureißen. Setzen Sie den Striegel aber nur bei dichtem Winterfell ein. Wo das Sommerfell schon durchkam, war es Honos sichtlich unangenehm. Auch sollte man mit dem Gerät nicht achtlos über Insektenstiche oder kleine Wunden fahren. Schorf oder Krusten reißt es gnadenlos ab. Wer auf diese Dinge achtet, entfernt mit dem Furminator extrem schnell und effektiv den dicken Winterflaum.“ Equipment für Pferd und Reiter: Bürsten und Kardätschen online im CAVALLO-Shop kaufen
Mehr zu dieser Fotostrecke: Kardätschen im CAVALLO-Test