Wie Freiarbeit Pferde sensibler macht

3. Bewegung und Richtung

Foto: Lisa Rädlein

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Mit Ihrer Energie steuern Sie Ihr Pferd: Es wird langsamer, schneller oder ändert seine Richtung. Sie gewinnen Führungsqualitäten und Ihr Pferd Takt und Losgelassenheit.

Um Ihr Pferd auf einen Zirkel um Sie herum zu schicken, brauchen Sie eine leicht treibende Körpersprache, die auf die Körpermitte Ihres Pferds gerichtet ist. Will es die Zirkellinie verlassen, lehnen Sie sich etwas zurück, um es einzuladen, wieder näher zu kommen.

Reicht das nicht, gehen Sie zurück zum Anfang: Lassen Sie die Hinterhand weichen und laden Sie Ihr Pferd ein, zu Ihnen zu kommen. Versuchen Sie dabei, den Abstand zwischen sich und dem Pferd zu vergrößern, ohne dass der Kontakt zu Ihnen verloren geht. Drängt Ihr Pferd in den Zirkel hinein, drücken Sie es mit Ihrer Körpersprache wieder heraus.

Steuern Sie Ihr Pferd mit dem Bauchnabel: Zeigt dieser auf die Mitte des Pferds, ist Ihre Haltung neutral. Zeigt er auf die Hinterhand, drehen Sie es zu sich, und zeigt er auf die Vorhand, schicken Sie es hinaus.

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Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Western Liberty für alle

Einladende Körpersprache: Das Pferd kommt nach innen.

Tempo und Gangart bestimmen

Schicken Sie Ihr Pferd im Schritt auf den Zirkel und bleiben Sie neutral. Ihr Pferd soll selbstständig im gleichen Tempo weiterlaufen. Sie fahren Ihre Energie erst wieder hoch, wenn Ihr Pferd langsamer wird. Das gleiche Prinzip wenden Sie auch im Trab und Galopp an. So lernt Ihr Pferd, sein Tempo beizubehalten, bis Sie ihm ein anderes Signal geben. Ohne weiteren Druck hat es so genug Raum, in dem es seinen Takt finden und entspannt loslassen kann.

Möchten Sie Ihr Pferd verlangsamen,

...erreichen Sie das, indem Sie passiver werden oder eine Begrenzung setzen. Variante 1: Fahren Sie Ihre Energie herunter, bis es reagiert. Zum Anhalten atmen Sie tief aus und richten Ihren Fokus auf die Hinterhand, damit es sich Ihnen zuwendet. Variante 2: Ihr Bauchnabel zeigt in den Raum vors Pferd. So muss es abbremsen. Sollte es sich wegdrehen, machen Sie das Gleiche von der anderen Seite.

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Drückende Körpersprache: Das Pferd weicht.

Handwechsel: Die Richtung ändern

Beispiel für die linke Hand: Sie platzieren sich vorm Pferd. Drehen Sie sich so, dass Sie rückwärts in den Raum vors Pferd gehen, um ihm den Weg abzuschneiden. Ihre Körpermitte zeigt dabei hinters Pferd, Ihre linke Schulter ist ihm zugewandt und auf Höhe der Nase. Dem Raum vor der Nase haben Sie den Rücken zugekehrt. So können Sie ihm den Weg abschneiden und es einladen, nach innen zu wenden. Ihre Schulterachse sollte also quer zur aktuellen Bewegungsrichtung Ihres Pferds liegen. Ihren Stick lassen Sie in der rechten Hand und setzen ihn treibend ein, falls nötig.

Sollte das Pferd die Begrenzung vorne durchbrechen wollen, dürfen Sie den Stick umgreifen und damit vorne bremsen. Ansonsten wechseln Sie den Stick erst, wenn das Pferd die Vorhand zu Ihnen gedreht hat. Lassen Sie Ihr Pferd zunächst noch etwas in den Zirkel hineinkommen und drücken Sie dann seine Vorhand in die neue Richtung wieder weg. Unterstützend setzen Sie den linken Arm mit der Peitsche in der Hand treibend ein, während Sie mit dem rechten Arm die neue Richtung weisen. Klappt der Handwechsel im Schritt, können Sie ihn auch im Trab und dann im Galopp verlangen. Bei einem Richtungswechsel aus höheren Gangarten bewegen Sie sich etwas schneller, um Ihr Pferd zu steuern.

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Ein Richtungswechsel mit Tempo.

Auch hier bleiben Sie der zentrale Punkt

Das Pferd wendet sich Ihnen zu, bevor Sie es in die neue Richtung schicken. Günther: „Deshalb führen wir beim Handwechsel die Vorhand herum. Das Pferd nimmt dabei das Gewicht auf die Hinterhand.“ Für den Fall, dass es auf der Vorhand wendet, zerlegen Sie den Handwechsel im Schritt in Einzelteile: Erst bremsen, dann Vorhand hineinbitten, dann in die neue Richtung schicken. Unterstützend hilft eine Bande als äußere Begrenzung.

Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Western Liberty für alle

Beim Handwechsel wird die Vorhand des Pferds herumgeführt. Das Pferd nimmt dabei sein Gewicht auf die Hinterhand.

14.01.2019
Autor: Nadine Szymanski
© CAVALLO
Ausgabe 12/2018