Doppellonge: 8 Schritte zum richtigen Training

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Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Doppel-Longe für Einsteiger

Schritt 1: Sicher an der Longe in allen Grundgangarten

Im Kreis zu laufen, ist für viele Pferde eine echte Herausforderung. „Deshalb sollten Sie Ihr Pferd sicher am Kappzaum longieren können“, sagt Leonie Bühlmann.

Das Pferd sollte im Trab taktmäßig und ruhig unterwegs sein und sicher im Handgalopp anspringen.

„Gerade ein junges Pferd muss noch nicht rundenlang auf dem Zirkel galoppieren können“, sagt die Ausbilderin. „Aber wenn es sicher anspringt, hat es schon mal eine gute Grundlage an Kraft und Koordination.“

Schritt 1: Sicher an der Longe in allen Grundgangarten

Klappen alle Grundgangarten an der Longe, spricht das außerdem dafür, dass der Mensch sein Pferd auch auf Distanz ausreichend gut unter Kontrolle hat.

Hilfreich für den späteren Handwechsel ist es, wenn das Pferd auch auf der Kreislinie anhalten kann.

„Beim Umschnallen der Longen ist es sehr nützlich, wenn das Pferd sich nicht immer zum Menschen umdreht“, sagt Leonie Bühlmann. „Denn dabei können sich die Leinen verheddern, was natürlich ungünstig und gefährlich ist.“

Schritt 2: Ausrüstung akzeptieren

Klingt banal, ist aber wichtig: Das Pferd muss alle Ausrüstungsteile kennen und entspannt akzeptieren. Konkret sind das Longiergurt und Trense.

Außerdem sollte es vertragen, dass sich an seinem Rücken etwas bewegt. (Foto) „Der Gurt muss stabil sitzen und recht fest geschlossen werden. Dann bleibt er auch sicher in Position, falls mal etwas mehr Zug auf eine Leine kommt“, sagt Leonie Bühlmann.

Junge Pferde sollte man daran langsam über mehrere Tage oder auch Wochen gewöhnen. Zu schnell angezogen, kann der Gurt Stress und sogar Gurtzwang auslösen. Beim Jungpferd lohnt sich diese Gurtgewöhnung sehr: Satteln ist später in der Regel kein Problem mehr.

„Der Gurt darf die Dornfortsätze nicht einengen. Das schmerzt und hindert das Pferd daran, im Rücken komplett loszulassen“, erklärt Leonie Bühlmann.

Im Zweifel schnallen Sie einen schlecht passenden Gurt lieber über einen gut passenden Sattel.

Schritt 2: Ausrüstung akzeptieren

Leonie Bühlmann nutzt die Doppellonge nur mit Trense.

„Damit kann ich präzise und fein einwirken. Junge Pferde lernen die Zügelhilfen kennen, das Reiten wird vom Boden simuliert. Ältere Pferde kann ich so in korrekter Haltung arbeiten.“

Ihr Pferd sollte also das Gebiss willig ins Maul nehmen. Pferde, die hektisch kauen und sich gegen das Auftrensen wehren, brauchen noch etwas Gewöhnung.

Prüfen Sie – gegebenenfalls mit einem Zahnexperten –, ob das Gebiss wirklich passt.

Schritt 3: Klassische Handarbeit

Für die Doppellonge sollte das Pferd Paraden am Zügel kennen. Darauf können Sie Pferde durch Handarbeit vorbereiten – immer von beiden Seiten.

Folgende Tipps gelten für die linke Hand, rechte Hand gelten sie seitenverkehrt.

Ausgangsposition: Sie stehen auf Kopfhöhe neben Ihrem Pferd, Blick und Brust zur Kruppe. Greifen Sie den linken Zügel nah am Gebiss. Den rechten führen Sie an der Schulter zwischen Zeige- und Mittelfinger. Zeigefinger und Daumen halten die Gerte wie einen Dirigierstab.

Schritt 3: Klassische Handarbeit

Zum Start drehen Sie sich vorwärts und geben ein Stimmsignal. Geben Sie dem Pferd etwas Zeit zum Reagieren. Tritt es nicht an, ticken Sie es mit der Gerte an.

Wichtig: „Nie am Zügel voran ziehen, das Gas sitzt hinten“, sagt Leonie Bühlmann.

Schritt 3: Klassische Handarbeit

Zum Stoppen drehen Sie sich um 180 Grad (Blick zur Kruppe) und geben sanfte Paraden am Zügel.

Reagiert das Pferd nicht sofort? „Gehen Sie einige Schritte rückwärts mit und helfen Sie mit einem Stimmsignal“, rät die Trainerin.

Weitere Handarbeits-Tipps finden Sie in CAVALLO 02/2017 oder auf Leonie Bühlmanns DVD „Klassische Arbeit an der Hand“.

Schritt 4: Die Basis-Longen-Verschnallung

Für junge Pferde und Doppellongen-Neulinge hat sich die sogenannte „V-Verschnallung“ bewährt.

Die Longen bilden zwischen Gurt, Gebiss und Reiterhand ein V. Der Vorteil: Die innere Leine gleitet durchs Gebiss und wirkt so feiner ein. Die Verbindung der äußeren Leine ist direkter. Genauso soll später auch die Verbindung beim Reiten sein: innen weich, außen etwas deutlicher.

Die innere Leine läuft von der Hand durch den Gebissring zum Gurt und wird am zweiten Ring von oben eingehakt.

Schritt 4: Die Basis-Longen-Verschnallung

Die äußere Leine läuft von der Hand über den Rücken zum Gurt, durch den zweiten Ring von unten zum Gebiss.

Handwechsel: Bei dieser Verschnallung müssen Sie die Leinen beim Richtungswechsel umschnallen. Richten Sie immer zuerst die neue innere Leine, dann die neue äußere.

Halten Sie dabei möglichst immer eine Hand am Pferdekopf, damit das Pferd sich in diesem Moment nicht versehentlich in den Leinen verheddern oder loslaufen kann.

Schritt 5: Hand-Haltung

Sie führen beide Leinen in einer Hand, und zwar in der, die beim Reiten Ihre innere wäre. Die äußere Leine läuft zwischen Zeige- und Mittelfinger, die innere über Ihrem Zeigefinger.

Halten Sie stets Ordnung in den Leinen. Greifen Sie die Longen so, dass beide aus der korrekten Longierposition auf Höhe der Pferdeschulter/Sattellage ungefähr gleich anstehen.

Legen Sie den Rest der Longen nun in Schlaufen über Ringfinger und kleinen Finger der gleichen Hand.

Die andere Hand kann bei Bedarf Signale an einzelnen Leinen geben und führt die Peitsche, am besten eine ca. 1,60 Meter lange Bogenpeitsche aus dem Fahrsport.

Schritt 5: Hand-Haltung

Wer beim Longieren die Extra-Schlaufen der Longe gewohnheitsmäßig in der anderen Hand führt, kann das weiter tun.

Wichtig ist nur, dass Sie sich wohlfühlen und Leinensalat vermeiden.

Schritt 6: Antreten mit Sicherung und ohne

Für diesen Schritt sollte Ihr Pferd Kappzaum und Trense tragen. Verschnallen Sie die innere Leine korrekt in Gebiss und Gurt, und haken die andere am Kappzaum ein.

So lassen Sie Ihr Pferd einige Runden im Schritt und Trab drehen. Dabei können Sie sehen, ob Ihr Pferd Impulse von der Longe am Gebiss im Schritt und Trab gelassen akzeptiert.

Gibt es Probleme, können Sie auf die Sicherungs-Leine am Kappzaum zurückgreifen. Klappt alles, verschnallen Sie die äußere Leine korrekt, haken die andere zur Sicherung am Kappzaum ein und wiederholen die Prozedur.

Erst danach verschnallen Sie beide Longen korrekt. Jetzt treten Sie etwas hinter Ihr Pferd und schicken es per Körpersprache, Stimmsignal und gegebenenfalls sanftes Touchieren mit der Peitsche hinaus.

„Sobald es angetreten ist, gehen Sie auch los und gehen in korrekter Longier-Position auf Gurthöhe nah am Pferd mit“, sagt Leonie Bühlmann. Das hilft dem Pferd, sicher voranzugehen.

„Wer stehenbleibt oder sich frontal zum Pferd dreht, riskiert, dass es bremst oder nach außen ausweicht. Das kann zu Leinensalat führen“, erklärt Leonie Bühlmann.

Schritt 7: Vorwärts auf dem Zirkel

Hat das Pferd die ersten Schritte geradeaus gemeistert, lassen Sie langsam die Longen etwas durch die Finger gleiten und vergrößern den Abstand zum Pferd etwas. Bleiben Sie aber dicht genug beim Pferd, um bei Irritationen schnell eingreifen zu können.

Lassen Sie den Zirkel nicht zu eng werden. Dafür müssen Sie mit Ihrem Pferd mitgehen. „Das ist für viele Reiter ungewohnt, aber wichtig“, erklärt Leonie Bühlmann.

„Wer starr in der Mitte steht, dem wird die Longe leicht zu lang und er verliert die Verbindung zum Pferd. Das ist gerade zu Beginn der Doppellongen-Arbeit ungünstig, weil an den zwei Leinen schneller Irritationen entstehen können als beim Longieren am Kappzaum.“

Lassen Sie Ihr Pferd nun zunächst einige Runden im Schritt gehen. Geben Sie die Signale wie gewohnt über Stimme, Körpersprache und Peitschensignal. Klappt das sicher, wiederholen Sie das Procedere im Schritt auf der anderen Hand.

Geht Ihr Pferd auf beiden Händen sicher Schritt auf dem Zirkel, können Sie sich an den ersten Trab wagen. Damit der Zirkel nun nicht enger wird, müssen Sie zügiger, aber ruhig und mit möglichst großen Schritten mitgehen und die Longen etwas länger lassen.

Achten Sie darauf, dass Ihr Pferd gerade am Anfang nicht zu schnell wird. „Wichtig ist zunächst vor allem Ruhe und ein gleichmäßiger Takt“, betont Leonie Bühlmann.

Schritt 8: Paraden am Gebiss üben

Bewegt sich Ihr Pferd sicher auf beiden Händen auf der Zirkellinie, beginnen Sie, Paraden am Gebiss zu üben. Bisher hat Ihr Pferd ja auf Stimme oder Gesten verlangsamt oder pariert.

„Nehmen Sie vor dem Stimmsignal vorsichtig leicht bremsenden Kontakt an den Longen auf“, sagt Leonie Bühlmann. „Sie lassen Ihr Pferd quasi ganz leicht in die Longe laufen. Den weichen Kontakt sanft halten, etwas abwarten und – falls das Pferd nicht reagiert – das gewohnte Kommando zum Parieren folgen lassen.

„Die meisten Pferde verstehen auf diese Weise sehr schnell, dass beidseitiger feiner Druck am Zügel bedeutet, dass sie bremsen sollen“, erklärt Leonie Bühlmann.
Mehr zu dieser Fotostrecke: Training mit der Doppellonge - die Basics