Neue GHP

7 Übungen für mehr Gelassenheit

Sie können die Fotostrecke mit den Richtungspfeilen der Tastatur bedienen
←   →
Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Neue Ideen für mehr Gelassenheit

Individuell trainieren - Geschwenkte Fahne oder Fahne mitnehmen

Die Aufgabe: Die Fahne ist neu im Aufgabenpool der GHP (Gelassenheitsprüfung). Das Pferd muss dabei in einer 2 x 2 Meter breiten, vorne geschlossenen Gasse ruhig stehen, während ein Helfer seitlich versetzt vor dem Pferd eine Fahne viermal hin und her schwenkt. „Die Fahne hat viel Alltagsbezug. Wehende Fahnen hängen überall: ob Wäschestücke auf der Leine oder eine Plastiktüte, die sich in einem Ast verfangen hat“, erklärt Yvonne Gutsche.

Im Pool der GHP gibt es außerdem die neue Aufgabe „Fahne mitnehmen“. Hier nimmt der Pferdeführer oder Reiter die Fahne aus einer Tonne und transportiert sie zu einer etwa fünf Meter entfernten zweiten Tonne.

So geht's: Damit Sie mit Ihrem Pferd irgendwann sogar eine Fahne transportieren können, müssen Sie es zunächst sorgfältig an die Fahne gewöhnen. Das ist auch für die Aufgabe „geschwenkte Fahne“ wichtig.

Individuell trainieren - Geschwenkte Fahne oder Fahne mitnehmen

Zeigen Sie Ihrem Pferd zunächst die zusammengerollte Fahne. Ist es ein neugieriger Typ, wird es vielleicht daran schnuppern. Wird Ihr Pferd unruhig, ohne jedoch allzu heftig zu reagieren, können Sie den alarmierenden Reiz so lange aufrechterhalten, bis Ihr Pferd ruhiger wird. So lernt es, dass Herumzappeln nichts bringt, sondern der Reiz genau dann aufhört, wenn es ruhig wird. Stimmen Sie die Intensität dabei individuell auf das Pferd ab und entfalten Sie die Fahne nur langsam etwas mehr.

Individuell trainieren - Geschwenkte Fahne oder Fahne mitnehmen

Reagiert Ihr Pferd dagegen gleich heftig und regt sich sehr auf, hilft das Prinzip „Annäherung und Rückzug“. Nähern Sie sich dazu mit der Fahne langsam an und ziehen Sie sich wieder zurück, bevor das Pferd wegspringt. Achten Sie bei der ersten Annäherung sorgfältig darauf, wann Ihr Pferd reagiert – und loten Sie aus, wie weit Sie sich nähern können. Nehmen Sie die Fahne danach so weit weg, dass Ihr Pferd sich wieder etwas entspannen kann. So können Sie schrittweise immer länger mit der Fahne in der Nähe des Pferds bleiben.

Individuell trainieren - Geschwenkte Fahne oder Fahne mitnehmen

Bleibt Ihr Pferd von Anfang an cool oder haben Sie lange genug geübt, können Sie das Pferd mit der Fahne an der Schulter berühren. Hier kann es neue Reize auf der Haut am besten aushalten. Nach und nach können Sie es dann auch an anderen Körperstellen berühren. Achten Sie darauf, nicht mit der Fahne über den Rücken zu kommen: Sonst könnte das Pferd in Ihre Richtung springen. Erst wenn Sie das Pferd mit der Fahne berühren können, gewöhnen Sie es an das flatternde Geräusch. Wedeln Sie dazu anfangs aus der Entfernung mit der Fahne. Bleibt das Pferd gelassen, können Sie sich annähern, solange das Pferd ruhig bleibt.

Individuell trainieren - Die Plane

Die Aufgabe: Bei dieser bewährten GHP-Aufgabe überqueren Sie mit Ihrem Pferd eine Plane in Längsrichtung. Die Aufgabe kann neu durch mehrere gefaltet hintereinandergelegte helle und dunkle Gewebeplanen anspruchsvoller gestaltet werden. „Helle und dunkle Flecken nebeneinander am Boden tauchen im Alltag oft auf, etwa wenn die Sonne auf den Hallenboden scheint oder auf einem Turnier Scheinwerfer genutzt werden“, erklärt Yvonne Gutsche. Die Plane oder die hintereinandergelegten Planen sollten in der GHP-Prüfung insgesamt eine Größe von etwa 3,5 x 3,5 bis 4 Metern haben und werden seitlich zum Beispiel mit Hindernisplanken beschwert. Legen Sie die Planen so, dass ein Hängenbleiben vermieden wird (etwa Ränder mit Sand beschweren, glatte Übergänge).

Individuell trainieren - Die Plane

So geht's: Ihr Pferd muss nicht gleich über die Plane gehen. Lassen Sie es zunächst schnuppern. Ist Ihr Pferd ein unsicherer Typ, betreten Sie gemeinsam mit ihm die Plane und geben ihm so Orientierung. Achten Sie darauf, dabei mit genügend Abstand seitlich vom Pferd zu gehen, falls es sich über den Untergrund erschrickt und nach vorne springt. Jungen und ängstlichen Pferden kann auch das Training mit einem erfahrenen Pferd helfen. Lassen Sie Ihr Pferd zunächst zuschauen, wie ein gelassenes Pferd über die Plane geht. Danach lassen Sie das andere Pferd auf der Plane stehen, Ihr Pferd darf schnuppern und die Plane ebenfalls betreten. Schließlich geht das erfahrene Pferd voraus über die Plane.

Geht Ihr Pferd gleich recht mutig an die Plane heran, können Sie es aus einer Longierposition über die Plane schicken.

Individuell trainieren - Die Plane

Diese Variante eignet sich besonders für Pferde, die auch mal rücksichtslos reagieren. Kennt das Pferd die Plane, gehen Sie schließlich in normaler Führposition mit ihm darüber, im letzten Schritt reiten Sie.

Konsequent Gehorsam fordern - Hufe auskratzen

Die Aufgabe: Bei dieser neuen GHP-Aufgabe kratzen Sie nach dem Vorführen an der Hand den linken Vorderhuf aus. Dabei behalten Sie den Führstrick in der Hand oder greifen mit Ihrem linken Arm durch die über dem Hals liegenden Zügel. Das Pferd soll dabei ruhig stehen und gehorsam den Huf geben. So geht's: Für diese Aufgabe sollten Sie zunächst das Stillstehen trainieren. „Lassen Sie Ihrem Pferd nach dem Kommando zum Halten keine Zappeleien durchgehen“, erklärt Yvonne Gutsche. Jeder Schritt nach vorne ist unerwünscht. Schicken Sie Ihr Pferd mit einem Fingerzeig oder leichtem Druck auf die Brust konsequent wieder zurück in die Ausgangsposition. Sobald das Pferd stehen bleibt, lassen Sie es in Ruhe entspannen. Haben Sie das Stillstehen gut geübt, können Sie auch problemlos einen Huf aufnehmen und auskratzen.

Sicherheit vermitteln - Der Hof-Einritt

Die Aufgabe: Der „Hof-Einritt“ besteht aus zwei miteinander kombinierten GHP-Aufgaben. Der Reiter passiert eine zwei Meter breite Gasse, die auf jeder Seite durch zwei hintereinander aufgebaute Hindernisse markiert ist. Eines der GHP-Elemente sollte sich auf der linken, das andere auf der rechten Seite der Gasse befinden (etwa „geschwenkte Fahne“ rechts vom Pferd und „Bälle aus der Hecke“ bereits zuvor von links angerollt, siehe Foto). „Eine Kombination mehrerer Reize kommt beim Ausritt häufig vor“, erklärt Yvonne Gutsche. „Diese Aufgabe simuliert eine Hofeinfahrt mit verschiedenen Schreckgespenstern.“

Sicherheit vermitteln - Der Hof-Einritt

So geht's: „Wenn ich auf eine ungewohnte Situation zureite, gebe ich meinem Pferd Sicherheit, indem ich es mit den Schenkeln einrahme“, erklärt Yvonne Gutsche.

Sicherheit vermitteln - Der Hof-Einritt

„Gerade bei Pferden, die auch mal hysterisch werden, sitze ich aktiv, gehe mit dem Becken mit der Bewegung mit und reite energisch auf das Hindernis zu.“

Stellen Sie Ihr Pferd an den Zügel und fassen Sie diese kürzer. Soll das Pferd den Hals trotzdem länger tragen können, strecken Sie Ihre Arme leicht.

Sicherheit vermitteln - Der Hof-Einritt

„So kann ich, wenn nötig, schnell reagieren, gebe dem Pferd aber auch genug Freiheit im Kopf-Hals-Bereich, damit es sich entspannen kann“, erklärt Yvonne Gutsche. Müssen Sie es parieren, winkeln Sie die Arme an.

Sicherheit vermitteln - Die Rätsche

Die Aufgabe: In der GHP wird das Pferd für diese Aufgabe in eine 2 x 2 Meter breite, zum Beispiel mit Sägespänen markierte vorne geschlossene Gasse gestellt. Es soll am leicht, aber sichtbar durchhängenden Zügel oder Führstrick ruhig dastehen. Ein Helfer geht außerhalb der Markierung im Abstand von zwei Metern mit der Rätsche einmal um das Pferd herum (Start linksseitig schräg vor dem Pferd) und lässt sie dabei ohne Unterbrechung schnarren.

So geht's: „Das Geräusch der Rätsche finden viele Pferde richtig unheimlich“, weiß Yvonne Gutsche. Starten Sie deshalb langsam und lassen zunächst einen Helfer die Rätsche ein paar Meter vom Pferd entfernt drehen. Lassen Sie diese dauerhaft schnarren, erleichtert das die Übung. Ertönt das Geräusch unregelmäßig, erhöhen Sie damit den Schwierigkeitsgrad.

Stehen Sie selbst stabil und entspannt auf beiden Beinen und atmen Sie ruhig. Beginnt Ihr Pferd umherzulaufen, lassen Sie den Helfer so lange rätschen, bis das Pferd sich beruhigt. „Das ist gar nicht schlimm: Durch die Bewegung kann das Pferd Spannung abbauen“, erklärt Yvonne Gutsche. Solange es zappelt, bleiben Sie souverän und ruhig stehen. Beruhigen Sie Ihr Pferd nicht durch streicheln oder Ähnliches – dadurch könnte es sich in seiner Angst bestätigt fühlen.

Motivieren Sie Ihr Pferd stattdessen lieber durch ausgiebiges Lob, wenn es sich etwas entspannt und ruhig steht. „Sie möchten Ihrem Pferd klarmachen, dass das alles nicht der Rede wert ist und es diese Herausforderung schaffen wird“, schildert Yvonne Gutsche.

Bleibt das Pferd schließlich beim Geräusch aus der Distanz ruhig, können der Helfer oder Sie selbst in der Nähe der Pferdeschulter rätschen.

Sicherheit vermitteln - Die Rätsche

Ein Trick für mehr Selbstvertrauen und weniger Angst vor der Rätsche: Lassen Sie das Pferd auf sich zukommen, während Sie rätschen, und weichen Sie mit der Rätsche zurück.

Sicherheit vermitteln - Die Rätsche

„So lernt das Pferd, dass das gruselige Ding vor ihm ausweicht und gar nicht so gefährlich sein kann“, erklärt Yvonne Gutsche. Später erst geht ein Helfer um das Pferd.

Rittigkeit verbessern - Fahrradfahrer von hinten

Die Aufgabe: Bei dieser neuen GHP-Aufgabe überholt ein Fahrradfahrer das Pferd. „Reize, die von hinten kommen, lösen oft einen Fluchtreflex aus. Umso wichtiger ist es, dass Pferde sie kennen“, erklärt Yvonne Gutsche. Wer mit seinem Pferd ins Gelände reiten will, wird der Situation aus dieser GHP-Aufgabe häufiger begegnen. Für die Aufgabe bauen Sie eine etwa vier Meter lange und zwei Meter breite Gasse auf. Gleich nachdem das Pferd die Gasse betreten hat, fährt der links am Gassenanfang bereitstehende Fahrradfahrer los.

Er überholt das Pferd in zügigem Tempo links außerhalb der Markierung und klingelt dreimal kräftig, kurz bevor er am Pferd vorbeifährt.

Rittigkeit verbessern - Fahrradfahrer von hinten

So geht's: Mit einem unerfahrenen Pferd sollten Sie zunächst üben, den Fahrradfahrer von vorne kommend vorbeifahren zu lassen. „Im Training drehe ich gerade unsichere Pferde anfangs gerne um, wenn sich von hinten ein Fahrzeug nähert“, erklärt Yvonne Gutsche.

Üben Sie, Ihr Pferd jederzeit an den Zügel stellen zu können und seine Aufmerksamkeit zu fordern. „Gerade Fahrradfahrer nähern sich zunächst leise und erscheinen erst im Blickfeld des Pferds, wenn sie bereits nah bei ihm sind“, erklärt Yvonne Gutsche. Um diesen Überraschungsmoment und damit einen möglichen Schreck zu vermeiden, reiten Sie Ihr Pferd in leichter Stellung oder lassen es in Richtung Fahrradfahrer blicken. Auch ein Schultervor oder Schulterherein können Sie nutzen, um Reize von hinten ins Sichtfeld zu holen und gleichzeitig die Konzentration des Pferds auf Sie zu optimieren. Üben Sie diese Lektionen gezielt, um sie auch für mögliche Schrecksituationen parat zu haben.

Konnte Ihr Pferd den Fahrradfahrer einige Male aus dem Augenwinkel sehen und blieb dabei gelassen, können Sie es schließlich geradegerichtet weitergehen lassen, wenn der Fahrradfahrer an Ihnen vorbeifährt.

Rittigkeit verbessern - Windplane

Die Aufgabe: „Flatternde Planen begegnen Reitern überall, ob auf dem Ausritt oder als Banner beim Turnier“, weiß Yvonne Gutsche. Für die Aufgabe bauen Sie ein Hindernis auf und befestigen eine Plane an der Stange. Wenn das Pferd die neben dem Hindernis zum Beispiel mit Sägespänen markierte zwei Meter breite Gasse betritt, beginnt ein Helfer, die Plane drei- bis viermal zu schütteln, als ob Wind in die Plane fahren würde. Das Pferd darf die Gasse neben dem Hindernisständer nicht verlassen und soll ruhig weiterschreiten.

Rittigkeit verbessern - Windplane

So geht's: Wenn Ihr Pferd gut an den Hilfen steht, ist es für Sie viel einfacher, es auch bei plötzlichen Reizen besser bei sich zu behalten und zu verhindern, dass Ihr Pferd wegspringt oder zur Flucht ansetzt.

Dazu können Sie beispielsweise rückwärtsrichten oder anhalten, das Pferd übertreten lassen oder Schenkelweichen reiten. Kennt Ihr Pferd diese Übungen gut, können Sie diese auch nutzen, wenn es sich einer vermeintlichen Gefahr – wie etwa einer flatternden Plane – nur zögerlich nähert. „Mit vertrauten Aufgaben können Sie das Pferd von der vermeintlichen Gefahr ablenken und ihm Sicherheit vermitteln“, so Yvonne Gutsche. Bevor Sie an der Windplane vorbeireiten, sollten Sie Ihr Pferd zunächst daran vorbeiführen – die Aufgabe ist auch in der geführten GHP möglich. Lassen Sie den Helfer das Rascheln außerdem schrittweise steigern und ihn zu Beginn schon rascheln, während das Pferd auf die Gasse zukommt.

Gelassenheitstraining kann auch die Rittigkeit verbessern und motivieren: „Meine anfangs schwierige Stute Bailey führte ich an die Dressurarbeit heran, indem ich zwischen Gelassenheitsaufgaben mehr Rittigkeit verlangte“, erzählt Yvonne Gutsche. „So machte es ihr Spaß.“
Mehr zu dieser Fotostrecke: Neue GHP: Übungen für die Gelassenheitsprüfung