Problemen mit dem Pferd auf den Grund gehen

Schritt 2: Die Körpersprache deuten

Foto: Lisa Rädlein

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So lernen Sie, Ihr Pferd zu lesen, um zu wissen, wie sie es am besten beim Lösen von Problemen unterstützen können.

„Um Probleme zu lösen, müssen wir lernen, Pferde zu lesen“, sagt Ausbilder Berni Zambail. Ein gutes Auge für die Signale des Pferds hilft Ihnen, konkrete Situationen besser einzuschätzen und richtig zu reagieren.

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Schmerzen ausschließen

Prüfen Sie immer, ob Ihr Pferd Schmerzen hat. Lassen Sie Ihr Pferd also bei immer wieder auftretenden Problemen auch tierärztlich untersuchen. Ein Schmerzgesicht erkennen Sie an steif rückwärts gerichteten Ohren, Muskelanspannung oberhalb der Augen oder auch graduell geschlossenen Augen. Die Kaumuskulatur ist häufig angespannt und tritt hervor, Nüstern und Maul sind angespannt, das Kinn tritt deutlich hervor.

Körperliche Grenzen

Überlegen Sie immer genau, ob Ihr Pferd eine Übung überhaupt aus körperlicher Sicht ausführen kann. Haben Sie gut erklärt, hat Ihr Pferd keine Angst und testet auch nicht Ihre Führungsqualitäten und eine Übung klappt dennoch nicht, fehlt im meist etwa Kraft oder Balance. Hilfreich kann es sein, Übungen in kleine Schritte zu zerlegen.

Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Die Körpersprache deuten

Kapieren

„Wer ein Pferd gut kennt, kann meistens erkennen, wann ihm tausend Fragezeichen im Gesicht stehen“, sagt Westerntrainerin Yvonne Gutsche. Ein irritiertes Pferd bewegt seine Ohren häufig nervös zu allen Seiten und lässt sie dann in unterschiedlichen Richtungen stehen. Der Blick ist unruhig, die Nüstern blähen sich abwechselnd auf und ziehen sich wieder zusammen. Die Lippen sind häufig aufeinandergepresst.

Achtung: Einige Pferdetypen können auch aggressiv reagieren, wenn sie etwas nicht verstehen, etwa der Leber-Typ. Die gemütliche Milz neigt eher zu scheinbar sturem Verhalten, wenn sie nicht genau weiß, was sie tun soll.

Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Die Körpersprache deuten

Können

„Hört Ihr Pferd kurzzeitig auf zu atmen oder atmet flacher, ist das ein Zeichen für Angst“, erklärt Berni Zambail. Er rät, auf den Bauch zu achten: Geht die Atmung viel flacher, aber schneller als sonst, ist das ein Zeichen für Angst. Die Oberlinie ist meist angespannt, der Unterhals herausgedrückt.

„Bewegt sich das Pferd zögerlich und hält das Bein am höchsten Punkt scheinbar in der Bewegung an, ist es ängstlich“, so Zambail. Zudem steigt die Herzfrequenz, der Herzschlag ist eventuell spürbar. Die Gesichtsmuskulatur ist angespannt, die Ohren seitlich nach unten oder leicht nach hinten gerichtet. Die Nüstern sind gebläht, die Unterlippe schiebt sich zurück.

Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Die Körpersprache deuten

Wollen

Ihr Pferd zeigt in einer problematischen Situation Anzeichen von Aggression Ihnen gegenüber. Zeichen dafür sind etwa ein höherer Muskeltonus, nach hinten gerichtete Ohren, ein etwas verkniffenes Maul und nach hinten oben gezogene Nüstern. Die Oberlippe weicht zurück, die Unterlippe schiebt sich vor.

Achtung: Schließen Sie aus, dass Schmerzen hinter dem aggressiven Verhalten stecken, etwa bei Sattelzwang. Deutet das Pferd an, Sie zu treten, rempelt Sie an oder dringt in Ihre Privatzone ein, verhält es sich in diesem Moment ebenfalls dominant. Auch wenn das Pferd Sie völlig ignoriert, ist das oft ein Hinweis, dass es Sie testet.

07.02.2019
Autor: Natalie Steinmann
© CAVALLO
Ausgabe 1/2019