12 Übungen aus unterschiedlichen Reitweisen

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Foto: Rädlein 8 Ziele für mehr Rittigkeit: Das optimale Reittraining

Reaktion auf Hilfen: Anhalten in alle vier Pferdebeine

Diese Übung kommt aus der Klassischen Dressur.

Effekt: Gezielte Paraden in einzelne Beine des Pferds zeigen, in welchem Bein es Muskelblockaden und dadurch Mängel bei der Durchlässigkeit für Reiterhilfen gibt. Wiederholtes Üben der Paraden erhöht die Geschmeidigkeit des Pferds.

So geht's: Gehen Sie im Schritt auf dem Zirkel und reiten Sie an jedem Zirkelpunkt eine ganze Parade in ein bestimmtes Pferdebein: Zuerst parieren Sie ins äußere Vorderbein, am nächsten Zirkelpunkt ins äußere Hinterbein, anschließend ins innere Vorderbein und zuletzt ins innere Hinterbein. Zum Anhalten üben Sie leichten Druck gegen den Steigbügel aus und geben eine halbe Parade am Zügel – und zwar auf der Seite, auf der sich das Bein befindet, in das Sie stoppen möchten. Geben Sie diese Hilfe in dem Moment, wo das Bein aufgefußt hat. Beispiel: Für eine Parade ins äußere Vorderbein üben Sie leichten Druck gegen den äußeren Steigbügel aus und geben eine halbe Parade am äußeren Zügel, wenn das äußere Vorderbein aufgefußt hat.

Schicken Sie dabei Ihr Körpergewicht durch das Bein in den Boden und stellen Sie so eine Verbindung zwischen Reitergewicht und dem Boden her. „Diese Verbindung kann nur zustande kommen, wenn das Pferd sich den Hilfen öffnet und Ihnen erlaubt, durch diesen Körperteil hindurchzufließen“, sagt Dr. Thomas Ritter. Drückt das Pferd den Rücken weg und sperrt sich mit seinem Körper gegen die halben Paraden, kann das ein Zeichen für Muskelblockaden in oder um das jeweilige Pferdebein herum sein.

Variante: Diese Übung eignet sich für Paraden vom Schritt zum Halten und vom Trab zum Halten. Sie können die Paraden auf geraden und gebogenen Linien üben.

Reaktion auf Hilfen: Gangarten verlängern

Diese Übung kommt aus dem Westernreiten.

Effekt: Bei der Rinderarbeit ist ein schneller Antritt des Pferds wichtig. Dafür trainieren Westernreiter aus dem Sitz heraus, die Schritte, Tritte und Sprünge innerhalb einer Gangart zu verlängern und zu verkürzen.

So geht’s: Üben Sie, möglichst mit Gewichtshilfen und nicht über den Zügel, die Schritte, Tritte und Sprünge innerhalb der Gangart zu verlängern und zu verkürzen. Nehmen Sie die Bahnpunkte als Orientierung. Treiben Sie das Pferd an der langen Seite von Zirkelpunkt zu Zirkelpunkt vermehrt vorwärts, um die Hinterhand zu aktivieren. Entlasten Sie dabei den Pferderücken: Stellen Sie sich leicht in die Bügel und lehnen den Oberkörper vor. „Das kommt aus dem Ranchreiten, ist aber ähnlich wie der leichte Sitz – nur mit längeren Steigbügeln“, sagt Caroline Leckebusch. Dann reiten Sie wieder im Grundtempo. An der kurzen Seite verkürzen Sie die Gangart. Versuchen Sie, dabei möglichst wenig die Zügel einzusetzen. Setzen Sie sich tief in den Sattel und atmen aus. Geben Sie die Hand leicht vor.

Reaktion auf Hilfen: Küssende Reiterhände

Diese Übung kommt aus dem leichten Reiten.

Effekt: Ermöglicht sanfte Zügelhilfen. Je feiner der Reiter einwirkt, desto feiner kann das Pferd reagieren. „Das Öffnen der Hand ist nur eine leichte Veränderung, die sich aber positiv auf die Beweglichkeit aller Gelenke des Körpers und die Koordination auswirkt“, erklärt Linda Tellington-Jones.

So geht’s: Reiten Sie mit leicht geöffneten Händen und nicht wie klassisch mit geschlossener Zügelfaust, bei der die Fingernägel die Handinnenflächen berühren. Die Trainerin aus den USA malt dafür Reitern zwei Kussmünder auf die Finger: einen innen auf den Daumen, den anderen auf das mittlere Glied des Zeigefingers. Legen Sie den Daumen so auf dem Mittelfinger ab, dass die Münder aufeinandertreffen. „Der Druck des Daumens ist dabei so sanft, als würde er den Zeigefinger küssen“, sagt sie. Wenn Sie das machen, ist Ihre Hand automatisch leicht geöffnet.

Von CAVALLO ausprobiert

Vier Reiter der Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland e. V. (VFD) bauten die Lektionen ins Training ein und berichten von den Effekten.

Aha-Effekte unserer Testreiterin

„Beim Trainieren habe ich gemerkt, dass die Kombination der Übungen genial ist für die lösende Arbeit. Meine 17-jährige Stute lässt schneller los und wölbt den Rücken besser auf. Ich merke an mir selbst, dass ich durch den entlastenden Sitz und die geöffneten Hände lockerer und gelöster bin – was sich aufs Pferd überträgt.

Luna und ich starten noch motivierter ins Training. Gerade bei Pferden, die sich schnell anspannen und festmachen wie mein Iberer, sind die Übungen super effektiv. Ich spüre, dass ich besser mit meinen Hilfen durchkomme und nach dem lockeren Start tatsächlich feiner reite.

Wenn Luna in der Arbeitsphase nicht durchlässig ist, kann ich sie durch diese Übungen wieder lockern.“ Petra Tinedo Moreno leitet die VFD-Kids und ritt die Übungen mit Andalusierstute Luns.

Wendigkeit verbessern: Die Spirale

Diese Übung kommt aus dem Barockreiten.

Effekt: Das Pferd nimmt Last auf dem inneren Hinterbein auf, wird leicht in der Vorhand und lässt sich dadurch auf kleinstem Kreis wenden.

Voraussetzungen: Sicheres Angaloppieren, Schulterherein und Travers auf geraden und gebogenen Linien.

So geht’s: Galoppieren Sie Ihr Pferd im Travers auf dem Zirkel. Die Vorhand bleibt auf der Zirkellinie, die Kruppe zeigt etwa auf dem zweiten Hufschlag ins Bahninnere. Das Pferd ist in Bewegungsrichtung gestellt und gebogen. Jetzt verkleinern Sie den Zirkel bei jeder Zirkelrunde etwa um eine Pferdelänge (siehe Grafik). Am Ende ist der Kreis so klein, dass Ihr Pferd um den inneren Hinterhuf wendet und eine Pirouette dreht. „Eine Pirouette ist nichts anderes als eine Traversale auf engstem Raum“, sagt Wolfgang Krischke. Danach wechseln Sie zum Schulterherein und vergrößern den Zirkel wieder jeweils um eine Pferdelänge. Wiederholen Sie die Übung auf der anderen Hand.

Leichte Variante: Reiten Sie die Traversale und das Verkleinern des Zirkels im Schritt, bis das Pferd die Übung gut beherrscht. Dann üben Sie im Galopp. Trab eignet sich nicht für die Lektion, da dieser zu einer hohen Geschwindigkeit verleiten kann, was nicht gut für die Balance des Pferds ist.

Wendigkeit verbessern: Jo-Jo-Spiel

Diese Übung kommt aus dem Horsemanship.

Effekt: Das Pferd verlagert dabei sein Gewicht auf gerader Linie vor und zurück, was einen ähnlichen Effekt hat wie Übergänge beim Reiten. Das Jo-Jo erzeugt Flexibilität in der Längsachse vom Genick bis zum Schweifansatz.

Ausrüstung/Material: Halfter und ein (4 m) langer Strick

So geht’s: Beim Jo-Jo-Spiel schickt der Reiter das Pferd vom Boden aus auf gerader Linie zurück und holt es wieder zu sich.

Zurückschicken: Stellen Sie sich mit rund einem Meter Abstand vors Pferd. Halten Sie den Strick in der rechten Hand und strecken Sie den Arm aus, als würden Sie dem Pferd auf die Stirn zeigen. Bringen Sie Energie in den Körper und schauen das Pferd direkt an. Tippen Sie mit dem Zeigefinger auf den Strick. Das ist die Hilfe zum Rückwärtsgehen. Sie können die Intensität steigern, indem Sie mit dem Handgelenk oder noch intensiver mit dem Unterarm wackeln und 15 bis 30 Zentimeter lange Wellen mit dem Strick erzeugen (Bild unten). Machen Sie eine Pause und entspannen den Körper, sobald das Pferd reagiert.

Zu sich holen: Streichen Sie mit geöffneten Händen rhythmisch am Seil entlang, als würden Sie so das Pferd zu sich ziehen wollen. Achten Sie auf eine entspannte Körperhaltung. Reagiert das Pferd nicht, schließen Sie die Hände mehr und nehmen über die Streichbewegung Kontakt zum Pferdekopf auf. „Halten Sie den Druck, bis das Pferd die Lösung sucht und auf Sie zukommt“, sagt Berni Zambail.

Aufbauende Übung im Sattel: „Million Transitions“ (Millionen Übergänge). Je nach Ausbildungsstand reiten Sie Übergänge wie Schritt-Trab, Galopp-Schritt, Trab-Halt. Kombinieren Sie die Übergänge mit Richtungswechseln. Beispiel: Wenn Sie Schlangenlinien mit drei Bögen reiten, bauen Sie bei jedem Umstellen des Pferds einen Übergang ein. Werden Sie kreativ und reiten für drei bis vier Minuten so viele Übergänge wie möglich. Wiederholen Sie das zwei- bis dreimal pro Trainingseinheit.

Wendigkeit verbessern: Viereck mit Stangengasse

Diese Übung kommt aus dem Westernreiten.

Effekt: Verbessert das Zusammenspiel der inneren und äußeren Hilfen und die Schulterkontrolle. Fördert ein zügelunabhängiges Durchreiten von Ecken.

Material: Vier Pylonen, acht Stangen oder Dachlatten.

Aufbau: Siehe Bild

So geht’s: Reiten Sie im Viereck. Starten Sie im Schritt an einer Pylone. Reiten Sie außen daran vorbei und in die Stangengasse hinein. An der Pylone ist das Pferd gebogen. Danach stellen Sie es gerade und reiten durch die Stangengasse. Die Stangen helfen, dass das Pferd nicht mit der Hinterhand ausbricht. Sie können die Anforderungen steigern, indem Sie im Trab und Galopp üben.

Variante mit Wechsel der Stellung: Reiten Sie in Außenstellung außen an den Pylonen vorbei und dann gerade durch die Stangengasse. Wechseln Sie zwischen Außen- und Innenstellung von Pylone zu Pylone. In den Gassen ist das Pferd gerade.

Von CAVALLO ausprobiert

„Meine Berittstute wurde durch die Spirale leichter in der Schulter und ich konnte die Wendungen mit immer feineren Hilfen einleiten. Je öfter ich die Übung geritten bin, desto flüssiger klappte sie.

Das Viereck mit Stangengasse nutze ich ganz oft – auch im Unterricht mit meinen Reitschülern. Die optischen Begrenzungen helfen super beim Geraderichten. Teils korrigiert sich das Pferd auch selbst, wenn es die Stangen berührt. Das Stangenviereck verrät zudem die Händigkeit des Pferds.

Man findet schnell heraus, auf welcher Seite das Pferd über die Schulter nach außen rausdrängelt, das ist die hohle Seite. Bei der Zwangsseite, der schwachen Seite des Pferds, verbesserte die Übung die Biegung sehr gut. Die Million Transitions, also die vielen Übergänge, nutze ich vor allem bei faulen Pferden, um die Aufmerksamkeit zu erhöhen. Sie werden deutlich reaktionsschneller.“

Annika Schon leitet eine Reitschule und übte die Lektionen mit Trakehner Golden Dancer.

Geschmeidiger Sitz: In die Pedale treten

Diese Übung kommt aus dem Horsemanship.

Effekt: Lockert die Reiterhüfte und erhöht deren seitliche Geschmeidigkeit. Der Reiter kann mit seinen Bewegungen dem Rückenmuskel des Pferds besser folgen und trainiert sein Gefühl fürs Timing der Hilfen.

Ausrüstung/Material: Longe und ein Helfer, der Sie führt oder longiert.

So geht’s: Lassen Sie sich anfangs von einem Helfer im Schritt führen oder an die Longe nehmen, damit Sie sich ganz auf Ihren Sitz konzentrieren können. Schließen Sie die Augen und nehmen Sie wahr, wie sich der Pferderumpf unter Ihnen bewegt. Spüren Sie, wann der Rippenbogen des Pferds nach links und rechts schwingt?

Tipp: Die Person am Boden kann Ihnen helfen zu überprüfen, ob Sie richtig liegen. Wenn das rechte Hinterbein nach vorne schwingt, bewegt sich der Rippenbogen des Pferds nach links. Wenn Sie das fühlen, machen Sie mit Ihren Füßen eine leichte Pedalbewegung im Bügel: Bewegt sich der Rippenbogen nach rechts, lassen Sie den rechten Absatz einige Zentimeter hochkommen (siehe Bild) und drücken den linken einige Zentimeter tiefer nach unten.

Mit dem Schwung des Rippenbogens nach links wechseln Sie: Ihr linker Absatz kommt etwas hoch und der rechte runter. Finden Sie den Rhythmus und bleiben Sie für einige Minuten in der Pedalbewegung. Sie können die Übung immer wieder bei Trainingseinheiten einbauen – etwa beim Aufwärmen. „Irgendwann automatisiert sich die Bewegung und die Hüfte wird immer lockerer“, sagt Berni Zambail.

Geschmeidiger Sitz: Laut zählen beim Ausatmen

Diese Übung kommt aus dem leichten Reiten.

Effekt: Beruhigt, vertieft die Atmung und hilft dem Reiter, sich zu entspannen. Die Losgelassenheit des Reiters ist Voraussetzung, um locker mit der Bewegung des Pferds mitgehen zu können.

So geht’s: Zählen Sie beim Leichttraben Ihre Atemzüge im Takt des Trabs. Wenn das innere Vorderbein nach vorne geht, starten Sie mit dem Zählen: Atmen Sie für vier Trabtritte durch die Nase ein. Dann atmen Sie vier Tritte kräftig durch den Mund aus. Beim Ausatmen zählen Sie laut im Rhythmus mit: 1-2-3-4. „Sprechen Sie so laut, dass eine zehn Meter entfernt stehende Person Sie hören könnte“, sagt Linda Tellington-Jones.

Üben Sie das rhythmische Atmen bewusst für ein paar Runden. Beim Ausatmen lassen Sie gezielt Spannung aus dem Körper.

Geschmeidiger Sitz: Volte im Spiegel-Sitz

Diese Übung kommt aus dem Barock-Reiten.

Effekt: Der Reiter passt sich dem Bewegungsablauf des Pferds an und unterstützt es so in seinem Gleichgewicht.

So geht’s: Spiegeln Sie die Bewegungen des Pferds. Das Ziel: Schulterdrehung und Blickrichtung von Pferd und Reiter sind exakt parallel. Wenn der Reiter über den Drehsitz die Richtung ändert, ist das für das Pferd die Einladung, dieser Bewegung zu folgen. Um eine Wendung einzuleiten, tun Sie also genau das, was das Pferd im nächsten Moment auch tun soll. Sie sind ihm minimal voraus.

Üben Sie das mit einer Volte. Eine Rechtsvolte etwa leiten Sie ein, indem Sie Ihre rechte Schulter so weit zurücknehmen, wie die Pferdeschulter nach innen kommen soll. Dafür drehen Sie den Oberkörper aus der Körpermitte heraus (vom Bauchnabel aus) nach rechts, auch die Hände drehen sich mit. Die Hüfte bleibt gerade. Ihr Blick folgt der Drehung.

Überprüfen Sie: Zeigt Ihre Nase in die gleiche Richtung wie die Nase des Pferds? Ist Ihre Nase auf einer Linie mit Ihrem Bauchnabel? Zeigen Ihre Schultern in die gleiche Richtung wie die Schultern des Pferds? Dann ist die Drehung korrekt. „Wenn Sie diese Punkte im Blick haben, spüren Sie auch, wenn das Pferd davon abweicht, und können es schneller korrigieren“, sagt Christin Krischke.

Tipp: Eiliges Tempo ist kontraproduktiv für die Balance des Pferds. Üben Sie die Volte eher in niedrigem Tempo. Das Tempo sollte gerade nur so hoch sein, wie es für die Grundspannung des Pferds nötig ist.

Von CAVALLO ausprobiert

„Mein Gefühl für die Bewegungen des Pferds hat sich verbessert und ich reite entspannter. Der Effekt bei der Pedalbewegung trat sofort ein, meine Hüfte lockerte sich.

Was ich interessant fand: Ich saß danach tiefer im Sattel. Vor allem bei Seitengängen tendiere ich sonst dazu, nach vorne zu fallen. Nach der Übung war das weg. Das Reiten mit geschlossenen Augen und die direkte Rückmeldung des Partners, der einen an der Longe führt, fand ich so gut, dass ich es direkt auf den Spiegelsitz übertragen habe.

Ich habe auch dabei versucht zu fühlen, ob meine Schulter und meine Nase parallel zu der des Pferds sind. Irgendwann habe ich mich so gut eingefühlt, dass ich schon vor dem Pferd wusste, was es gleich tut – und konnte schneller reagieren.“

Freizeitreiterin Kristin Winter schulte ihren Sitz auf Islandpferd Glymur.

Balance verbessern: Schlangenlinien und Zirkel mit Halsring

Diese Übung kommt aus dem leichten Reiten.

Effekt: Der Reiter wirkt nicht am Kopf mit der Trense ein, sondern am Hals des Pferds mit dem Halsring. Dadurch besteht nicht die Gefahr, dass sich das Pferd in der Wendung im Genick verstellt. Es kann seinen Kopf frei zum Ausbalancieren nutzen, was ihm die Wendung erleichtert.

Ausrüstung: Halsring

So geht’s: Nutzen Sie den Halsring als Halsring-Neuling einfach zusätzlich zu Ihrer normalen Ausrüstung und üben Sie erst im Schritt die Hilfen. Die Zügel können Sie im Notfall stets greifen. Für die Übung halten Sie den Halsring mit beiden Händen und tippen das Pferd zum Lenken Richtung Kopf etwa auf Höhe des vierten/fünften Halswirbels an.

Wenn Sie nach links wollen, tippen Sie die rechte Halsseite an – und umgekehrt. Reagiert das Pferd gut auf die Hilfen, reiten Sie nun mit dem Halsring viele gebogene Linien wie Zirkel und Schlangenlinien. Sie können dann die Schwierigkeit weiter steigern, indem Sie auch im Trab und Galopp Wendungen mit Halsring reiten.

Balance verbessern: Slalom (mit Hinterhandwendung)

Diese Übung kommt aus dem Horsemanship.

Effekt: Das Pferd verlagert sein Gewicht im Slalom von einer Schulter auf die andere und wird so frei in der Bewegung. Die Aufbauübung mit Hinterhandwendung trainiert, die Vorhand des Pferds auf die Hinterhand einzuspuren, was Basis für Balance ist.

Ausrüstung/Material: Vier Pylonen/Hütchen im Abstand von 8 bis 9 Schritten als Slalom aufbauen, evtl. Gerte und Longe.

So geht’s: Bereiten Sie die Übung zunächst vom Boden aus vor und lassen das Pferd am Halfter durch den Slalom laufen. Wichtig: Sie bleiben dabei auf einer geraden Linie circa 1,50 Meter neben dem Slalom. Sie können sich als Hilfslinie Stangen auf den Boden legen, an denen Sie entlanglaufen. Von dort aus gehen Sie auf Schulterhöhe des Pferds. Um es um die Pylone von sich weg zu schicken, geben Sie mit der Gerte ein Signal Richtung Pferdeschulter und drehen Ihre äußere Schulter Richtung Pferd.

Danach nehmen Sie die äußere Schulter wieder zurück und laden das Pferd so wieder zu sich ein. „Geht das Pferd weg, kommt das Gewicht auf die äußere Schulter. Kommt es ran, verlagert es sein Gewicht auf die innere Schulter“, erklärt Berni Zambail. Klappt das gut, können Sie den Anspruch steigern, indem Sie den Abstand zum Pferd vergrößern.

Variante: Slalom reiten mit Hinterhandwendung Reiten Sie in Rechtsbiegung am ersten Hütchen vorbei. In der Mitte der ersten beiden Hütchen behalten Sie die Rechtsbiegung bei und leiten eine halbe Hinterhandwendung ein. Dann reiten Sie in Rechtsbiegung ums nächste Hütchen weiter. Wiederholen Sie die Hinterhandwendung zwischen dem 2. und 3. Hütchen. Danach machen Sie Pause und reiten die Übung in Linksbiegung.

Balance verbessern: Schulterherein-Volte-Konterschulterherein

Diese Übung kommt aus der klassischen Dressur.

Effekt: Schulterherein und Konterschulterherein mobilisieren die Pferdehüfte und bringen das innere (bei Schulterherein) und äußere Hinterbein (bei Konterschulterherein) näher an den Schwerpunkt. Abwenden und Volten mobilisieren den Schultergürtel. Der Biegungswechsel mobilisiert die Wirbelsäule. Beim Beenden des Konterschulterhereins wird die Kruppe wieder nach außen geführt und das äußere Hinterbein stärker belastet und gebeugt. Das ist eine gute Vorbereitung für einen balancierten Handgalopp.

So geht’s: Reiten Sie Schulterherein rechts an der langen Seite im Trab. Dann wenden Sie 90 Grad rechtsum ab, wie zu einer Ecke. Sobald sich der Pferdekörper parallel zur kurzen Seite befindet, beginnen Sie eine Volte nach links. Nach einer 3/4-Volte erreichen Sie die lange Seite und reiten im Konterschulterherein auf der linken Hand weiter.

Variante: Es gibt zwei gute Stellen in der Übung, an denen Sie Galopp mit einbauen können: a) zu Beginn der Volte oder b) beim Übergang aus dem Konterschulterherein zur Ecke.

CAVALLO hat's ausprobiert

„Die Übungen haben die Balance von Romi und mir auf neue Art gefordert. Von der Hinterhandwendung im Slalom wieder den Schwung nach vorne zu finden, war erst eine Herausforderung.

Nach mehrmaligem Üben wurde es aber immer flüssiger. Beim Halsringreiten konnte Romi ihren Hals gut zum Ausbalancieren nutzen. Das Reiten von gebogenen Linien funktioniert nun dank des Halsrings noch unabhängiger vom Zügel.

Ich habe auch gemerkt, dass Romi im Slalom und bei den Biegungswechseln ihr Gewicht häufig verlagern musste und sich mit der Zeit dadurch immer besser selbst ausbalanciert hat. Die Hinterhandwendung und das Schulterherein haben mich inspiriert, noch mehr daran zu arbeiten, Vorhand- und Hinterhand gezielt zu bewegen und das Pferd darüber geradezurichten.

Freizeitreiterin Jennifer Thelen übte mit Weser-Ems-Reitpony Romi.
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