4 Übungen: So klappt es mit der Gymnastik an der Doppellonge

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Foto: Rädlein Gymnastik an der Doppellonge

1. Kommunizieren durch die Position - äußere Leine

Ob Ihre Position zu Pferd passt, verrät die äußere Leine.

„Die verläuft hinterm Arbeitsgurt über den Rücken und von dort in Ihre Hand. Laufen Gurtkante und Longe in etwa parallel, ist alles gut“, erklärt Leonie Bühlmann.

1. Kommunizieren durch die Position - vorne, mittig, hinten

Gerät der Mensch zu weit nach hinten, öffnet sich ein Dreieck zwischen Gurt und Longe und der Mensch kommt in eine treibende Position.

„Das macht viele Pferde unsicher und hektisch“, sagt Leonie Bühlmann. Gerät der Mensch zu weit nach vorne, wirkt er bremsend. „Manche Pferde fühlen sich dann auch eingeladen, zum Menschen in die Mitte zu kommen“, sagt Bühlmann.

Manchmal verursacht auch die falsche Blickrichtung Probleme: „Gehen Sie parallel zum Pferd, und blicken Sie in die Bewegungsrichtung – so wie auch beim Führen“, erklärt Leonie Bühlmann.

Dreht sich der Mensch zu sehr zum Pferd hin, verstehen viele Tiere das als Signal, zu bremsen und nach innen zu kommen.

2. Kraft & Losgelassenheit durch Übergänge - Trab

Trainieren Sie junge Pferde etwa 20 bis 30, ausgebildete Cracks auch bis zu 45 Minuten.

„Übergänge fordern das Pferd mental und körperlich, stärken die Muskeln und machen sie geschmeidig“, erklärt Leonie Bühlmann.

Hat Ihr Pferd nach 5 bis 10 Minuten ruhigem Joggen den Takt im Trab sicher gefunden, starten Sie mit Schritt-Trab-Übergängen. Geben Sie die Parade, indem Sie die Verbindung an den Leinen etwas stärker werden lassen, bis das Pferd schreitet.

Dann wird die Leinenverbindung wieder leichter. Zum Antraben geben Sie die gewohnten Signale (Stimme, ggf. Peitsche). „Achten Sie darauf, dass Sie Ihre Schritte vergrößern, wenn Ihr Pferd trabt, damit der Zirkel groß und die Leinenverbindung stabil bleibt“, rät Leonie Bühlmann.

Wichtig: Lassen Sie Ihr Pferd solange schreiten, bis es wirklich entspannt. „Wechseln Sie zu schnell hintereinander, werden viele Pferde übereifrig, zackeln oder traben nach wenigen Schritten von allein wieder an“, warnt Leonie Bühlmann.

2. Kraft & Losgelassenheit durch Übergänge - Galopp

Galopp-Übergänge machen besonders stark, vor allem, wenn sie kurz hintereinander folgen.

„Mehrmals für wenige Sprünge Galopp verbessert die Gangart bei jungen Pferden mehr als eine lange Reprise. Bei älteren Pferden fördern längere Galoppreprisen im Wechsel mit 3 bis 5 Trabtritten Rumpf- und Kruppenmuskeln. Das ist aber auch sehr anstrengend“, sagt Leonie Bühlmann.

Auch hier gilt: Springt das Pferd von allein an, bleibt es solange im Trab, bis es wieder auf Ihre Signale achtet.

2. Kraft & Losgelassenheit durch Übergänge - Tempo verlängern

Besonders lösend wirken Übergänge innerhalb einer Gangart.

Verkürzen Sie das Gangmaß gefühlvoll über sanfte Paraden und verlängern Sie das Tempo durch treibende Impulse.

„Ziel ist, dass Ihr Pferd zwischen verkürzten und verlängerten Schritten, Tritten und Sprüngen möglichst harmonisch variiert, bei konstanter Leinenverbindung und ohne Taktverlust“, erklärt Leonie Bühlmann.

Dabei sollte es prompt auf Ihre Signale reagieren, aber nicht hektisch werden. Tasten Sie sich langsam, geduldig und mit Fingerspitzengefühl an die optimale Abstimmung der Hilfen heran.

3. Brav & stark durch ganze Paraden und Rückwärtsrichten

Auch Paraden zum Halt können Sie regelmäßig mit ins Training einbauen.

Der Stopp auf der Zirkellinie vermeidet Leinensalat vorm Handwechsel und am Trainingsende, da das Pferd sich nicht zu Ihnen dreht und in die Zirkelmitte kommt. Ganze Paraden helfen aber auch der Gymnastik. „Vor allem, wenn Sie daraus das Rückwärtsrichten entwickeln und Ihr Pferd regelmäßig ein wenig in der Schaukel, also im Wechsel zwischen vor- und rückwärts arbeiten“, erklärt Ausbilderin Leonie Bühlmann.

Die Hilfen: Sie drehen sich vom Pferd weg stärker in die Wendung und bleiben in korrekter Longierposition (auf Gurthöhe, deutlich weiter vorn als auf dem Foto) so lange mit der Parade dran, bis Ihr Pferd anhält. Dann geben Sie sofort die Leinen nach.

„Stoppt Ihr Pferd nicht, können Sie die Parade so geben, dass es vor der Bande zum Stehen kommt“, rät Leonie Bühlmann. „Achten Sie darauf, dass Ihr Pferd sich dort nicht eingeengt fühlt. Wenn es beim Parieren unruhig wird oder zappelt, probieren Sie eine andere Stelle.“

Fürs Rückwärtsrichten halten Sie nach dem Stopp die Parade, also den feinen Zug der Longen, solange sanft aufrecht, bis Ihr Pferd einen Schritt zurück tritt. Das können Sie dann langsam zu mehreren Tritten ausbauen.

4. Kraft & Geschmeidigkeit durch Dehnung

Jedes gesunde Training braucht Phasen der Entspannung – an der Doppellonge genauso wie beim Reiten.

Dehnungspausen sind aber nicht nur Erholung. Der Wechsel von Arbeitshaltung und Dehnung fördert auch das Muskelwachstum.

„Sobald das Pferd warm ist, aber besonders zum Ende des Trainings, biete ich meinen Pferden immer wieder die Dehnungshaltung an“, sagt Leonie Bühlmann. Dabei lässt die Trainerin nicht einfach nur die Leinen locker. „Dann kann das Pferd aus der Balance geraten und auf die Vorhand fallen.“

Besser: Bei guter Verbindung an den Leinen treiben Sie gefühlvoll weiter und geben mit der Hand dann vorsichtig nach. „Stellen Sie sich vor, die Leinen wären zwei Stäbe, die die Pferdenase langsam nach vorne drücken“, verdeutlicht Leonie Bühlmann das Gefühl an den Longen.

Die konstante Leinen-Verbindung hilft Ihrem Pferd dabei, in der Dehnung den Takt zu halten. Geht der verloren, ist in der Regel der positive Effekt der Dehnung dahin. Wichtig ist deshalb, dass die Leinen-Verbindung konstant bestehen bleibt.

4. Kraft & Geschmeidigkeit durch Dehnung

Hebt das Pferd den Kopf, achten Sie darauf, dass die Leinenverbindung konstant bleibt. Treiben Sie gegebenenfalls etwas nach, damit das Pferd korrekt an die Hand herantritt.

„Dehnung ist nur im Wechsel mit Muskelarbeit effektiv. Ein Pferd über Minuten oder eine ganze Trainingseinheit in Dehnung laufen zu lassen, ist sinnlos“, sagt Leonie Bühlmann.

Durch Dehnung können Sie auch prüfen, ob Ihr Pferd korrekt arbeitet. „Dann streckt es sich nämlich jederzeit willig“, sagt die Trainerin.

Verspannte oder gestresste Pferde sind dagegen nicht oder kaum dehnungsbereit. Fragen Sie die Dehnung deshalb immer wieder mal ab.
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