5 Tipps: So lernen Sie einhändig zu reiten

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Foto: Rädlein Einhändig reiten - So fassen Sie die Zügel korrekt

So fassen Sie die Zügel korrekt

Aus zwei mach eins: Nehmen Sie zunächst die Zügel in beide Hände. Achten Sie darauf, dass der linke Zügel nicht wie gewohnt zwischen Ihrem kleinem und Ringfinger verläuft, sondern bereits unterhalb Ihres kleinen Fingers aus der Zügelfaust kommt.

So fassen Sie die Zügel korrekt

Dann legen Sie den rechten Zügel in Ihre linke Hand.

So fassen Sie die Zügel korrekt

Linker wie rechter Zügel kommen nun oben zwischen Daumen und Zeigefinger aus Ihrer linken Hand heraus. Am unteren Ende Ihrer Faust trennen sich die Wege der beiden Zügel: Der linke verläuft unterhalb Ihres kleinen Fingers, der rechte zwischen kleinem und Ringfinger.

Für Ihre freie rechte Hand gibt es mehrere Möglichkeiten: Sie können sie neben Ihre linke stellen, als würden Sie beidhändig reiten. Oder Sie stützen sie in der Hüfte ab; das richtet Ihren Oberkörper auf. Sie können sie auch auf Ihren Bauch legen, damit Sie besser mitschwingen. Und wie geben Sie Zügelhilfen? Wenn Sie beide Zügel annehmen wollen, schließen Sie die Faust; zum Nachgeben öffnen Sie sie wieder.

Zügel in der linken oder rechten Hand? Wer so einhändig reitet, wie es die Tradition vorgibt, der hält die Zügel links. Die rechte Hand wäre damit frei für die Arbeit, wie den Lassowurf oder das Schwert. Freizeitreiter können die Zügel mal links, mal rechts halten. Das verhindert, dass Sie einseitig werden. Zudem ist es leichter, sich im Sattel mitzudrehen, wenn man die Zügelhand wechselt.

Einhändig reiten - Vorbereitungs-Check für Pferd und Reiter

Dehnen lassen: Ihr Pferd sollte mit aktivem Hinterbein ans Gebiss treten. Tut es das? Lassen Sie die Zügel aus der Hand kauen. Dehnt es sich und tritt unter, ist es bereit fürs einhändige Reiten.

Selbsthaltungs-Check: Das einhändige Reiten erfordert vom Pferd zwei Voraussetzungen: Es sollte zum einen Biegung und Stellung über den inneren Schenkel annehmen und an den äußeren Zügel treten. Zum anderen sollte es sich balanciert und in Selbsthaltung bewegen, also nicht auf dem Zügel abstützen. Beides können Sie überprüfen, indem Sie überstreichen. Führen Sie die Zügel in beiden Händen und gehen Sie damit für einige Schritte, Tritte oder Sprünge zwei bis drei Handbreit vor. Behält Ihr Pferd Tempo, Takt und Gleichgewicht bei, auch auf gebogenen Linien? Dann können Sie die Zügel in einer Hand fassen. Andernfalls arbeiten Sie an der Balance Ihres Pferds und daran, dass es die Biegung über den inneren Schenkel annimmt.

Vorausschauend Reiten: Wer einhändig reiten will, darf nicht nach unten schauen. Denn dabei geraten Schulter und Becken in Schieflage; feine Hilfen übers Gewicht sind so unmöglich, und die sind essenziell für einhändige Zügelführung. Gewöhnen Sie sich also an, mit erhobenem Kopf und Blick nach vorne zu reiten. Wendungen leiten Sie bewusst über Ihren Blick ein. Der Körper folgt dann automatisch, ohne dass Sie in der Hüfte einknicken.

Einhändig reiten - Knackpunkte bei der Hilfengebung

Zügelhilfen: Feine und fürs Pferd klar verständliche Zügelhilfen sind beim einhändigen Reiten kein Hexenwerk – Sie müssen sich nur etwas umgewöhnen.

Wollen Sie Signale über nur einen Zügel schicken, bewegen Sie dafür den kleinen oder Ringfinger. Für Wendungen nutzen Sie Hilfen über die ganze Hand: Wollen Sie nach rechts wenden, drehen Sie die Hand so, dass Sie Ihre Fingernägel sehen.

Einhändig reiten - Knackpunkte bei der Hilfengebung

Der rechte Zügel wirkt im Maul nach oben; das ist fürs Pferd ein seitwärtsweisendes Signal und animiert zum Wenden. Der linke Zügel wiederum gibt nach; das Pferd kann so seine linke Seite dehnen. Bei einer Wendung nach links drehen Sie die Hand so, als würden Sie auf die Uhr schauen.

Tipp: Merken Sie sich, dass das Pferd entweder in Richtung des höher liegenden Zügels wendet oder dem Druck des äußeren Zügels am Hals weicht.

Sitzhilfen: Generell sollten Reiter den Großteil ihrer Hilfen über den Sitz geben – und ganz besonders bei der einhändigen Zügelführung. Das Becken ist dabei Ihre Steuerzentrale. Übergänge in niedrigere Gangarten können Sie etwa durch bewusstes Ausatmen unterstützen.

Gewöhnen Sie sich auch an, Wendungen über Gewichtsverlagerungen einzuleiten. Schauen Sie dorthin, wo Sie hinreiten wollen; Ihre Schultern folgen dann automatisch. Tipp: Denken Sie an das Bild eines Zentauren.

Einhändig reiten - Knackpunkte bei der Hilfengebung

Knackpunkt Schulter: Auf Ihre Schulter müssen Sie besonders achten. Halten Sie die Zügel beispielsweise rechts, fallen Linkswendungen schwer – weil die rechte Hand quasi fixiert ist, dreht sich der Oberkörper nicht so leicht mit. Schultern und Becken werden schief. Bei linker Zügelführung sind Rechtswendungen schwieriger.

Tipp: Halten Sie die zügellose Hand so, als würden Sie beidhändig reiten.

Schenkelhilfen: Was Ihre Schenkelhilfen angeht, müssen Sie sich nicht umgewöhnen. Hier bleibt alles wie gewohnt: Am Gurt treiben Sie Ihr Pferd vorwärts, eine Handbreit hinter dem Gurt seitwärts.

Einhändig reiten - Wie Sie die Gerte gezielt einsetzen

Aus dem Handgelenk: In der neutralen Grundposition halten Sie die Gerte in der zügellosen Hand frontal nach oben.

Einhändig reiten - Wie Sie die Gerte gezielt einsetzen

Wollen Sie sie am rechten Schenkel einsetzen, drehen Sie das Handgelenk und Ihren Unterarm nach außen und führen die Gerte nach unten.

Einhändig reiten - Wie Sie die Gerte gezielt einsetzen

Für Hilfen auf der linken Körperseite greifen Sie mit der Gerte über Ihre Zügelhand. Vorteil: Sie können die Gerte so flexibel auf beiden Seiten einsetzen.

Mit Gerte zeigen, wedeln & touchieren: Mit der Gerte können Sie Ihre vorwärtstreibenden Hilfen unterstützen, etwa indem Sie sie hinter Ihrer Wade einsetzen. In Wendungen können Sie die Gerte zudem an der äußeren Schulter anlegen – das begrenzt das Pferd nach außen und hilft ihm, Ihre Signale besser zu verstehen.

Wie Sie die Gerte einsetzen, hängt von Ihrem Pferd ab: Feine Tiere reagieren bereits aufs Zeigen, etwa indem Sie für mehr Biegung auf Ihre innere Wade deuten. Sie können damit auch leicht in der Luft wedeln, ohne das Pferd zu berühren, oder touchieren. Probieren Sie aus, worauf Ihr Pferd reagiert – je weniger Einsatz Sie brauchen, umso besser.

Einhändig reiten - Erste Lektionen

Einfache Bahnfiguren: Haben Sie die Zügel in einer Hand sortiert, starten Sie mit einfachen Bahnfiguren: ganze Bahn, Zirkel oder durch die ganze Bahn wechseln – und das zuerst im Trab oder Galopp. In schwungvolleren Gangarten tritt das Pferd leichter ans Gebiss.

Zirkel verkleinern und vergrößern: Um Ihre Hilfengebung zu überprüfen, verkleinern und vergrößern Sie den Zirkel.

Einhändig reiten - Erste Lektionen

Reiten Sie zunächst im ruhigen Trab auf dem Zirkel. Blicken Sie dann leicht nach innen und drehen Sie Ihren Oberkörper mit, um die Kreislinie zu verkleinern. Reagiert das Pferd nicht, können Sie unterstützend den äußeren Schenkel eine Handbreit hinterm Gurt einsetzen oder die äußere Schulter mit der Gerte begrenzen.

Verliert Ihr Pferd den Takt oder wird es schief, ist es überfordert. Fordern Sie daher nicht zu kleine Zirkel, sondern anfangs lieber größere Linien. Oder geht Ihnen der Schwung verloren? Reiten Sie auf größerer Linie wieder flott vorwärts. Zum Vergrößern treiben Sie Ihr Pferd vermehrt mit dem inneren Bein an den äußeren Zügel und denken dabei an ein Schultervor.

Schulterherein: Kennt Ihr Pferd bereits Schulterherein? Dann können Sie das problemlos einhändig reiten. Leiten Sie die Lektion anfangs beidhändig ein und fassen Sie die Zügel dann in einer Hand. Klappt das, können Sie das Schulterherein einhändig beginnen. Dafür geben Sie die gleichen Zügelhilfen wie fürs Abwenden. Die Hilfen über Gewicht und Schenkel sind wie gewohnt. Vorteil für Reiter: Beim Schulterherein wirken sie oft zu viel mit dem inneren Zügel ein; das geht einhändig nicht mehr. Legt sich Ihr Pferd auf den inneren Zügel, treiben Sie es mehr vorwärts. Gibt es trotzdem nicht nach, lassen Sie den Zügel über schnelle Fingerbewegungen nach oben vibrieren.

Einhändig reiten - Erste Lektionen

Volten: Schenkel sind wie gewohnt. Vorteil für Reiter: Beim Schulterherein wirken sie oft zu viel mit dem inneren Zügel ein; das geht einhändig nicht mehr. Legt sich Ihr Pferd auf den inneren Zügel, treiben Sie es mehr vorwärts. Gibt es trotzdem nicht nach, lassen Sie den Zügel über schnelle Fingerbewegungen nach oben vibrieren.
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