6 Übungen für geschmeidige Übergänge

Sie können die Fotostrecke mit den Richtungspfeilen der Tastatur bedienen
←   →
Foto: Lisa Rädlein CAVALLO 6 Übungen für geschmeidige Übergänge

Übung 1: Kopf-Halsposition verändern

Das bringt's: Ein fester Rücken wird bei Übergängen ein echtes Problem: Dann heben sich Pferde nämlich heraus oder rollen sich ein. Ausbilderin Sabine Ellinger empfiehlt daher, die Kopf-Hals-Position immer wieder zu verändern, um den Rücken zu lockern.

So geht's: „Wenn sich das Pferd etwa beim Angaloppieren mit dem Kopf nach oben entzieht, reiten Sie es vorher in Dehnungshaltung – und wenn das Pferd mit der Nase auf dem Weg nach unten ist, galoppieren Sie an“, rät Sabine Ellinger. Umgekehrt gilt das auch: Rollt sich das Pferd ein, „lassen Sie es mit dem Kopf freier und höher gehen“. Schieben Sie also die Hände ein Stück nach vorne; reicht das nicht, können Sie deutlich überstreichen. Wenn das Pferd sich dann nach vorne streckt, nutzen Sie diesen Moment für den Übergang.

Übung 2: Schaukel

Das bringt's: Zurück, vor, zurück, vor – die Schaukel sieht auf den ersten Blick unspektakulär aus, hat es aber ganz schön in sich. „Hier folgen die Übergänge quasi ständig aufeinander“, sagt Sabine Ellinger. Die Übung ist deshalb ideal, um an der Feinabstimmung zwischen den Übergängen zu feilen. Gleichzeitig können Sie kontrollieren, ob Sie Ihre Hilfen korrekt geben und das Pferd gut darauf reagiert. Nebenbei fördert die Lektion die Balance des Pferds und bringt es dazu, die Hanken stärker zu beugen – wichtig für eine aktive Hinterhand. Und die wird wiederum für geschmeidige Übergänge benötigt.

So geht's: Parieren Sie Ihr Pferd zum Halten durch. Daraus lassen Sie es vier Tritte rückwärts treten und halten wieder an. Dann lassen Sie Ihr Pferd vier Schritte vorwärts gehen, halten wieder an und schicken es dann sechs Tritte zurück. Daraus reiten Sie im Mittelschritt an. Fortgeschrittene lassen das Halten zwischen Vorwärts- und Rückwärtstritten weg. Das macht die Lektion schwieriger, weil die Pferde direkt vom diagonalen (Rückwärts-) Zweitakt in den Viertakt des Schritts wechseln müssen.

Extra-Tipp: Damit die Schaukel besonders gut wirkt, sollte Ihr Pferd gerade und mit aufgewölbtem Rücken zurücktreten können. Wie das geht, lesen Sie in CAVALLO 08/2016.

Übung 3: Kurzkehrt aus Trab

Das bringt's: Geschmeidig werden Übergänge, wenn Reiter zwischen Tragkraft und Schubkraft wechseln – also versammelnden Lektionen und solchen, bei denen Tritte verlängert werden. Dabei wird die Hinterhand aktiv.

So geht's: Lassen Sie Ihr Pferd an der langen Seite der Reitbahn im Arbeitstrab gehen. Kurz vor Ende der langen Seite parieren Sie zum Schritt. Daraus reiten Sie Kurzkehrt, also eine Drehung um 180 Grad. Dann wieder antraben und Tritte verlängern. Am anderen Ende der langen Seite parieren Sie zum Schritt, lassen Ihr Pferd Kurzkehrt gehen, traben an und legen zu.

Extra-Tipp: Wiederholen Sie das vier-, fünfmal. Das Pferd weiß, was kommt – und wird sich von alleine besser setzen und zulegen.

Übung 4: Zirkel verkleinern

Das bringt's: In engen Wendungen muss das Pferd mehr Last mit seiner Hinterhand aufnehmen. Das können Sie ideal nutzen, wenn Ihr Pferd sich etwa beim Durchparieren heraushebt oder auf die Vorhand fällt. Sabine Ellinger empfiehlt für solche Fälle, den Zirkel im Galopp erst zu verkleinern und dann durchzuparieren. Weil das Hinterbein dabei aktiver untertritt, gelingt der Übergang besser.

So geht's: Galoppieren Sie auf dem Zirkel. Nun verkleinern Sie diesen immer mehr. Wie klein, hängt von Ihrem Pferd ab: „Das muss locker gehen“, sagt Sabine Ellinger. „Probieren Sie spielerisch aus, was Ihr Pferd schafft.“ Fällt Ihr Pferd aus, war’s zu viel – dann probieren Sie es einfach nochmal und legen den Kreis etwas größer an. Daraus parieren Sie zum Trab.

Extra-Tipp: Fortgeschrittene verkleinern den Zirkel im Travers und parieren daraus durch. Das wirkt versammelnd. Oder Sie vergrößern den Zirkel im Trab wieder und legen ein paar Tritte zu.

Übung 5: Wechseln zwischen den Seitengängen

Das bringt's: In Seitengängen werden die Hinterbeine ganz schön aktiv. „Im Schulterherein etwa muss das innere Hinterbein mehr untertreten, im Travers das äußere“, erklärt Sabine Ellinger. Wenn Sie zwischen diesen Lektionen hin- und herwechseln, wirft das den Hinterhand-Motor an. Dazu machen die wechselnden Biegungen Ihr Pferd geschmeidig.

So geht's: Wenn Ihr Pferd Seitengänge bereits sicher beherrscht, bauen Sie diese im stetigen Wechsel ein. Gehen Sie dafür im Schritt oder Trab auf den Zirkel. Beginnen Sie mit einer Lektion wie etwa dem Travers und wechseln ins Renvers. Oder Sie starten im Schulterherein und gehen daraus ins Travers über. „Reiten Sie dabei jede einzelne Lektion nicht zu lange, sondern etwa nur einen Viertel Zirkel lang“, empfiehlt Sabine Ellinger. Sie können die Lektionen auch mit Tempo- oder Gangartwechseln kombinieren – aus dem Schulterherein etwa können Sie gut in eine andere Gangart wechseln oder daraus zulegen.

Extra-Tipp: Kann Ihr Pferd noch keine Seitengänge, starten Sie mit Schenkelweichen. Lassen Sie dem linken und rechten Schenkel abwechselnd weichen. Auch Viereck vergrößern oder verkleinern ist ein guter Einstieg ins Seitwärts und macht die Hinterhand aktiv.

Übung 6: Schulterherein

Das bringt's: Im Schulterherein fußt das innere Hinterbein des Pferds in derselben Spur wie das äußere Vorderbein – das heißt, es tritt mehr unter den Schwerpunkt. Das Pferd muss also mehr Last aufnehmen. „Das kann ich nutzen, wenn mein Pferd beim Zulegen oder Einfangen nicht genug von hinten tritt oder den Rücken wegdrückt“, erklärt Sabine Ellinger.

So geht's: Traben Sie mit Ihrem Pferd auf dem Zirkel. Dann gehen Sie für etwa eine Viertel Runde ins Schulterherein über. Daraus können Sie ein paar Trabtritte zulegen, fangen Ihr Pferd danach ein und gehen wieder ins Schulterherein. Wiederholen Sie diese Abfolge etwa drei- bis fünfmal. Kann Ihr Pferd noch kein Schulterherein, können Sie auch Schultervor reiten. Dabei ist das Pferd weniger stark gebogen als im Schulterherein.

Extra-Tipp: „Sie können das Schulterherein auch im Leichttraben reiten“, sagt Sabine Ellinger. Das macht es für Reiter und Pferde einfacher – denn manche Reiter können beim Aussitzen nicht geschmeidig mitgehen, und Pferde können sich im Genick verwerfen, anstatt sich korrekt zu biegen. Leichttraben erleichtert die Lektion für beide.
Mehr zu dieser Fotostrecke: So gelingen geschmeidige Übergänge