8 Ziele für mehr Rittigkeit: Das optimale Reittraining

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Foto: Rädlein 8 Ziele für mehr Rittigkeit: Das optimale Reittraining

Vorwärts im Takt

Bewegt sich Ihr Pferd gleichmäßig im Takt, können Sie leicht die Hinterhand aktivieren. So finden Sie den idealen Arbeitsrhythmus.

Den Takt ansagen: Starten Sie im Schritt. Sagen Sie jeden Schritt mit den Worten „Und Schritt“ laut an. Diese Ansage ist mit einem Metronom vergleichbar, das in der Musik den richtigen Rhythmus vorgibt. Welcher der ideale für Ihr Pferd ist, können Sie etwa an der Longe herausfinden: Bewegt es sich losgelassen und fleißig, merken Sie sich das Tempo und nehmen es in Ihrer Ansage wieder auf – in jeder Gangart! Zur Unterstützung können Sie auch ein echtes Metronom verwenden. Für Smartphones gibt es passende Apps. Sagen Sie den Takt aber zusätzlich auch selbst laut an. Dann schwingt Ihr Körper besser mit und Ihr Pferd wird sich harmonischer bewegen.

Locker mitpendeln: Noch besser schwingen Sie mit, wenn Sie im Schritt Ihre Hüfte mit den Rückenbewegungen des Pferds bewusst und deutlich nach rechts und links sinken lassen. Ob Sie richtig mitpendeln, verrät Ihnen ein Blick auf den Mähnenkamm: Er kippt in dieselbe Richtung wie Ihr Becken. Das Pendant zum Mitpendeln im Schritt ist das geschmeidige, große Aufstehen im Leichttraben. Um auch im Galopp locker mitschwingen zu können, stellen Sie sich vor, Sie würden den Sattel mit weichen Beckenbewegungen von hinten nach vorne auswischen. Das können Sie vorher am Boden üben, etwa auf einem Stuhl oder Ball sitzend.

Vorwärts im Takt

Richtig treiben: Für einen dynamischen Takt müssen Sie es jetzt nur noch schaffen, die Hinterbeine im richtigen Moment zu aktivieren. Das Gefühl im Schritt gewinnen Sie, wenn Sie Ihr Becken mit lose hängenden Füßen den seitlichen Rumpfbewegungen anpassen.

Vorwärts im Takt

Richtig treiben: Lassen Sie die Bewegungen bis in die Füße pendeln. Dann landet die Wade automatisch im richtigen Moment am Pferdebauch. Sie animiert das Hinterbein zum Vorschwingen und das Pferd zu einem raumgreifenden Schritt. Im Trab üben Sie beidseitige und gleichzeitige rhythmische Schenkel-Impulse im Leichttraben: Wenn Sie einsitzen, drücken Sie die Schenkel kurz an den Pferderumpf. Im Aufstehen öffnen Sie bewusst beide Unterschenkel. Im Galopp geben Sie automatisch einen kurzen Vorwärtsimpuls mit dem inneren Schenkel, wenn Sie locker sitzen und mitschwingen.

Vom Hinterbein zur Balance

Hinterhandkontrolle ist der Schlüssel zum Gleichgewicht. Der erste Schritt dorthin: Eine gute Vorhandwendung.

Weichen am Boden: Die erste Stufe der Hinterhandkontrolle erarbeiten Sie am Boden. Stellen Sie sich auf Schulterhöhe neben Ihr Pferd, zeigen Sie mit der Gerte auf die Hinterhand. Weicht Ihr Pferd, loben! Falls nicht, tippen Sie die Hinterhand mit der Gerte an. Tritt Ihr Pferd nach vorn, bremsen Sie es mit leichten Impulsen an Seil oder Zügel, bis es wieder steht, und beginnen Sie von vorn. Erst wenn Ihr Pferd Schritt für Schritt um die Vorhand weicht, geht es im Sattel weiter. Die Vorhandwendung ist Voraussetzung fürs folgende Schenkelweichen.

Dem Schenkel weichen: Reiten Sie die lange Seite früh genug von der kurzen Seite aus schräg an, damit das Pferd im passenden Winkel (ca. 30-45 Grad) am Hufschlag ankommt. Legen Sie den Schenkel, dem das Pferd weichen soll, deutlich zurück. Den anderen Schenkel strecken Sie etwas weg, um den Weg für die Hinterhand zu öffnen. Ihr Pferd sollte nun mit den Hinterbeinen willig seitwärts in die Bahn treten. Tritt es vor statt seitwärts, heben Sie die äußere Hand leicht an und geben feine Paraden. Wichtig: Das Pferd soll Schritt für Schritt mit der Hinterhand weichen. Lösen Sie den Schenkel daher nach jedem Seitwärtsschritt. So haben Sie die Basis für korrektes Schenkelweichen in jeder Variante.

Feiner Lenken

Lässt sich Ihr Pferd ohne Zügelzug im Slalom lenken, wird es locker und geschmeidig.

Zügel wie Stangen: Als Basis für weiche Wendungen müssen Sie eine gleichmäßige Zügelverbindung haben. Stellen Sie sich vor, Sie würden das Pferd mit zwei Holzstangen einrahmen, sodass ein gedachtes Dreieck entsteht. Damit begleiten Sie sanft das Maul Ihres Pferds. Durch Verschieben der Stangen nach rechts oder links können Sie Ihr Pferd lenken. Das Dreieck bleibt unverändert.

Schultern drehen: Um weich zu wenden, bleiben Sie aufrecht sitzen. Drehen Sie die Schultern in Bewegungsrichtung. Die Idee: Zwei Augen auf Ihrer Brust schauen in die gewünschte Bewegungsrichtung.

Kurven am laufenden Meter: Stellen Sie vier oder mehr Pylone auf eine Linie, Abstand mindestens 5 Meter. Reiten Sie im Schritt hindurch. Wenden Sie dabei das Prinzip „Stangenzügel“ und die Schulterdrehung an. Klappt der Slalom ohne Zügelzug, üben Sie im Trab, auch im leichten Sitz, bis Ihr Pferd alle Kurven flüssig ohne Zügelzug meistert. Verkürzen Sie in den folgenden Trainingseinheiten die Abstände zwischen den Pylonen in 10-cm-Schritten auf etwa 4 Meter. Wichtig: Immer nur so schnell reiten, wie Sie ohne Zügelzug lenken können.

Parade auf den Punkt

Mit gezielten Zügelimpulsen helfen Sie Ihrem Pferd, die Hanken besser zu beugen.

Impuls am Zügel: Ein kleiner Impuls reicht aus, um eine klare Parade zu geben. Drücken Sie die Zügelfaust kurz zu und lassen gleich wieder los. Mit diesem Signal können Sie das gleichseitige Hinterbein bremsen und dazu bringen, sich stärker zu beugen.

Parade auf den Punkt

Timing der Hilfe: Damit das klappt, muss die Parade zum optimalen Zeitpunkt kommen. Geben Sie den Impuls, wenn das Pferd das entsprechende Hinterbein gerade in der Luft hat. Das ist der gleiche Moment, den Sie nutzen, um ein Hinterbein gezielt zu treiben.

Zum Anhalten drücken Sie beide Fäuste auf diese Weise zu. Aus dem Schritt stoppen Sie die Hinterbeine einzeln mit separaten, aufeinander folgenden Impulsen. Im Trab gilt das gleiche Prinzip, Sie müssen nur schneller reagieren.

Wiederholen Sie die Impulse, bis Ihr Pferd steht. Sie dürfen nie die Hand geschlossen lassen oder am Zügel ziehen. Machen Sie sich klar: Ihre Zügelhilfe löst einen Reflex aus, den das Pferd selbstständig umsetzt. Sie drücken den Knopf, der alles weitere auslöst.

Selbst-Test: Wechseln Sie zehn Mal zwischen Schritt und Halten. Ob Ihr Pferd die Zügelimpulse gut umsetzt, erkennen Sie im Halten: Beide Hinterbeine stehen annähernd parallel.

Harmonische Übergänge

Können Sie geschmeidig von einer Gangart zur nächsten wechseln, löst das den Rücken und stärkt die Hinterhand.

Bewusst atmen: Eine gekonnte Atemtechnik sorgt für weiche Übergänge. Pferde jeden Alters verstehen sie instinktiv. Zum Antraben atmen Sie hörbar energisch ein, bauen Körperspannung auf und legen beide Schenkel leicht ans Pferd – nicht pressen! Reagiert das Pferd nicht, mit kurzen Gertenimpulsen unterstützen.

Zum Übergang in die langsamere Gangart lassen Sie die Luft hörbar, aber sanft entweichen und entspannen dabei. Atmen Sie nicht gepresst; Sie wollen keine Kerze auspusten. Wiederholen Sie die Übung ein paar Mal. Ihr Pferd wird schnell immer flüssiger in den nächsten Gang wechseln.

Becken-Bremse: Ein weiteres klares Signal zum Wechsel in eine niedrigere Gangart oder zum Halten geben Reiter mit dem Sitz. Im Vorwärtsreiten sollte das Becken aufrecht stehen, damit es neutral ist und allen Rückenbewegungen folgen kann. Um Ihr Pferd zu verlangsamen, lassen Sie Ihr Becken sanft nach hinten rollen. Bleiben Sie locker dabei. Wer die Sitzbeine hart vorschiebt, macht zu viel Druck. Viele Pferde werden dann eiliger statt langsamer.

Tempo-Variantionen machen stark

Können Sie das Tempo weich variieren, Gymnastizieren Sie das ganze Pferd.

Kennzahlen fürs Tempo: Je bewusster Sie Tempowechsel angehen, umso flüssiger werden die Übergänge. Das ist wichtig, damit Ihr Pferd auch beim Zulegen im Takt bleibt. Eine tolle Hilfe: Geben Sie jeder Tempo-Variante eine Kennzahl: 1 für langsamer, 2 für normal und 3 für schneller. Vor jedem Tempowechsel sagen Sie die entsprechende Zahl an, etwa: „Jetzt 3!“, wenn Ihr Pferd flotter werden soll.

Üben Sie Zulegen und Einfangen zunächst auf längeren Strecken, z.B. Tempo 2 auf der kurzen Seite und Tempo 3 auf der langen Seite. Wechselt Ihr Pferd willig und bleibt im Takt, können Sie die Wechsel auf kürzeren Strecken angehen.

Tipp: Wechseln Sie anfangs zwischen benachbarten Tempo-Varianten. Für einen flüssigen Wechsel zwischen 1 und 3 muss das Pferd schon warm und losgelassen sein.

Tempo-Ansage per Sitz: Sagen Sie Ihrem Pferd mit Ihren Bewegungen, ob es zulegen oder bremsen soll. Dafür stellen Sie sich vor, Sie säßen auf einem Shetlandpony (=langsamer) oder auf einem raumgreifenden Sportpferd (=schneller).

Der Effekt wirkt in allen Gangarten, wird im Leichttraben aber am klarsten: Auf dem Shetty heben Sie sich kaum aus dem Sattel und Ihr Pferd wird seine Tritte verkürzen.

Tempo-Variantionen machen stark

Tempo-Ansage per Sitz: Denken Sie an ein Sportpferd, stehen Sie bei jedem Tritt weit auf, und Ihr Pferd fußt energischer.

Gesunde Rahmen-Wechsel

Die Kopf-Hals-Haltung regelmäßig zu variieren, stärkt die Oberlinie.

Locker in Maul und Genick: Damit die Haltungswechsel klappen, muss Ihr Pferd Genick und Kiefergelenk lösen. Im Stand nehmen Sie Kontakt zum Maul auf. Vibrieren Sie nun im langsamen Wechsel mit beiden Händen. Ihr Pferd sollte entspannen, kauen, freier atmen. Tut es das, werden Ihre Hände ruhig. Die Übung löst Ihr Pferd auch im Schritt und Trab.

Haltung annehmen: Verkürzen Sie die Zügel im Stand langsam soweit, bis Ihr Pferd eine Arbeitshaltung einnimmt. Lassen Sie Ihr Hände nun ganz ruhig und zählen Sie die Sekunden. Nach 5 Sekunden lassen Sie die Zügel lang und loben. Wiederholen Sie die Übung mehrmals, später auch im Schritt und Trab. Ziel: Ihr Pferd sollte 20 Sekunden gelassen in Haltung bleiben.

Gesunde Rahmen-Wechsel

Zügellängen markieren: Um Ihrem Pferd eine gute Arbeits- und Dehnungshaltung vorzugeben, sollten Sie mit Ihrem Trainer das ideale Zügelmaß ermitteln, sich merken oder am Zügel markieren (etwa mit farbigem Klebeband). So können Sie leicht zwischen den korrekten Haltungen wechseln.

Rückwärts auf die Hinterhand

Im Rückwärtsgang wird Ihr Pferd beweglicher, stärker und bekommt mehr Vertrauen.

Gelassen starten aus dem Stand: Damit Rückwärtsrichten fürs Pferd angenehm ist, muss die Lektion stets aus einem ruhigen Halten beginnen. Bleibt das Pferd nicht stehen, gehen Sie das Halten erneut ruhig an.

Den Rückwärtsgang einlegen: Damit Ihr Pferd weiß was kommt, gehen Sie eine Spur ins Hohlkreuz. Ihre Unterschenkel bleiben am Gurt. Mit sanften Zügel- und Schenkelimpulsen fordern Sie das Pferd zum Zurücktreten auf. Tipp: Vibrieren Sie zum Treiben mit den Waden, um Dauerdruck zu vermeiden.

Zum Beenden der Lektion lösen Sie das leichte Hohlkreuz wieder auf.

Paraden beugen die Hanken: Damit Ihr Pferd in der Rückwärtsbewegung die Hanken beugt, geben Sie mit beiden Händen Paraden wie unter "Parade auf den Punkt" beschrieben (Faust zudrücken). Lösen Sie die Finger immer wieder, und geben Sie für jeden Tritt einen neuen Impuls.

Geduld und Ruhe bewahren: Lassen Sie sich in der Übung viel Zeit. Reagiert Ihr Pferd nicht sofort, geben Sie keine stärkeren Hilfen. Holen Sie lieber einen Helfer dazu, der das Pferd vom Boden unterstützt, bis es die einzelnen Hilfen versteht.
Mehr zu dieser Fotostrecke: Optimales Reittraining: Top-Übungen für mehr Rittigkeit