9 Agility-Übungen fürs Pferd

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Foto: Reiner Kolsen So geht Agility für Pferde

Schritt für Schritt durch den Tunnel

Das brauchen Sie:
- 2 Hindernisstangen,
- 4 Sprungständer,
- 2 Planen (je ca. 3 x 4m),
- evtl. ein Abwasserrohr (2 m).

So geht's:
Wer durch den Tunnel will, startet mit zwei Vor-Übungen. Zuerst lernt das Pferd die seitliche Begrenzung (Gasse) kennen, dann die obere (Bogen).

Für die seitliche Begrenzung stellen Sie die Ständer und Stangen parallel auf, wie einen breiteren Oxer. Der Abstand zwischen den Sprüngen sollte etwa zwei Meter betragen, die Stangen auf Brusthöhe Ihres Pferds liegen. Legen Sie eine Plane über jede Stange, und führen Sie Ihr Pferd im Schritt durch. Klappt? Dann kommt die obere Begrenzung.

Dafür biegen Sie ein Abwasserrohr über zwei Ständer (ähnlich wie auf dem Foto), formen so einen Bogen und führen Ihr Pferd im Schritt durch.

Alternativ nutzen Sie die Sprünge der Gasse. Legen Sie die Stangen so hoch wie möglich und dann eine Plane über beide Stangen hinweg. Die Plane sollte anfangs nicht überhängen, sondern nur nach oben begrenzen. Falten Sie die Plane auf etwa einen Meter Breite. Lässt sich Ihr Pferd brav darunter durch führen, verbreitern Sie die Plane nach und nach.

Klappt auch? Dann erweitern Sie das zum Tunnel. Dafür lassen Sie die Plane auf beiden Stangenseiten herunterhängen. Auch hier beginnen Sie mit einer Planenbreite von etwa einem Meter.

Schritt für Schritt durch den Tunnel

Gehen Sie mit Ihrem Pferd auf beiden Seiten um den Tunnel herum. Klopfen Sie gegen die Planen-Wand; so gewöhnt sich Ihr Pferd daran, dass sich die Plane bewegt. Stellen Sie sich zwei Pferdelängen vor dem Tunnel auf, gehen Sie gerade darauf zu. Kurz bevor Sie den Tunnel betreten, verwenden Sie ein Kommando wie „Tunnel“ – schnell und mehrfach hintereinander sagen, bis Sie durch den Tunnel sind. Damit legen Sie die Basis, dass Ihr Pferd später allein hindurch geht. Folgt Ihr Pferd im Schritt am durchhängenden Strick, falten Sie die Plane Meter um Meter auf.

Gelingt das, führen Sie Ihr Pferd nur am Halfter. Schauen Sie auf die äußere Tunnelseite. Am Tunnel gehen Sie außen vorbei, Ihr Pferd schicken Sie mit ausgestrecktem Arm durch (Kommando einsetzen). Geht es durch, loben! Steigerungsmöglichkeit: Tunnel im Trab nehmen.

Tipp: Die Bauanleitung für einen stabilen Tunnel, erweiterbar zum Cube gibt’s hier.

Vom Nudelwald in den Cube

Das brauchen Sie:
Für den Nudelwald 2 Kanthölzer (1,50 bis 2 m), 6 bis 10 Schwimmnudeln, Säge; für den Cube Schwimmnudeln, Sprungständer, Dachlatten (jeweils 6 bis 10 Stück), ca. 20 Kabelbinder.

Sägen Sie aus den Kanthölzern Löcher aus. Die Löcher sollten so groß sein wie der Durchmesser der Schwimmnudel.

Für einen einfachen Cube befestigen Sie je eine Dachlatte mit Kabelbindern oben und unten an einem Sprungständer. Der Abstand zwischen Latte und Ständer sollte so groß sein, dass Sie eine Schwimmnudel darin einklemmen können. Die Nudeln befestigen Sie auf unterschiedlicher Höhe (etwa auf Höhe des Fesselgelenks, des Oberarms, des Bauchs und der Rückenlinie Ihres Pferds).

So geht's: Starten Sie als Vorarbeit mit dem Nudelwald. Dafür legen Sie die Kanthölzer mit den Schwimmnudeln zu einer Gasse. Lassen Sie Ihr Pferd die Nudeln rundum erkunden. Führen Sie es dann im Schritt gerade durch den Nudelwald.

Vorsicht: Auf die ungewohnten seitlichen Berührungen reagieren manche Pferde sensibel und springen förmlich über die Nudeln. Fassen Sie daher das Führseil etwas kürzer.

Ist der Nudelwald kein Problem, stellen Sie die Ständer zum Cube auf, also zu einem Rechteck (3 bis 5 Ständer pro Seite). Die Nudeln ragen nach innen. Ihr Pferd darf das Hindernis zuerst in Ruhe erkunden; dann führen Sie es im Schritt gerade darauf zu und hindurch. Nutzen Sie kurz vor dem Cube ein Kommando wie „durch!“. Will Ihr Pferd schneller durchs Hindernis, werden Sie ebenfalls schneller – aber kontrolliert: Ihr Pferd darf nicht durch den Cube hindurch schießen.

Vom Nudelwald in den Cube

Klappt das am durchhängenden Strick? Dann fassen Sie Ihr Pferd am Halfter und gehen auf den Cube zu. Schauen Sie auf die äußere Seite. Gehen Sie außen vorbei und schicken Ihr Pferd mit ausgestrecktem Arm hindurch (Stimmkommando nicht vergessen). Steigerung: Cube im Trab nehmen – oder rückwärts.

Bauanleitung für einen ausgefeilten Cube unter: www.cavallo.de/anleitungen

Ungewohnter Untergrund: Die Planen-Gasse

Das brauchen Sie: Eine beliebige Gewebeplane, ca. 3 x 4 Meter; sie sollte sich farblich vom Boden abheben.

So geht's: Legen Sie die Plane der Länge nach auf den Boden. Sie sollte anfangs etwa 70 cm breit sein. An den Rändern beschweren Sie sie mit Soft-Stangen oder Sand.

Führen Sie Ihr Pferd auf beiden Seiten um die Plane herum. Will es sie erkunden? Darf es! Stellen Sie sich dann zwei Pferdelängen davor auf. Gehen Sie die Planengasse gerade an und mit Ihrem Pferd darüber. Sie treten dabei selbst auf die Plane. Wichtig: Drehen Sie sich nicht zum Pferd um – damit können Sie missverständliche Körpersignale geben und Ihr Pferd irritieren.

Klappt das? Dann legen Sie die Planengasse auf eine Breite von 50 cm. Führen Sie das Hindernis erneut an. Dieses Mal tritt aber nur Ihr Pferd darauf, Sie gehen außen daran vorbei.

Ihr Pferd findet die Plane gruselig? Führen Sie es bis an den Planenrand. Dann touchieren Sie ein Vorderbein oder führen das Bein mit Ihrer Hand nach vorne. Loben Sie Ihr Pferd, wenn es einen Huf auf die Plane stellt. So gehen Sie Huf für Huf vor. Wichtig: jeden Fortschritt loben!

Steigerungsmöglichkeiten: Bleiben Sie in der Gasse stehen. Führen Sie Ihr Pferd bis zum Ende, lassen Sie es dann rückwärts treten. Bewältigen Sie die Plane in Freiarbeit oder im Trab.

Ab in den Reifen-Parcous

Das brauchen Sie: 6 bis 8 gebrauchte Reifen unterschiedlicher Höhen (etwa über Reifenhändler oder Kfz-Werkstatt).

Wichtig: Die Reifen müssen innen so groß sein, dass das Pferd nicht darin hängenbleiben kann – sonst kann es panisch werden. Messen Sie am besten die Hufbreite und -länge Ihres Pferds ab; der Reifen sollte innen etwa doppelt so groß sein. Mit einem scharfen Cutter-Messer können Sie die Reifen vergrößern.

So geht's: Platzieren Sie die Reifen neben- und hintereinander auf dem Boden. Der Abstand zwischen ihnen sollte mindestens eine Hufbreite betragen, zu Beginn des Trainings eher zwei Hufbreiten. Legen Sie zwei Reifen etwas separat; damit starten Sie.

Lassen Sie Ihr Pferd die Reifen von allen Seiten erkunden. Ist es ängstlich, führen Sie es mit immer kleiner werden dem Abstand um die Reifen, bis es gelassen bleibt. Dann können Sie beginnen: Führen Sie Ihr Pferd zuerst über die zwei separat liegenden Reifen. Überlassen Sie es Ihrem Pferd, ob es neben bzw. zwischen die Reifen treten möchte oder direkt hinein. Klappt das mit zwei Reifen, steigern Sie nach und nach die Reifen-Anzahl.

Wichtig: Das Reifen-Training ist eine reine Schritt-Übung! Steigerungsmöglichkeiten: Legen Sie die Reifen nach und nach enger zusammen, bis der Abstand nur eine Hufbreite beträgt. Lassen Sie es frei darüber gehen, oder halten Sie Ihr Pferd im Parcours an und lassen Sie es ein paar Tritte rückwärts gehen.

Stangenarbeit

Das brauchen Sie: bis 8 Sprungstangen (jeweils mindestens 2 m lang, Durchmesser ca. 10 bis 15 cm); besser: Kanthölzer aus dem Baumarkt (Durchmesser ca. 8 cm, mindestens 2 m lang), Dualgassen oder Softstangen. So geht's: Legen Sie die Stangen zunächst in einer Reihe hintereinander. Der Abstand sollte ungefähr 50 cm betragen. Bei Pferden, die noch keine Stangenarbeit kennen, starten Sie zunächst mit zwei Stangen und steigern die Anzahl nach und nach. Führen Sie Ihr Pferd auf jeder Seite einmal herum, lassen Sie es die Stangen gegebenenfalls untersuchen.

Kreuz und quer: Ab ins kreative Stangen-Mikado

Stellen Sie sich mit Ihrem Vierbeiner dann zwei Pferdelängen vor dem Hindernis auf und gehen Sie im Schritt gerade über die Stangen. Hebt Ihr Pferd fleißig die Beine? Dann legen Sie ein Mikado, also die Stangen kreuz und quer durchund übereinander. Der Abstand muss ausreichend groß sein, damit das Pferd dazwischen treten kann. Lassen Sie es nur im Schritt darüber gehen; in schnelleren Gangarten ist die Gefahr groß, dass es stolpert.

Wichtig: Verwenden Sie fürs Mikado nur Stangen, die nicht wegrollen, wie etwa Kanthölzer, oder solche, die nachgeben, wenn ein Pferd darauf tritt! Sonst besteht Verletzungsgefahr.

Steigerungsmöglichkeiten: Lassen Sie das Pferd über einer Stange anhalten. Nutzen Sie dafür nur Ihre Körpersprache (Oberkörper dafür leicht zurücknehmen, ausatmen) und ein Haltkommando wie „Steh“.

Auf dem Balancier-Steg

Das brauchen Sie: zwei Paletten oder mehr; Holzplatte (so lang wie alle Paletten hintereinander); Teppich, Kunstrasen oder Gummiboden; Verbindungs-Lochblech; Schrauben, Akku-Schrauber; Brett (1 x 2m).

Legen Sie die Paletten hintereinander. Verbinden Sie sie mit dem Lochblech an den Seiten, sodass sie sich nicht verschieben können. Holzplatte oben drauf legen und mit den Paletten verschrauben. Anschließend Belag (etwa Teppich) auflegen (idealerweise an den Rändern umschlagen) und diesen mit Tacker oder Schrauben befestigen. So geht's: Legen Sie zwei Stangen parallel zu einer Gasse. Geht Ihr Pferd ruhig hindurch? Dann lassen Sie es im Schritt übers Brett gehen. Klappt auch das, kommen die Paletten an die Reihe.

Führen Sie Ihr Pferd auf beiden Seiten vorbei und lassen Sie es den Steg erkunden. Stellen Sie sich dann mit zwei Pferdelängen Abstand mittig vor den Steg. Gehen Sie gerade darauf zu und schicken Sie Ihr Pferd im Schritt darüber. Wichtig: Geben Sie ein Stimmkommando wie „Hoch“, wenn das Pferd aufsteigen soll.

Und wenn es nicht aufsteigen will? Gehen Sie Schritt für Schritt vor: Lassen Sie das Pferd zuerst nur einen Vorderhuf darauf setzen (Vorderbein touchieren, mit der Hand nach vorn zupfen oder führen). So erarbeiten Sie sich Huf für Huf. Jeden Fortschritt loben! Steigerungsmöglichkeiten: Einen Halbreifen (siehe Tunnel) auf den Steg stellen, Steg verlängern oder erhöhen. Achten Sie dabei aber stets auf Ihre Sicherheit und die Ihres Pferds!
Mehr zu dieser Fotostrecke: So geht Agility für Pferde: Tipps für Aufgaben